Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus: Ist doch selbstverständlich!

20.04.2026 Lesedauer: min Minh Duc Nguyen

Wärmepumpe Außeneinheit von Benedikt aus Stuttgart

Benedikt Karow (37) ist in Stuttgart-Weilimdorf tief verwurzelt. Als er das Nachbarhaus seiner Eltern kaufte und es von einem Einfamilienhaus mit rund 80 Quadratmetern zu einem Mehrfamilienhaus mit drei Wohneinheiten und 150 Quadratmetern ausbaute, stand er vor der zentralen Frage: Wie lässt sich ein solches Haus künftig effizient, zukunftssicher und möglichst unabhängig heizen? Den entscheidenden Tipp erhielt er von seinem Heizungsbauer.

Benedikt Karow in seinem Haus.

Benedikt findet

„Ich habe mich auf meinen Handwerker verlassen"

„Das Konzept der Wärmepumpe in Kombination mit einer PV-Anlage ist zukunftsträchtig, weil man damit ein Stück weit autark werden kann. Mein Heizungsbauer verfügt über jahrzehntelange Erfahrung damit.“ 
– Benedikt Karow

 

Warum hast du dich für eine Wärmepumpe entschieden?

Das alte Heizsystem war eine einfache Ölheizung ohne Zentralheizung – die Wärme wurde über große Lüftungsrohre in die Räume geleitet. Mit dem Umbau war klar, dass wir komplett neu denken mussten. Bei den ersten Überlegungen schloss ich eine neue Öl- oder Gasheizung nicht aus, da ich mir zunächst alle Alternativen ansehen wollte. Insbesondere Öl, da man damit eine gewisse Zeit lang autark ist. Mir wurde jedoch sehr schnell klar, dass es nur eine Lösung gibt, wenn man sich annähernd autark versorgen und nicht den Preisschwankungen von Öl oder Gas unterliegen möchte.

Das Konzept der Wärmepumpe in Kombination mit einer PV-Anlage hat mich dann sehr überzeugt, weil es einfach ein sehr schönes Zukunftskonzept ist. Hier kommt der Autarkiegedanke sehr gut zum Tragen – sich selbst versorgen zu können, im Idealfall kostenlos zu heizen, wenn man den eigenen Solarstrom nutzt. Deswegen habe ich auch eine Notstrombox einbauen lassen, damit das System selbst bei einem Stromausfall weiterläuft.

Wir haben außerdem den Energieeffizienzstandard EE 55 angestrebt. Da passt die Wärmepumpe einfach perfekt ins Gesamtkonzept und man darf auch nicht die tollen Fördermöglichkeiten außer Acht lassen.

Die wichtigsten Fakten

  • Altes Haus Baujahr 1935, unsaniert, 80 qm
  • Neues Haus, Energieeffizienzstandard EE 55, Wärmepumpe beerbt Ölheizung
  • PV-Anlage + Notstrombox
  • monatliche Heizkosten + Warmwasser grob: 240 Euro

Was hat gut funktioniert – und was nicht?

Ich habe mich bei der Wahl der Wärmepumpe vollständig auf meinen Heizungsinstallateur verlassen, der seit Jahrzehnten damit arbeitet und mit der Marke Buderus sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Das war die richtige Entscheidung. Ich wurde keineswegs enttäuscht.

Wir haben eine Raumsolltemperatur von 21 Grad, nachts geht sie auf 19 Grad herunter. Die Vorlauftemperatur schwankt zwischen 29 und 32 Grad – und das Haus ist trotzdem bis zu 25 Grad aufheizbar. Die Mieter sind sehr glücklich und bei Bedarf könnte man auch jederzeit per App-Steuerung die Solltemperatur anpassen. Das Außengerät ist so leise, dass man das Ohr direkt davorhalten muss, um überhaupt etwas zu hören. Wir haben mit die kleinste verfügbare Luft-Wärmepumpe für ein Haus. Sie hat eine Nennleistung von 4 kW – für 150 Quadratmeter eine sehr gute Größe.

Eine nette Überraschung war: Für den Graben zwischen Außen- und Innengerät haben mich die Handwerker grinsend angeschaut und mir einen Spaten in die Hand gedrückt, da schaufeln nicht im Leistungsumfang enthalten war und einen Aufpreis gekostet hätte. Am Ende habe ich zwei Tage selbst geschaufelt – knapp einen Meter tief, mit der nötigen Breite für die Rohre. Das war eine Erfahrung, die man mit ein bisschen Muskelkraft löst – aber schön ist es trotzdem, wenn man das vorher klar geregelt hat.

Welche Überraschungen hast du erlebt?

Anfangs gab es durchaus Vorbehalte – vor allem die Frage, ob eine Wärmepumpe in einem Bestandsgebäude überhaupt funktioniert. Das ist ein Thema, das viele beschäftigt. Ich kann sagen: Es funktioniert. In dem Fall mit einer Fußbodenheizung.

Was mich wirklich frustriert hat, waren die Kosten für die Baugenehmigung: 10.000 Euro. Das hatte ich so nicht auf dem Schirm. Wenn man schon so viel investiert, um Wohnraum zu schaffen und energetisch zu sanieren, dann ist das eine zusätzliche Belastung, die man kaum nachvollziehen kann.

Und dann gab es noch eine kleine, aber auch sehr lustige Überraschung im Sanitärbereich: Warm- und Kaltwasser waren vertauscht worden – die Toilette wurde im Dachgeschoss mit Warmwasser betrieben. Das merkten wir erst, als heißer Dampf aus der Toilettenschüssel aufstieg. Aber der Handwerker hat es wirklich schnell und sauber gelöst. Solche Dinge passieren und man sollte darauf vorbereitet sein. Auch hier zahlt sich Qualität der Handwerker aus, da Probleme in der Regel dann auch schnell gelöst werden können.

Wie hast du dich im Vorfeld informiert?

Ich habe mich vor allem auf die Erfahrung meines Heizungsinstallateurs verlassen. Wer seit Jahrzehnten mit einem System arbeitet und eine bestimmte Marke immer wieder erfolgreich einsetzt, der weiß, was er empfiehlt. Dieses Vertrauen war gut investiert.

Darüber hinaus war die enge Zusammenarbeit mit meiner Architektin Nicole Schuchmann entscheidend. Sie und ihr Team haben über 20 Jahre Erfahrung mit Sanierungen und Umbauten im Bestand und arbeiten mit einem festen Handwerkerstamm zusammen. Das gibt eine Sicherheit, die man sich alleine nur schwer erarbeiten kann.

Auch das Thema Förderung habe ich intensiv recherchiert – gemeinsam mit einem Energieberater sowie dem Energieberatungszentrum Stuttgart konnte ich mir hier die besten Förderungen zusammenstellen. In Stuttgart ist man da tatsächlich gesegnet: Neben dem KfW-Darlehen 261 (mit Tilgungszuschüssen je nach Energieeffizienzstandard) gibt es städtische Zuschüsse pro Wohneinheit für energetische Komplettsanierungen, für PV-Anlagen mit Speicher, für Wallboxen und für ökologische Baustoffe. Das sind keine Darlehen – das ist echtes Cashback. Allein für die Stadt Stuttgart waren das bis zu 25 Prozent Förderung auf bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit.

Wie zufrieden bis du mit deiner Entscheidung?

Sehr zufrieden. Das System läuft, das Haus ist warm, die Mieter sind zufrieden und ich kann den PV-Strom direkt an meine Mieter weitergeben – zu einem fairen Preis, der trotzdem meine Kosten deckt und eine kleine Marge lässt, um das Gerät irgendwann ersetzen zu können. Die Haltbarkeit einer Wärmepumpe liegt je nach Erfahrungsbericht bei rund 12 bis 15 Jahren. Natürlich kann sie auch länger laufen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Starts der Wärmepumpe – das muss man bei der Kalkulation im Blick behalten, deshalb lieber vorsichtig kalkulieren.

Grob überschlagen liegen die monatlichen Heizkosten inklusive Warmwasser für das gesamte Haus bei rund 240 Euro – in einem sehr kalten Monat. Das fühlt sich gut an, da man hiermit drei Parteien versorgt bekommt.

Die Gesamtkosten für die Wärmepumpe inklusive Einbau liegen schätzungsweise bei 25.000 bis 35.000 Euro. Mit den Fördermitteln relativiert sich das deutlich. Eine genaue Kostenangabe für die Wärmepumpe kann ich hier nur grob ermitteln, da die Wärmepumpe im Rahmen des KfW-Kredits 261 mitfinanziert wurde. 

Benedikt Karow vor seinem Haus, auf der rechten Seite eine Wärmepumpe.

Erfahren Sie mehr über Benedikts Projekt!

In unserer Online-Community VierWende erhalten Sie wertvolle Einblicke in zahlreiche Sanierungsprojekte. Dort können Sie Benedikt fragen,

  • wie er auf seine Architektin Nicole Schuchmann gekommen ist,
  • warum die Verbindung zu seinen Mieter*innen ihm so wichtig ist und
  • welche Pläne er noch hat.

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Was empfiehlst du anderen Hausbesitzer*innen?

  • Holt euch frühzeitig fachkompetente Unterstützung ins Team. Eine erfahrene Architektin oder ein guter Energieberater kann euch nicht nur bei der Planung helfen, sondern auch dabei, Kosten realistisch einzuschätzen und Förderungen optimal zu nutzen. Viele Projekte scheitern, weil die Kosten am Ende aus dem Ruder laufen und die Finanzierung darauf aufgebaut war.
  • Plant einen Puffer von 10 bis 15 Prozent ein. Es wird immer Überraschungen geben – auf der Baustelle, bei den eigenen Wünschen, bei den Nachbarn. Wir haben zum Beispiel blendfreie PV-Module gewählt, die doppelt so viel gekostet haben wie die Standardvariante. Aber ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft ist das wert.
  • Schaut euch die Fördermöglichkeiten genau an – und zwar bevor ihr mit der Finanzierung startet. In vielen Städten gibt es mehr als nur die KfW-Förderung. Und: Ihr müsst die Handwerkerrechnungen zunächst vorstrecken, bis die Fördermittel ausgezahlt werden. Dafür braucht ihr einen ausreichenden Liquiditätspuffer.
  • Denkt in Cashflow, nicht nur in Rendite. Am Ende schaut man aufs Konto. Kann ich meine Raten tilgen? Reichen die Mieteinnahmen? Und unterschätzt die steuerlichen Vorteile nicht – wer vermietet, kann vieles absetzen und bekommt eine Steuererstattung, die helfen kann, anfängliche Defizite auszugleichen.
  • Und last but not least: Vertraut auf erfahrene Handwerker. Eine Wärmepumpe, die von jemandem eingebaut wird, der das seit Jahrzehnten macht, läuft einfach. Das ist kein Ort zum Sparen.
Architektin Schuchmann neben der Wärmepumpe

Drei Zusatzfragen an Architektin Nicole Schuchmann

co2online: Wärmepumpen eignen sich nur für gedämmte Einfamilienhäuser mit Fußbodenheizung. Stimmt das?

Nicole Schuchmann: Ich habe selbst vor 15 Jahren eine Wärmepumpe in mein ungedämmtes Haus mit alten Heizkörpern und ohne Fußbodenheizung eingebaut – mit wirklich schlechten Voraussetzungen. Und es hat funktioniert. Seitdem habe ich für den Bestand immer nur Positives zu berichten.

co2online: Man braucht für die Wärmepumpe immer eine Fußbodenheizung

Nicole Schuchmann: Neben diesem Projekt habe ich noch ein Mehrfamilienhaus mit vier Wohneinheiten auf eine Wärmepumpe umgestellt. Wir haben keine Fußbodenheizung eingebaut, sondern nutzen die vorhandenen Heizkörper. 

Unter Umständen muss die Heizfläche eventuell vergrößert werden. Es gibt inzwischen auch Wärmepumpenheizkörper mit einem zusätzlichen Ventilator, der die Wärme besser verteilt, falls es irgendwo knapp werden sollte. Grundsätzlich kommt man aber auch ohne Fußbodenheizung gut mit einer Wärmepumpe zurecht.

co2online: Wärmepumpen sind laut und stören die Nachbarn

Nicole Schuchmann: Heute sind die Wärmepumpen so leise, dass man manchmal, wenn man danebensteht, gar nicht merkt, dass sie laufen. Alte Anlagen hatten ihr Rauschen – aber heutzutage sind die wirklich sehr gut.

Minh Duc Nguyen

Über den Autor

Minh Duc Nguyen

Minh Duc Nguyen ist seit 2020 Teil der co2online-Redaktion. Er ist besonders vertraut mit dem Thema Heizung im Allgemeinen, sowie Fernwärme und Wärmepumpe im Besonderen. Darüber hinaus gehört der Bereich staatliche Fördermittel für Wohngebäude zu seiner Expertise.

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