Altbau ökologisch sanieren?
Ausgezeichnete Idee!

31.03.2026 Lesedauer: min Minh Duc Nguyen

Zu sehen ist ein Haus mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach.

Die energetische Sanierung eines Hauses erfordert in der Regel viel Geduld und organisatorisches Geschick. Schließlich müssen zahlreiche Dinge gleichzeitig geprüft und Abläufe koordiniert werden. Patrick Voos aus Darmstadt hatte zudem noch eine weitere Herausforderung zu meistern: Er und seine Familie lebten während der gesamten Bauarbeiten im Haus. Wie er diese Zeit erlebt hat und welche Hürden seine Familie überwinden musste, erzählt er hier.

Warum hast du dich für eine Wärmepumpe entschieden?

Nach unserem Einzug 2018 haben wir unseren Altbau aus den 1930er-Jahren schrittweise und mit viel Eigenleistung energetisch teilsaniert – mit einem klaren Ziel: mit den eigenen vier Wänden einen konkreten Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise zu leisten. Von Anfang an stand für meine Familie und mich das Ergebnis im Mittelpunkt: eine klimafreundliche Wärmeversorgung mit Wärmepumpe samt Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Heute produzieren wir mit unserer Photovoltaikanlage mehr Strom, als wir für Heizung, Warmwasser und Elektroauto im Jahr verbrauchen. Ergänzend dazu haben wir einen klimaangepassten, biodiversen Nutz- und Spielgarten angelegt.

„Nach fast vier Jahren Betrieb kann ich sagen, dass die Kombination Altbau und Wärmepumpe wunderbar und effizient funktioniert.“ – Patrick Voos

Testimonial Familie Voos.

Was hat gut funktioniert – und was nicht?

Das Leben auf der Baustelle ist gar nicht so schlimm, wie man es sich vorstellt. Eine Sanierung bringt jede Menge Lerneffekte mit sich – und wer die richtige Einstellung mitbringt, kann sogar Freude daran finden. Über das Ergebnis kann man sich in jedem Fall freuen: Mehr Wohnkomfort, keine kalten Ecken, niedrige Energiekosten und eine zukunftssichere Energieversorgung machen den Aufwand mehr als wett. Außerdem zeigt unser Beispiel, dass es möglich ist, einen Altbau aus den 1930er-Jahren nachhaltig – in diesem Fall sogar mit ökologischen Materialien – weitreichend energetisch zu sanieren und fit zu machen für eine klimafreundliche, effiziente Wärmepumpenlösung mit bestehenden, alten Heizkörpern.

Eigentlich ist alles gut gelaufen, wenn man die Lieferengpässe für Wärmepumpen im Jahr 2022 mal weglässt. Als Krönung haben wir beim „Hessischen Wettbewerb energieeffiziente Modernisierung“ in der Kategorie Ein- und Zweifamilienhäuser den ersten Platz belegt

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • EFH, Baujahr 1930er-Jahre
  • Wohnfläche: 120 qm
  • 4-Personen, Energiebedarf für Heizung und Warmwasser vor Sanierung: ~ 20.000 kWh, nach der Sanierung: 1.892 kWh
  • PV-Anlage 8,5 kWp, 7,7 kWh Speicher
  • E-Auto samt Wallbox
  • 12.000 Euro für die PV-Anlage 2019
  • 59.000 Euro für Fassadendämmung + WRL, Fenster- und Türentausch
  • 25.000 Euro für Wärmepumpe, Fundament wurde in Eigenleistung gefertigt 

Was hat dich verunsichert oder sogar frustriert?

Es gab und gibt in der Bevölkerung sehr viele Bedenken im Hinblick auf Wärmepumpe im Altbau. Wir haben die Entscheidung für eine Wärmepumpe im Laufe des Jahres 2021 getroffen - also zu einer Zeit, als es noch deutlich weniger gute Beratungsangebote und Erfahrungswerte gab. Hilfreich war der Tipp, im Winter die Vorlauftemperatur der Gasheizung tatsächlich auf maximal 55° C zu stellen. Da das Haus weiter warm genug wurde, war für uns klar, dass eine Wärmepumpe zu unserem Haus passt. Jetzt, nach fast vier Jahren Betrieb kann ich sagen, dass die Kombination aus Altbau mit bestehenden Heizkörpern und Wärmepumpe wunderbar und effizient funktioniert, die PV-Anlage deckt auf das Jahr gerechnet ca. 50 Prozent des Strombedarfs der Wärmepumpe! 

Auch mit dem Thema Lärm hatten wir uns beschäftigt. Wir haben uns für ein Qualitätsprodukt mit niedrigen Dezibelzahlen entschieden und es schallentkoppelt aufgestellt. Das Ergebnis: Zwei Tage nach dem Einbau kam unser Nachbar auf mich zu und fragte, ob die Wärmepumpe denn überhaupt laufe, man höre ja gar nichts – dabei stand er nur wenige Meter vor der Außeneinheit.

Ein Mann steht mit seiner Tochter auf dem Arm vor seinem Haus und guckt sich dieses an. Man sieht Photovoltaikanlagen auf dem Dach.

Tauschen Sie sich mit Patrick zu seinem Projekt aus!

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• Fragen Sie ihn nach seinen Erfahrungen mit der Sanierung in Etappen
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Wie hast du dich im Vorfeld informiert?

Ich habe Biologie studiert, also einen naturwissenschaftlichen Hintergrund und großes Interesse an Technik und Handwerk. Ich arbeite seit einigen Jahren in verschiedenen Positionen bei der Stadt Darmstadt und leite seit 2021 das Amt für Klimaschutz und Klimaanpassung. In diesem Kontext sind eigene Erfahrungen sehr wertvoll, um Mitbürger*innen zu informieren.

Wie zufrieden bist du mit deiner Entscheidung?

Sehr! Bezogen auf die nackten Zahlen hat sich der Energiebedarf durch die Sanierung und Umstellung auf die Wärmepumpe von 20.000 kWh Gas auf 1.892 kWh Strom reduziert. Das sind Welten! Außerdem laden wir unser E-Auto zu etwa 70 Prozent mit unserem eigenen PV-Strom. Aber auch auf der Gefühl-Seite sind wir total glücklich: Das Haus ist das ganze Jahr über immer wohltemperiert, was auch an der Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung liegt. Wir haben immer frische Luft und müssen uns keine Gedanken über zu hohe Luftfeuchtigkeit machen. An heißen Tagen können wir auch mit unserer Wärmepumpe kühlen. Dazu der Garten mit Dach- und Fassadenbegrünung, Hummelburg sowie Nistmöglichkeiten für Wildbienen.

Übersicht umgesetzter Maßnahmen

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Eine Grafik mit allen energetischen Maßnahmen im Laufe der Jahre
2018: Dämmung oberste Geschossdecke in Eigenleistung 2019: Tausch einzelner Fenster, Dachfenster, Terrassentür 2020: Fassadendämmung mit Zellulose und Holzfaserplatten, Haustür erneuert und dezentrale Pendellüftung mit WRG in Eigenleistung 2022: Installation Luft-Wasser-Wärmepumpe - keine(!) Fußbodenheizung, alte Heizkörper Randbedingungen/Technik: - Anfang 2019: PV-Anlage mit 8,5 kWp - Februar 2024: Anschaffung Elektroauto (ca. 10.000 km pro Jahr) - November 2024: Installation elektrischer Speicher (7,7 kWh) - Sommer 2025: zus. Balkonkraftwerk mit 2 kWp / 800 Watt Wechselrichter
Minh Duc Nguyen

Über den Autor

Minh Duc Nguyen

Minh Duc Nguyen ist seit 2020 Teil der co2online-Redaktion. Er ist besonders vertraut mit dem Thema Heizung im Allgemeinen, sowie Fernwärme und Wärmepumpe im Besonderen. Darüber hinaus gehört der Bereich staatliche Fördermittel für Wohngebäude zu seiner Expertise.

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