Balkon Solaranlage: Kosten & Funktion eines Balkonkraftwerks

Ein Balkonkraftwerk können Sie selbst montieren und an eine Steckdose anschließen. Je mehr eigenen Solarstrom Sie direkt verbrauchen, desto weniger Energie müssen Sie über das öffentliche Netz beziehen. Das spart Geld und schont die Umwelt. Welche Details es zu beachten gilt, erklärt dieser Ratgeber.

Strom sparen leicht gemacht

Noch umweltfreundlicher, als eigenen Solarstrom zu nutzen, ist es, weniger Strom zu verbrauchen. Unser StromCheck zeigt Ihnen Ihre Sparpotenziale.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Verbindung mit dem Hausnetz über Steckdose in der Wohnung
  • selbst anschließen bis maximal 600 Watt Leistung erlaubt
  • Verantwortung für stabile Montage liegt bei Betreiber*innen
  • Balkon-Solaranlagen sind meldepflichtig (Bundesnetzagentur & Netzbetreiber)
  • Gesetzesänderungen sollen Nutzung von Balkonkraftwerken vereinfachen

Was ist ein Balkonkraftwerk?

Eine Stecker-Solaranlage ist eine kleine Photovoltaikanlage, die aus ein oder zwei Solarmodulen besteht. Sie wird nicht direkt mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden, sondern nur mittelbar – über eine Steckdose im Haushalt. Während bei einer größeren netzgekoppelten Photovoltaikanlage die Solarmodule getrennt vom Wechselrichter installiert werden, ist bei der Mini-Solaranlage für den Balkon alles beisammen:

  1. Der Wechselrichter, der den in den Modulen erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt, befindet sich auf der Rückseite des Solarmoduls.
  2. Vom Wechselrichter geht ein Stecker ab, den Sie in eine Steckdose stecken können. Bedingung: Die Leistung des Solarpanels für den Balkon beträgt maximal 600 Watt. Ist sie größer, muss ein/e Elektriker*in kommen.

Montiert werden können die Anlagen auf dem Balkon, auf Terrassen, an der Fassade oder auch auf einem Dach. Notwendig ist, dass sich eine fest installierte Steckdose in der Nähe zur Anlage befindet. An eine Mehrfachsteckdose dürfen die Systeme nicht geschlossen werden. Außerdem sind die Regeln der Technik einzuhalten.

Unterschied zu „klassischen“ PV-Anlagen

Der größte Unterschied zwischen einer Solaranlage für den Balkon (auf Terrassen oder an der Fassade) und einer herkömmlichen PV-Anlage liegt in ihrer Flexibilität. Sie können Ihr Balkonkraftwerk selbst montieren, anschließen, anmelden und bei Bedarf selbst entfernen und an einem anderen Ort wieder aufstellen. Klassische Solaranlagen hingegen sind für den dauerhaften Betrieb an Ort und Stelle vorgesehen. Montage, Wartung und Anmeldung können Anlagenbesitzer*innen nicht selbst vornehmen.

Funktionsweise eines Balkonkraftwerks

Ist die Balkon-Solaranlage an eine Steckdose angeschlossen, fließt der erzeugte Solarstrom ins Hausnetz und kann alle Geräte speisen, die gerade in Betrieb sind. Gibt es mehr Solarstrom, als gerade gebraucht wird, wandert er ins öffentliche Netz. Da die PV-Leistung klein ist, handelt es sich dabei eher um kleine Überschussmengen: Weit überwiegend dient der Solarstrom dem Eigenverbrauch.

Fließt etwas Solarstrom ins öffentliche Netz, ist das nicht schlimm. Das Recht, Solarstrom einzuspeisen, hat jede/r Betreiber*in einer Photovoltaikanlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Vorausgesetzt, die Anlage ist bei der Bundesnetzagentur registriert. Das Gleiche gilt für die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung, wenn Sie den Strom nicht kostenlos ins Netz abgeben wollen. Dann ist aber ein Zweirichtungszähler einzubauen, um die eingespeiste Strommenge zu erfassen. Der finanzielle Aufwand kann den Nutzen leicht übersteigen – denn es handelt sich eben nur um kleine Strommengen, die vergütet werden können.

Was tun bei rückwärts drehenden Stromzählern?

Was bei der kostenlosen Einspeisung von überschüssigem Strom nicht passieren sollte: dass sich der Stromzähler rückwärts dreht. Das tritt bei elektro-mechanischen Stromzählern (sogenannten Ferraris-Zählern) ohne Rücklaufsperre auf. Diese werden aber bis 2030 durch digitale Zähler ersetzt, die nicht rückwärts zählen können. Wenn Sie noch einen Ferraris-Zähler besitzen, dann fragen Sie Ihren Netzbetreiber nach einer Rücklaufsperre oder warten Sie auf eine geplante Gesetzesänderung.

Was kostet eine Balkon-Solaranlage?

Eine Balkon-Solaranlage ist im Vergleich zu einer netzgekoppelten Photovoltaikanlage, die auf dem Dach installiert wird, deutlich günstiger. Denn es braucht kein Gerüst, keine professionelle Montage, viel weniger Kabel und nur einen Stecker (pro Solarmodul) zum Anschluss an eine Steckdose. Notwendig ist aber wie bei netzgekoppelten Anlagen auch eine Montagekonstruktion für das Solarmodul. Das kann eine Halterung für ein Balkongeländer beziehungsweise zur Montage an der Fassade sein, oder auch ein Gestell, das auf einem flachen Boden oder auch einem schrägen Dach befestigt wird.

Die Länge des Kabels und der Steckertyp sollten wählbar sein. Ist das nicht der Fall, sollte vor Kauf ausgemessen werden, ob die Kabellänge ausreicht. Neben einem zweipoligen Schuko-Stecker zum Einstecken in eine haushaltstypische Schutzkontaktsteckdose (Schuko) werden Systeme mit dem dreipoligen Wieland-Stecker angeboten. Die zugehörige Wieland-Steckdose bieten die entsprechenden Händler in der Regel gleich mit an. Setzen muss eine neue Steckdose allerdings ein/e Elektriker*in. Netzbetreiber schreiben eine Wieland-Steckdose beim Betrieb einer Balkon-Anlage teilweise vor – das erhöht die Kosten.

Komplettpaket ab 500 Euro

Wird ein Komplettpaket angeboten, also Balkonmodul mit Wechselrichter sowie Montagekonstruktion, ist ein System mit 300 Watt Leistung ab 500 Euro zu haben; bei 600 Watt Leistung sind es mindestens 700 Euro. Optional werden kleine Batteriespeicher zum Balkonkraftwerk angeboten. Diese erhöhen die Anschaffungskosten deutlich.

0 bis 19 Prozent Mehrwertsteuer je nach Aufstellort

Die Anlagen und Komponenten werden mit 0 und mit 19 Prozent Mehrwertsteuer angeboten. Das liegt an einer seit 2023 bestehenden Gesetzesregelung: Photovoltaikanlagen, die auf oder an Wohnhäusern (sowie öffentlichen Gebäuden und solche, die dem Gemeinwohl dienen) betrieben werden, unterliegen dem Nullsteuersatz. Wird die Photovoltaikanlage dagegen auf einem gewerblichen Gebäude, im Garten oder auf einer baulichen Anlage wie einem Carport betrieben, erhebt der Staat 19 Prozent Umsatzsteuer.

Anschaffungskosten für Balkonkraftwerke im Überblick

KomponentePreis
Solarmodul (300 Watt) mit Wechselrichter400–600 Euro
Zwei Solarmodule (600 Watt) mit Wechselrichter700–900 Euro
Montagekonstruktion50–300 Euro
Wieland-Stecker und zugehörige SteckdoseCa. 30 Euro
Komplettpaket (300 Watt)500–1.000 Euro
Komplettpaket (600 Watt)700–1.700 Euro
Komplettpaket mit Speicher (300 Watt)

> 2.000 Euro

Quelle: Anbieter von Stecker-Solar-Komponenten oder Komplettsystemen (Stand: März 2023). Alle Preise mit 0 Prozent Umsatzsteuer.

Fördermöglichkeiten für Balkon-Solaranlagen

Die Anschaffungskosten für eine Minisolaranlage lassen sich durch Fördermittel senken. Einige Kommunen in Deutschland fördern den Kauf über Zuschüsse:

StadtProgramm Zuschuss
AachenRichtlinie zur Förderung von Solaranlagen in der Stadt Aachen 200 Euro
BerlinSolarPlus bis 500 Euro
BonnSolares Bonn bis 300 Euro für Eigentümer*innen
bis 600 Euro für Mieter*innen
BraunschweigRegenerative Energien und Energieeffizienzmaßnahmen bis 300 Euro
DüsseldorfKlimafreundliches Wohnen und Arbeiten in Düsseldorf bis zu 600 Euro
ErlangenGewährung von Zuschüssen für CO2-mindernde Maßnahmen am Gebäude und Nachhaltig Bauen bis 300 Euro
FreiburgKlimafreundlich wohnen bis 200 Euro
KölnGebäudesanierung und Erneuerbare Energien 200 Euro
MünchenFörderprogramm Klimaneutrale Gebäude (FKG) bis 240 Euro, maximal 50 Prozent der Kosten
StuttgartStuttgarter Solaroffensive 100 Euro für Mieter*innen

Quelle: Förderprogramme der Städte (Stand: 7. März 2023). Die Städte sind alphabetisch geordnet. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Zuschüsse werden in allen Städten für Anlagen bis 600 Watt Leistung und unter Einhaltung von Normen und rechtlichen Pflichten gewährt. Ein Förderantrag ist vor Kauf der Anlage zu stellen.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

Über eine Stecker-Solaranlage können Sie sich zu etwa 10 Prozent selbst versorgen und sich somit ein Stück weit unabhängiger machen von Stromlieferanten. Wie viel es genau ist, hängt von mehreren Faktoren ab:

Verschieben Sie einen Teil Ihres Stromverbrauchs in die Zeiten, wenn die Mini-PV-Anlage viel Strom produziert, profitieren Sie stärker vom eigenen Strom. Der Stromertrag ist am höchsten, wenn das Solarmodul nach Süden zeigt, um 30 bis 35 Grad geneigt ist und kein Schatten darauf fällt. Er wird kleiner, je steiler oder flacher das Modul montiert ist und je weiter es nach Norden zeigt. Am stärksten verringert sich der mögliche Ertrag, wenn das Modul oft verschattet wird.

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin (HTW Berlin) bietet mit dem Stecker-Solar-Simulator ein Tool, um den Ertrag zu bestimmen. Je nach Strombedarf und Verbrauchsverhalten ermittelt der Rechner den voraussichtlichen Eigenverbrauch und liefert eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, wenn der Preis für die Stecker-Solaranlage und für den Strom aus dem Netz angegeben wird. Bei gutem Stromertrag ist eine Ersparnis von 100 Euro und mehr pro Jahr möglich. Die Investition kann sich dann je nach Anschaffungskosten binnen 6 bis 9 Jahren rechnen. Ist der Stromertrag mittelmäßig, dauert es länger.

Erfahrungsberichte helfen bei der Kaufentscheidung

Solaranlagen für Balkon und Co gibt es nicht erst seit gestern. Dementsprechend zahlreich sind Erfahrungsberichte von Nutzer*innen Hier berichtet beispielsweise ein Nutzer, wie viel Geld er mit der Stecker-Solaranlage gespart hat. Noch detailliierter geht es in diesem Forumsbeitrag. In beiden Fällen ist der Tenor eindeutig: Für die Besitzer*innen hat es sich bislang gelohnt.

Sicherheit von Balkonanlagen und geprüfte Systeme

Beträgt die Leistung des Solarmoduls maximal 600 Watt, gilt die elektrische Installation im Haushalt als sicher, wenn die allgemeinen Regeln der Technik eingehalten werden. Dass das der Fall ist, erkennen Sie an dem Siegel der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Die Arbeitsgruppe PVPlug des Vereins hat einen Sicherheitsstandard definiert und prüft steckerfertige Solaranlagen nach diesem. Welche Systeme den Anforderungen entsprechen, ist der Produktdatenbank der DGS zu entnehmen. Geprüfte Anbieter weisen ihre Produkte in der Regel mit dem DGS-Siegel aus.

Ein Energieberater überprüft den Balkon(c) www.co2online.de | Alois Müller

Auf zertifizierte Solarmodule achten

Das Balkonmodul muss aber nicht nur elektrisch, sondern auch mechanisch sicher installiert sein. Eine Halterung sollte genau zum eigenen Balkon passen und Windlasten standhalten können; dasselbe gilt für Befestigungen an Wänden und auf ebenen Flächen. Wie und in welcher Höhe eine Balkon-Solaranlage verbaut werden darf, weist der Hersteller in seiner Montageanleitung aus.

Grundsätzlich sind für die Installation an Fassaden und Balkonen in mehr als vier Metern Höhe nur bestimmte, vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) zertifizierte Solarmodule zugelassen. Wer die Module auf einem Dach oder am Boden installieren will, unterliegt dieser Einschränkung nicht. Zu überlegen ist, ob eine Stecker-Solaranlage in die Haftpflichtversicherung aufgenommen wird für den Fall, dass sie sich infolge eines Sturms löst und herunterfällt.

Pflichten bei Installation einer Stecker-Solaranlage

Gebäudeversicherungen legen in ihren Bedingungen meist fest, dass ihnen eine neu installierte Photovoltaikanlage gemeldet werden muss. Wer das versäumt, kann im Versicherungsfall Probleme bekommen. Meist ist es möglich, den Versicherungsschutz um die Stecker-Solaranlage zu erweitern – kostenlos oder gegen eine höhere Prämie.

Aus Gründen des Versicherungsschutzes und der Haftung sollten Mieter*innen vor der Installation eines Mini-PV-Kraftwerks mit ihrem/ihrer Vermieter*in sprechen. Soll für die Installation der Anlage in die Fassade gebohrt werden, braucht es das Einverständnis des/der Vermieter*in.

Jede Stromerzeugungsanlage ist dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur zu melden – auch eine Stecker-Solaranlage. Außerdem ist der Netzbetreiber über den Anschluss zu informieren. Die Netzbetreiber stellen dazu in der Regel Anmeldeformulare auf ihrer Internetseite bereit. Einige verlangen zudem, dass das Balkonmodul an eine Wieland-Steckdose angeschlossen oder ein Zweirichtungszähler gesetzt wird. Mit einem neuen Zähler kann auch der Einbau eines neuen Zählerschranks notwendig werden.

Es wird aktuell daran gearbeitet, dass es künftig einheitlichere und einfachere Regelungen für Balkon-Solaranlagen gibt.

Geplante Änderungen bei Gesetzen und Normen für Balkonkraftwerke

Anfang 2023 hat der Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE) ein Positionspapier veröffentlicht, das einfachere Regelungen für Stecker-Solaranlagen vorsieht. Die Bundesregierung hat die Forderungen im Rahmen des „Solarpakets I“ nun verabschiedet. So soll ab 2024 Folgendes erlaubt oder ausreichend sein:

  • Vereinfachte Anmeldung der Anlage: Registrierung ist nur noch im Markstammdatenregister der Bundesnetzagentur nötig, Netzbetreiber sollen auf die Daten zugreifen können
  • Betrieb der Anlagen an jedem Stromzähler: Ferraris-Zähler dürfen sich übergangsweise rückwärts drehen
  • Betrieb von Balkonkraftwerken mit Schuko-Stecker: Anlage kann an herkömmliche Steckdose angeschlossen werden (hierfür muss die technische Norm angepasst werden, an der der VDE bereits arbeitet (V-VDE 0126-95))
  • Mehr Leistung: Betrieb von bis zu 800 Watt Solarstromleistung (statt bisher 600 Watt)

(Stand: August 2023)

Autorin: Ines Rutschmann

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