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Brennstoffzellen-Heizung: Von Preis und Kosten nicht gleich abschrecken lassen

Brennstoffzellen-Heizungen sind schon seit einigen Jahren marktreif. Einige Geräte werden bereits in größeren Serien produziert. Dennoch ist die Technik nicht ganz günstig: Ab 30.000 Euro ist sie inklusive Einbau zu haben. Durch Zuschüsse und sinkende Energiekosten kann sich die Brennstoffzellen-Heizung dennoch rechnen.

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Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Brennstoffzellen-Heizung ab etwa 30.000 Euro, abzüglich Förderung
  • deutlich niedrigere laufende Kosten für Wärme und Strom
  • wirtschaftlich bei hohem Strom- und Wärmebedarf übers ganze Jahr
  • Energieberatung vor Ort wichtig für passende Brennstoffzellen-Heizung
(c) Eisenhans - Fotolia.com

Ein großes Hindernis der Brennstoffzellen-Heizung waren lange Zeit ihre hohen Anschaffungskosten. Doch inzwischen ist Bewegung in den Markt gekommen: Es gibt mehr Hersteller*innen, höhere Stückzahlen – und die Preise sind entsprechend stark gefallen. Vor Jahren lagen die Kosten für die wenigen überhaupt erhältlichen Geräte noch bei rund 48.000 Euro und darüber.

Jetzt gibt es eine Brennstoffzellen-Heizung schon für die Hälfte. Die Branche gibt als Einstiegspreis etwa 23.000 Euro für das Gerät selbst an. Dazu kommen Kosten für Zubehör und Einbau. Für ein Komplettpaket ist mit mindestens 30.000 bis 35.000 Euro zu rechnen – abzüglich Förderung.

Preisvergleich für Brennstoffzellen-Heizungen schwierig

Offizielle Preislisten sind nicht zu haben. Die Hersteller*innen geben die High-Tech-Anlagen nur über Fachhandel und Monteur*innen ab, die das Gerät dann inklusive Planung und Einbau anbieten. Die Preise für Brennstoffzellen-Heizung, Einbau und laufende Kosten bekommt der/die Kund*in also nur direkt von einem/einer Installateur*in. Die Hersteller*innen begründen diese Praxis damit, dass der Einbau der neuartigen Geräte ohnehin nur von versierten Expert*innen erfolgen könne, die die Anlagen im Paket mit der Beratung liefern. Einen einfachen Preisvergleich gibt es also aktuell nicht.

Mit Brennstoffzellen-Heizungen laufende Kosten senken

Nach Angaben der Hersteller*innen senken Brennstoffzellen-Heizungen die jährlichen Energiekosten ganz erheblich. Laut einem der größten Anbieter*innen sinken die Energiekosten bei einer seiner Anlagen im Schnitt um 40 Prozent; ein anderer Hersteller geht sogar von 50 Prozent geringeren Energiekosten aus.

Auch mithilfe von Fördermitteln sollen sich die vergleichsweise hohen Investitionskosten über die Energieeinsparung innerhalb weniger Jahre rentieren; und zwar umso schneller, je größer das Gerät und je größer der Energiebedarf ist. Denn je mehr Wärme und Strom die Anlagen erzeugen können, desto schneller amortisieren sich die Anschaffungskosten. Wer seinen eigenen Strom produziert, macht sich außerdem unabhängiger von steigenden Strompreisen.

Durchschnittlicher Überschuss einer Brennstoffzellen-Heizung pro Jahr*

Baujahr 120 m2 150 m2 200 m2
vor 1977 -127 € 57 € 364 €
1977-1983 -162 € 14 € 307 €
1984-1994 -227 € -67 € 198 €
1995-2001 -357 € -230 € -18 €
ab 2002 -474 € -376 € -214 €

* Für die Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit über zehn Jahre im Vergleich zur Erneuerung eines Brennwertkessels wurden der durchschnittliche energetische Gebäudezustand/Wärmebedarf entsprechend der Baujahre (Heizspiegel für Deutschland 2020), konstante Energiepreise (Gas: 0,07 Euro/kWh; Strom: 0,32 Euro/kWh), der für einen 4-Personen-Haushalt typische Stromverbrauch (Stromspiegel für Deutschland 2021: 4.000 kWh/Jahr) und niedrige Wartungskosten (300 Euro/Jahr) angenommen.

Finanzierung von Brennstoffzellen-Heizungen: Zuschüsse nutzen

Zu den Kosten für ein Komplettpaket ab 30.000 Euro kommen Ausgaben für mögliche bauliche Veränderungen wie zum Beispiel das Verlegen eines Gasanschlusses. Ein Teil der Finanzierung lässt sich durch staatliche Mindest-Zuschüsse von etwa 11.000 bis über 18.000 Euro stemmen. Dadurch nähern sich die Kosten für eine Brennstoffzellen-Heizung dem Anschaffungspreis moderner Brennwertkessel weiter an, die bisher Stand der Technik sind.

Fördermittel gibt es dafür nicht nur vom Bund, sondern auch von einigen Bundesländern sowie Energieversorger*innen. Seit Juli 2017 gibt es die Fördermittel auch für Nichtwohngebäude, also kleine und mittlere Unternehmen, kommunale Gebietskörperschaften sowie Contractor*innen.

Contracting statt Kauf einer Brennstoffzellen-Heizung

Wem die Finanzierung trotz Förderung nicht gelingt, kann sich nach Contracting-Modellen erkundigen. Dabei kauft und betreibt der/die Kund*in die Anlage nicht selbst, sondern lässt von dem/der Contracting-Dienstleister*in eine Brennstoffzellen-Heizung einbauen und kauft diesem/dieser dann Wärme und Strom ab. So bezahlt der/die Haus- oder Wohnungseigentümer*in die eingebaute Brennstoffzelle langfristig über den Energieverbrauch, spart sich aber die Investition und Wartung.

Wärme- und Strombedarf als entscheidende Kriterien

Brennstoffzellen-Heizungen eignen sich für Gebäude mit ganzjährigem Wärmebedarf (Heizung und zentrale Warmwasserbereitung), insbesondere für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie für Gewerbe, aber auch für Mehrfamilienhäuser. Das können bestehende un- oder teilsanierte Gebäude sein; oder auch Neubauten. Ob sie sich hier wirtschaftlich rechnen, hängt ganz besonders vom jeweiligen Verbrauch an Strom und Warmwasser ab.

Die Initiative Brennstoffzelle (IBZ), die von den Hersteller*innen getragen wird, hält einen jährlichen Gesamtwärmebedarf ab 10.000 Kilowattstunden für geeignet. Auch der Strombedarf sollte wegen der permanenten Energieerzeugung nicht zu niedrig sein. Für einen Ein- oder Zwei-Personen-Haushalt mit niedrigem Stromverbrauch rechnet sich eine Brennstoffzellen-Heizung sehr wahrscheinlich nicht.

Stromvergütung für Brennstoffzellen-Heizungen

Überschüssiger Strom kann gegen Vergütung ins öffentliche Netz eingespeist werden. Die pauschale Einmalzahlung summiert sich beispielsweise für eine typische Brennstoffzellen-Heizung mit einer elektrischen Leistung von 0,7 Kilowatt auf rund 1.500 Euro. Wirtschaftlicher als die Stromvergütung ist jedoch der Eigenverbrauch. Außerdem kann die Vergütung nicht mehr mit der lukrativen KfW-Förderung kombiniert werden.

Vor dem Kauf unbedingt Rat von Expert*innen einholen

Ob sich eine Brennstoffzellen-Heizung wirtschaftlich betreiben lässt und welche Anlage jeweils die passende ist, hängt von vielen Faktoren ab:

  • etwa dem Zustand des Hauses,
  • dem Stromverbrauch,
  • dem Wärme- und Warmwasserbedarf und
  • ob bereits ein Gasanschluss vorhanden ist.

Um nicht am eigenen Bedarf vorbei zu investieren, ist eine fundierte Vor-Ort-Beratung durch eine/n Expert*in unerlässlich – und für viele Fördermittel ohnehin Pflicht.

Brennstoffzellen-Heizungen kaufen – Hersteller*innen im Überblick

Lieferbar sind Brennstoffzellen-Heizungen für Ein- und Zweifamilienhäuser folgender Hersteller:

  • Buderus (Bosch)
  • Freudenberg
  • mPower
  • Remeha
  • Senertec
  • Solidpower
  • Sunfire (auch für Flüssiggas)
  • Viessmann

Einige Hersteller*innen und Namen wie Baxi Innotech, Ceramic Fuel Cells, Hexis, Hydrogenics, Junkers oder Vaillant bieten dagegen keine Brennstoffzellen-Heizungen mehr an oder sind von anderen übernommen worden. Mit Elcore ist ein Anbieter von einer Insolvenz betroffen gewesen – und entsprechend auch Kund*innen mit Brennstoffzellen-Heizungen.

Kosten für Brennstoffzellen-Heizungen stark gesunken

(c) EnBW / Vaillant

Um den Brennstoffzellen-Heizungen den Sprung auf den Markt zu ermöglichen, hat die Bundesregierung das „Callux-Projekt” initiiert: Dabei wurden zwischen dem Jahr 2008 und 2016 fast 500 Brennstoffzellen-Heizungen verschiedener Hersteller*innen in den Kellern der teilnehmenden Hausbesitzer*innen getestet – also unter Praxis- statt unter Laborbedingungen.

Die Ergebnisse dieses Tests können sich sehen lassen:

  • Die Anlagen stießen im Schnitt ein Drittel weniger CO2 aus als eine Brennwertheizung (1,2 Tonnen pro Jahr). Dabei wurde auch der Bezug von Strom aus dem öffentlichen Netz berücksichtigt.
  • Die Kosten für Brennstoffzellen-Heizungen sanken im Laufe des Projekts (7 Jahre oder drei Gerätegenerationen) um etwa 70 Prozent, die für Geräteservice und Ersatzteile um etwa 90 Prozent.
  • Der elektrische Wirkungsgrad konnte auf durchschnittlich 34 Prozent, der Gesamtwirkungsgrad auf 96 Prozent gesteigert werden.
  • Im Vergleich zu den anfangs installierten Geräten schrumpften sie in Größe und Gewicht um etwa die Hälfte. In der Regel reicht für ein Eigenheim inzwischen eine Stellfläche von einem Quadratmeter.
  • Mehr als 20.000 Stunden liefen im Callux-Test die sogenannten „Stacks”, also die Brennstoffzellen-Stapel, die das Herzstück der Anlagen bilden. Brennstoffzellen-Heizungen haben damit die notwendige Langlebigkeit unter Beweis gestellt.

Nach Abschluss des Callux-Projekts hat die Bundesregierung für die breite Markteinführung auch ein KfW-Förderprogramm für Brennstoffzellensysteme aufgelegt: mit bis zu 40 Prozent Zuschuss.

Autor*innen: Kristina Simons, Marcus Franken, Jens Hakenes

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