Eine Wärmepumpe, 20 Jahre Betrieb: ein Serviceeinsatz

11.06.2026 Lesedauer: min Minh Duc Nguyen

Haus von Praxistester Hansjörg Putt, frontale Ansicht.

„Gut Ding will Weile haben“, „Gut vorbedacht ist schon halb gemacht“ oder „Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut“. Wenn man Hansjörgs Sanierungsgeschichte in einem Satz zusammenfassen müsste, dann wäre einer dieser Redewendungen ein guter Anfang, hat er doch über ein Viertel Jahrhundert lang sich dem Thema gewidmet. Mit Gemächlichkeit hat dies nichts zu tun, eher mit Sorgfalt und dem Willen, möglichst viel richtig zu machen. Ob Hansjörg jetzt zufrieden ist mit der energetischen Sanierung im Allgemeinen und mit dem Betrieb einer Wärmepumpe im Besonderen ist, verrät er hier.

Warum hast du dich für eine Komplettsanierung deines Hauses entschieden?

Seit mehr als 25 Jahren beschäftige ich mich mit der energetischen Sanierung meines Hauses. Für mich war von Anfang an wichtig, nicht einzelne Maßnahmen isoliert zu betrachten, sondern das ganze Haus als ein energetisches Gesamtsystem zu sehen. Wenn etwas verändert wird, gibt es Auswirkungen auf andere Bereiche. Deshalb habe ich meine Sanierung Schritt für Schritt geplant und step-by-step umgesetzt.

Heute kann ich sagen: Diese Herangehensweise hat sich bewährt. Die Hüllenisolation war Basis, die Wärmepumpe läuft seit über 22 Jahren und die PV-Anlage ergänzt den CO2 armen Energiebezug. 

Mein Einfamilienhaus wurde 1965 gebaut. Energiesparen spielte damals beim Bauen praktisch keine Rolle. Die Außenwände bestehen aus Bims-Hohlblocksteinen mit rund 30mm Luftdämmung und Vollklinkern. Die Decken sind aus 200 Millimeter starkem Stahlbeton. Das Dach war nicht gedämmt und wurde nur mit Tonziegeln gedeckt. Es gab keine Unterspannbahn oder Isolierung. Geheizt wurde mit einer zentralen Ölheizung.

Als ich das Haus 1998 gekauft habe, war mir klar, dass umfangreiche Arbeiten notwendig sein würden. Die Sanierung sollte auf Grundlage eines übergeordneten Konzepts und nicht mit Einzelmaßnahmen beginnen.

Was hat gut funktioniert – und was nicht?

Insgesamt hat die Sanierung gut funktioniert. Aus meiner Sicht lag das vor allem an der gründlichen Vorbereitung, der sinnvollen Aufteilung und Reihung in Einzelgewerke und an einer konsequenten Umsetzung.

Ich habe das Projekt in zwei größere Phasen unterteilt.

Phase 1: Konzept: Gebäudehülle und Heiztechnik

Zunächst wurde die Gebäudehülle verbessert. Das Dach erhielt eine Zwischensparrendämmung mit 180 Millimeter Klemmfilz. Alle Heizungsnischen wurden mit 40 Millimeter Polystyrolplatten innen gedämmt und mit YTONG-Planbausteinen wandgleich verschlossen

Die Fenstergläser wurden gegen Verglasungen mit einem Ug-Wert von 1,1 W/m²K ausgetauscht. 

Außerdem wurde das Verteilnetz vollständig erneuert. Durch geschickte, unsichtbare Verlegung der Rohre haben wir verhindert, dass dafür Wände geöffnet werden mussten. Im Bad wurde zusätzlich eine Fußbodenheizung eingebaut.

Erst danach habe ich 2003 die Wärmepumpe installieren lassen: eine Stiebel Eltron WPL 18 als Monoblock zur Innenaufstellung, mit Trinkwassererwärmung über 290 Liter und einem Heizungspufferspeicher mit 700 Litern. Alle Heizkörper wurden auf Grundlage einer Heizlastberechnung durch moderne Konvektionsheizkörper ersetzt.

Für mich war es entscheidend, dass die Wärmepumpe erst eingebaut wird, wenn alle Voraussetzungen stimmen. Ein Einbau ohne Heizlastberechnung, Rohrnetzauslegung und -berechnung sowie ohne passende Heizkörper kam für mich nicht infrage.

Haus von Praxistester Hansjörg Putt, mit Blick auf die Rückseite und Terasse.

Phase 2: Photovoltaik und weitere Anpassungen

In einer zweiten Phase kam ab 2018 die Stromerzeugung hinzu. Nach längerer Vorbereitung habe ich mich für eine Photovoltaikanlage mit 6,5 kWp entschieden.

Die Kopplung mit der Wärmepumpe erfolgt bei mir über 3,5-kW-Heizstäbe im Warmwasserspeicher und im Heizkreis. Wärmepumpe und Photovoltaikanlage sind also nicht direkt miteinander verbunden. Diese Lösung war von Anfang an Bestandteil meiner damaligen Planung.

Ergänzt wurde das System 2023 durch einen zweiten Heizkreis an der Wärmepumpe für die Fußbodenheizung im Wohnzimmer. Es folgte noch der Einsatz von Effizienzpumpen nach hydraulischem Abgleich, eine Innenisolierung der Außenwände im Wohn- und Essbereich sowie den Austausch aller Fenster mit Uw-Werten zwischen 1,2 und 1,3 W/m²K.

Seit 2024 gibt es zusätzlich eine Erweiterung der Photovoltaikanlage auf dem Nordostdach mit 6,22 kWp sowie einen Batteriespeicher mit 8,64 kWh. Außerdem befasse ich mich bereits mit Vehicle-to-Grid beziehungsweise mindestens Vehicle-to-Home.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Einfamilienhaus, Baujahr 1965
  • Wohnfläche: 114 Quadratmeter
  • 2-Personen-Haushalt
  • Energiebedarf für Heizung und Warmwasser vor der Sanierung: rund 28.000 kWh
  • Heutiger Heizbedarf (2025): 3.881 kWh
  • Zwischensparrendämmung mit 180 Millimeter Klemmfilz
  • (Noch nicht ganz fertige) Innendämmung mit Holzfaserweichmaterial
  • Wärmepumpe: Stiebel Eltron WPL 18 mit 290-Liter-Trinkwassererwärmung und 700-Liter-Heizungspufferspeicher
  • Photovoltaikanlage gesamt: 13,22 kWp
  • Batteriespeicher: 8,64 kWh
  • Steuerung der gesamten Anlage über einen Solar-Log

Was hat dich verunsichert oder sogar frustriert?

Ehrlich gesagt: wenig. Für die Planung der Wärmepumpe habe ich mir rund zwei Jahre Zeit genommen, für die Photovoltaikanlage fast ein Jahr. Durch die intensive Vorbereitung reduzieren sich viele Unsicherheiten.

Natürlich kostet diese Vorbereitung Zeit. Aus meiner Sicht ist sie aber notwendig, wenn man Fehlentscheidungen in der Zukunft vermeiden will.

Wie hast du dich im Vorfeld informiert?

Ich habe mich auf Baumessen informiert, Broschüren und Herstellerunterlagen gelesen und technische Datenblätter ausgewertet. Angebote von Handwerksbetrieben habe ich sowohl kaufmännisch als auch technisch geprüft. Immens wichtig war es, Referenzprojekte des ausgewählten Fachbetriebs zu besichtigen und ich habe mein persönliches Netzwerk einbezogen.

Dieser Aufwand ist nicht gering. Ich halte ihn aber für sinnvoll, weil es am Ende um eine erhebliche Investition geht.

Ein Mann steht mit seiner Tochter auf dem Arm vor seinem Haus und guckt sich dieses an. Man sieht Photovoltaikanlagen auf dem Dach.

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Wie zufrieden bist du mit deiner Entscheidung?

Ich bin mit der Entscheidung vollständig zufrieden. Meine Wärmepumpe läuft seit über 22 Jahren. In dieser Zeit gab es genau einen Serviceeinsatz, nach vier Jahren wegen eines Kältemittelverlusts. Weitere Probleme gab es nicht.

Meine Gründe für den Umstieg waren von Anfang an klar: weniger CO2, weniger Feinstaub und Ruß, höhere Effizienz, eine zukunftsfähige, offene Technik und mehr Unabhängigkeit von Öl und Gas.

Was empfiehlst du anderen Hausbesitzer*innen?

Ich empfehle, nicht zu warten, sondern anzufangen – aber mit einem Plan. Man muss nicht alles gleichzeitig umsetzen. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die Maßnahmen systematisch vorbereitet und sinnvoll aufeinander abgestimmt werden.

Ebenso wichtig ist es, sich nicht an der Vorstellung einer perfekten Lösung festzuhalten. Jede umgesetzte Maßnahme spart Energie und CO2.

Und noch ein Punkt ist mir wichtig: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man selbst die Verantwortung für das Projekt trägt. Nicht der Handwerksbetrieb und nicht die Energieberatung, sondern man selbst. Fachleute sind wichtig in der Umsetzung, aber Entscheidungen nicht vollständig aus der Hand zu geben.

Ich habe heute ein gut gedämmtes Haus, eine seit vielen Jahren zuverlässig arbeitende Wärmepumpe und eine Photovoltaikanlage. Für mich war dieser Weg richtig.

Minh Duc Nguyen

Über den Autor

Minh Duc Nguyen

Minh Duc Nguyen ist seit 2020 Teil der co2online-Redaktion. Er ist besonders vertraut mit dem Thema Heizung im Allgemeinen, sowie Fernwärme und Wärmepumpe im Besonderen. Darüber hinaus gehört der Bereich staatliche Fördermittel für Wohngebäude zu seiner Expertise.

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