Eine Wärmepumpe aus der Not heraus: funktioniert super!

19.06.2026 Lesedauer: min Minh Duc Nguyen

Das Haus von Rolf Kramer in der Totale

Wo liegen die Grenzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit oder wann ist das Optimum nur noch optional? Vor solchen Fragen stand Rolf Kramer aus Essen, als es darum ging, seine arg betagte Ölheizung zu ersetzen. Die Handwerker empfahlen ihm anhand eines individuellen Sanierungsfahrplans eine Rund-um-sorglos-Hausmodernisierung. Kostenpunkt: mindestens 120.000 Euro. Aber kann und will er sich diese Investition leisten? Wofür sich Rolf am Ende entschieden hat, lesen Sie hier.

Warum hast du dich für eine Wärmepumpe entschieden?

Ich werde dieses Jahr siebzig Jahre alt und wollte aus diesem Grund nicht mehr allzu viel in mein Haus investieren. Da meine alte Ölheizung fast 30 Jahre lang nahezu störungsfrei gelaufen ist, wollte ich sie durch eine neue ersetzen. Doch dann haben mir das Klimakabinett und der Wirtschaftsminister einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem sie die Fristen für den Einbau von Öl-Anlagen um ein Jahr verkürzt haben. Deshalb musste ich mich viel intensiver mit der Thematik beschäftigen und habe eine Wärmeberatungsfirma (3E Energy Berlin) beauftragt, den Ist-Zustand meines Hauses zu erfassen und einen Sanierungsfahrplan aufzustellen. Der Sanierungsfahrplan sah unter anderem vor: 

  • Kellerwände und Kellerdecke dämmen, Kosten ca. 14.000 €
  • Dachfenster austauschen, Kosten ca. 14.000 €
  • Außenwände dämmen und Fenster austauschen, Kosten ca. 39.000 €
  • Lüftungsanlage dezentral, Kosten ca. 8.000 €
  • Heizung austauschen und Warmwasser mit Solarthermie, Kosten ca. 50.000 €
  • Gesamtkosten ca. 125.000 € bis 140.000 €

Diese Kosten kann in der Regel kein Rentner aufbringen. Menschen ab 70 Jahre bekommen bei den Banken keine Kredite oder nur zu sehr hohen Zinsen. Also habe ich mir den Sanierungsfahrplan für mein Haus genauer angesehen. Die Wärmeberater gehen natürlich vom Optimum aus, was ich nicht bezahlen kann. Ich hielt eine Dämmung der Kellerwände nicht für notwendig, da der Keller selbst im kältesten Winter immer eine Temperatur von 19 °C aufwies.  Durch eine Fassadendämmung wäre ein Fenstertausch notwendig geworden. Da ich aber Fenster mit Dreifachverglasung und einem Ug-Wert von 0,7 m²K habe, war ich nicht bereit, einen Fenstertausch in Betracht zu ziehen. Meiner Einschätzung nach wäre eine Dämmung der Hauswände nur bedingt nötig. An der Wetterseite meines Hauses ist ein weiteres Haus angebaut (Doppelhaus), an der anderen Giebelseite befindet sich ein großes Treppenhaus. Da ich überall große Fenster habe, bleibt nur ein kleiner Teil zu dämmen. Mein Anbau aus den 80er Jahren hat eine für damalige Verhältnisse entsprechende Dämmung. Mein Dach hatte der Wärmeberater nicht zu beanstanden, da ich es selbst mit bester Steinwolle lückenlos gedämmt habe. 

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • DHH, Baujahr 1961
  • Wohnfläche: 270qm plus Bügelzimmer Keller 30qm
  • 5 bis 6-Personen, Energieverbrauch die vergangenen 18 Jahre: 2.500 Liter Heizöl jährlich
  • Verbrauch nach aktueller Hochrechnung ca. 8.000 bis 8.500 kWh Strom jährlich
  • Dach wurde in Eigenregie mit Steinwolle gedämmt
  • Anlage: Vaillant Wärmepumpe VWLL 125/6Aaro THERM plus incl. Trinkwassererwärmung 300l und Heizungspufferspeicher 200l

Daher stand meine Entscheidung fest: Ich werde von den angesprochenen Maßnahmen nur den Einbau einer Wärmepumpe umsetzen. Dass eine Wärmepumpe für mein Haus ausreichen würde, ließ sich durch den Verbrauch der Ölheizung erklären. Bei zwei kleinen und zwei großen Wohnungen mit insgesamt ca. 270 m² Wohnfläche, einem teilweise beheizten Keller mit 30 m² und fünf bis sechs Personen, die warmes Wasser benötigen, lag der durchschnittliche Ölverbrauch in den letzten 18 Jahren bei 2.500 Litern pro Jahr. Aus diesem Grund kam eine Komplettsanierung für mich nicht infrage. Ich habe mich auf das Wesentliche konzentriert, das ich noch bezahlen konnte, ohne dabei finanzielle Einbußen für die Zukunft hinnehmen zu müssen.

Was hat gut funktioniert – und was nicht?

Es hat alles gut funktioniert. Es gab keine Probleme. Nachdem ich Angebote der beiden großen, bundesweit tätigen Unternehmen eingeholt hatte, habe ich einen ortsansässigen Betrieb angesprochen. Ich kann die Firma Jalaß und Söhne in Essen-Werden bestens empfehlen. Vom Angebot über die Absprachen für die Vorbereitungen bis hin zur Ausführung durch die Firma Jalaß kann ich nur beste Noten verteilen. Die vorbereitenden Maßnahmen wie das Aufstemmen der Wände, das Ausheben des Grabens für die Rohre vor dem Haus usw. habe ich nach Absprache selbst durchgeführt

Die Wärmepumpe wurde an einer anderen Stelle im Keller aufgebaut. Dadurch konnte die alte Ölheizung so lange im Betrieb bleiben, bis kein Öl mehr im Tank war. Die Fima hat im Vorfeld jeden Raum und Heizköper vermessen und mitgeteilt, dass ich keine Heizkörper auszutauschen brauchte. Die Umstellung von einer Ölheizung auf eine Wärmepumpe klappte reibungslos. Nach etwa drei Wochen war die Anlage optimal eingestellt. Nach aktueller Hochrechnung werde ich ca. 8.000 bis 8.500 kWh Strom pro Jahr verbrauchen. Meine Stromkosten für das gesamte Haus werden etwa 2.200 bis 2.400 Euro betragen.

Das Bild zeigt Rolf Kramer aus Essen

„Beeilt euch mit der Umstellung, solange es noch Fördermittel gibt. Wenn ihr heute die Fördermittel beantragt, habt ihr bis Ende 2028 Zeit für die Umstellung."

- Rolf

Was hat dich verunsichert oder sogar frustriert?

Am Anfang war ich sehr verunsichert, weil mir viele Informationen fehlten und jeder im Bekannten- und Freundeskreis Halbwahrheiten über Wärmepumpen erzählte. Zu laut.... (stimmt nicht - leiser als mein Kühlschrank in der Küche), Stromverbrauch zu hoch, zu teuer (stimmt nicht, billiger als Ölheizung), dein Haus ist zu alt, die Heizköper schaffen es nicht (stimmt alles nicht) usw. Aufgrund dieser Erfahrung habe ich das Thema Wärmepumpe im Bekanntenkreis nicht mehr angesprochen.

Wie hast du dich im Vorfeld informiert?

Im Vorfeld habe ich mich von der Wärmeberatungsfirma informieren lassen. Anschließend habe ich örtliche Fachmessen besucht und Fernsehsendungen zum Thema verfolgt, bevor ich schließlich Kontakt zu der Firma Jalaß aufgenommen habe.

Wie zufrieden bist du mit deiner Entscheidung?

Wie du lesen kannst, kann ich nur sehr zufrieden sein. Alles hat auf Anhieb geklappt. Keine Probleme. Ich würde es sofort wieder so machen. Nach Erstellung der Abschlussrechnung wurden die Fördergelder von der KfW innerhalb von vier Wochen problemlos ausgezahlt. Vor ein paar Tagen habe ich ein Angebot von meinem bisherigen Öllieferanten erhalten: Die Preise für 2.500 Liter liegen zwischen 2.979 und 3.091 Euro. Das heißt, durch den Einbau der Wärmepumpe werde ich schon im ersten Jahr zwischen 650 und 800 Euro einsparen.

Was empfiehlst du anderen Hausbesitzer*innen?

Beeilt euch mit der Umstellung, solange es noch Fördermittel gibt. Wenn ihr heute die Fördermittel beantragt, habt ihr bis Ende 2028 Zeit für die Umstellung.

Ein Gedanke zum Thema Sanieren im hohen Alter

Wie wird ein Haus finanziert? Im Alter von etwa 30 Jahren wird das Haus gebaut. Nach 25 bis 30 Jahren ist das Haus abgezahlt, ist dann aber auch eine alte Hütte. Neue Bäder, neue Fenster und andere Sachen müssen ersetzt werden. Das bedeutet, dass man während der Abzahlung schon für die kommende Modernisierung ansparen muss. Das können viele Hausbesitzer aber nicht. Trotz der guten Förderung durch die KfW sind viele Rentner nicht in der Lage, Wärmepumpen oder andere teure Heizungen einzubauen. Um einen günstigen Kredit bei der KfW zu bekommen, müssen ältere Hausbesitzer erst einmal eine Bank finden, die ihnen den ersten Kredit gewährt. Das ist alles andere als leicht. Für die Neue Ruhr Zeitung der WAZ-Mediengruppe habe ich im Mai 2023 an meinem Beispiel durch die Firma Hegers Finanzen bei allen bekannten Banken Anfragen gestartet. Das Ergebnis war ernüchternd. Nur eine Direktbank hatte nach Aussage von Herrn Hegers ein sehr gutes akzeptables Angebot gemacht.

Die Problematik, die ich hier anspreche, kann dann nur mit Hilfe der Erben gelöst werden. Aber wenn die Kinder finanziell nicht in der Lage sind, oder ganz entfernt wohnen und kein Interesse an das Haus haben, wird die im Moment billigste Lösung genommen. Soll ich also jetzt das Haus verkaufen und in eine Miet- oder Eigentumswohnung einziehen? Diesen Gedanken hatte ich zuerst auch. Doch meine Frau will wegen der tollen Nachbarschaft nicht weg. Ich natürlich auch nicht. Diese Situation wird sich bundesweit in vielen alten Häusern ähnlich darstellen. Eine mögliche Lösung wäre, wenn die KfW in solchen Fällen die Vollfinanzierung mit den Erben übernehmen würde.

Minh Duc Nguyen

Über den Autor

Minh Duc Nguyen

Minh Duc Nguyen ist seit 2020 Teil der co2online-Redaktion. Er ist besonders vertraut mit dem Thema Heizung im Allgemeinen, sowie Fernwärme und Wärmepumpe im Besonderen. Darüber hinaus gehört der Bereich staatliche Fördermittel für Wohngebäude zu seiner Expertise.

Zum Autor*innen-Profil
Person ruft die VierWende Startseite am Laptop auf.

VierWende-Community

Gemeinsam erfolgreich sanieren

VierWende ist die einzigartige Community für alle, die ihre Sanierung planen oder ihre Sanierung bereits erfolgreich abgeschlossen haben und jetzt ihre Erfahrungen mit dir teilen.

  • Echtes Praxiswissen: Hausbesitzer*innen, die bereits saniert haben, geben wertvolle Tipps weiter.
  • Experten-Webinare: Jeden Monat ein neues Thema rund um Sanierungen .
  • Werbefrei & unabhängig: Hinter VierWende steht die gemeinnützige Klimaschutzberatung co2online.
Jetzt kostenlos testen
Empfehlungen der Redaktion

Weitere Erfahrungsberichte zum Thema „Wärmepumpe“