Schimmel-Mythen: 5 Irrtümer, die Sie besser nicht befolgen sollten

03.02.2026 Lesedauer: min Laura Wagener und Minh Duc Nguyen

Ein Person beseitigt Schimmel an Wand und Boden mit Schutzhandschuhen und Spachtel.

Schimmel in der Wohnung ist ein weit verbreitetes Problem in deutschen Haushalten. Um ihn zu vermeiden oder zu bekämpfen, kursieren zahlreiche Tipps. Doch nicht alle davon helfen wirklich. Manche können die Situation sogar verschlimmern. Wir klären über die häufigsten Schimmel-Mythen auf.

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Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Feuchtigkeit, hohe Temperaturen und Nährstoffangebot begünstigen Schimmelbefall
  • pro Tag bis zu 12 Liter Feuchtigkeit in einer Wohnung
  • bester Schutz gegen Schimmel: regelmäßiges Lüften & alkalische Wandanstriche
  • Schimmel: nicht nur entfernen, sondern auch Ursache beseitigen
  • wichtig für Mietparteien: Schimmelbefalls nicht auf eigene Faust bekämpfen

Er kommt meist unerwartet und verursacht in der Regel einen kleinen Schock bei den Bewohner*innen. Die Rede ist von Schimmel in den eigenen vier Wänden. Bei seinem Anblick bekommen viele Menschen Angst – vor möglichen gesundheitlichen, aber auch baulichen Schäden. Aber panisch werden und irgendwelche Tipps aus dem Internet befolgen, ist jedoch in der Regel nicht hilfreich. Besser ist es, jeden dieser Tipps zu hinterfragen. Fünf davon haben wir für Sie unter die Lupe genommen. 

Mythos 1: Schimmel ist nur ein Problem in Altbauten

Der Irrtum: Viele Menschen glauben, dass Schimmel hauptsächlich in alten, schlecht isolierten Gebäuden auftritt. Moderne, energieeffiziente Neubauten seien davon nicht betroffen.

Die Wahrheit: Schimmel durch falsches Lüften und Heizen ist kein Problem, das nur in Altbauten besteht. Im Gegenteil: Gerade bei neuen, energieeffizient gedämmten Häusern ist die Gebäudehülle so dicht, dass bei geschlossenen Fenstern gar kein Luftaustausch mehr stattfinden kann.

Während in Altbauten oft eine ungewollte Lüftung durch Ritzen und Spalten – zum Beispiel undichter Fenster – stattfindet, müssen Bewohner*innen in modernen Gebäuden bewusst und regelmäßig lüften. Eine vierköpfige Familie gibt täglich sechs bis zwölf Liter Wasserdampf an die Raumluft ab – durch Atmen, Duschen und Kochen. Ohne regelmäßigen Luftaustausch steigt nicht nur die Kohlendioxid-Konzentration, sondern auch das Schimmelrisiko.

Richtig ist: In energetisch sanierten und neuen Gebäuden ist bewusstes Lüften besonders wichtig. Alternativ kann auch eine Lüftungsanlage für den Abtransport feuchter und verbrauchter Luft sorgen.

Die Infografik zeigt, welche Feuchtigkeitsquellen im haushalt es gibt und die dazugehörige Wasserdampfabgabe in Gramm pro Stunde.

Mythos 2: Wände müssen atmen können – Dämmung fördert Schimmel

Der Irrtum: Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass die Wärmedämmung eines Hauses zwangsläufig zu Schimmelbildung führt. Die Wand könne durch das Dämmmaterial nicht mehr „atmen", wodurch Feuchtigkeit eingeschlossen werde.

Die Wahrheit: Wände können nicht atmen. Der Luftaustausch durch eine massive Mauer ist gegenüber der üblichen Fensterlüftung zu vernachlässigen. Der notwendige Luftaustausch erfolgt über das Öffnen der Fenster oder eine Lüftungsanlage.

Eine fachgerecht ausgeführte Dämmung verbessert die Wärmedämmung des Gebäudes und kann – wenn sie mit einem angemessenen Lüftungskonzept kombiniert wird – das Schimmelrisiko sogar verringern. Das Risiko einer Schimmelbildung ist bei gedämmten Wänden deutlich geringer als bei nicht gedämmten.

Richtig ist: Probleme entstehen meist dann, wenn die Dämmung fehlerhaft installiert wird oder wenn das Lüftungsverhalten der Bewohner*innen nicht an die verbesserte Gebäudehülle angepasst wird. Verbliebene oder durch falsche Verarbeitung neu entstandene Wärmebrücken können die Wirkung der Dämmung einschränken und trotz Sanierung zu Schimmelbildung führen.

Mythos 3: Dauerlüften oder gekippte Fenster beugen Schimmel am besten vor

Der Irrtum: Je länger die Fenster offenstehen, desto besser für die Luftqualität und gegen Schimmel. Viele Menschen glauben, dass dauerhaft geöffnete oder gekippte Fenster Schimmel verhindern.

Die Wahrheit: Das Umweltbundesamt warnt vor diesem Trugschluss. Dauerhaft gekippte Fenster sind kontraproduktiv, da sie Wände auskühlen lassen und so die Schimmelbildung begünstigen können. Die kontinuierlich entweichende Heizwärme treibt zudem die Kosten in die Höhe.

Falsches Lüften durch Kipplüftung lässt Räume und Wände auskühlen – mit der Gefahr der Kondenswasserbildung. Denn primär ist nicht die Luftfeuchtigkeit in einem Raum entscheidend, sondern die Feuchtigkeit, die sich an Wänden und Gegenständen niederschlägt. Hierfür ist die Temperatur maßgebend: Feuchtigkeit schlägt sich dort nieder, wo es kalt ist.

Richtig ist: Expert*innen empfehlen kurzes, intensives Stoßlüften. Im Winter sollten die Fenster maximal fünf Minuten geöffnet bleiben – je kälter die Außentemperatur, desto kürzer. Optimal ist drei- bis viermaliges Lüften pro Tag, wer ganztags zu Hause ist, sollte sogar vier- bis fünfmal täglich lüften.

Gegen beschlagene Fenster und Kondenswasser helfen Heizen und Lüften immer noch am besten.
Heizen und Lüften sind die wichtigsten Maßnahmen, um Feuchtigkeit aus den Innenräumen zu bekommen und damit auch Schimmel vorzubeugen.

Mythos 4: Essig ist ein wirksames Hausmittel gegen Schimmel

Der Irrtum: Essig wird häufig als natürliches Hausmittel zur Schimmelbekämpfung empfohlen und gilt als natürliche Alternative zu chemischen Schimmelentfernern. Die Annahme: Die Essigsäure greift die Schimmelpilze an.

Die Wahrheit: Sie verliert ihre Wirkung, wenn sie mit alkalischen Stoffen wie Kalk, der in vielen Innenputzen steckt, in Berührung kommt. Außerdem enthält Essig organische Nährstoffe, die das Pilzwachstum sogar begünstigen können.

Richtig ist: Der Deutsche Mieterbund (DMB) rät aus mietrechtlichen Gründen davon ab, den Schimmel auf eigene Faust zu bekämpfen. Wenn Mieter*innen das Schimmelproblem selbst angehen, ohne die eigentliche Schadensursache zu kennen, riskieren sie, dass der Schimmel wiederkommt und sich die Feuchtigkeitsschäden verschlimmern. Dann sind sie sogar zum Schadensersatz verpflichtet.  

Schwerer und großflächiger Schimmelbefall ist in jedem Fall eine Aufgabe für Fachkräfte. Eine solche Fachkraft verfügt über eine entsprechende Ausrüstung und kennt sich mit den Problemen und Gefahren der Schimmelbeseitigung aus. Außerdem verfügen Fachfirmen zum Beispiel über eine Spezialausrüstung zum Abfräsen von Putzschichten, Spezialsauger und Luftschleusen. Geeignete Fachbetriebe finden Sie über die Gesundheitsämter und Verbraucherzentralen. Außerdem über Schimmelnetzwerke sowie über die Datenbanken der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern.

Mythos 5: Schimmel zerstört das Mauerwerk

Der Irrtum: Viele Menschen glauben, dass Schimmel selbst die Bausubstanz angreift und Mauerwerk, Beton oder Putz direkt zerstört.

Die Wahrheit: Schimmel ist in erster Linie ein Symptom, nicht die Ursache von Bauschäden. Die eigentliche Gefahr für die Bausubstanz geht von der Feuchtigkeit aus, die dem Schimmel als Lebensgrundlage dient.

Schimmelpilze ernähren sich hauptsächlich von organischen Materialien wie Cellulose – sie zerstören also Tapeten, Holz oder organische Dämmstoffe. Mineralische Baustoffe wie Beton, Ziegel oder Kalkputz werden vom Schimmel selbst nicht angegriffen.

Richtig ist: Die eigentliche Gefahr liegt in der Feuchtigkeit im Mauerwerk, die sowohl Schimmel als auch Bauschäden verursacht. Gelangt Feuchtigkeit in das Mauerwerk, schadet das der Bausubstanz in vielerlei Hinsicht. Deshalb ist es entscheidend, die Ursache der Feuchtigkeit zu beseitigen – sei es durch undichte Dächer, Risse im Mauerwerk, aufsteigende Feuchtigkeit oder falsches Lüften und Heizen. Nur so lassen sich sowohl Schimmel als auch Bauschäden dauerhaft vermeiden.

Schimmelbefall an Innenwand
Schimmel an den Wänden sieht nicht nur unappetitlich aus.

Schimmel in der Wohnung vorbeugen

Die beste Methode gegen Schimmelbefall ist immer noch Vorbeugung. Bei niedriger Luftfeuchtigkeit und angemessener Raumtemperatur haben Schimmelpilze so gut wie keine Chance. Deshalb sollten Sie regelmäßig stoßlüften und in den Wintermonaten bewusst heizen. Nutzen Sie unsere Tipps zum richtigen Lüften. Als Faustregel gilt: Stoßlüften Sie zwei- bis viermal täglich für jeweils fünf bis zehn Minuten – je nachdem, wie viel Sie sich in den Räumen aufhalten oder was Sie dort tun.

Vor allem beim Duschen, Kochen und Wäschetrocknen entsteht viel Feuchtigkeit. Bei einem 4-Personen-Haushalt sind es pro Tag etwa zwölf Liter Wasser durch Duschen, Kochen, Wäschetrocknen und die normale Atemluft. Kann die Feuchtigkeit aus der Luft nicht entweichen, lagert sie sich an der kältesten Stelle im Zimmer als Tauwasser ab. Die Schimmelbildung ist vorprogrammiert.

Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit

Für die Raumtemperatur gilt: In allen Räumen sollte die Temperatur so gewählt werden, dass die Luftfeuchtigkeit an den Bauteilen (Decke, Wände usw.) nicht über 80 Prozent steigt. Dafür reicht zumeist eine Temperatur von 16 Grad, die auch bei Abwesenheit nicht unterschritten werden sollte. Übertriebenes Heizenenergiesparen ist nicht sinnvoll. Denn feuchte Wände haben einen geringeren Wärmedurchlasswiderstand und kühlen somit mehr aus als trockene Wände.

Alkalische Wandfarbe zur Schimmelvorbeugung

In der Vorsorge gegen Schimmel kann außerdem eine alkalische Wandfarbe helfen. Schimmelsporen fühlen sich auf einem Untergrund mit einem pH-Wert zwischen 3 und 9 am wohlsten. Eine kalkhaltige Wandfarbe oder Kalkputz weist einen stark alkalischen pH-Wert von mitunter über 12 auf, auf dem so gut wie keine Art des Schimmelpilzes gedeiht. Ein weiterer Vorteil kalkhaltiger Wandfarben: Der Kalk saugt Feuchtigkeit auf und wirkt so gegen zu hohe und Schimmel fördernde Luftfeuchtigkeit. Außerdem ist die Farbe „diffusionsoffen“, das heißt, dass Feuchtigkeit aus der Wand durch die Farbe nach außen dringen kann, statt sich hinter Tapete oder dichten Farbschichten zu stauen.

Tipps für Mieter*innen bei Schimmelbefall

In der Praxis liegt oft eine Kombination aus Schäden am Haus und falschen Heiz- und Lüftungsverhalten vor. Das führt regelmäßig zu rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Mietenden und Vermietenden. Kommt es zu einem Rechtsstreit, gehen Mietende mit diesen Tipps des Deutschen Mieterbundes gut gerüstet in die Auseinandersetzung:

  • Zeigen Sie Schäden sofort schriftlich dem/der Vermieter*in an.
  • Lassen Sie die Schäden von Zeugen, zum Beispiel Nachbar*innen, besichtigen.
  • Halten Sie den Wohnungszustand schriftlich in einem Protokoll fest.
  • Machen Sie Fotos von den Schäden.
  • Messen Sie die Temperatur der einzelnen Räume und notieren Sie diese.
  • Informieren Sie sich bei Nachbar*innen oder Vormieter*innen, ob es in Ihrer Wohnung früher schon Feuchtigkeitsschäden gab.
Minh Duc Nguyen

Über den Autor

Minh Duc Nguyen

Minh Duc Nguyen ist seit 2020 Teil der co2online-Redaktion. Er ist besonders vertraut mit dem Thema Heizung im Allgemeinen, sowie Fernwärme und Wärmepumpe im Besonderen. Darüber hinaus gehört der Bereich staatliche Fördermittel für Wohngebäude zu seiner Expertise.

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