Wärmepumpe im Fachwerkhaus: Ganz große Nummer

16.07.2026 Lesedauer: min Minh Duc Nguyen

Ansicht des Hauses von Praxistester Marco Schnorbus.

Demut. Wenn Marcos sein Gefühl vor der energetischen Sanierung seines Hauses mit einem Wort beschreiben müsste, dann käme dieser Begriff schon ziemlich nah dran. Das ist verständlich, stand er doch vor einer buchstäblich riesigen Herausforderung, ein unter Denkmalschutz stehendes Vierständerhaus energetisch in die heutige Zeit zu überführen. Als wäre es nicht schon anspruchsvoll genug, liegt das 1870 erbaute und 300 Quadratmeter große Haus mehr als 220 Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt. Was ihn dazu gebracht hat, es doch anzugehen und wie zufrieden er nach einem Jahr ist, verrät Marco hier.

Warum hast du dich für die Optimierung deines Hauses entschieden?

Die Entscheidung war alternativlos. Die alte Gas-Brennwerttherme (Baujahr um 2000/2001) fiel nach und nach aus, eine neue Heizung musste her. Da am Standort im Wendland keine Fern- oder Nahwärme verfügbar ist, blieb entweder der Verbleib im Gasnetz mit allen absehbaren Kostenrisiken oder der Umstieg auf eine Wärmepumpe. Ich habe mich für die Wärmepumpe entschieden, und das hat direkt eine zweite Entscheidung erzwungen: Ein Haus von 1870 hält die Wärme ohne Verbesserung der Gebäudehülle nicht im Haus. Deshalb war für mich klar, dass ich das integrativ angehen muss, also Gebäude und Heiztechnik gemeinsam planen und nicht getrennt voneinander behandeln.

„Mein Tipp: Nicht jede Kilowattstunde um jeden Preis einsparen, sondern ein stimmiges Gesamtpaket im Budget zusammenstellen. Außerdem sollte man die ‚Sowieso-Kosten‘ von echten Modernisierungskosten sauber trennen.“ – Marco Schnorbus

Testimonial-Bild von Marco Schnorbus.

Was hat gut funktioniert – und was nicht?

Gut funktioniert hat die Zusammenarbeit mit dem zweiten Energieberater-Team. Die beiden haben das Haus sehr detailliert aufgenommen, jeden Winkel vermessen, jede Wand abgeklopft, und daraus präzise, kosteneffiziente Vorschläge abgeleitet. Nicht funktioniert hat die Zusammenarbeit mit dem ersten Energieberater: guter erster Termin, dann Erkrankung, danach keine Erreichbarkeit mehr, der Prozess kam nicht zum Abschluss, obwohl der Förderantrag für die Beratung schon lief.

Sehr gut war auch die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Handwerksbetrieben, die alle aus dem näheren Umfeld kommen und sehr engagiert mit vielen eigenen guten Ideen ans Werk gegangen sind. Ich habe mich zu jedem Zeitpunkt gut beraten gefühlt, sowohl von der Energieberatung im Prozess als auch von den Handwerker*innen.

Sehr wertvoll war zum Beispiel der Hinweis der Energieberater zu den Fenstern. Wir haben die Fenster saniert, statt sie auszutauschen. Dadurch haben wir über 20.000 Euro gespart.

Der Windfang war eine sehr einfache, aber hocheffektive Maßnahme, die zudem auch schön ist. Bei der Ausführung der verschiedenen Arbeiten war ich stark vom Terminplan der Handwerksbetriebe abhängig. Das hat öfter dazu geführt, dass ich eigene Termine über den Haufen werfen musste, um zur Baustelle zu fahren. Knapp 230 km.

Letztlich hat uns der kalte Winter bei der PV-Anlage einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier mussten wir lange auf die Umsetzung warten.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Fachwerkhaus, Baujahr 1870, mit 300 qm beheizter Wohnfläche (3 Wohneinheiten)
  • Heizlast vorher: 40 kW (Nennleistung der alten Gastherme, kein direkter Rückschluss auf Heizlast möglich)
  • Heizlast nachher: 16 kW
  • 17 kW Split-Luft-Wärmepumpe: monovalenter Betrieb
  • 18,4 kWp Photovoltaikanlage (Ost-West-Ausrichtung) plus 22,5 kWh Batteriespeicher
  • Bestehende Flachheizkörper, teilweise ergänzt mit Lüftern zur Leistungssteigerung
  • Zwei separate Speicher: Trinkwarmwasser auf 48,5 °C und Pufferspeicher

Was hat dich verunsichert oder sogar frustriert?

Verunsichert hat mich vor allem die Lücke zwischen theoretischem Wissen und praktischer Umsetzung. Durch meine Arbeit kenne ich viele Fälle und die fachlichen Grundlagen. Trotzdem blieben in der eigenen Praxis einige Fragen offen, die ich nicht selbst beantworten konnte. 

Konkret frustrierend war der Ausfall des ersten Energieberaters, der den Prozess merklich verzögert hat. Als größte grundsätzliche Herausforderung würde ich aber den zeitlichen Aufwand nennen: Das Projekt lief neben zwei weiteren großen Vorhaben und meiner normalen Arbeit, hinzu kam die Fahrzeit zur Baustelle.

Natürlich hat mich die Sorge getragen, ob am Ende alles so funktionieren würde, wie wir es geplant haben. Immerhin ging es sowohl finanziell als auch organisatorisch nicht um Kleinigkeiten. Da brauchte es – ohne praktische Erfahrung – ein bisschen Vertrauen in die eigene Planungsfähigkeit.

Ein Mann steht mit seiner Tochter auf dem Arm vor seinem Haus und guckt sich dieses an. Man sieht Photovoltaikanlagen auf dem Dach.

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Wie hast du dich im Vorfeld informiert?

Der erste Schritt war der ModernisierungsCheck von co2online. Er hat mir einen ersten Überblick über sinnvolle Maßnahmen und die grobe Finanzierung gegeben. Parallel dazu habe ich seit etwa 2012 lückenlos Zählerstände erfasst, um den Verbrauch je nach Jahreszeit und Anwesenheit genau zu kennen. Das war die Grundlage für mein eigenes Monitoring. Für die Suche nach einem passenden Energieberater habe ich die Energieeffizienz-Experten-Liste der DENA sowie die Energieberater-Suche des GIH genutzt. Vorab habe ich Gespräche geführt, um neben der fachlichen Passung auch die persönliche Sympathie zu prüfen.

Natürlich habe ich auch die Familie vorab zur Investitionsbereitschaft befragt. Auch das musste gut vorbereitet werden.

Wie zufrieden bist du mit deiner Entscheidung?

Die messbaren Ergebnisse sprechen für diese Entscheidung: Die zum Heizen benötigte Energie ist um bis zu 70 Prozent gesunken. Kein Gasanschluss und kein Gasverbrauch mehr. Der Stromverbrauch ist im Winter erwartungsgemäß gestiegen, seit Inbetriebnahme der PV-Anlage gibt es aber nahezu keinen Netzbezug mehr. Ich habe bewusst kein Passivhaus angestrebt, sondern ein Haus von 1870 in einem deutlich besseren energetischen Zustand. Das war das realistische Ziel und es funktioniert genau so. Zudem ist alles gut gelaufen und meine Planung ist aufgegangen. Vor diesem Hintergrund bin ich mehr als glücklich über den Ablauf.

Was empfiehlst du anderen Hausbesitzer*innen?

Mein zentrales Prinzip war Kosteneffizienz statt Perfektion: Nicht jede Kilowattstunde um jeden Preis einsparen, sondern ein stimmiges Gesamtpaket im Budget zusammenstellen und Maßnahmen nach dem Verhältnis von Kosten zu Wirkung auswählen. Bei der Energieberater-Wahl empfehle ich, mehrere anzufragen und auf Vertrauen und Sympathie zu achten, da diese Person finanziell folgenreiche Entscheidungen vorbereitet. Wichtig ist außerdem, Sowieso-Kosten (ohnehin fällige Instandhaltung) von echten Modernisierungskosten sauber zu trennen und bei der Auslegung der Wärmepumpe die durch Dämmmaßnahmen sinkende Heizlast von Anfang an mitzuplanen.

Absolut wichtig: Frühzeitiges Verbrauchs-Monitoring hilft bei der Planung und beim Nachweis und zeigt schnell, wie erfolgreich eine Sanierung tatsächlich gelaufen ist. Falls möglich: Die Reihenfolge der Maßnahmen strategisch denken, nicht nur nach der Verfügbarkeit der Handwerker*innen.

Minh Duc Nguyen

Über den Autor

Minh Duc Nguyen

Minh Duc Nguyen ist seit 2020 Teil der co2online-Redaktion. Er ist besonders vertraut mit dem Thema Heizung im Allgemeinen, sowie Fernwärme und Wärmepumpe im Besonderen. Darüber hinaus gehört der Bereich staatliche Fördermittel für Wohngebäude zu seiner Expertise.

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