Wärmepumpe verstehen, besser entscheiden! – mit Marek Miara
01.04.2026 Lesedauer: min
Ein Mix aus Mythen, Unsicherheit und Informationsüberangebot erschwert eine fundierte Entscheidung zur Wärmepumpe. Marek Miara ist der führende Wärmepumpen-Experte mit mehr als 20 Jahren Erfahrung. In dieser Serie beantwortet er wichtige Fragen und schließt die Wissenslücke konsequent und praxisnah.
Tausende Wärmepumpen – wie finde ich die passende?
Über 10.000 zertifizierte Modelle, mehr als 6.200 BAFA-förderfähige Geräte in Deutschland: Der Wärmepumpenmarkt ist groß. Die gute Nachricht: Mit einem strukturierten Vorgehen lässt sich die Auswahl schnell eingrenzen. Entscheidend sind zwei Perspektiven – die technischen Anforderungen des Hauses und die persönlichen Prioritäten der Bewohner*innen.
Was das Haus vorgibt
Eignung: häufiger gegeben als gedacht: 85 Prozent aller 2023 in Deutschland verkauften Wärmepumpen wurden in Bestandsgebäuden installiert. Moderne Geräte erreichen Vorlauftemperaturen von 55 °C und mehr – eine Fußbodenheizung ist keine Voraussetzung. Oft genügen kleinere Maßnahmen wie der Austausch einzelner Heizkörper gegen Niedertemperatur-Varianten.
Heizlast und Vorlauftemperatur sind die zwei zentralen technischen Parameter. Die Heizlast – also der Wärmebedarf an kalten Wintertagen – sollte per Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ermittelt werden. Für ein 150-m²-Haus aus den 1960ern ergibt sich typischerweise eine Heizlast von 9 bis 13,5 kW. Bei der Dimensionierung gilt: so groß wie nötig, so klein wie möglich. Denn eine Überdimensionierung senkt die Effizienz.
Die mittlere Vorlauftemperatur über die Heizperiode hinweg hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Jahresarbeitszahl (JAZ): Bei einer Vorlauftemperatur von 30 °C sind JAZ-Werte von 4,5 und mehr erreichbar, während der Wert bei einer Vorlauftemperatur von 45 °C bei 3,5 bis 4,0 liegt. Für den Modellvergleich ist der SCOP-Wert, der aus der Heat Pump Keymark-Datenbank bezogen werden kann, die relevante Kennzahl. Dabei ist der zur eigenen Vorlauftemperatur passende Wert (SCOP35 oder SCOP55) zu verwenden.
Wärmequelle: Bei rund 90 Prozent aller Installationen wird Luft als Wärmequelle genutzt. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind flexibel, schnell installierbar und günstiger in der Anschaffung (JAZ im Bestand: 3,0–4,0). Bei dichter Bebauung ist es wichtig, Modelle unter 50 dB(A) zu bevorzugen, da das BAFA seit 2026 nur noch besonders leise Geräte fördert. Sole-Wasser-Systeme sind effizienter (JAZ 4,0–5,0), geräuschärmer, aber genehmigungspflichtig und teurer in der Installation.
Für die technische Planung empfiehlt sich die VDI-Richtlinie 4645. Sie beschreibt einen systematischen Vorplanungsprozess von der Gebäudeanalyse bis zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.
Was Sie selbst entscheiden
Effizienz vs. Kosten: Die Effizienzspanne ist erheblich. So kostet ein Modell mit SCOP 3,5 bei einem Jahresbedarf von 22.500 kWh rund 1.517 Euro Strom pro Jahr (bei 23,6 Cent pro kWh), während ein Modell mit SCOP 4,5 nur 1.180 Euro kostet. Der Mehrpreis für ein Premiumgerät kann jedoch mehrere tausend Euro betragen. Ob sich diese Investition lohnt, hängt von der Nutzungsdauer und dem verfügbaren Budget ab.
Kältemittel: Natürliche Kältemittel wie Propan (R290) sind ökologisch vorteilhaft und werden mit einem Förderbonus von 5 Prozent honoriert. Ab 2028 sollen voraussichtlich nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln förderfähig sein. Das Marktangebot wächst kontinuierlich.
Anbieter: Lokale Installateure punkten mit persönlicher Betreuung und schnellen Reaktionszeiten, arbeiten aber meist mit einer begrenzten Modellauswahl. Überregionale Anbieter (z. B. Thermondo, Enpal, 1Komma5°) bieten standardisierte Prozesse und teils günstigere Preise. Beide Modelle haben ihre Berechtigung – entscheidend ist die nachgewiesene Erfahrung des Fachbetriebs, etwa durch Referenzen, VDI-4645-Schulung oder Zertifizierung als Fachbetrieb Wärmepumpe (BWP).
Einzelmaßnahme oder Gesamtpaket? Wer Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher und Wallbox kombiniert, kann den PV-Eigenverbrauch um 30 bis 50 Prozent steigern. Wer zunächst nur die Heizung tauscht, macht ebenfalls nichts falsch.
Fazit
Es gibt nicht die eine richtige Wärmepumpe – sondern mehrere passende. Das Haus definiert den technischen Rahmen, Sie wählen innerhalb dieses Rahmens nach Ihren Prioritäten. Mit strukturierter Planung, einem erfahrenen Fachbetrieb und einem pragmatischen Blick auf Wirtschaftlichkeit und Förderung treffen Sie eine solide Entscheidung.
*Gekürzte Version. Den vollständigen Blogbeitrag lesen Sie auf https://heatpumpswatch.org/de/