Heizung, Strom und Mobilität als Ganzes!
Für Tobias gilt: Alles oder Nichts

27.07.2026 Lesedauer: min Jendra Hinrichs

Praxistester Tobias Heinze in seinem Keller.

Wärmpumpen sind in Schweden längst Standard. Dies möchte Tobias Heinze jetzt auch nach Lippe bringen! Seine Motivation ist: Er möchte fossilfrei leben- und zwar so richtig. Mit Heizung, Strom und Mobilität. Deswegen hat er sich dazu entschieden, sein Haus komplett energetisch zu sanieren. Wie er das gemacht hat, hat er uns erzählt.

Auf einen Blick

Fossilfrei wohnen UND fahren – bei uns gelebter Alltag: seit 2011 Heizen mit Erdwärme, seit 2017 elektrisch unterwegs, Strom vom eigenen Dach.

Ersparnis: rund 230 € weniger Stromkosten pro Monat gegenüber vorher (bevor die PV Anlage installiert wurde) – plus die eingesparten Spritkosten für zwei E-Autos mit ca. 12.000 zu Hause geladenen Kilometern Fahrleistung (größtenteils Sonnen-Überschuss). Unsere rund 14.000 kWh im Jahr decken Haushalt, komplette Wärme, Warmwasser und die Autos. Keine Gasrechnung, keine Tankrechnung.

Fördersumme: Batteriespeicher (1.200 €) und Wallboxen (1.500 €) gebündelt mit PV Installation damals über progres.NRW gefördert. Das erste E-Auto 2017 noch mit 2.000 € Umweltbonus.

Highlights: 14,2 kWp Photovoltaik (Ost/West) und ein E3/DC-Hauskraftwerk mit echtem Notstrom-/Inselbetrieb, Erdwärme im Haus von 1912, über 250.000 elektrische Kilometer – und Autos, die automatisch reinen Sonnenstrom vom eigenen Dach tanken.

Warum hast du dich für die Komplettsanierung deines Hauses entschieden?

Unser Zuhause ist ein Bestandsgebäude von 1912 – Charme ja, energetisch aber eine echte Großbaustelle. Als wir es 2011 saniert haben, war für mich klar: Wenn schon, dann richtig und mit Blick nach vorn. Mein Ziel war von Anfang an, möglichst „fossilfrei“ zu leben – also nichts mehr zu verbrennen, weder fürs Heizen noch fürs Fahren.

Dazu kommt eine persönliche Note: Ich bin Halbschwede. In Schweden ist das Heizen mit der Wärmepumpe seit Jahrzehnten völlig normal – kein Reizthema, sondern gelebter Alltag. Diese Selbstverständlichkeit habe ich mir mit nach Lippe genommen; die Technik war mir nie fremd.

Für mich war die Sanierung deshalb nie nur „neue Heizung“, sondern der erste Baustein eines Gesamtkonzepts: Erdwärme für Heizung und Warmwasser (von Anfang an mit einem Ökostrom Tarif), später Photovoltaik und Batteriespeicher für den eigenen Strom – und damit die Grundlage, auch mobil ganz ohne Sprit auszukommen. Genau da liegt heute das Spannendste: Mein eigener Sonnenstrom tankt die Autos.

„Heizung, Strom und Mobilität gehören zusammen. Wer Wärmepumpe, PV, Speicher und Wallbox gemeinsam plant, holt am meisten heraus!“ – Tobias Heinze

Was hat gut funktioniert – und was nicht?

Das Beste vorweg: Strom, Wärme und Mobilität laufen bei uns in EINEM System zusammen – dem E3/DC-Hauskraftwerk. Photovoltaik (14,2 kWp, Ost/West), Hausbatterie und Wallbox sind darin intelligent verbunden. Das klingt technisch, fühlt sich im Alltag aber herrlich einfach an.

Wärme & Warmwasser: Die Erdwärme-Wärmepumpe holt die Energie aus dem Erdreich – wir haben dafür rund 1.400 m Sole-Leitung „in die Breite“ verlegt, statt tief zu bohren – und lädt damit unseren Wärmespeicher (800 Liter). Daraus kommen Heizung und Warmwasser. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmetauscher hält beim stetigen Lüften rund 90 % der Wärme im Haus, die mineralische Dämmung tut den Rest. Das läuft seit 2011 zuverlässig: kein Schornstein, wir verbrennen schlicht nichts.

Mobilität – und hier wird es für mich am spannendsten: Scheint die Sonne und ist die Hausbatterie voll, startet die Wallbox automatisch das Laden der Autos. Ich stecke abends einfach den Stecker ein, am nächsten Tag tankt das Auto von selbst reinen Sonnenstrom. So sind über die Jahre 250.000 elektrische Kilometer zusammengekommen – vom ersten Renault Zoe (2017, fast fünf Jahre nur an der Schuko-Steckdose!) über ein Tesla Model 3, dann Model Y bis heute zum VW ID. Buzz und einem Fiat 500e in der Familie. Natürlich sind nicht alle 250.000 km zu Hause geladen worden – auf zahlreichen Dienst- und Urlaubsfahrten wird am Schnelllader geladen. Und mein Dienstfahrzeug manchmal auch an meinem Firmenstandort statt zu Hause.

Die Elektromobilität funktionierte für uns von Anfang an perfekt – wir fahren meistens drei Mal im Jahr nach Schweden (seit 2019 mit der Anschaffung des Teslas nur noch elektrisch) und waren auch sonst schon praktisch überall in Europa unterwegs – ob Portugal, Spanien oder Norwegen.

Was weniger rund lief: das Bürokratie-Monster. Die Anmeldeprozeduren und gerade die Mehrwertsteuer auf den Eigenverbrauch in den ersten Jahren waren wirklich nervig – technisch ist längst alles gelöst, der Papierkram hinkt hinterher. Und Ost/West-Dächer sind nicht das theoretische Optimum, in der Praxis aber top, weil sich die Erträge schön über den Tag verteilen. Dazu musste ich mich zunächst selbst informieren und schlau machen – alle Berater wollten mir damals immer nur zu Süd raten, obwohl unser Süd-Dach phasenweise stark verschattet ist.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • seit 2011 Heizen mit Erdwärme, seit 2017 elektrisch unterwegs, Strom vom eigenen Dach
  • nach der Modernisierung rund 230 € weniger Stromkosten pro Monat plus die eingesparten Spritkosten für zwei E-Autos mit ca. 12.000 zu Hause geladenen Kilometern Fahrleistung (größtenteils Sonnen-Überschuss)
  • 14.000 kWh im Jahr decken Haushalt, komplette Wärme, Warmwasser und die Autos
  • Förderung: Batteriespeicher (1.200 €) und Wallboxen (1.500 €) gebündelt mit PV Installation und das erste E-Auto 2017 mit 2.000 € Umweltbonus
  • 14,2 kWp Photovoltaik (Ost/West) und ein E3/DC-Hauskraftwerk mit echtem Notstrom-/Inselbetrieb, Erdwärme im Haus von 1912, über 250.000 elektrische Kilometer

Was hat dich verunsichert oder sogar frustriert?

Verunsichert war ich ehrlich gesagt selten – von der Technik war ich von Anfang an überzeugt. Frustrierend waren eher die Widerstände drumherum.

Beim allerersten E-Auto 2017 – ich war damals das 81. E-Auto in ganz Lippe (unser Landkreis mit ca. 350.000 Einwohnern) – wollte mich das Autohaus gar nicht erst beraten. Probefahrt nicht möglich, „nicht die Antriebsart der Zukunft“, hieß es. Heute schmunzle ich darüber.

Dazu der erwähnte Papierkram und unsinnige Regeln wie die frühere 10-kWp-Peak-Grenze (inzwischen auf 30 kWp angehoben). Und natürlich die öffentliche Debatte, in der Wärmepumpe und E-Auto regelmäßig zerredet werden – während beides bei uns seit Jahren einfach läuft. Wer fossilfrei lebt, ist manchmal eben früher dran als die Schlagzeilen.

Wie hast du dich im Vorfeld informiert?

Sehr gründlich – und vor allem aus echtem Eigeninteresse, ich bin da der typische Tüftler. Für das Herzstück, das E3/DC-Hauskraftwerk aus Osnabrück, habe ich lange recherchiert und verglichen, bis ich überzeugt war: PV-Wechselrichter, Batterie und Wallbox in einem System, mit echtem Inselbetrieb und Überschussladen.

Dazu Fachartikel, Hersteller-Infos, der Austausch mit anderen „Praktikern“ – und viel eigenes Ausprobieren. Aus diesem Dokumentieren ist über die Jahre mein Blog tinyfootprint.de entstanden, auf dem ich seit über zehn Jahren genau diesen Weg beschreibe, damit andere nicht jedes Lehrgeld selbst zahlen müssen. Vergleichswerkzeuge wie der Heizspiegel helfen zusätzlich, die eigenen Zahlen realistisch einzuordnen.

Ein Mann steht mit seiner Tochter auf dem Arm vor seinem Haus und guckt sich dieses an. Man sieht Photovoltaikanlagen auf dem Dach.

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Wie zufrieden bist du mit deiner Entscheidung?

Rückblickend eine der besten Entscheidungen überhaupt. Wir heizen seit 2011 mit Erdwärme, fahren seit 2017 elektrisch, und unser Dach versorgt Haus und Autos mit eigenem Strom. „Fossilfrei wohnen und fahren“ ist kein Versprechen mehr, sondern unser Alltag.

Auch wirtschaftlich geht die Rechnung auf: Unsere 12.000 bis 14.000 kWh im Jahr decken Haushalt, komplette Wärme, Warmwasser UND (zu einem Großteil) die Autos – wir haben keine Gas- und keine Tankrechnung. Unterm Strich sparen wir gegenüber vorher (bevor wir die PV hatten) ca. 230 € im Monat an Stromkosten. Dazu die niedrigen Betriebskosten der E-Autos (lange steuerfrei, kaum Verschleiß, günstige Inspektion usw.). Mit unserem dynamischen Stromtarif laden wir den Rest sogar gezielt dann, wenn der Strom am günstigsten ist.

Auch schon vor der PV-Installation hatten wir – verglichen mit Gasheizung und zwei Verbrennern – niedrige Kosten: Statt teurem Gas und Sprit lief alles über Strom, den Wärmeanteil über den günstigen Wärmepumpentarif.

Unsere Energiekosten heute inkl. PV und Speichernutzung gesamt: rund 116 € im Monat (Bilanz 2025) für alles — Heizung, Warmwasser, Haushaltsstrom und zwei E-Autos. Kein Gas, kein Öl, keine Tankrechnung. Über die Jahre haben wir damit über 350.000 kWh Erdgas und viele Tonnen CO2 eingespart. 

Was empfiehlst du anderen Hausbesitzer*innen?

Drei Dinge lege ich jedem ans Herz:

1. Denkt das Ganze als System. Heizung, Strom und Mobilität gehören zusammen. Wer Wärmepumpe, PV, Speicher und Wallbox gemeinsam plant, holt am meisten heraus – und kann sein Auto irgendwann mit dem eigenen Sonnenstrom tanken. Und: Bei der PV Planung nicht zu klein denken! Den Fehler machen einige – man baut erst mal nur eine kleine Anlage aufs Dach und evtl. einen kleinen Batteriespeicher („reicht ja für den bisherigen Stromverbrauch …“), aber dann kommen später noch Wärmepumpe, Klimaanlage, Elektroauto usw. dazu und die Anlage ist zu klein.

2. Fangt an, statt auf die perfekte Lösung zu warten. Unser Haus ist von 1912, das Dach geht nach Ost/West, die Technik war 2011 noch Pionierkram – und trotzdem funktioniert alles bestens. Auf den optimalen Moment muss niemand warten.

3. Nutzt Förderung und rechnet ehrlich. Wir haben PV, Speicher und Wallboxen gebündelt gefördert bekommen (bei uns über progres.NRW). Die Investition amortisiert sich – und jede Kilowattstunde vom eigenen Dach macht ein Stück unabhängiger von Gas, Öl und schwankenden Preisen. Und heute gibt es für Wärmepumpen ja noch viel bessere Fördermöglichkeiten!

Und ganz persönlich: Habt keine Angst vor der Technik. In Schweden ist die Wärmepumpe seit Jahrzehnten Normalität, Gas spielt zum Heizen in dem Land faktisch keine Rolle – das kann hier genauso sein. Bei uns läuft sie seit 15 Jahren einfach im Hintergrund: leise, zuverlässig, unaufgeregt.

Illustration eines Stiftes

Über die Autorin

Jendra Hinrichs

Jendra Hinrichs ist bei co2online seit 2025 als Werkstudentin im Content-Team tätig. Sie unterstützt die Redaktion mit Recherchen, verfasst eigene Artikel und aktualisiert bestehende Inhalte auf der Website.

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