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Legionellen im Trinkwasser – darauf sollten Sie achten

Was sind Legionellen genau? Welche Gefahren gehen von ihnen aus? Welche Möglichkeiten gibt es für Mieter und Eigentümer, ihnen vorzubeugen? Hier finden Sie Antworten auf diese Fragen.

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Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:

  • Legionellen sind Bakterien, die in jedem Wasser vorkommen, auch im Trinkwasser – dort aber nur in sehr geringer Konzentration
  • Legionellen können schwere Form der Lungenentzündung (Legionellose) hervorrufen
  • Gefahr vor allem beim Einatmen von zerstäubtem Wasser – zum Beispiel beim Duschen
  • Legionellenschutz durch Einhalten der Mindesttemperatur von 60 Grad Celsius im Wasserspeicher

Was sind Legionellen und wie entstehen sie?

Legionellen können zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen.  Die wichtigsten Fragen dazu beantwortet der Experte Benedikt Schäfer.(c) Jezper / Fotolia.com

Legionellen sind Bakterien, die überall dort leben, wo es Wasser gibt – im Küstenwasser genauso wie in der Badewanne. Grundsätzlich ist es so, dass das Trinkwasser, das aus dem Wasserwerk kommt, nicht steril, also nicht bakterienfrei sein muss. Das wäre auch nur mit einem enorm hohen Aufwand zu realisieren. Es enthält also Bakterien in einer sehr geringen, nicht gesundheitsgefährdenden Menge.

Problematisch wird es erst dann, wenn sich diese Bakterien stark vermehren. Dafür brauchen Legionellen zunächst einmal Nährstoffe. Das können Materialien in der Hausinstallation sein – Dichtungen aus bestimmten Kunststoffen zum Beispiel – oder Stoffe, die aus technischen Gründen ins Wasser gegeben wurden, wie etwa Phosphat zur Enthärtung des Wassers.

Nährstoffe allein sorgen aber noch nicht dafür, dass sich die Legionellen vermehren. Dazu ist noch eine weitere Zutat nötig: Wärme. Am wohlsten fühlen sich Legionallen bei Temperaturen zwischen 25 Grad Celsius und 45 Grad Celsius. Wenn solche geeigneten Wachstumsbedingungen herrschen, können aus einzelnen Legionellen große Mengen Legionellen entstehen.

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Warum sind Legionellen gefährlich?

Legionellen können eine besondere Form der Lungenentzündung, die Legionellose, hervorrufen – allerdings nur unter zwei Bedingungen:

  1. Wenn zerstäubtes, vernebeltes Wasser, wie es beim Duschen entsteht, eingeatmet wird, das mit Keimen belastet ist. Wird keimhaltiges Wasser getrunken oder zum Händewaschen benutzt, besteht dagegen keine Infektionsgefahr.
  2. Für gesunde Menschen sind wenige Legionellen kein Problem. Aber für ältere Menschen oder Personen, die sich gerade in einer Chemotherapie befinden, können sie sehr gefährlich sein.

In der Trinkwasserverordnung ist deshalb eine Hilfsgröße festgelegt, ein so genannter „technischer Maßnahmewert“. Dieser liegt bei 100 koloniebildenden Einheiten pro 100 Milliliter Wasser. Wenn dieser Wert überschritten wird, ist das ein Hinweis darauf, dass in der Trinkwasserinstallation im Gebäude irgendetwas nicht stimmt und Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Die Erkrankung selbst tritt eher selten auf: Laut der Stiftung Capnetz sind nur sechs Prozent aller Lungenentzündungen in Deutschland auf Legionellen zurückzuführen. Dazu kommt, dass die Infektionsherde in den meisten Fällen nicht Wasserleitungen, sondern Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider (Maschinen zur Abluftreinigung) aus der Umgebung sind.

Wie lassen sich Legionellen im Trinkwasser nachweisen?

Legionellen lassen sich durch die Entnahme einer Wasserprobe aus dem Trinkwassersystem und anschließende Untersuchung im Labor nachweisen. Dabei werden die im Wasser enthaltenen Bakterien auf einem geeigneten Nährboden kultiviert, sodass man nach einiger Zeit die Kolonien zählen kann. Eine solche Probe kostet zwischen 35 und 80 Euro.

Welche Maßnahmen müssen bei einem Legionellenbefall ergriffen werden?

Bei einem Legionellenbefall muss die Trinkwasseranlage zunächst genau untersucht werden. Um festzustellen, wo das Problem liegt und was dies für die Nutzer der Anlage bedeutet, werden weitere Proben genommen und eine Gefährdungsanalyse gemacht. Als Sofortmaßnahme werden manchmal zum Beispiel auch Duschverbote verhängt, damit niemand gefährdet wird.

Wie lässt sich einem Legionellenbefall vorbeugen?

Als Legionellenschutz hat der Gesetzgeber in der Trinkwasserverordnung verschiedene Vorschriften erlassen. Grundsätzlich wird zwischen Großanlagen und Kleinanlagen unterschieden. Eine Großanlage ist eine Anlage mit einem Warmwasserspeicher von mehr als 400 Litern oder mit Leitungen, die mehr als drei Liter warmes Wasser enthalten. Anlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern gelten in der Regel als Kleinanlagen.

Legionellenschutz in Großanlagen

Durch die Komplexität einer Großanlage besteht dort erfahrungsgemäß eine höhere Legionellengefahr als bei Kleinanlagen. In einem Haus mit sehr vielen Wohnungen gibt es zum Beispiel häufig einige leer stehende Wohnungen, in denen kein Wasser fließt. In solchen Stagnationsbereichen können sich unter geeigneten Bedingungen verstärkt Legionellen entwickeln.

Deshalb besteht bei Großanlagen nach Regelung des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) die Vorschrift, am Speicherausgang immer eine Temperatur von mindestens 60 Grad Celsius und im gesamten Leitungssystem eine Mindesttemperatur von 55 Grad Celsius einzuhalten. Ab dieser Temperatur können sich Legionellen nicht mehr vermehren.

Alle drei Jahre ist der Betreiber einer Großanlage laut Trinkwasserverordnung verpflichtet, auf Legionellenbefall zu prüfen, bei öffentlicher Nutzung sogar jedes Jahr. Je nach Größe der Anlage müssen dafür zwischen drei und mehreren hundert Proben entnommen werden. Die Tests dürfen nur von Untersuchungsstellen durchgeführt werden, die gemäß Trinkwasserverordnung dafür zugelassen sind. Wenn Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit erforderlich sind, haben Vermieter die Pflicht, ihre Mieter zu informieren.

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Tipp: Wer trägt die Kosten für eine Legionellenprüfung?

Wie die übrigen Nebenkosten können Eigentümer auch ihre Aufwendungen für die Trinkwasseranalyse auf die Wohnungsnutzer umlegen. Wenn bei der Erstuntersuchung Legionellen jenseits des zulässigen Grenzwerts festgestellt werden, müssen gezielte Reinigungs- und Sanierungsmaßnahmen vorgenommen werden – für die wiederum die Eigentümer allein aufkommen müssen. Eine Umlage auf die Mieter lässt die Verordnung hier nicht zu.

Legionellenschutz in Kleinanlagen (Ein- und Zweifamilienhäuser)

Der Diplom-Biologe Benedikt Schaefer klärt im Interview die wichtigsten Fragen zum Thema Legionellen.(c) Umweltbundesamt

Benedikt Schäfer

Diplom Biologe, Umweltbundesamt

"Die Erfahrung hat gezeigt, dass es in diesen Kleinanlagen äußerst selten zu einem Legionellenbefall kommt."

Kleinanlagen gibt es meist in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Das sind beispielsweise Anlagen mit einem 150 bis 200 Liter großen Warmwasserspeicher und Rohrleitungen bis zu zehn Metern Länge. In diesen Kleinanlagen kommt es so gut wie nie zu einem Legionellenbefall. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auch hier die Standards der Großanlagen beachten und die empfohlene Mindesttemperatur von 60 Grad Celsius einhalten.

Ähnliches gilt für die Warmwasserbereitung mit Boilern bzw. Kleinspeichern. Werden darin konstant 60 Grad Celsius, gemessen im Boiler selbst, eingehalten, ist damit für die hygienische Sicherheit gesorgt. Temperaturen über 60 Grad sind unnötig und verbrauchen zu viel Energie.

Ist es gefährlich, die Temperatur im Warmwasserspeicher zu senken, um dadurch Energie zu sparen?

Es gibt im Umgang mit Legionellen den alten Lehrsatz: „Kaltes Wasser kalt, heißes Wasser heiß halten.“ Die Temperatur im Warmwasserspeicher zu senken, ist daher nicht empfehlenswert. Zum Energie sparen gibt es bessere Möglichkeiten: Bei einer Kleinanlage in einem Ein- oder Zweifamilienhaus kann man zum Beispiel auf eine Zirkulationsleitung verzichten – und den Strom für die Pumpe sparen. Außerdem lassen sich regenerative Energiequellen wie Solarenergie oder Wärmepumpen zur Vorerwärmung des Wassers nutzen. Energieeinsparung und hygienische Sicherheit müssen also auch im Bereich Warmwasser kein Widerspruch sein.

Nicht vergessen: die Kaltwasserleitungen

Ein Punkt, der von Hausbesitzern manchmal vergessen wird, sind die Kaltwasserleitungen. Das kalte Wasser sollte nicht wärmer als 20 Grad Celsius sein. Aus dem Wasserwerk kommt es in der Regel deutlich kühler – aber wenn Kaltwasserleitungen zu lang oder zu dick sind und das Wasser längere Zeit in warmen Räumen steht, kann es zu warm werden. Das kann jeder selbst prüfen, indem er am Waschbecken Kaltwasser über ein Thermometer laufen lässt. Wenn es zu warm ist, sollten die Kaltwasserleitungen fachgerecht von einem Installateur isoliert werden.

Die Inhalte stammen auszugsweise aus einem Interview mit Diplom-Biologe Dr. Benedikt Schaefer.

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