Hochwasserschutz fürs Haus: Maßnahmen, Versicherungen, Tipps

Spätestens seit der Flut-Katastrophe im Ahrtal im Juli 2021 ist vielen Hausbesitzer*innen bewusst geworden, dass sie sich mit dem Thema Hochwasserschutz auseinandersetzen müssen. Neben Vorsorge-Maßnahmen am Haus sind auch der richtige Versicherungsschutz und das korrekte Verhalten im Schadensfall wichtig.

ModernisierungsCheck

Sie wollen ihr Eigenheim vor Hochwasser schützen? Finden Sie heraus, welche ergänzenden Modernisierungsmaßnahmen dazu passen.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Keller als größte Schwachstelle
  • Drainage nur bei älteren Häusern sinnvoll
  • Basistarife der Gebäudeversicherung decken Hochwasserschäden nicht ab
  • Hochwasserschutz beim Neubau einplanen

Hochwasserschutz Keller

Ihr Keller ist die größte Schwachstelle Ihres Hauses, wenn es um Hochwasser geht. Er ist in der Regel als erstes betroffen und wird schnell überflutet. Wenn es stark regnet, stellt das Grundwasser eine zusätzliche Gefahr dar. Das Wasser wird dann nach oben gedrückt und kann durch ungesicherte Rohre im Keller entweichen.

Wenn ein Keller überflutet wird, entstehen oft große Schäden, etwa, weil dort gelagerte Gegenstände beschädigt werden. Besonders gefährdet ist auch die Heizungsanlage. Befindet sich zum Beispiel eine alte Ölheizung im Keller, kann Öl auslaufen und Schäden an Haus und Umwelt verursachen.

Hochwasserschutz Kellerfenster

Normale Fenster halten dem Druck des Hochwassers nicht lange stand. Hier bringen nur bauliche Maßnahmen mehr Sicherheit.

  • Rüsten Sie Kellerfenster und Lichtschächte mit Abdeckungen oder Klappen aus.
  • Bauen Sie Fenster ein, die sich nach außen öffnen, damit das Wasser auf das Glas drückt und die Dichtung verstärkt.
  • Kleine Mauern vor den Fenstern bieten zusätzlichen Schutz bei geringem Hochwasser.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt für gefährdete Gebiete den Einbau wasserdichter- oder -beständiger Fenster.

Hochwasserschutz mit Rückstauverschluss

Bei starkem Regen kann das Abwassersystem schnell an seine Grenzen stoßen. Steigt das Wasser im Kanal bis zur sogenannten Rückstauebene, fließen Regen, Abwasser und Fäkalien zurück ins Haus. Eine Rückstauklappe ist ein wirksames Mittel, um das Eindringen von Abwasser zu verhindern.

Eine Rückstauklappe wird waagerecht eingebaut und verhindert, dass das Abwasser aus einem Bodenablauf oder dem Abfluss ins Haus zurückfließt und dort austritt. Wenn es nicht möglich ist, die Klappe waagerecht einzubauen, ist ein Rückstauventil eine Alternative, das auch senkrecht verlaufende Rohre schützt.

Wenn Sie in Regionen leben, die zu Überschwemmungen und starken Regenfällen neigen, ist der Einbau einer solchen Klappe sehr sinnvoll. Sie kann in der Regel auch problemlos nachgerüstet werden.

Kosten für Rückstauklappen

Rückstauklappen sind bereits für 25 Euro erhältlich, können je nach Technik und verbauter Elektronik aber auch weit über 1.000 Euro kosten – Installationskosten nicht mitgerechnet. Lassen Sie sich hier unbedingt von qualifizierten Sanitärfachleuten beraten.

Was ist eine Drainage?

Die Drainage (oder auch Dränage geschrieben) ist eine Entwässerungsmethode. Sie schützt vor Wasser im Bereich der Kellerwand und sorgt für ein zuverlässiges Versickern von Regen- oder Stauwasser. Dabei werden rund um das Haus Gräben mit Filtervlies, Drainagekies und Rohren angelegt, die das Wasser aus dem Boden sammeln, bündeln und ableiten.

Wenn das natürliche Gefälle der Abwasserrohre nicht ausreicht oder beispielsweise Waschmaschinen im Keller unterhalb der Rückstauebene aufgestellt werden, kann der Einbau einer Entwässerungspumpe notwendig sein. Sie verhindert einen Rückstau und damit das Überfluten des Kellers.

Wann ist eine Drainage sinnvoll?

Eine Drainage kann sinnvoll sein, wenn zum Beispiel durch starke Regenfälle angestautes Sickerwasser nicht abfließen kann. Dies ist vor allem bei bindigen Böden der Fall, etwa bei Ton- oder Lehmböden. Denn wenn das Wasser nicht abfließen kann, erhöht sich der Druck auf die Außenwände Ihres Kellers und Feuchtigkeit dringt ein.

Eine Drainage ist häufig bei älteren Häusern sinnvoll, die bis in die späten 1960er-Jahre gebaut wurden. Diese wurden oft mit einer nicht durchgängigen Bodenplatte gebaut, die einen Angriffspunkt für aufsteigendes Sickerwasser bietet.

Drainage nur von Profis

Eine Drainage ist teuer und zieht regelmäßige Wartungskosten nach sich. Lassen Sie daher von Fachleuten analysieren, ob die Maßnahme für Ihr Haus sinnvoll ist. Auch die Arbeiten sollten Sie nur von Fachleuten durchführen lassen. Denn Fehler bei Planung und Einbau können zu massiven Feuchtigkeitsschäden führen.

Hochwasserschutz mit einer Regenwasserzisterne

Eine Zisterne ist ein Behälter aus Beton oder Kunststoff, der in den Boden eingelassen wird. Er sammelt das Wasser vom Dach und aus anderen Auffangflächen. Da Zisternen bei starken Regenfällen das Wasser schnell aufnehmen können, tragen sie zur Entlastung der Kanalisation bei. Es gibt sie in Größen von 500 Litern bis 100.000 Liter.

Hausbesitzer*innen nutzen Zisternen häufig, um Regenwasser für den Garten oder eventuell auch für den Haushalt (z. B. für Toiletten und/oder Waschmaschine) zu sammeln und zu nutzen – der Hochwasserschutz ist dann eher ein willkommener Nebeneffekt. Je nach Ausführung kosten Regenwasserzisternen 4.000 Euro und mehr, hinzu kommen Wartungs- und Stromkosten für den Betrieb der Zisternenpumpe.

Starkregenschutz durch Gartengestaltung

Ihr Garten kann eine große Hilfe beim Schutz vor Überschwemmungen sein, wenn Sie ihn entsprechend gestalten. In der freien Natur versickert der Regen direkt im Boden. Wenn die Flächen rund um Ihr Haus jedoch versiegelt sind – zum Beispiel durch Betoneinfahrten oder Kiesgärten – kann das Regenwasser nicht in den Boden gelangen. Dies führt bei starken Regenfällen zu Überschwemmungen. Auch die Kanalisation wird schneller überlastet, weil das Wasser dort abläuft, anstatt im Boden zu versickern. Ein natürlich angelegter Garten beugt dem vor.

Welche weiteren Vorteile es hat, versiegelte Fläche in Naturgärten umzugestalten, erfahren Sie in unserem Dossier zum Thema.

Neubau? Hochwasserschutz einplanen

Wenn Sie ein neues Haus bauen und den Hochwasserschutz von Anfang an mit einplanen, ersparen Sie sich das Nachrüsten und sind von Anfang an auf der sicheren Seite. Wenn Sie Ihr neues Haus in einem Risikogebiet bauen, sollten Sie die folgenden Punkte beachten:

  • Flüssigkeitsdichte Kellerfenster
  • Erhöhen des Eingangs- und des Garagenbereichs
  • Einbau eines Rückstauverschlusses
  • Einbau einer Pumpe für Abwässer aus tiefliegenden Bereichen
  • Heizungsanlagen, Öltanks, Holzpellets nicht im Keller oder auf anderen hochwassergefährdeten Etagen einbauen

Denken Sie auch über einen klassischen Gebäudesockel nach. Dadurch wird das Erdgeschoss zum Hochparterre.

Versicherung gegen Hochwasser-Schäden

Überflutete Keller, beschädigte Häuser, zerstörte Möbel und Fahrzeuge – Hochwasserschäden können für die Betroffenen sehr teuer werden. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind 90 Prozent der Hausbesitzer*innen überzeugt, dass sie durch den Abschluss einer Wohngebäudeversicherung ausreichend gegen Überschwemmungen abgesichert sind. Doch die Basistarife der Gebäudeversicherung decken Hochwasserschäden nicht ab.

Für die finanzielle Absicherung ist es daher wichtig, eine sogenannte Elementarschadenversicherung abzuschließen. Dabei handelt es sich um eine Zusatzversicherung, in der Regel eine Erweiterung der Wohngebäude- oder Hausratversicherung. Sie deckt die Kosten für

  • durch Hochwasser notwendige Reparaturen
  • Trockenlegung
  • Abriss (bei Totalschaden)
  • Neubau eines gleichwertigen Hauses

Die Elementarschadenversicherung greift jedoch nur, wenn das Wasser tatsächlich von oben eindringt, also durch Überschwemmungen und Starkregen. Sie greift in der Regel nicht, wenn Grundwasser von unten in das Mauerwerk eindringt.

Hausratversicherung für Möbel und Technik

Während die Wohngebäudeversicherung für Schäden am Gebäude aufkommt, deckt die Hausratversicherung Schäden an beweglichen Sachen ab. Damit sind technische Geräte oder Möbel gemeint.

Wenn Ihr Haus in einem überschwemmungsgefährdeten Gebiet liegt, sollten Sie unbedingt prüfen, welchen Schutz Ihre Versicherung bietet.

Einschätzung des Überschwemmungsrisikos

Die deutschen Versicherer haben ein System zur Einschätzung des Überschwemmungsrisikos entwickelt – das sogenannte Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen, kurz ZÜRS. Es dient der Einschätzung des Überschwemmungsrisikos für bestimmte Regionen und die Häuser dort.

Das ZÜRS teilt die Gebäude in vier Gefahrenklassen ein. Mit dieser Klassifizierung ermitteln die Versicherer den Versicherungsbeitrag der Elementarschadenversicherung.

Tabelle ZÜRS-Gefahrenklassen

Gefahrenklasse (GK)Statistische Risikoeinschätzung zur HochwassergefährdungAnteil in Prozent der bewerteten Gebäude
GK 1nicht als Hochwassergebiet eingestuft92,4 %
GK 2Hochwasser trifft statistisch gesehen mind. einmal alle 100 bis 200 Jahre auf6,1 %
GK 3Hochwasser tritt statistisch mind. einmal in 10 bis 100 Jahren auf1,1 %
GK 4Hochwasser tritt statistisch mind. einmal in 10 Jahren auf

0,4 %

Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft 2021

Schadensfall Hochwasser

Sollte es zu einem Schaden durch Hochwasser oder Starkregen kommen, müssen Sie die Schäden schnell und ausführlich dokumentieren. Auch ist es ratsam, der Versicherung den Schaden möglichst noch am selben Tag zu melden. Zudem besteht die sogenannte Schadensminderungspflicht. Diese besagt zum Beispiel, dass Sie Wertgegenstände wie Möbel in Sicherheit bringen oder Wasser abpumpen müssen.

Autor: Clemens Boekholt

Ansprechpartner für PraxisCheck und Heizen mit Holz

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