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Einblasdämmung: Arten, Kosten & Förderung

Einblasdämmung lässt sich mit wenig Aufwand einfügen, daher sind die Kosten nur gering. Mit Zellulose kommt häufig ein besonders umweltfreundlicher Dämmstoff zum Einsatz. Was es darüber hinaus für Vorteile gibt, ob auch Nachteile bestehen und was man bei der Einblasdämmung beachten muss, haben wir Arnold Drewer, Geschäftsführer des IPeG-Instituts, gefragt.

DämmstoffCheck

Mit dem DämmstoffCheck erfahren Sie nach nur wenigen Eingaben, welche Dämmstoffe sich für Ihr Gebäude eignen.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Einblasdämmung ist kostengünstig und wird gefördert
  • geeignet für Dach, Fassade, Installationsschächte, Geschoss- und Kellerdecken
  • umweltfreundliche Zellulose, Holzfasern und Grasdämmung einsetzbar
  • keine Schimmelgefahr
  • nur mit Einblasmaschine von Fachleuten einzufügen
Portrait Arnold Drewer(c) IpeG-Institut

Arnold Drewer ist seit 30 Jahren im Bereich der Wärmedämmung tätig. Er ist Inhaber und Geschäftsführer des IPeG-Instituts, das sich auf wissenschaftlicher Ebene mit der energetischen Gebäudemodernisierung auseinandersetzt. Außerdem ist er Gründungs- und Vorstandsmitglied des Fachverbands Einblasdämmung. Herr Drewer hat zahlreiche Fachartikel und das Grundlagenwerk „Wärmedämmung – ein Kompass zur Auswahl und Anwendung“ verfasst.

Herr Drewer, können Sie uns in wenigen Sätzen erklären, was Einblasdämmung genau ist und wie sie eingefügt wird?

Einblasdämmung wird die Technologie genannt, bei der mittels luft-betriebener Einblasmaschinen spezielle Einblasdämmstoffe, also lose Granulate mit guten Dämmeigenschaften, in vorhandene Hohlräume im Altbau beziehungsweise extra gefertigte Hohlräume im Neubau eingeblasen werden.

Für welche Dämmmaßnahmen eignet sich Einblasdämmung?

Im Altbau gibt es verschiedene Hohlräume, die für die Einblasdämmung genutzt werden können:

Ein häufiger Anwendungsfall bei bestehenden Gebäuden ist das sogenannte zweischalige Mauerwerk mit innerem Tragmauerwerk und außenliegender Vorsatzschale. Zwischen den beiden Schalen gibt es meist sechs bis zehn Zentimeter Luft, die für die Dämmung genutzt werden können. Auch Holzbalkendecken können zum unbeheizten Spitzboden hin geeignete Hohlräume für die Einblasdämmung haben. Außerdem können die Hohlräume unter Holzfußböden, die auf Balken lagern, genutzt werden, um das Erdgeschoss zum Keller hin mit Einblasdämmung wärmezudämmen. Ausgebaute, nicht gedämmte Dachschrägen, belüftete Flachdächer bei Hochhäusern oder Bungalows sind weitere Optionen für die Einblasdämmung. Auch die Schall- beziehungsweise Trennfugen bei Doppel- und Reihenhäusern können so genutzt werden. Zudem dient es dem Brandschutz, wenn Einblasdämmung in Installationsschächten von Hochhäusern eingesetzt wird.

Nun fragen sich einige Hausbesitzer bestimmt, wie sie herausbekommen können, ob ihr Gebäude geeignete Hohlräume für eine Einblasdämmung hat. Wenn Baupläne vorliegen oder man den Architekten noch direkt fragen kann, ist das eine gute Möglichkeit. Ansonsten kann man es herausbekommen, indem man mit einem langen Bohrer ein Loch in die Außenwand bohrt – ungefähr 20 Zentimeter lang – und bei Holzbalkendecken ein Astloch sucht oder ebenfalls ein Loch bohrt und dort mit einem Zollstock oder mit einem geeigneten schmalen Gegenstand prüft, wie viel Raum dahinter liegt. Sobald es Anhaltspunkte für einen geeigneten Hohlraum gibt, sollte man einen Fachbetrieb anrufen – am besten einen, der auf der Internetseite unseres Verbands empfohlen wird. Die Experten schauen dann vor Ort genauer nach.

Unsere Leser möchten sich häufig über Einblasdämmung für ihr Dach informieren, und zwar sowohl für Dachschrägen als auch für ein Flachdach. Was gibt es dabei zu beachten?

Handwerker befestigt Dämmsack an der Dachschräge.(c) ÖkoPlus AG

Bei ausgebauten, nicht gedämmten Dachschrägen kann vom Spitzboden her ein sogenannter Dämmsack – das ist ein speziell hergestellter Folienschlauch aus einer Dampfbremse innen und einer diffusionsoffenen Folie außen – eingearbeitet werden, der anschließend mit Einblasdämmung ausgeblasen wird.

Beim Flachdach, zum Beispiel in Bungalows, muss auf eine Rest-Hinterlüftung zwischen Einblasdämmung und Dachhaut geachtet werden. Es sollten zusätzliche Dach-Entlüfter eingebaut werden. Dies ist notwendig, da die sogenannte Dachhaut aus wasserdampf-undurchlässigem Bitumen besteht, sodass sich Tauwasser unterhalb des Daches niederschlagen kann. Diese Feuchtigkeit muss weggelüftet werden, damit es nicht zu Schäden kommt.

Verschiedene Dämmstoffe für Einblasdämmung möglich

Welche Dämmstoffe eignen sich für die Einblasdämmung und welcher ist der beste?

Es gibt keinen „besten“ Einblasdämmstoff. Man muss immer die jeweilige Situation berücksichtigen:

Bei der nachträglichen Wärmedämmung von zweischaligem Mauerwerk dürfen nur Dämmstoffe verwendet werden, die hydrophob, also wasserabweisend gefertigt sind. Das wären: Glaswolle WLS 035, Steinwolle WLS 039, Perlite WLS 045, SLS20 WLS 040, Polystyrolkügelchen WLS 033, Biofoam WLS 035 und Gieß-Polyurethan-Schaum WLS 027.

Für andere Einblas-Situationen wie etwa Holzbalkendecken, Dämmsack-Verfahren oder Hochhäuser können auch die folgenden Einblasdämmstoffe eingesetzt werden: Zellulose, Gras-Einblasgranulat, Neptutherm, das ist ein Algen-Dämmstoff aus dem Mittelmeer und Holzfaser-Einblasdämmung.

Diese Produkte sind oft hydrophil – dies macht man sich zu Nutze, wenn Einblasdämmung als Innendämmung eingesetzt wird. Bei einer Innendämmung kann sich nämlich Luftfeuchtigkeit zwischen Mauerwerk und Dämmstoff niederschlagen, die durch den Dämmstoff kapillar nach innen geleitet werden muss, damit es nicht zu Feuchtigkeitsschäden oder Schimmel kommt. Daher kommen bei der Innendämmung nur Wasser-kapillar leitende Dämmstoffe zum Einsatz. (Anmerkung der Redaktion: Kapillarität bezeichnet das Verhalten von Flüssigkeiten, sich aufgrund ihrer Oberflächenspannung durch enge Spalten und Hohlräume zu bewegen.)

Im Holzrahmenbau beim Neubau ist Zellulose oder Holzfaser-Einblasdämmstoff WLS 040 die beste Wahl. Supafil mit der WLS 035 hat hier einen sehr guten Dämmwert. Bei Hochhäusern dürfen nur unbrennbare Produkte wie Glaswolle, Steinwolle und SLS20 eingesetzt werden. Bei der nachträglichen Verfüllung von Installationsschächten darf hingegen nur Steinwolle mit entsprechender Zulassung genutzt werden.

Können Sie uns noch mehr über die Nutzung von Zellulose bei der Einblasdämmung sagen? Das ist ja ein besonders umweltfreundlicher Dämmstoff.

Zellulose ist ein Recycling-Produkt auf der Basis von recyceltem Zeitungspapier. Zur Herstellung dieses Materials wird fast keine Energie benötigt, außerdem stellt das Produkt einen „CO2-Speicher“ dar, denn es bindet das klimaschädliche Treibhausgas, sodass es keine Schäden in der Atmosphäre verursachen kann. Darüber hinaus ist Zellulose hydrophil und kapillaraktiv, was bedeutet, dass es Wasser speichert und dieses auch weiterleiten und wieder abgeben kann, ohne dass es zu Feuchteschäden kommt. Zellulose ist der preiswerteste Dämmstoff am Markt überhaupt. Er gilt zudem als unbedenklich für die Gesundheit. Das gilt genauso für Holzfasern und Grasdämmung, die ebenfalls umweltfreundlich und gesundheitlich unbedenklich für die Einblasdämmung nutzbar sind.

Einblasdämmung: Geringe Kosten, kein Schimmel, wenige Nachteile

Und wie sieht es mit den Kosten für Einblasdämmung aus? Gibt es Fördermittel?

Alle beschriebenen Einblas-Dämmverfahren sind erheblich preiswerter als herkömmliche Dämmverfahren, also beispielsweise die Installation von Matten- oder Platten-Dämmstoffen. Die Kosten sind bis zu zehnmal niedriger. Die nachträgliche Kerndämmung von zweischaligem Mauerwerk beispielsweise wird von der KfW gefördert, wenn der Dämmstoff eine Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/mK (Watt je Meter x Kelvin) oder kleiner hat. Dies gilt beispielsweise für Glaswolle und Polystyrol-Kügelchen. Bei der nachträglichen Dämmung der Dachschrägen oder der oberen Geschossdecke, welches das preiswerteste und effizienteste Dämmverfahren überhaupt ist, sollte eine Dämmdicke von mindestens 30 Zentimetern erreicht werden. Das wird von der KfW mit zehn Prozent der Investitionssumme gefördert
(Anmerkung der Redaktion: weitere Informationen zu Fördermöglichkeiten erhalten Sie im Artikel „Förderung der Wärmedämmung" und im FördermittelCheck).

Welche Vorteile und Nachteile gibt es Ihrer Erfahrung nach bei der Einblasdämmung?

Vorteile sind: Die Einblasdämmung ist äußerst preiswert und damit sehr effizient. Sie wird in Deutschland schon seit über 40 Jahren erfolgreich eingesetzt. Außerdem werden Hinterlüftungseffekte in den Gebäudeteilen vermieden. Wird nämlich eine Außendämmung auf eine hinterlüftete Wand gebracht, wäre diese nahezu wirkungslos, da sich hinter der Dämmung dann immer noch kalte Luft befindet. Ähnliche Effekte treten bei der oberseitigen Dämmung von belüfteten Holzbalkendecken auf.

Mit Nachteilen oder Problemen haben wir bei der Einblasdämmung keine Erfahrungen gemacht. Es wird dafür natürlich zunächst eine Einblasmaschine benötigt, aber damit ist die Anbringung für einen entsprechenden Fachmann dann einfach.

Kann Schimmel bei Einblasdämmung zum Problem werden?

Nein! Nicht, wenn der Verarbeiter sich an die Einbau-Vorschriften der Hersteller hält und nur Produkte verwendet, die für den jeweiligen Einbau zugelassen sind. Leider gibt es Firmen, die Zellulose in zweischaliges Mauerwerk einblasen. Das ist eine Katastrophe, denn das Produkt ist dafür nicht zugelassen und auch nicht geeignet! Zellulose, in zweischaliges Mauerwerk eingeblasen, würde nämlich Wasser von der Außenschale zur Innenschale transportieren. Schimmel und Zerstörung des Mauerwerks können die Folge sein.

Wenn sie richtig angebracht wird, erhöht Einblasdämmung – ebenso wie fast alle anderen Dämmverfahren – die Oberflächentemperaturen der Bauteile. So werden kalte Stellen, an denen Wasser kondensieren kann, vermieden. Dämmung wirkt also Schimmel-präventiv.

Einblasdämmung hat großes Potenzial – aber nicht zum Selbermachen

Kann man Einblasdämmung auch selber machen oder sollte man dafür immer Experten und Fachhandwerker beauftragen?

Man kann Einblasdämmung nicht selber anbringen. Zum einen fehlt einem ja die Einblasmaschine, zum anderen ist in der bauaufsichtlichen Zulassung geregelt, dass die Produkte nur von Personen eingebaut werden dürfen, die eine entsprechende Schulung genossen haben. Man kann aber fragen, ob man mithelfen darf. Möglichkeiten dafür wären das Einrichten der Baustelle, das Einwerfen des Materials in die Verblas-Maschine oder das anschließende Säubern der Baustelle. Damit kann man zudem Geld sparen.

Was gibt es noch zu beachten bei der Einblasdämmung? Haben Sie weitere Hinweise für unsere Leser?

Einblasdämmung ist eine äußerst preiswerte Technologie, mit der zusätzlich auch Hinterlüftungseffekte in der Außenschale eliminiert werden, also Luftbewegungen in Wand, Dach oder Decke. Das Verfahren ist geeignet, bis zu zwei Milliarden Quadratmeter Gebäudefläche in Deutschland bauphysikalisch korrekt und kostengünstig nachträglich zu dämmen. Weitere Informationen stellt der 2015 gegründete Fachverband Einblasdämmung e.V. (FVED) zur Verfügung.

Dieses Interview haben wir im Juni 2018 geführt.

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