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Feinstaub durch Lagerfeuer, Feuerkorb, Grillen & Co.

Egal ob das Lagerfeuer am Strand oder der Grill im Garten – offene Feuer gehören nicht nur in Deutschland zum Sommer dazu. Während es für Feuer im Innenbereich, etwa in Kaminen, jede Menge Vorgaben gibt, ist das Feuermachen draußen weniger reguliert. Doch auch hier entsteht Feinstaub. Wie umweltfreundlich sind Lagerfeuer und Co?

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Es ist eine laue Sommernacht, Sie sitzen unter klarem Sternenhimmel an einem knisternden Feuer im Garten und genießen den Anblick der tänzelnden Flammen – das Kino des Sommers. Und während Sie so den Funkenschlag beobachten und dem Knacken des brennenden Holzes lauschen, denken Sie sicherlich nicht daran, dass so ein Feuer genauso viel Feinstaub wie ein Auto in die Luft abgeben kann. Das würde ja auch die schöne Stimmung vermiesen.

Aber leider gehören Feuer unter freiem Himmel – egal ob in der Feuerschale, im Grill oder im Räucherofen – zu den unterschätzten Feinstaubquellen. Das mag auch daran liegen, dass das Messen der Feinstaubemissionen bei dieser Art von Feuer schwer möglich ist.

Osterfeuer – Tradition mit unschönem Nebeneffekt

Das Umweltbundesamt konnte mithilfe von Messstationen aber zum Beispiel herausfinden, wie Osterfeuer sich auf die Luftqualität auswirken: Der vor allem in Norddeutschland verbreitete Brauch führt tatsächlich zu einem zeitweiligen Anstieg der Feinstaubbelastung in den entsprechenden Regionen. Da die Osterfeuer meistens am Ostersamstag gezündet werden, war die Feinstaubbelastung vor allem ostersonntags erhöht und teilweise über dem Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Quadratmeter im Tagesmittel. Dieser Tagesgrenzwert soll laut Bundesimmissionsschutzverordnung nicht mehr als 35-mal pro Jahr überschritten werden, um saubere Luft zu garantieren und Gesundheit sowie Umwelt zu schützen.

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Nun ist ein kleines Feuer im eigenen Garten nicht mit einem Osterfeuer zu vergleichen – trotzdem müssen wir uns eingestehen, dass jedes Feuer unter freiem Himmel zur Luftverschmutzung beiträgt, vor allem wenn fünf Nachbar*innen gleichzeitig den Feuerkorb entfachen. Eine Studie des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Sachsen konnte diesen Zusammenhang zwischen Grillen beziehungsweise Kaminfeuer und dicker Luft am Abend im Jahr 2017 belegen – die automatisierte Verkehrszählung sowie die chemische Zusammensetzung der Partikel gaben Auskunft über ihre Herkunft.

Feuer nur schön fürs Auge, nicht für Umwelt und Gesundheit

Besonders gravierend sind private Feuer, wenn dabei unzulässige Stoffe verbrannt werden, zum Beispiel Gartenabfälle. Der BUND hat dazu einen Vergleich, der zum Nachdenken anregt: Bei einem Feuer mit Gartenabfällen können durch die unvollständige Verbrennung innerhalb von sechs Stunden genauso viel Rauch und Rußpartikel entstehen, wie 250 ältere Autobusse an einem Tag produzieren.

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Das Foto wurde nicht in Deutschland aufgenommen, so könnte aber auch hier die Luft aussehen, wenn an lauen Sommerabenden vielerorts die Feuerschalen entzündet und dabei auch der Sperrmüll oder die Gartenabfälle entsorgt werden.

Dass das nicht nur schlecht für die Umwelt ist, sondern auch für unsere Gesundheit, ist unbestritten. Feinstaub gehört mittlerweile zur Top Ten der Risiken für frühzeitiges Sterben. Aufgrund seiner entzündungsauslösenden Wirkung kann Feinstaub Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs verursachen.

Aber heißt das jetzt, dass jedes Lagerfeuer im Zeltlager oder jeder Feuerkorb auf der Sommerparty eine Umweltsünde und ein Gesundheitsrisiko ist? Jein – so formuliert, klingt es vielleicht besser: Jedes Feuer, das nicht entfacht wird, trägt dazu bei, die Luft sauber zu halten. Und das ist gut für uns und die Umwelt. Wer der Stimmung wegen nicht auf das Feuer im Garten verzichten möchte, kann einiges beachten, um dieses möglichst umweltfreundlich und gesundheitsschonend zu entfachen.

Feuer machen – wenn, dann so!

Grundsätzlich gilt für Feuer unter freiem Himmel das Gleiche wie für Feuer im Kamin: Es sollte so wenig sichtbarer Rauch wie möglich entstehen. Viel Rauch bedeutet, dass das Holz schlecht brennt und viel Feinstaub freisetzt. Um das zu vermeiden, sollten Sie auf folgendes achten:

  1. Verbrennen Sie nur natürliches und gut getrocknetes Holz. Auf keinen Fall sollten Sie bemalte, lackierte, behandelte oder schmutzige Holzabfälle und alte Möbel verfeuern.
  2. Achten Sie darauf, dass das Holz gut getrocknet ist. Ein oder zwei Jahre braucht es dafür. Lagern Sie Ihr Holz auf Ihrem Grundstück, sollten Sie also entsprechende Bedingungen zum Trocknen schaffen. Wenn Sie das Holz entzünden, sollte es Zimmertemperatur (auch im Außenbereich) haben, denn kaltes Holz brennt schlechter.
  3. Verzichten Sie auf Papier oder Pappe, um die Flamme zu entfachen, da hierbei mehr Schadstoffe ausgestoßen werden. Stattdessen eignet sich zum Beispiel in Wachs getränkte Holzwolle oder Reisig zum Anzünden.
  4. Anzünden sollten Sie das Holz von oben und es dann nach unten abbrennen lassen: Denn sonst schwelt das obere Holz über der Flamme, ohne zu brennen, aber es setzt trotzdem schädliche Partikel frei. Diese Partikel und weitere Stoffe können direkt verbrennen, wenn Sie das Feuer von oben entfachen.
  5. Auch beim Nachlegen von Holz ist das Schwelen zu verhindern: Legen Sie die neuen Scheite nicht zu spät nach, damit diese von den noch großen Flammen erfasst werden können.
  6. Holzscheite mit weniger als 10 Zentimetern Durchmesser verbrennen am besten und bilden wenig Rauch.
  7. Pro-Tipp: Schließen Sie sich mit Ihren Nachbar*innen zusammen, um einen lauschigen Abend an der Feuerschale zu verbringen. So muss nicht jeder sein eigenes Feuer entfachen und zusammen macht es sowieso mehr Spaß!

Und was passiert mit der Asche, die übrig bleibt? Die Asche Ihrer Feuerschale können Sie leider nicht direkt im nächsten Blumenbeet zum Düngen entsorgen. Denn egal von welchem Holz sie stammt, Asche kann krebserregende Rückstände enthalten. Entsorgen Sie sie daher am besten im Hausmüll.

Sie machen nicht nur draußen Feuer, sondern auch drinnen? Lesen Sie hier, worauf Sie beim Heizen mit Holz achten sollten.

Gilt das eigentlich auch fürs Grillen?

Eine schlechte Nachricht für alle Fans sauberer Luft und gepflegten Grillens: Sofern beim Grillen Kohle verbrannt wird, entsteht auch hier Feinstaub, der die Luft belastet. Obwohl der Holzkohlegrill wahrscheinlich am beliebtesten ist, ist er auch die schädlichste Art zu grillen – und das für Mensch und Umwelt:

  • Neben dem entstehenden Feinstaub enthalten Grillanzünder und Brandbeschleuniger oft Schadstoffe, die auch ans Grillgut gelangen können.
  • Holzkohle wird außerdem oft in Tropenwäldern abgebaut, daher gilt auch hier wie bei der Beschaffung anderen Brennholzes: auf zertifizierte Produkte setzen, zum Beispiel mit dem Naturland- oder FSC-Siegel.

Oder Sie nutzen natürliche Abfallprodukte zum Grillen, wie Maisspindeln. Mit Solar-, Gas- oder Elektrogrills können Sie noch klimafreundlicher grillen.

Feuern nur mit Genuss

Für das Feuermachen gilt also das Gleiche wie für viele schöne Dinge im Leben: in Maßen, nicht in Massen und am besten gar nicht – unserer Umwelt und Gesundheit zuliebe! Der moderne Mensch muss seine Überlegenheit heutzutage glücklicherweise nicht mehr mit dem Feuermachen ausdrücken, sondern kann das mit dem Verzicht auf eben dieses tun.

Autorin: Anne Weißbach

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