Energiesparkommissar im Interview: Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
05.10.2026 Lesedauer: min
Inhalte
- 1. Wie kostengünstig sind die Maßnahmen in deinem neuen Buch?
- 2. Was sind das für Maßnahmen, die gar nichts kosten?
- 3. Ist das der perfekte Tipp, mit dem man direkt loslegen kann?
- 4. Bei welchen Maßnahmen gibt es mehrere Hundert Prozent Rendite?
- 5. Hier schlummert auch besonders viel Potenzial, richtig?
- 6. Wie viel Handwerksgeschick braucht man dafür?
- 7. Was ist die einfachste Maßnahme?
- 8. Man braucht also keinen Handwerksbetrieb?
- 9. Ich kann nichts kaputtmachen?
- 10. Welche Maßnahme sollte man noch in diesem Jahr umsetzen?
Carsten Herbert weiß, wie man Sanierungswissen praktisch vermittelt. Als „Energiesparkommissar“ gibt er nicht nur sein Wissen über Wärmepumpen preis, sondern kennt auch die besten und günstigsten Tricks zum Energiesparen. Wir haben mit ihm über sein neues Buch und die besten geringinvestiven Maßnahmen zum Heizenergiesparen gesprochen.
1. Der neue Heizspiegel hat wieder gezeigt: Die meisten Haushalte können beim Heizen noch sehr viel sparen. Allerdings sind größere Sanierungen nicht immer möglich. Dein neues Buch verspricht 25 kostengünstige Maßnahmen. Wie kostengünstig genau?
Ich habe beim Schreiben tatsächlich überlegt, was noch als kostengünstige oder geringinvestive Maßnahme durchgehen kann. Wir haben die Grenze dann bei 5.000 Euro gezogen. Das sind aber die größten Sachen, zum Beispiel eine Einblasdämmung in die Dachschrägen oder eine Warmwasserwärmepumpe, die man in den Keller zur normalen Heizungsanlage stellen kann, um schon mal das Trinkwarmwasser zu entkoppeln. Und dann geht es natürlich runter bis auf null Euro: Die günstigsten Maßnahmen kosten tatsächlich gar nichts.
2. Was sind das für Maßnahmen?
Das fängt an mit alten Heizungs- und Umwälzpumpen, die noch zu Hunderttausenden in den Kellern sind und meistens auf der höchsten Stufe laufen. Die sind in der Regel dreistufig und haben teilweise bis zu 75 oder 80 Watt, die sie leisten können. Für ein Einfamilienhaus reichen aber 10 Watt. Wenn ich die auf die kleinste Stufe stelle – zum Beispiel von 80 auf 35 Watt – spart das sofort: erstens die Verteilverluste der Wärme, weil ich eine größere Spreizung an der Heizung habe. Und zweitens reduziert sich natürlich auch der Strom. Und zwar, indem ich einfach nur einen Schalter umlege. Und dann ist man oft verwundert, wie hoch die Einsparung am Ende ist – dass man durch diese kleinen Geschichten, die immer nur so unscheinbar daherkommen, auf einmal in Summe doch 20, 30, 35 Prozent eingespart hat.
3. Also der perfekte Tipp für alle, die jetzt direkt anfangen und am Wochenende die ersten Maßnahmen umsetzen wollen?
Sofern sie eine Umwälzpumpe haben, die noch so alt ist – ja. Aber das ist ja nicht der einzige Tipp. Für jeden und jede ist was dabei. Und genau darauf zielt das neue Buch ab. Jetzt fangen wir sofort an! Das heißt natürlich nicht, dass alle 25 Tipps in jedem Haushalt umsetzbar sind. Aber es wird wahrscheinlich zumindest fünf bis zehn davon geben, die in irgendeiner Form relevant oder machbar sind. Das kann auch in der Wohnung sein, zum Beispiel in Form eines Sparduschkopfs. Die kann man ja überall umsetzen, da brauche ich nicht mal bei meinen Vermietern nachzufragen.
4. Du erwähnst Renditen von bis zu mehreren 100 Prozent. Kannst du das an einem konkreten Beispiel ausmachen?
Nehmen wir den besagten Sparduschkopf: Für das Trinkwarmwasser benötigen wir rund 80 Prozent des Warmwassers im Haushalt. Das heißt, der größte Anteil Warmwasser geht für die Körperhygiene in Form von Duschen drauf. Wenn ich nun diese 80 Prozent Warmwasserbedarf halbieren kann, indem ich nicht mehr 12 bis 15 Liter pro Minute durch meinen Duschkopf jage, sondern nur noch die Hälfte, mit dem gleichen Duschergebnis, dann kann ich meinen Warmwasserbedarf sehr stark reduzieren. Und zwar nicht nur den Teil, den ich fürs Duschen brauche.
Denn speziell im Sommer spielt der Warmwasserbedarf eine große Rolle beim Energieverbrauch. Da läuft die Heizung nicht mehr fürs Heizen, sondern muss jedes Mal anspringen, wenn mein Trinkwarmwasserspeicher abgekühlt ist. Die Heizung muss sich dann erst mal wieder erwärmen, dann noch die Verbindungsleitung zu meinem Speicher und dann ist schon die erste Energie verbraucht, bevor überhaupt das erste Grad warmes Wasser in den Speicher reinkommt. Das heißt, ich habe im Sommer einen doppelten Effekt dadurch, dass ich meinen Trinkwarmwasserverbrauch reduziere.
In einem Einfamilienhaus können wir damit ungefähr 200 Euro pro Jahr sparen. Jetzt gibt es günstige und teure Sparduschköpfe. Ein günstiger kostet vielleicht 20 bis 25 Euro und ein teurer etwa 50 Euro. Aber bei 200 Euro Einsparung und 50 Euro Investition haben wir selbst mit dem Luxusmodell eine Rendite von 400 Prozent – und zwar schon im ersten Jahr. Natürlich sind nicht alle Maßnahmen von der Rendite her so hoch. Bei manchen haben wir nur eine Rendite von 6 Prozent. Aber im Vergleich zu einem Sparbuch, wo ich nur 2 Prozent bekomme, ist das immer noch eine hochrentable Investition.
5. Genau diese Zusammenhänge zu verstehen, ist ja oft nicht so einfach. Aber gerade hier schlummert auch besonders viel Potenzial, richtig?
Genau, so kleine Maßnahmen sind oftmals sehr viel wirksamer, als man ihnen das eigentlich zutraut. Ich habe früher als Energieberater auch immer gedacht: „Ist das eine Quatschmaßnahme, so eine Sparbrause! Ich kümmere mich nur um die großen Sachen: Fensteraustausch, Dachdämmung, Wanddämmung – das sind die richtigen Sparmaßnahmen.“ Dann kam die Landesenergieagentur in Hessen auf mich zu und wollte einen Film über Sparduschköpfe machen. Und in Verbindung mit der Recherche zu diesem Film ist mir das selbst erst bewusst geworden. Auch mir war nicht immer klar, wie wirksam solch kleine Sachen manchmal tatsächlich sind.
6. Einen Sparduschkopf anbringen – das kriegen die meisten Leute hin. Aber wie sieht es bei den anderen Maßnahmen in deinem Buch aus? Wie viel Handwerksgeschick braucht man und wann muss man sich Unterstützung holen?
Natürlich gibt es im Buch nicht nur DIY-Maßnahmen. Für ein paar Dinge, wie etwa die oben genannte Einblasdämmung oder die Warmwasserwärmepumpe, braucht man in der Regel einen Fachbetrieb. Bei anderen Maßnahmen, beispielsweise die Dämmung einer Heizkörpernische, gehört tatsächlich ein bisschen handwerkliches Geschick dazu. Aber hier haben wir die einzelnen Arbeitsschritte sehr kleinteilig erklärt – sowohl textlich als auch in Bildform. Um auch den Menschen, die sich da vielleicht nicht sofort rantrauen, ein bisschen die Hürde zu nehmen. Außerdem gibt es auch Steigerungspotenzial bei den Maßnahmen – man würde ja nicht immer alles sofort umsetzen.
7. Gibt es denn eine Maßnahme, bei der du gedacht hast: „Mensch, das ist doch eigentlich zu einfach, um wahr zu sein!“?
Ja, tatsächlich treibt mich eine Maßnahme schon seit längerem um – und zwar die Optimierung der vorhandenen Heizungsanlage, also die Einstellung der Heizkurve. Das ist eine Null-Euro-Maßnahme, die jederzeit gemacht werden kann. Man muss zwar schon Bescheid wissen, wie es geht – das wird aber im Buch erklärt. Das Verrückte ist allerdings, dass das Einsparpotenzial bei der Einstellung der Heizungsanlage extrem unterschätzt wird. Denn die Heizungsregelungen, die in Heizkesseln eingebaut sind, können sehr viel. Wir können etwa der Heizungsanlage sagen: Wir brauchen jetzt bei der Außentemperatur und für dieses Haus genau diese Heiztemperatur. Also produziere bitte nur so viel, wie wir brauchen. Das ist ja das, wofür das Gerät gebaut wurde, aber dann wird die Funktion in den meisten Fällen gar nicht genutzt.
Dadurch produzieren wir riesenhohe Temperaturen und das verursacht Verluste an unterschiedlichsten Stellen. Denn dadurch muss der Heizkessel höhere Temperaturen bereitstellen. So geht mehr Wärme durch den Schornstein und er strahlt mehr Wärme in den kalten Keller oder in den Heizungsraum ab, wo sie niemandem etwas nützen. Dann werden sie auch noch über alte Rohrleitungen transportiert, die zusätzliche Wärme verlieren. So haben wir eine lange Kette vermeidbarer Verluste. Am Ende kommt die viel zu hohe Temperatur an unserem Heizkörper an, wo wir sie über das Thermostatventil auf das Maß reduzieren, das wir dann tatsächlich brauchen. Anstatt der Heizungsregelung von vorneherein zu sagen: Wir brauchen im Moment nur so viel Wärme, die transportieren wir zum Thermostatventil und dort müssen wir nur noch 1 bis 2 Grad runterregeln. Ein bisschen Puffer brauchen wir schon, aber eben keine 10 oder 20 Grad. Über die korrekte Einstellung der Heizung haben wir diese ganzen Verlustketten reduziert und das kann sich in verrückte Höhen von Einsparung an Heizenergie aufsummieren.
7a. Nämlich wie viel?
Natürlich ist es im Einzelfall sehr unterschiedlich, was man durch die Optimierung der Einstellung einsparen kann. Aber meist kriege ich über 5 bis 10 Prozent Ersparnis raus, in vielen Fällen sogar 15 bis 25 Prozent. Und in Einzelfällen können es auch über 30 Prozent sein. Das heißt: Egal, ob es 5 oder 30 Prozent Ersparnis sind – die Rendite ist unendlich! Weil wir ja keine Kosten haben. Wir müssen nur ein bisschen Zeit investieren. Wir müssen Zeit mit unserer Heizungsanlage verbringen. Zum Beispiel kann ich mir Samstagmorgens beim Kaffee oder Tee einfach mal die Betriebsanleitung von der Heizung angucken. Und wenn ich den theoretischen Hintergrund verstehe, kann es auch schon losgehen.
8. Man braucht also keinen Handwerksbetrieb? Das ist ja auch ein Faktor, den viele Menschen als Hürde sehen …
Genau, wir dürfen unsere Heizungsanlage selbst einstellen. Es gibt nur wenige Ausnahmen, wo zum Beispiel die Steuerung in einem Handwerkermenü versteckt ist. Ich kann auch ganz einfach herausfinden, ob es bei mir Potenzial gibt: Dafür muss ich nur an einem Heiztag alle Thermostate in den Haupträumen auf 5 stellen. Wenn es dann deutlich wärmer wird, als ich es brauche, weiß ich: Die Temperatur, die dorthin geführt wird, ist zu hoch. Und dann lasse ich mal die ganzen Thermostate auf fünf und reduziere an meiner Heizungssteuerung einfach mal die Temperatur. Dafür brauche ich nur die Betriebsanleitung.
9. Ich kann aber auch nichts kaputtmachen?
Nein, das Einzige, was passieren kann, ist, dass ich zu weit nach unten gehe und es nicht warm genug wird. Das merke ich aber sofort und kann es wieder nach oben korrigieren.
10. Welche Maßnahme aus deinem Buch sollte möglichst jeder Hauseigentümer und jede Hauseigentümerin in Deutschland noch in diesem Jahr umsetzen?
Neben dem Sparduschkopf sehe ich da noch eine weitere extrem rentable Maßnahme. Wenn es im Heizungskeller noch ungedämmte Heizungs- oder Warmwasserrohre gibt, kann man diese dämmen und fährt damit eine Rendite von traumhaften 300 Prozent ein. Kein seriöses Investment der Welt kann da mithalten!
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Buch „Einfach sanieren“ von Energiesparkommissar Carsten Herbert ist seit dem 30. September im Handel erhältlich.