Von der Ölheizung über die Wärmepumpe: zur Genossenschaftsgründung

20.03.2026 Lesedauer: min Minh Duc Nguyen

Haus von Jörg Heinicke.

Jörg Heinicke lebt mit seiner Familie in einem Dreigenerationenhaus im Erzgebirge, das er nahezu CO2-neutralisiert hat. Die größten Hürden waren dabei nicht etwa die Bauarbeiten oder das Geld, sondern das Umfeld, in dem Begriffe wie Wärmepumpen und Elektroautos von einigen Menschen als Reizwörter empfunden werden. Und so wurde aus der energetischen Optimierung eines einzigen Gebäudes der Beginn einer viel größeren Reise, deren Ziel es ist, die Energiewende in einer Gemeinde sichtbar und im Geldbeutel spürbar zu gestalten.

Warum hast du dich für die Maßnahmen entschieden?

Mein Haus wurde von meinen Großeltern im Jahre 1935 errichtet. 1995 habe ich es saniert, modernisiert und um einen Anbau erweitert. Seither nutzen wir das Haus als Dreifamilienhaus.

Der Ölkessel von Viessmann hat uns über all die Jahre treue Dienste geleistet. Wenn er in den letzten Jahren ausfiel, habe ich ihn immer wieder in Gang gebracht, um Zeit zu gewinnen. Auch, um fleißig zu sparen. Bereits 2020 und 2021 hatte ich eine Photovoltaikanlage gebaut. Alles begann mit der Errichtung eines smarten Solar-Hühner- und Hasenstalls. Es folgte ein Holzhaus mit steiler Südfassade, an der acht PV-Module angebracht wurden, die auch im Winter Sonnenstrom erzeugen können.  

2021 reifte schließlich der Gedanke, meine Heizung auf „CO2-neutral“ umzustellen. Die Wärmepumpe war von Anfang an eine ernstzunehmende Option. 

„Man muss es klug und durchdacht machen! Leider werden Wärmepumpen, E-Autos und PV-Module in Deutschland von verschiedenen Seiten ideologisiert. Davon darf man sich weder beeinflussen noch abschrecken lassen.“ – Jörg Heinicke

Portrait von Jörg Heinicke.

Was hat gut funktioniert – und was nicht?

Während meiner Recherche kam ich mit der Firma Seifert Haustechnik aus Lössnitz in Kontakt und die Sache nahm konkrete Formen an. Die Umstellung auf Erdwärme erfolgt durch zwei Tiefenbohrungen mit einer Tiefe von jeweils 140 Metern. Mit der Planung und Umsetzung wurde die Firma Geo Energie Conzept aus Freiberg beauftragt. Das hat perfekt geklappt. Der Empfehlung von Herrn Seifert, eine Flächenheizung einzubauen, bin ich ebenfalls gefolgt. Mein Ziel war es, die Heizungsumstellung so durchzuführen, dass sie von A bis Z rund ist und mein Haus für viele Jahre perfekt versorgt.

Im März 2022 wurden die Bohrungen samt Sonden gesetzt. Danach begannen die Arbeiten an der Heizungsumstellung. Der Ölkessel blieb zunächst in Betrieb, was sich später noch als kluge Entscheidung herausstellen sollte. Im ersten Schritt habe ich an alle Zimmerdecken OSB-Platten geschraubt. Darauf wurde dann die Deckenheizung installiert. Als die Heizungsmonteure damit fertig waren, habe ich die Deckenheizung mit Climafitplatten verkleidet. Diese sind mit Graphit angereichert und haben dadurch eine höhere Wärmeleitfähigkeit als herkömmliche Gipskartonplatten.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • MFH mit 195 Quadratmeter, Baujahr 1935, Anbau 1995, 6 Personen
  • Styropor Wärmedämmung 1996, Fenster Zweifachverglasung
  • Vitocal 300-G, Typ: BWC 301.C16, Leistungsregelung: 3.8 - 15.9 kW
  • Deckenheizung für ca 200 m2
  • Vorher Ölheizung mit 2.000 Liter Tank 

Die größte Herausforderung bestand nun darin, diese Climafitplatten so anzuschrauben, dass die darunter liegenden Leitungen der Deckenheizung nicht beschädigt wurden. Auf 250 Quadratmetern habe ich nur zweimal eine Schraube in eine dieser Leitungen gejagt. Ich denke, das kann sich für einen Laien sehen lassen.

Bohrlöcher auf dem Grundstück von Jörg Heinicke.

Was nicht optimal war: Ende Mai 2022 war alles fertig, aber meine neue Heizung konnte noch nicht in Betrieb genommen werden – die Solewärmepumpe war nicht lieferbar. Als diese Mitte Oktober noch immer nicht in Sicht war, musste der alte Ölkessel an die neue Deckenheizung angebunden werden. Einen Öltank hatte ich ebenfalls stehen lassen und so konnten wir bis zur Lieferung der Erdwärmepumpe im Januar 2023 trotzdem behaglich wohnen.

Das Bild zeigt Jörg Heinicke vor seinem Haus

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  • wie er auf die Kombination aus Wärmepumpe und Deckenheizung gekommen ist,
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  • welche Pläne er noch hat.

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Was hat dich verunsichert oder sogar frustriert?

Beim Umstieg von der Ölheizung auf die neue CO2-neutrale Heizanlage habe ich auch Handwerker erlebt, die 08/15-Lösungen parat hatten: Obwohl ich gar keinen Gasanschluss im Haus habe, wurde mir eine Gasheizung angeboten. Was für ein Quatsch!

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Wärmepumpen, E-Autos und PV-Module in Deutschland von verschiedenen Seiten ideologisiert werden. Davon darf man sich weder beeinflussen noch abschrecken lassen. Ich habe in all den Jahren kein PV-Modul, kein E-Auto und auch keine Wärmepumpe mit einem Parteibuch erlebt. 

Deckenheizung im Haus von Jörg Heinicke.

Wie hast du dich im Vorfeld informiert?

Hier im Erzgebirge gibt es nicht so viele Fachbetriebe. Nachdem ich mich von Herrn Seifert persönlich habe beraten lassen, stand die Entscheidung ziemlich schnell fest. Da hat es zwischenmenschlich einfach gepasst. Davor habe ich mich unter anderem im Netz informiert.

Wie zufrieden bist du mit deiner Entscheidung?

Seit Mitte Januar 2023 heizen und kühlen wir mit unserer Solewärmepumpe. Da ich in den guten Solar-Monaten viel überschüssigen Strom habe, wurde zusätzliche eine kleine Luft-Wärmepumpe eingebaut. Diese nutze ich, um überschüssigen Sonnenstrom in warmes Wasser umzuwandeln. Seither haben wir also ganzjährig die gleichen Temperaturen im Haus. Im erzgebirgischen Winter freuen wir uns über mindestens 22 Grad Celsius wohlige Wärme und im Sommer kühlen wir die Wohnung auf die gleiche angenehme Temperatur herunter.  

Der Winter 2025/26 war mit straffen Minusgraden nicht von schlechten Eltern. Trotzdem wurde bei uns mit einer Vorlauftemperatur von 34 Grad Celsius geheizt. Das kann sich sehen lassen, denke ich. Ich beziehe zugekauften Strom über Tibber und kann so auch zu Zeiten mit sehr niedrigem Strompreis Warmwasser bereiten lassen oder meine Batterie von E3DC laden.

Was empfiehlst du anderen Hausbesitzer*innen?

Wer aufmerksam gelesen hat, kann sich sicher vorstellen, dass ich nicht wenig Geld in meine Heizungsumstellung investiert habe. So wurde mir klar, dass sich nicht jeder Hausbesitzer, jede Hausbesitzerin so eine Anlage leisten kann. So entstand die Idee, eine Bürgerenergiegenossenschaft zu gründen.  

Seit 2023 existiert nun unsere Erzgebirgsenergie eG und ich bin Vorstand und Mädchen für alles. Im Jahr 2025 haben wir drei große Photovoltaikanlagen gebaut und versorgen seither einen Kindergarten, eine Grundschule und ein Pflegeheim mit günstigem Sonnenstrom. Für das Jahr 2026 planen wir den Bau von vier PV-Anlagen und eine Beteiligung als Kommanditist an einem Bürger-Windpark. In Zusammenarbeit mit kleineren Stadtwerken streben wir zudem eine Wärmewende in Bürgerhand an.

Kurzum: Jeder kann auf seine Weise einen Beitrag zur Energiewende leisten. Wichtig ist, sich nicht von ideologisierten Falschinformationen beeinflussen oder gar abschrecken zu lassen, sondern alles klug und durchdacht anzugehen.

Minh Duc Nguyen

Über den Autor

Minh Duc Nguyen

Minh Duc Nguyen ist seit 2020 Teil der co2online-Redaktion. Er ist besonders vertraut mit dem Thema Heizung im Allgemeinen, sowie Fernwärme und Wärmepumpe im Besonderen. Darüber hinaus gehört der Bereich staatliche Fördermittel für Wohngebäude zu seiner Expertise.

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