Passivhaus: Energie passiv nutzen

Ein Passivhaus verbraucht 75 Prozent weniger Heizenergie als ein üblicher Neubau. Aber wie funktioniert ein Passivhaus und warum ist es so effizient? Können auch Bestandsgebäude auf Passivhaus-Niveau gebracht werden? Wir zeigen Ihnen, wie die beeindruckende Bilanz von Passivhäusern zustande kommt – und ob sich ein Passivhaus auch für Sie lohnt.

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Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:

  • Passivhäuser verbrauchen 75 Prozent weniger Heizenergie als übliche Neubauten und bis zu 90 Prozent weniger als Bestandsgebäude
  • Passivhäuser besonders sparsam dank umfassender Dämmung und hocheffizienter Wärmeversorgung
  • Förderung für energieeffizienten Hausbau oder Sanierung auch für den Bau von Passivhäusern
  • Bestandsgebäude lassen sich nach Passivhaus-Standard modernisieren – Umbau ist jedoch aufwändiger
Passivhaus Außenansicht(c) Architekturbüro Peterburs, Langenhagen

Was ist ein Passivhaus?

Die am weitesten entwickelte Form des Niedrigenergiehauses ist das sogenannte Passivhaus. Ein solches Gebäude wird Passivhaus genannt, weil es fast ohne aktive Heizsysteme auskommt und den überwiegenden Teil seines Heizwärmebedarfs aus „passiven“ Quellen deckt. Dazu gehören die Sonneneinstrahlung, die Abwärme der Bewohner und der elektrischen Geräte und die Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage. Eine einfache Zusatzheizung deckt den Spitzenbedarf an den kältesten Tagen.

Die Technik des Passivhauses folgt der Devise: Energie sparen, wo es nur geht. Das Passivhaus stützt sich ausschließlich auf vorhandene Techniken zur Dämmung und zur Wärmeversorgung von Gebäuden. Sorgfältige Verarbeitung sowie natürliche Materialien kennzeichnen die im Passivhaus verbauten Komponenten und Baustoffe.

Bereits vor einem viertel Jahrhundert wurde in Darmstadt erstmals ein Mehrfamilienhaus mit einem Heizenergieverbrauch unter 12 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, kurz kWh/(m²a), gebaut. Das Haus bildet den Grundstein des Passivhaus-Konzepts, das vom inzwischen europaweit anerkannten Passivhaus Institut Darmstadt entwickelt wurde. Ziel des Gebäudestandards ist es, energieeffizientes, klimafreundliches und gleichzeitig wirtschaftliches Bauen zu ermöglichen, ohne auf Wohnkomfort zu verzichten.

Passivhaustechnik

Im Passivhaus treffen sich zwei wesentliche technische Strategien: einerseits die bestmögliche Wärmedämmung der thermischen Außenhülle des Wohnhauses. Sie umschließt alle Räume, die im Winter beheizt werden sollen, also zwischen 19 (Schlafraum) und 22 Grad Celsius (Bad) haben sollen. Außerdem ist ein Passivhaus so gebaut, dass es möglichst viel Sonnenwärme einsammelt, beispielsweise durch große Fenster oder Glasdächer. Damit die Wärmeverluste möglichst gering ausfallen und um im Winter von der Sonnenwärme zu profitieren, werden auf der südlichen Seite oft größere Fenster eingesetzt als auf der sonnenabgewandten Seite.

Vergleich des Heizenergieverbrauchs verschiedener Hausarten. Einsparung bei Passivhäusern.

Passivhäuser brauchen eine technische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Zum einen, um die sehr sinnvolle hygienische Belüftung sicherzustellen, und zum anderen, um die wertvolle Wärme aus der Abluft zu gewinnen: immerhin zwischen 80 und 95 Prozent der Abwärme. Auch die natürliche Körperwärme der Hausbewohner und die Abwärme der elektrischen Geräte (Herd/Ofen, Kühlschrank, Computer und Fernseher zum Beispiel) werden dabei ausgenutzt. Man spricht hier von kontrollierter Wohnraumlüftung.

Prof. Dr. Martin Hundhausen baute 1998 für sich und seine Familie das erste Passivhaus in Mittelfranken. Er kennt die Vorteile des Wohnens in einem Passivhaus: „Die luftdichte Bauweise verhindert im Winter Zugerscheinungen, die kontrollierte Lüftung verhindert zu geringe Luftfeuchtigkeit, die gut wärmegedämmten Wände sichern Behaglichkeit. Großartig sind die hellen Räume durch die großen südausgerichteten Fensterflächen. Und im Sommer hilft die Wärmedämmung auch gegen die Hitze – selbst unter dem Dach bleibt es angenehm, weil die Sommerhitze nicht durch das Dach in die Räume kommt.“

Das vorrangige Ziel eines Passivhauses ist es, die Wärmeverluste durch das Dach, die Außenwände und die Bodenplatte beziehungsweise den Keller so gering wie möglich zu halten (Wärmedurchgangskoeffizient U-Wert maximal 0,15 Watt je Quadratmeter und Kelvin) und die Lüftungswärmeverluste zu minimieren. Auch der Stromverbrauch der elektrischen Geräte im Haus muss, soweit es geht, gesenkt werden: Der Primärenergiebedarf des gesamten Gebäudes inklusive Haushaltstrom darf jährlich 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche nicht überschreiten. Das Passivhaus betrachtet somit alle Energieverbräuche im Gebäude, nicht nur für Heizung und Warmwasser.

Aus diesem Grund werden Passivhäuser meist kompakt gebaut und es gibt keine architektonischen Spielereien wie Erker. Langweilig oder gar hässlich müssen sie dennoch nicht aussehen. Immer mehr Hersteller bieten Komponenten wie Schiebetüren, Lichtkuppeln und Balkonsysteme an, die nach Passivhaus-Standard zertifiziert sind, mit denen Planer die individuellen Wünsche von Bauherren erfüllen können. Wer weniger Planungsaufwand haben will, kann inzwischen auch komplette Passiv-Fertighäuser kaufen.

Energiestandards von Passivhäusern

Die Anforderungen an ein Passivhaus werden durch den Passivhaus-Energiestandard beschrieben und dürfen folgende Werte nicht überschreiten:

Heizenergiebedarfmax. 15 kWh/(m2a)
Primärenergieverbrauch (für restlichen Heizbedarf,
Warmwasserbereitung, Lüftung und Haushaltsstrom)
max. 60 kWh/(m2a)
Luftwechselrate der Gebäudehüllemax. n50=0,6/h

Wärmerückgewinnung (aus der Abluft)

min. 75 %

Der Heizenergieverbrauch eines Passivhauses liegt rein rechnerisch bei nicht mehr als 1,5 Litern Heizöl oder 1,5 Kubikmetern Erdgas pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr – ein normales Gebäude liegt bei 6 Litern und mehr. Logisch, dass die Heizkosten beim Passivhaus sehr niedrig sind: Grob gesagt liegen sie im Schnitt bei einem Euro pro Quadratmeter und Jahr. „Natürlich ist die Unabhängigkeit bei der Energieversorgung der Hauptvorteil eines Passivhauses. Nur der Passivhaus-Standard würde es im Extremfall sogar erlauben, gar nicht zu heizen und trotzdem im kältesten Winter über die Runden zu kommen“, erklärt Martin Hundhausen.

Die wichtigsten Elemente eines Passivhauses

1. Passivhaus-Dämmung

Die Stärke der Dämmung im Passivhaus kann zwischen 25 und 40 Zentimetern variieren, je nach Wandaufbau und Ausrichtung. Neue Passivhäuser werden in der Regel ohne Keller ausgeführt. Falls trotzdem ein Keller vorhanden ist, kann dieser unter Umständen unbeheizt bleiben, dann gilt die Kellerdecke als Teil der thermischen Hülle. Entsprechend gut sollte sie dann gedämmt werden. Steht im Keller ein Gasbrennwertgerät oder ein kleiner Holzpelletkessel, sollte man den Keller in die thermische Hülle einbeziehen, also ihn entsprechend gegen das kalte Erdreich dämmen. Sonst verliert man die kostbare Abwärme der Feuerungsanlagen. Über das Dach gehen normalerweise rund 30 Prozent der Wärme eines Gebäudes verloren, denn Wärme steigt nach oben. Deshalb sollte das Dach eines Passivhauses besonders dick gedämmt werden. Ein wichtiges Element sind außerdem mehrfachverglaste Fenster mit besonders gut gedämmten Rahmen.

2. Vermeidung von Wärmebrücken

Überall, wo die Außenhaut des Passivhauses durch metallische Anschlussteile oder Durchbrüche durchstoßen wird, geht Wärme nach außen ab. Das gilt für die Einlaibung der Fenster ebenso wie für Kabelführungen, das Antennenkabel vom Dach, Maueröffnungen für Lüftungskanäle oder Wasserrohre. Sie sind konstruktiv so auszugestalten, dass keine Wärme entkommt. Auf die sorgfältige Bauausführung ist besonders zu achten.

(c) Passivhaus Institut

3. Passivhaus-Lüftung

Heutige Neubauten müssen gesetzlich vorgeschrieben luftdicht gebaut werden. Das ist auch die Grundlage des Passivhauses. Da die Bewohner aber im Haus leben, atmen sie Feuchtigkeit und Kohlendioxid aus. Im Bad und in der Küche fällt zusätzlich Feuchtigkeit an, die nach draußen abgeführt werden muss. Früher öffnete man das Fenster, um die Räume zu lüften – diese Art der Lüftung kühlt die Räume im Winter jedoch aus, damit wäre der hohe Standard eines Passivhauses nicht zu erreichen. Deshalb baut man zur Passivhaus-Lüftung eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Abwärmelüftung ein, die die Abwärme aus den Räumen zurückgewinnt und auf die Frischluft überträgt. Das bedeutet nicht, dass die Fenster in einem Passivhaus zum Lüften nicht geöffnet werden können. Sie müssen es aber nicht. Menschen, die unter Heuschnupfen oder anderen Allergien leiden, können von der gefilterten Frischluft profitieren. Natürlich muss die Filtertechnik regelmäßig gewartet werden (siehe auch Fördermöglichkeiten für Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung).

4. Passivhaus-Heizung

Weil der Heizbedarf so gering ist, benötigen Passivhäuser in der Regel keine große, teure Heizung. Der restliche Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser kann auf unterschiedliche Weise erzeugt werden: zum Beispiel über einen kleinen Gas-Brennwertkessel mit zentralem Warmwasserspeicher, ein Wärmepumpen-Kompaktgerät, das die Funktionen Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Heizung, Warmwasserbereitung und -speicherung in einem Gerät kombiniert – oder auch einen Holzpelletofen, der im Erdgeschoss für eine gemütliche Atmosphäre sorgt. Auch der Anschluss an das Nah- oder Fernwärmenetz ist möglich.

Das Herz einer klug konzipierten Versorgungsanlage ist ein Pufferspeicher, gelegentlich auch als Solarspeicher bezeichnet. Er sammelt die Wärme aus den verschiedenen Erzeugern und stellt sie den Räumen über Heizkreise oder die Lüftungsanlage zur Verfügung. Solche Versorgungssysteme lassen sich schnell und bedarfsgerecht für jeden Wohnbereich steuern. Das erlaubt großzügige Zuschnitte der Räume, die schnell aufgeheizt werden können. Deshalb bedeutet das Passivhaus auch den Abschied vom traditionellen Heizkörper, wenn nicht von der wassergeführten Zentralheizung überhaupt.

5. Regelung und Steuerung der Energieversorgung

Will man die Abwärme des Kühlschranks oder des Elektroherds für die Wärmeversorgung nutzen, bietet es sich an, die gesamte Technik im Haus über gebäudeintegrierte Steuerungstechnik zu fahren. Auch die Wärmepumpe und die Solarpumpe für die Sonnenkollektoren, der sommerliche Wärmeschutz vor den Fenstern und die Lüftungsanlage lassen sich zentral steuern. Die Regelung muss Temperaturfühler, Sensoren für den Kohlendioxidgehalt und die Luftfeuchte integrieren.

Was kosten Passivhäuser?

Foto Martin Hundhausen

Die Investitionen bei den Baukosten liegen für ein Passivhaus etwas über denen eines konventionell gebauten Hauses. Die Mehrkosten sind vor allem auf qualitativ hochwertige Passivhaus-Komponenten (Fenster, Lüftung, Dämmung) zurückzuführen und können durch finanzielle Förderprogramme und den Verzicht auf konventionelle Heizsysteme teilweise aufgefangen werden.

Wer heute ein Haus baut, muss an die nächsten 30 Jahre und mehr denken. Die Energieversorgung wird das wichtigste Thema der Zukunft werden. Man sollte daher das Passivhaus auch als lukrative Geldanlage und Investition in die Zukunft sehen“, erklärt Martin Hundhausen. Für den Neubau eines frei stehenden Einfamilienhauses mit 150 Quadratmetern Wohnfläche müssen zwischen 10.000 und 20.000 Euro aufgebracht werden, um daraus ein Gebäude zu machen, das den Standards der Energieeinsparverordnung für Passivhäuser genügt. Bei der Modernisierung ist das schwieriger und teurer, da viele Faktoren in die Kalkulation eingehen und der Aufwand für die Dämmung oder den Umbau der Versorgungstechnik meist höher ist.

Förderung für Passivhäuser

Der energieeffiziente Hausbau und die Sanierung alter Gebäude werden von der Bundesregierung gefördert. Die KfW-Bank vergibt dafür zinsgünstige Kredite und Investitionszuschüsse. Informationen zu den Programmen und zu weiteren Fördermöglichkeiten finden Sie auf unserer Übersichtsseite zu den KfW-Programmen.

Ergänzend zu den KfW-Programmen gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), die in erster Linie die Nutzung umweltfreundlicher Energiequellen unterstützen. Schauen Sie sich dazu die aktuelle Übersicht über die BAFA-Förderprogramme an. Über die KfW und das BAFA hinaus gibt es noch verschiedene weitere Fördermöglichkeiten von Ländern, Regionen und Kommunen. Alle relevanten Fördermöglichkeiten in Ihrer Region für Ihr Vorhaben ermittelt der kostenlose Ratgeber FördermittelCheck.

In jedem Falle sollten sich Bauherren möglichst frühzeitig von erfahrenen und zertifizierten Architekten und Planern beraten lassen. „Im Grunde ist ein Passivhaus bauphysikalisch einfach, aber es ist dennoch wichtig, einen Architekten zu suchen, der die Bauweise versteht und möglichst schon Erfahrung damit hat“, weiß Martin Hundhausen. So können schon in der Anfangsplanung Fehler vermieden werden, die hinterher die Energieeffizienz des Hauses beinträchtigen oder gar die Förderung aufs Spiel setzen, weil zum Beispiel nicht genehmigte Bauteile verwendet wurden.

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Wie groß ist der Nutzen für den Umweltschutz und Klimaschutz?

Fenster in Hauswand(c) Architekturbüro Peterburs, Langenhagen

Ein Passivhaus benötigt bis zu 90 Prozent weniger Heizenergie als konventionell errichtete Gebäude. Das reduziert den Ausstoß von CO2 und anderen umwelt- und klimaschädlichen Emissionen auf ein Minimum. So werden auch fossile Ressourcen wie Erdgas, Öl und Kohle gespart.

Allerdings muss für die Herstellung von Dämmmaterialien auch Energie aufgewendet werden. Wie viel Dämmung ist also sinnvoll? Diese Frage ist nicht leicht und vor allem nicht pauschal zu beantworten. Das Institut Bauen und Umwelt (IBU) betreibt eine Datenbank, in der Ökobilanzen von Bauprodukten beschrieben werden. Einfach zu verstehen sind die Datensätze leider nicht. Wer sich aber einen Eindruck von der Ökobilanz bestimmter Materialien verschaffen will, sollte den Blick in die Datenbank wagen. Einen Überblick bietet unser Dossier zum Thema Dämmung.

Außerdem sind Passivhäuser nicht automatisch ökologisch. Zwar sind sie ohne Zweifel energieeffizient und auch ökonomisch sinnvoll, weil sie durch den geringen Energieverbrauch den Geldbeutel schonen. Wer rundum ökologisch bauen möchte, sollte daher Baustoffe wählen, die aus nachwachsenden, gut recycelbaren und schadstoffgeprüften Rohstoffen stammen und emissionsarm gefertigt wurden. In der deutschen Baustoffdatenbank werden die ökologischen Wirkungen verschiedenster Baumaterialien genau beschrieben. Einen Überblick bietet auch hier unser Dossier zur Dämmung.

Ab 2021 europaweit Niedrigst-Energiegebäude

Die Europäische Union hat mit der EU-Gebäuderichtlinie beschlossen, dass ab 2021 in ganz Europa nur noch „nearly zero-energy-building“, also Niedrigst-Energiegebäude, als Neubauten zugelassen sind. Diese Vorgaben werden mithilfe der Energieeinsparverordnung (EnEV) in deutsches Recht umgesetzt. Am 1. Mai 2014 ist die EnEV 2014 in Kraft getreten. Im Vergleich zur EnEV 2009 stiegen die Anforderungen an die Gebäudehülle um zehn Prozent. Der Energiebedarf musste 2014 und 2016 um jeweils 12,5 Prozent sinken. Auch nach den neuen Anforderungen der EnEV 2014 liegt der Energiebedarf eines Hauses nach Passivhaus-Standard zweieinhalbmal niedriger.

Berechnungsmethoden: Passivhaus und KfW-Effizienzhaus

Passivhaus und KfW-Effizienzhaus werden nach unterschiedlichen Verfahren berechnet. Die Ergebnisse sind deshalb nicht direkt vergleichbar. Bei der Berechnung nach EnEV wird beim Primärenergiebedarf nur die zum Heizen nötige Energie betrachtet und der Verbrauch bezieht sich auf die gesamte Gebäudenutzfläche. Beim Passivhaus-Verfahren, genannt „Passivhaus-Projektierungspaket“ (PHPP) wird nur die beheizte Wohnfläche betrachtet und der Primärenergiebedarf enthält Heizung, Trinkwarmwasser und Haushaltsstrom. Es gibt kritische Stimmen, die die Berechnungsergebnisse nach PHPP näher an der späteren Wohnrealität sehen, weil die Randbedingungen realistischer gewählt sind.

Nullenergiehaus und Plus-Energie-Haus

Bei den Begriffen Nullenergiehaus und Plus-Energie-Gebäude handelt es sich um keine festgelegten Energiestandards. Als Nullenergiehaus wird ein Haus bezeichnet, das rein rechnerisch so viel Energie produziert, wie es selbst für Heizung, Warmwasser und Anlagentechnik verbraucht. Dies wird durch eigene Wärme- und Stromerzeugung durch eine Solarthermie- und Photovoltaikanlage erreicht. Ein Plus-Energie-Haus kann sogar einen Überschuss an Energie erwirtschaften.

Passivhaus-Komponenten für Bestandsgebäude

Mit speziellen Komponenten ist es möglich, auch Bestandsgebäude zum Passivhaus umzubauen. Doch nicht jedes Gebäude ist dafür geeignet. Will man ein Bestandsgebäude auf den Passivhaus-Standard bringen, wird es etwas schwieriger als bei einem Neubau, bei dem man alle Komponenten von vornherein frei wählen kann. Der Altbau steht ja bereits fest, seine Ausrichtung ist vorgegeben. Die Fensteröffnungen entstanden vor Jahrzehnten, der Keller ist oft feucht und ungedämmt, die Fußböden sind nicht selten verrottet. Dennoch kann sich die Modernisierung lohnen.

Der Markt bietet eine Fülle von speziellen Passivhaus-Komponenten, mit denen man in der Sanierung ein Passivhaus erreichen oder dem Standard zumindest sehr nahekommen kann: Der Wärmeübergangswert der sogenannten thermischen Hülle (Außenhaut) des Gebäudes soll so gering wie möglich sein, um Wärmeverluste durch die Wände, den Keller und das Dach zu minimieren. Sie sollten nicht mehr als 0,1 Watt je Quadratmeter Fläche und Kelvin Temperaturdifferenz zwischen Innenraum und Außenluft abgeben.

So mancher Altbau lässt sich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten allerdings nicht komplett zum Passivhaus umrüsten. Dennoch sind auch hier sehr hohe Energieeinsparungen machbar. Für diese Fälle hat das Passivhaus Institut den Zertfikatsstandard EnerPHit entwickelt. Solche Gebäude dürfen hierzulande maximal einen Heizwärmebedarf von 25 kWh/(m²a) haben.

Passivhaus-Fenster

Nicht immer passen Passivhausfenster mit gängigen Standardgrößen in die alte Laibung. Das Passivhaus benötigt dreifache Wärmeschutzverglasung mit entsprechend starken und dichten Rahmen, beispielsweise Vollholzrahmen mit Luftkammern. Beim Einbau wird der Rahmen um einige Zentimeter überdämmt. Es ist außerdem zu prüfen, ob Fenster nach Süden vergrößert werden können. Passivhaustaugliche Fenster haben einen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) von höchstens 0,8 Watt je Quadratmeter Fensterfläche und Kelvin Temperaturdifferenz zwischen innen und außen. Besonderes Augenmerk verlangen auch die Dachfenster, denn in normalen Gebäuden geht fast ein Drittel der kostbaren Wärme nach oben über das Dach verloren. Die Laibung der Fenster und Anbauten wie Rollokästen muss man sorgfältig in die Dämmung integrieren, damit keine Wärmebrücken entstehen (siehe auch Informationen zu Fördermöglichkeiten für den Fensteraustausch).

Passivhaus-Lüftung

Die zweite Quelle für Wärmeverluste liegt in der Lüftung. Früher genügte der Griff zum Fenster, um Frischluft einzulassen. Doch die kalte Außenluft verdrängt die warme Luft aus den Räumen, wodurch viel Heizwärme verloren geht. Aufgrund der dicken Dämmung spielen im Passivhaus die Wärmeverluste durch die Lüftung die entscheidende Rolle. Weil die thermische Hülle des Passivhauses luftdicht ausgeführt wird, muss eine Anlage zur kontrollierten Wohnraumlüftung in Aktion treten. Andernfalls sammeln sich Schadstoffe, Feuchtigkeit, Kohlendioxid und Keime in der Raumluft an. Spezielle Anlagen wie die sogenannten Rotationswärmetauscher gewinnen sogar die Feuchte zurück und geben sie an die Frischluft ab. Auf diese Weise kann ein kompaktes Lüftungsgerät als Lüftung, Heizung und im Sommer auch als Kühlung fungieren.

Lueftung auf Hausdach(c) Kalle Kolodziej-Fotolia.com

Schwierigkeiten bereitet im Altbau fast immer die Frage, wo die Lüftungskanäle verlaufen sollen. Um möglichst kurze Wege zu erreichen, wird die belastete Luft immer dort abgeführt, wo viel Feuchte anfällt, also im Bad und in der Küche. Die Einströmventile für die vorgewärmte Frischluft (auch Zuluft genannt) sollten im Wohnzimmer, im Kinderzimmer und im Schlafzimmer liegen. Sie müssen frei sein und dürfen nicht verstellt werden, damit die frische Luft möglichst ungehindert in die Räume eintreten kann. Die Lüftungskanäle kann man aus flachen, ovalen Segmenten aufbauen, die nicht mehr als zehn Zentimeter hoch sind. Sie lassen sich unter einer abgehängten Decke installieren, mit den Anschlüssen zum Kompaktgerät, das im Prinzip überall hängen kann. In einem solchen zentralen Lüftungsgerät kann sich zudem eine kleine Abluftwärmepumpe befinden, die Abwärme aus der Abluft nutzt, um einen kleinen Warmwasserspeicher (zwei Wannenfüllungen: ca. 200 Liter) zu heizen (siehe auch Informationen zu Fördermöglichkeiten für Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung).

Passivhaus-Warmwasserversorgung

Weil in einem Passivhaus kaum noch Heizwärme benötigt wird, entscheidet der Warmwasserbedarf über die Auswahl der Wärmeerzeugung. Deshalb ist es vor der Sanierung notwendig, die Bedürfnisse der künftigen Nutzer genau zu erfassen und zu quantifizieren: Wie viel Liter Wasser werden am Tag von den Bewohnern gebraucht? Wann sind Stoßzeiten der Warmwasserversorgung? Wie viel Zeit hat der Wärmeerzeuger, den Warmwasserspeicher neu aufzuheizen? Die Vorgaben der einschlägigen Berechnungsnormen sind oftmals unzureichend, denn sie bieten lediglich Anhaltspunkte. Planer müssen also möglichst exakte eigene Berechnungen anstellen.

Entscheidet man sich für Frischwassertechnik, kann ein Pufferspeicher die Erwärmung des Trinkwassers im Durchflussprinzip erledigen. Er gibt seine Wärme über einen effizienten Plattenwärmetauscher an das Kaltwasser ab. Es gibt keine stagnierenden Wasserreservoire mehr, Legionellen gehören der Vergangenheit an. Ein Pufferspeicher eignet sich sehr gut für Solarkollektoren und Luft-Wärmepumpen, die darin ihre Energie einlagern.

Es kann aber auch sinnvoll sein, in einem sanierten Gebäude auf die Bevorratung von Warmwasser zu verzichten. Wer Warmwasser in einem Speicher erwärmt, muss es mehrmals am Tag auf 65 Grad Celsius erhitzen, um die gefürchteten Legionellen und andere Mikroben abzutöten. Sie entstehen, wenn warmes Wasser stagniert, also im Speicher und in den Rohrleitungen zu den Zapfstellen. Erhitzt man das Wasser direkt an der Zapfstelle, etwa durch einen elektrischen Durchlauferhitzer mit Ökostrom, entfällt dieses Problem. Dann kommt man mit 45 Grad Celsius im Warmwasser aus. Das genügt, um Fett in der Küchenspüle zu lösen.

Wärmepumpen sind im Altbau nur begrenzt einsetzbar, denn nicht immer steht ausreichend Fläche am Haus zur Verfügung, um einen Flächenerdwärmeabsorber zu vergraben oder tiefe Erdsonden zu bohren. Geeignet sind dagegen Luft-Wärmepumpen, die man unterm Dach aufstellen kann oder in einem separaten Anbau. Sie nutzen die Außenluft als Wärmequelle. Ihre Energie kann durchaus ausreichen, um den geringen Wärmebedarf eines Passivhauses zu decken. Denkbar ist auch eine Kombination mit Solarthermie (siehe auch Informationen zu Fördermöglichkeiten von Solarthermieanlagen).

Mit freundlicher Unterstützung von Heiko Schwarzburger, Chefredakteur der Zeitschrift photovoltaik.

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