Energiesparkommissar im Interview: Über Hitzeschutz und Sanierungshürden
07.08.2026 Lesedauer: min
Inhalte
- 1. Wie warm ist es bei euch zu Hause gerade?
- 2. Welche konkreten Maßnahmen habt ihr umgesetzt?
- 3. Habt ihr auch Kühlmöglichkeiten?
- 4. Du sprichst von einer Luft-Luft-Wärmepumpe, richtig?
- 5. Verbraucht das nicht sehr viel Strom?
- 6. Welchen Tipp hast du bei Klimageräten?
- 7. Müsste man nicht erst mal sanieren?
- 8. Sprechen wir über dein neues Buch.
- 9. Was ist die größte Hürde beim Sanieren?
- 10. Ist dein Buch so eine Art ‚Einstiegsdroge‘ zum Sanieren?
Carsten Herbert weiß, wie man Sanierungswissen praktisch vermittelt. Als „Energiesparkommissar“ gibt er nicht nur sein Knowhow über Wärmepumpen preis, sondern kennt auch die besten und günstigsten Tricks zum Energiesparen. Wir haben mit ihm über Hitzeschutz, mentale Hürden beim Sanieren und sein neuestes Buch gesprochen.
1. Die erste Hitzewelle liegt hinter uns. Für die nächsten Tage sind schon wieder Temperaturen jenseits der 30 Grad angekündigt. Hand aufs Herz: Wie warm ist es bei euch zu Hause gerade?
Ich muss sagen, bei uns zu Hause ist es sehr, sehr angenehm. Das ist meine Insel, auf die ich mich zurückziehen kann – nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer. Weil wir nicht nur den winterlichen Wärmeschutz sehr ernst genommen haben, sondern eben auch den sommerlichen. Da habe ich schon vor Jahren alle passiven Maßnahmen, die es so gibt, umgesetzt.
Was beim sommerlichen Wärmeschutz die Hauptrolle spielt, sind ja die transparenten Flächen – also Fenster und andere verglaste Flächen. Da gehen die Sonnenstrahlen durch, wandeln sich in Wärme um und die geht dann nicht mehr raus: quasi eine Wärmefalle. Hier spielt der sommerliche Wärmeschutz durch konsequente Verschattung auf der Außenseite der Fenster bei uns eine ganz große Rolle. Da haben wir sogar dieses Jahr noch mal nachgelegt.
2. Welche konkreten Hitzeschutzmaßnahmen habt ihr da umgesetzt?
Da wir in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus wohnen, haben wir nicht so viele Möglichkeiten. Teure Klappläden wären möglich, aber Rollläden dürfen wir nicht machen. Deswegen haben wir einen textilen Sonnenschutz, den ich mir selbst ausgedacht habe. Den hängen wir in den Sommermonaten einfach außen vor die Fenster.
Wir haben das große Glück, dass wir Holzfenster haben, in die man ganz leicht eine Schraube reindrehen kann. Dann haben wir textilen Sonnenschutz zuschneiden lassen und mit Ösen und einfachen Silikon-Haargummis an den Ecken befestigt. Im Frühjahr, wenn die ersten heißen Tage kommen, werden die hingehängt und dann bleiben sie bis zum September, manchmal Oktober dran. Von außen sieht es total dicht aus, aber von innen kann man durchgucken, sodass man immer noch einen Sichtbezug nach draußen hat. Aber die Hitze bleibt damit draußen.
3. Habt ihr auch Kühlmöglichkeiten?
Unsere passiven Maßnahmen haben viele Jahre funktioniert, manchmal auch noch mit dem Ventilator unterstützt – denn der hilft ja direkt, die gefühlte Temperatur ein bisschen runterzusetzen. Und natürlich auch in Verbindung mit der Nachtlüftung: Wir haben nachts die Fenster unten und oben aufgemacht und dann gibt es durch den Kamineffekt einen Luftaustausch, der relativ groß ist. Dadurch bekommt man nachts einigermaßen viel Wärme wieder abtransportiert.
Das funktioniert aber nur bis zu einem gewissen Grad. Wenn man so eine lange heiße Phase hat wie jetzt, ist es irgendwann auch nicht mehr möglich, die Temperatur auf 24, 25 Grad zu halten – dann geht es eben auf 27, 28 Grad hoch. Und das ist mir dann zu warm. Deswegen haben wir zusätzlich noch eine Aktivkühlung. Zum einen ein fest installiertes Klimagerät im Erdgeschoss, mit dem wir im Winter auch heizen können.
4. Du sprichst von einer Luft-Luft-Wärmepumpe, richtig?
Genau, Klimageräte sind nichts anders als Luft-Luft-Wärmepumpen. Und zusätzlich haben wir auch noch ein mobiles Gerät mit einem richtig ordentlichen Außengerät, das wir für das Dachgeschoss nutzen. Mit dem fällt die Kälte quasi vom Dachgeschoss in das untere Geschoss. Denn andernfalls – mit einer Kühlmöglichkeit nur in einem unteren Geschoss – fehlt diese Vermischung. Dann ist es zwar unten kühl, aber oben bleibt es warm. Daher haben wir noch dieses zweite mobile Gerät. Damit kommen wir sehr, sehr gut über die Runden. Wenn wir wollten, könnten wir im Haus 20 Grad haben, aber das wollen wir nicht. Wir haben so eine Größenordnung von 25, 26 Grad.
5. Verbraucht das nicht sehr viel Strom?
Die beiden Geräte brauchen logischerweise Strom, aber sie sind auch höchst effizient. Wir haben natürlich drauf geachtet, dass das in Sachen Effizienz nicht die schlechtesten Geräte sind. Und dann ist es auch so: Wir haben jetzt seit einem knappen Jahr eine Photovoltaikanlage. Photovoltaikstrom vom Dach und Kühlleistung passen perfekt zusammen: Dann, wenn wir die höchsten Temperaturen haben, haben wir auch den meisten Strom vom Dach. Und dann ist es quasi sogar eine Maßnahme, mit der man das Stromnetz ein bisschen entlastet.
Früher hat man ja gedacht: Kühlen mit Klimageräten, das ist schlimm, weil wir dabei den komischen Atom- oder Kohlestrom brauchen. Mittlerweile ist es aber so, dass wir quasi ausschließlich Solarstrom verbrauchen. Selbst wenn man selber keine Photovoltaikanlage hat, ist es eigentlich eine coole Maßnahme. Und ich sag mal so: Im Winter heizen wir ja auch und das kostet Geld. Und wenn uns die Kühle wichtiger ist oder erforderlich ist, weil die Temperaturen in unseren Wohnungen so hoch sind, dann muss man einfach in diesen sauren Apfel beißen, auch wenn es mal ein paar Euro Verbrauch kostet. Ob man das will oder lieber schwitzt, das muss jeder für sich entscheiden.
6. Viele Leute wollen sich jetzt Klimageräte anschaffen. Welchen Tipp hast du da noch?
Mein Tipp ist: Nicht im Sommer kaufen. Am besten im Winter, denn jetzt im Moment sind die Regale und die Internetportale leer und wenn man noch etwas bekommt, ist es verdammt teuer. Da sollte man eher antizyklisch kaufen. Im Oktober, November werden noch die letzten Geräte verkauft, die schon vorbestellt wurden. Ab Januar ist dann ein guter Zeitpunkt, um zu sagen: So, jetzt gehen wir das nochmal an, jetzt suchen wir noch mal nach einem aktiven Kühlgerät.
7. Aber müsste man nicht trotzdem erst mal sagen: O.k., bevor ich jetzt in ein ungedämmtes, unsaniertes Dachgeschoss, eine Klimaanlage einbaue, mache ich vielleicht doch noch mal irgendeine kostengünstige Maßnahme?
Ganz klar ist es von der Reihenfolge her so: Immer zuerst die passiven Maßnahmen. Denn die kosten manchmal fast nichts oder nur ganz wenig. Zum Beispiel bei der außenliegenden Verschattung: Vielleicht gibt es einfach einen Rollladen, den ich benutzen kann, den ich vorher noch nicht so intensiv benutzt habe. Jeder Quadratzentimeter, den ich verschatte, hilft mir, die Temperatur in meinem Haus oder in meiner Wohnung zu reduzieren. Und wie gesagt: Erst mal alle passiven Maßnahmen nutzen. Dazu habe ich auch ein Video gemacht und es gibt auch eine Menge Tipps dazu im Internet. Die muss man sich erst mal anschauen, kennenlernen und dann eben konsequent durchführen. Und wenn das alles nicht mehr hilft, dann kann der zweite Schritt auch eine aktive Kühlung sein.
8. Apropos kostengünstig: Du hast ein neues Buch geschrieben. Wie kam es dazu?
Da kam genauso wie bei den anderen zwei Büchern der Verlag auf mich zu. Diesmal hat die Stiftung Warentest bei mir geklingelt und gesagt: „Wir würden gerne ein Buch mit dir machen.“ Da ging es erst mal eher um Wärmepumpen, das war die eigentliche Idee. Allerdings hatte ich ja bereits ein Wärmepumpenbuch geschrieben und auch ein Online-Wärmepumpen-Wissensportal entwickelt, daher dachte ich: Vielleicht ist es cooler, noch mal eine andere Ebene aufzumachen – eine Sammlung an geringinvestiven, kleinen Maßnahmen, um die Zielgruppe noch umfassender informieren zu können.
Also Menschen, die vielleicht auch an eine Wärmepumpe denken, aber die sie noch ein bisschen effizienter machen wollen. Denn Wärmepumpen laufen ja dann am effizientesten, wenn sie sich am wenigsten anstrengen müssen. Und weniger anstrengen müssen sie sich dann, je besser der Wärmeschutz ist – also, wenn die entsprechenden Temperaturen, die das Heizsystem benötigt, um das Haus warm zu machen, möglichst niedrig sind. Und wie kriegt man die runter? Ja klar, mit teuren Dämmmaßnahmen. Das ist das, was alle kennen, worüber immer alle nachdenken, wenn es um Wärmeschutz geht. Wenn Menschen, „Wärmeschutz“ hören, denken sie immer erst mal an Dachdämmung, Wanddämmung, Fensteraustausch.
Aber, diese Maßnahmen sind alle verdammt teuer. Und sie sind daher gekoppelt an den Instandsetzungszeitpunkt. Das heißt, sie sind eigentlich nicht geeignet, um meine Wärmepumpe effizienter zu machen, weil ich die erst dann mache, wenn ich sie machen muss, aber eben nicht vorzeitig.
Es gibt aber auch ein paar Maßnahmen – in der Wand, im Dach, in der Anlagentechnik –, für die muss eben nicht sofort eine Komplettsanierung durchgeführt werden, sondern die sind so eine Art Zwischenstufe. Die kann ich jederzeit machen UND sie sind eben nicht extrem teuer, sie sind manchmal sehr günstig, manchmal kosten sie sogar überhaupt nichts. Diese Maßnahmen sind in der ganzen Energiespardebatte der Vergangenheit komplett in Vergessenheit geraten, weil sie in der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt wurden von den großen Sachen.
Genau darauf zielt das neue Buch ab: dass wir endlich diese geringinvestiven Maßnahmen, die in jedem Haus vorhanden sind, in den Mittelpunkt stellen. Diese Idee fanden sie dann auch bei Stiftung Warentest gut. Und ich bin total begeistert, dass wir sie jetzt umgesetzt haben und freue mich total auf die Veröffentlichung.
9. Du hast es schon angesprochen: Es gibt gewisse Hemmschwellen beim Sanieren. Was würdest du sagen: Was ist die größte Hürde? Immerhin gibt es Millionen Gebäude, die saniert werden müssten.
Ich glaube tatsächlich, dass einer der Gründe, warum dieses „Sanieren“ fast schon ein negatives Image hat, die hohen Kosten sind. Die rufen sofort so etwas hervor wie: „Boah, nee, das fange ich jetzt nicht an. Ich gebe keine 100.000 Euro aus, kann ich mir eh nicht leisten. Ich Normalverdiener*in kriege das nicht hin.“ Und bevor man mitbekommt, dass das gar nicht teuer sein muss, hat man die Entscheidung nichts zu tun schon längst getroffen. Es ist sofort eine Gedankenbarriere da – und die muss man erstmal durchbrechen.
In meinen Veranstaltungen spielen die geringinvestiven Maßnahmen schon seit langem eine zentrale Rolle. Auch wenn ich über Wärmepumpen referiere, haben die immer ihren Platz. Und ich merke, dass die Leute darauf anspringen. Da kommen Menschen direkt nach der Veranstaltung zu mir und sagen: „Ich habe mir schon eine Sparbrause online bestellt.“ Weil sie merken: O.k., das kann auch ich, das geht auch bei mir! Genau diese positive Rückmeldung vieler Menschen war dann der Auslöser zu sagen: In Verbindung mit der Wärmewende und der Wärmepumpeneffizienz ist es einfach unheimlich wichtig, dass wir das Thema nochmal in einem Buch anpacken.
10. Ist dein Buch so eine Art ‚Einstiegsdroge‘ zum Sanieren?
Wunderbar formuliert – das erklärt es ganz gut. Man hat erst mal den Fuß in der Tür mit einer kleinen Maßnahme. Und dann hat man vielleicht die ersten Erfolge erzielt und sagt: „Okay, vielleicht gibt es ja sogar noch mehr, was ich tun kann.“ Und dann kann man schauen, was noch passt. Die erste Maßnahme hat vielleicht 100 Euro gekostet, danach geht man vielleicht auch mal eine 1.000-Euro-Maßnahme an. Es ist ja immer noch geringinvestiv im Vergleich zu 50.000 oder 100.000 Euro für eine Dachsanierung oder ähnliches. Man kann dann stufenweise vorgehen: Man beginnt mit etwas, was gar nichts kostet, dann etwas, was 50 Euro kostet und so weiter – und schon ist man mittendrin.
Das Buch „Einfach sanieren“ von Energiesparkommissar Carsten Herbert erscheint am 30. September. Aktuell gibt es eine besondere Aktion: Wer es bis zum 9. September vorbestellt, bekommt ein handsigniertes Exemplar plus eine kleine Überraschung pünktlich am Erscheinungstag nach Hause geliefert.
Zum Buch: „Einfach sanieren“