Wärmepumpe verstehen, besser entscheiden! – mit Marek Miara

01.04.2026 Lesedauer: min

Portrait von Marek Miara.

Ein Mix aus Mythen, Unsicherheit und Informationsüberangebot erschwert eine fundierte Entscheidung zur Wärmepumpe. Marek Miara ist der führende Wärmepumpen-Experte mit mehr als 20 Jahren Erfahrung. In dieser Serie beantwortet er wichtige Fragen und schließt die Wissenslücke konsequent und praxisnah.

Kühlen und Heizen mit einer Wärmepumpe: Was kann die Luft-Luft-Wärmepumpe?

Wärmepumpen heizen – das ist bekannt. Aber kühlen? Ja, auch das ist möglich. Vor allem Luft-Luft-Wärmepumpen bringen die Kühlfunktion bereits eingebaut mit. Was das System kann, wo es seine Grenzen hat und für wen es sich lohnt – der Überblick.

Zunächst einmal die Grundlagen: Eine Luft-Luft-Wärmepumpe entzieht der Außenluft Wärme und gibt sie direkt über ein Innengerät als erwärmte Luft in den Raum ab. Im Sommer dreht sie den Prozess um: Sie entzieht der Raumluft Wärme und gibt sie nach außen ab – das ist die Kühlfunktion. Technisch betrachtet handelt es sich um ein Split-Klimagerät mit integrierter Heizfunktion. Es besteht aus einem Außengerät und einem oder mehreren Innengeräten, die über Kältemittelleitungen verbunden sind.

Der große Vorteil: Kühlung ist inklusive

Beim Heizen mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ist aktive Kühlung technisch zwar möglich, aber mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Bei der Luft-Luft-Wärmepumpe gehört die Kühlfunktion zum Standard – ohne Mehrkosten bei der Anschaffung. Das macht das System besonders attraktiv für alle, die im Sommer unter Hitze leiden und gleichzeitig auf fossile Heizungen verzichten möchten.

In Ländern wie Norwegen und Japan ist die Technologie längst etabliert. In Norwegen kommen über 75 Prozent der installierten Wärmepumpen als Luft-Luft-System – und das in einem der kälteren Klimata Europas. In Japan sind über 90 Prozent der Haushalte damit ausgestattet.

Vorteile von Luft-Luft-Wärmepumpen auf einen Blick

  • Kühlen und Heizen mit einem Gerät – keine separaten Systeme nötig
  • Günstigere Anschaffungskosten als Luft-Wasser-Systeme
  • Schnelle Installation – typischerweise in 1 bis 2 Tagen
  • Keine hydraulischen Änderungen am bestehenden Heizsystem nötig
  • Gut geeignet für Gebäude ohne Wasserkreislauf (z. B. mit elektrischer Direktheizung)

Worauf zu achten ist

Luft-Luft- und Luft-Wasser-Systeme unterscheiden sich nicht nur technisch und finanziell. Auch im täglichen Betrieb gibt es einige Aspekte, die zu beachten sind, bevor die Entscheidung für oder gegen eine Luft-Luft-Wärmepumpe getroffen wird. Hier sind die wichtigsten Punkte.

  • Warmwasser separat planen: Die Luft-Luft-Wärmepumpe bereitet kein Warmwasser. Sie brauchen also eine Zusatzlösung – zum Beispiel eine separate Brauchwasser-Wärmepumpe, einen Durchlauferhitzer oder Solarthermie. Diese Kosten sollten Sie bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung einbeziehen.
  • Wärme- und Kühlverteilung im Blick behalten: Das System verteilt Wärme und Kälte über die Raumluft. Für ein Gerät pro Raum bedeutet das: Flure oder Nebenräume können kühler (oder im Sommer wärmer) bleiben als die Haupträume. In schlecht gedämmten Gebäuden kann das an kritischen Stellen zu Feuchteproblemen führen.
  • Luftbewegung berücksichtigen: Die Wärme wird durch Luftströmung übertragen – das spürt man. Wer empfindlich auf Zugluft reagiert, sollte das beim Kauf berücksichtigen. Moderne Geräte haben schwenkbare Lamellen und verschiedene Betriebsmodi, die das verbessern.
  • Regelmäßige Filterpflege: Jedes Innengerät hat einen Luftfilter, der je nach Nutzung alle zwei bis vier Wochen gereinigt werden sollte. Bei mehreren Geräten im Haus addiert sich dieser Aufwand.
  • Schallpegel beachten: Innengeräte arbeiten mit rund 19–30 dB(A) – leiser als ein Kühlschrank. Außengeräte erreichen 40–60 dB(A). Wer das System in einem ruhigen Schlafzimmer betreiben möchte, sollte die Platzierung sorgfältig wählen.

Für wen lohnt sich die Luft-Luft-Wärmepumpe?

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Gut geeignet, wenn ...
Weniger geeignet, wenn ...
das Gebäude gut gedämmt ist und einen geringen Wärmebedarf hat
bereits eine Fußbodenheizung oder Heizkörper (wassergeführt) vorhanden sind
kein Wasserkreislauf vorhanden ist (z. B. Elektroheizung im Bestand)
der Wärmebedarf hoch ist (unsanierter Altbau mit vielen Räumen)
einzelne Räume nachgerüstet werden sollen (z. B. Dachgeschoss, Wintergarten)
gleichmäßige Raumtemperaturen ohne spürbare Luftbewegung gewünscht sind
Kühlen im Sommer genauso wichtig ist wie Heizen im Winter
der Warmwasserbedarf groß ist und eine Zusatzlösung den Kostenvorteil aufzehren würde
in Mehrfamilienhäusern Gasetagenheizungen wohnungsweise ersetzt werden sollen
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Übersicht über Vor- und Nachteile einer Luft-Luft-Wärmepumpe

Wie effizient kühlt und heizt das System?

Die Hersteller geben COP-Werte (Coefficient of Performance) von etwa 3,0 bis 4,5 unter Laborbedingungen an. Für den realen Betrieb – also die Jahresarbeitszahl im Feld – gibt es bislang kaum systematische Studien. Das liegt daran, dass sich die über Luft abgegebene Wärme schwer messen lässt. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Effizienz vergleichbar mit der von Luft-Wasser-Wärmepumpen ist – belastbare Felddaten fehlen jedoch noch.

Fazit

Die Luft-Luft-Wärmepumpe ist keine Allzwecklösung – aber für bestimmte Situationen eine sehr gute. Wer kühlen und heizen will, kein wassergeführtes System hat und schnell und günstig installieren möchte, findet hier eine praxistaugliche Option. Entscheidend ist, das Warmwasserkonzept von Anfang an mitzuplanen und die Gesamtkosten realistisch zu kalkulieren. Wie bei jeder Wärmepumpenanlage gilt: Planung und Installation sollten durch qualifiziertes Fachpersonal erfolgen.

*Gekürzte Version. Den vollständigen Blogbeitrag lesen Sie auf https://heatpumpswatch.org/de/

 

Wärmepumpen im europäischen Vergleich: Warum die Kosten in Deutschland oft höher sind

Wärmepumpen sind in Deutschland für viele Haushalte noch immer eine große Investition. Der Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigt: Für ähnliche Anlagen zahlen Haushalte hierzulande häufig deutlich mehr – teilweise doppelt so viel. Aber woran liegt das?

Um diese Frage zu beantworten, wurden sechs europäische Märkte untersucht: Deutschland, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Österreich und Polen. Die Analyse bezieht sich auf Luft-Wasser-Wärmepumpen mit 8 bis 10 kW Heizleistung für Einfamilienhäuser im Bestand. Betrachtet wurden Brutto-Endkundenpreise inklusive Installation und Nebenkosten aus dem Zeitraum 2022 bis 2025. Hier ein erster Überblick:

Kostenvergleich im Überblick

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Land
Kostenbereich (brutto)
Anmerkungen
Deutschland
20.000 bis 40.000 Euro, teils auch mehr
Höchstes Preisniveau in der Vergleichsgruppe
Österreich
13.500–20.000 €
Ähnliche Standards wie DE, aber günstiger (u.a. ermäßigte MwSt.)
Frankreich
12.000–20.000 €
Festbetrags-Förderung, mittleres Preisniveau
Niederlande
11.000–19.000 €
Große Bandbreite, standardisierte Systeme
Großbritannien
10.000–14.000 €
0 % MwSt., einfachere Standards
Polen
9.000–15.000 €
Niedrige Lohnkosten, weniger Bürokratie
Wärmepumpen-Preise im europäischen Vergleich

Warum Deutschland teurer ist – die wichtigsten Gründe

Warum sind die Unterschiede so groß? Das lässt sich nicht durch einen einzelnen Faktor erklären, vielmehr gibt es mehrere Ursachen und nicht alle sind klar benennbar. Die Analyse unterscheidet daher zwischen messbaren Kostentreibern und schwerer bezifferbaren Einflussfaktoren. Die messbaren Faktoren erklären den größten Teil der Preisunterschiede:

  • Teurere Geräte: In Deutschland werden häufig Wärmepumpen mit höherer Ausstattung und komplexerer Technik angeboten. Dazu gehören zum Beispiel leistungsstärkere Heizstäbe, aufwendigere Inneneinheiten oder Regelungstechnik. Einfachere Varianten, die in anderen Ländern genutzt werden, sind hier seltener verfügbar.
  • Höhere Kosten für Fundament und Aufstellung: In Deutschland ist die Aufstellung des Außengeräts oft aufwendiger. Häufig wird ein massives Fundament gebaut. In anderen Ländern sind teils einfachere Lösungen üblich, etwa Wandmontagen oder leichtere Unterkonstruktionen. Das kann mehrere tausend Euro Unterschied machen.
  • Teurerer Elektroanschluss: Der elektrische Anschluss ist hierzulande oft aufwendiger, zum Beispiel wegen Anpassungen am Zählerschrank, zusätzlicher Absicherung oder weiterer Steuerungstechnik. Auch das erhöht die Gesamtkosten spürbar.
  • Mehr Arbeitszeit und höhere Lohnkosten: Die Installation dauert in Deutschland laut Beitrag häufig länger als in den Vergleichsländern. Gleichzeitig sind die Stundensätze im Handwerk höher. Gründe dafür sind unter anderem komplexere Abläufe, zusätzliche Planung und Dokumentation sowie weitere technische Anforderungen.
  • Mehrwertsteuer: Auch die Mehrwertsteuer beeinflusst den Endpreis. Besonders deutlich wird das im Vergleich zu Großbritannien, wo für bestimmte energieeffiziente Heiztechnologien zeitweise 0 Prozent Mehrwertsteuer gelten.

Weitere Gründe, die das Preisniveau beeinflussen

Neben den direkt messbaren Kosten nennt die Analyse weitere Faktoren, die das Preisniveau in Deutschland zusätzlich erhöhen können.

  • Förderstruktur: In Deutschland wird die Förderung prozentual an den Investitionskosten bemessen. Das kann dazu führen, dass hohe Angebotspreise weniger stark unter Druck geraten. In anderen Ländern arbeiten Förderprogramme teils stärker mit festen Zuschüssen, was eher Anreize für günstigere Angebote setzen kann.
  • Gebäudebestand: Deutschland hat viele ältere Gebäude. Dazu kommen oft größere Wohnflächen. Das kann im Einzelfall größere oder leistungsstärkere Systeme nötig machen. Gleichzeitig zeigt der Vergleich aber auch: Der Gebäudebestand allein erklärt die hohen Preise nicht vollständig, weil auch andere Länder ältere Gebäude haben.
  • Marktsituation: Laut Analyse haben in Deutschland zeitweise hohe Nachfrage und knappe Kapazitäten zu einem hohen Preisniveau beigetragen. Inzwischen scheint sich die Lage etwas zu entspannen. Mehr Anbieter und besser verfügbare Installationskapazitäten könnten den Wettbewerb stärken.
  • Technische Standards und Kältemittel: Teilweise kommen in Deutschland frühzeitig technisch anspruchsvollere Lösungen zum Einsatz, etwa Geräte mit dem Kältemittel R290. Das kann langfristig Vorteile haben, kurzfristig aber auch zu höheren Geräte- und Installationskosten beitragen.

Fazit und Ausblick

Deutschland ist bei den Installationskosten für Wärmepumpen im europäischen Vergleich aktuell besonders teuer. Der Preisunterschied hat nicht nur eine Ursache, sondern entsteht durch das Zusammenspiel aus Gerätepreisen, Installationsaufwand, Arbeitskosten, Steuern und Marktbedingungen. Das bedeutet allerdings nicht, dass Wärmepumpen grundsätzlich zu teuer oder unwirtschaftlich sind. Für einzelne Haushalte gilt weiterhin: Die tatsächlichen Gesamtkosten hängen stark vom Gebäude und vom konkreten Angebot ab.

Positiv auch: Es gibt erste Anzeichen für sinkende Preise: 2025 sind die Kosten erstmals leicht gesunken, neue Anbieter erhöhen zudem den Wettbewerb. Außerdem könnten zukünftig standardisierte Installationskonzepte und einfachere Gerätevarianten dazu beitragen, dass der Einbau schneller und damit günstiger wird. Für Verbraucher*innen bleibt trotzdem entscheidend, Angebote genau zu vergleichen und die individuelle Situation am Gebäude prüfen zu lassen.

*Gekürzte Version. Den vollständigen Blogbeitrag lesen Sie auf https://heatpumpswatch.org/de/

 

Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus: So funktioniert die Wärmewende in der Stadt

Städte stehen vor einer besonderen Herausforderung: Dichte Bebauung, alte Gebäude und komplizierte Eigentumsverhältnisse machen die Umstellung auf klimafreundliche Heizungen schwieriger als auf dem Land. Die gute Nachricht: Die Technologie für die Wärmewende ist längst vorhanden – es geht nur noch darum, die richtige Lösung für das jeweilige Gebäude zu finden.

Welche Lösung passt zu welchem Gebäude?

Je nach Lage und Gebäudetyp kommen unterschiedliche Ansätze infrage:

  1. Freistehende Bestandsgebäude können gut mit einer eigenen, dezentralen Wärmepumpe versorgt werden. 2023 wurden in Deutschland 365.000 Wärmepumpen verkauft – 85 Prozent davon in Bestandsgebäuden.
  2. Dicht bebaute Innenstädte brauchen zentrale Lösungen: Fernwärme mit Großwärmepumpen, die Flusswasser, Abwärme oder Geothermie nutzen. Die MVV-Anlage in Mannheim (20 MW, Wärmequelle: Rheinwasser) spart jährlich rund 10.000 Tonnen CO₂.
  3. Mehrfamilienhäuser bieten die größte Vielfalt – von zentralen Systemen für das gesamte Gebäude bis zu individuellen Lösungen für jede Wohnung.

Drei Praxisbeispiele aus Europa

1. Genf: Wärmepumpe im unsanierten Altbau

Ein Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1972 mit 53 Wohnungen wurde mit zwei Luft-Wasser-Wärmepumpen ausgestattet – ohne Umbau der bestehenden Heizkörper. Die Bewohner*innen mussten ihre Wohnungen während der Bauarbeiten nicht verlassen. Ergebnis: Der ursprünglich geplante Öl-Backup-Kessel wurde nach zwei Jahren als überflüssig entfernt.

2. Innsbruck: Hybrides Mini-Wärmepumpen-System

48 Wohnungen werden über eine zentrale Dach-Wärmepumpe mit Niedertemperatur-Wärme (20 °C Vorlauf) versorgt. In jeder Wohnung hebt eine 3-kW-Mini-Wärmepumpe die Temperatur für Heizung und Warmwasser an. Das System erreicht einen SCOP von 4,0 – bei nur 38 dB Betriebslautstärke.

3. Chadwell St Mary (UK): Gemeinsame Erdwärmequelle, individuelle Pumpen

273 Wohnungen in drei Hochhäusern erhalten je eine eigene Erdwärmepumpe, die an ein gemeinsames Erdsondenfeld angeschlossen ist. Die Energiekosten sinken um 40 bis 50 Prozent, die CO₂-Emissionen um über 70 Prozent.

Zentral oder dezentral? Ein Vergleich

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Zentrales System
Dezentrales System
Funktionsprinzip
Eine Wärmepumpe versorgt das gesamte Gebäude
Jede Wohnung hat eine eigene Wärmepumpe
Wartung
Einfacher – ein Gerät, ein Ansprechpartner
Aufwendiger – viele Einzelgeräte
Effizienz
Größere, effizientere Geräte möglich
Geringere Verteilungsverluste
Individuelle Kontrolle
Eingeschränkt
Hoch – jede Wohnung regelt selbst
Lärm
Konzentriert an einem Ort
Verteilt, kann in Wohnungen störend sein
Geeignet für
Große Gebäude, einheitliche Eigentümerstruktur
Kleinere Gebäude, WEGs, heterogene Strukturen
Kosten
Höhere Investition, geringere Betriebskosten
Geringere Einzelinvestition, mehr Geräte
Übersicht über Eigenheiten zentraler und dezentraler Wärmepumpen-Lösungen im Mehrfamilienhaus

Tipp: Hybride Systeme – wie in Innsbruck umgesetzt – kombinieren die Vorteile beider Ansätze und sind besonders für Bestandsgebäude mit bestehenden Heizkörpern interessant.

Was ist bei der Planung zu beachten?

Wer eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus plant, sollte folgende Faktoren vorab klären:

  1. Gebäudegröße und Wärmebedarf – Wie viele Wohneinheiten, wie hoch ist der Heizbedarf?
  2. Energetischer Zustand – Ist das Gebäude gedämmt? Welche Vorlauftemperaturen sind nötig?
  3. Verfügbare Wärmequellen – Gibt es Platz für Außengeräte, Erdsonden oder Zugang zu Grundwasser?
  4. Eigentumsverhältnisse – Wer entscheidet? Einzeleigentümerin, WEG oder Vermieterin?
  5. Fördermöglichkeiten – Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sind Zuschüsse von bis zu 70 Prozent möglich.

Fazit: Die Technik funktioniert – jetzt braucht es den breiten Einsatz

Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern sind kein Zukunftsprojekt mehr. Zahlreiche Projekte in ganz Europa zeigen: Es gibt für nahezu jedes Gebäude eine passende Lösung. Was jetzt noch fehlt, ist die breite Umsetzung – und die beginnt mit dem Wissen, dass es funktioniert.

*Gekürzte Version. Den vollständigen Blogbeitrag lesen Sie auf https://heatpumpswatch.org/de/

 

Tausende Wärmepumpen – wie finde ich die passende?

Über 10.000 zertifizierte Modelle, mehr als 6.200 BAFA-förderfähige Geräte in Deutschland: Der Wärmepumpenmarkt ist groß. Die gute Nachricht: Mit einem strukturierten Vorgehen lässt sich die Auswahl schnell eingrenzen. Entscheidend sind zwei Perspektiven – die technischen Anforderungen des Hauses und die persönlichen Prioritäten der Bewohner*innen.

Was das Haus vorgibt

Eignung: häufiger gegeben als gedacht: 85 Prozent aller 2023 in Deutschland verkauften Wärmepumpen wurden in Bestandsgebäuden installiert. Moderne Geräte erreichen Vorlauftemperaturen von 55 °C und mehr – eine Fußbodenheizung ist keine Voraussetzung. Oft genügen kleinere Maßnahmen wie der Austausch einzelner Heizkörper gegen Niedertemperatur-Varianten.

Heizlast und Vorlauftemperatur sind die zwei zentralen technischen Parameter. Die Heizlast – also der Wärmebedarf an kalten Wintertagen – sollte per Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ermittelt werden. Für ein 150-m²-Haus aus den 1960ern ergibt sich typischerweise eine Heizlast von 9 bis 13,5 kW. Bei der Dimensionierung gilt: so groß wie nötig, so klein wie möglich. Denn eine Überdimensionierung senkt die Effizienz.

Die mittlere Vorlauftemperatur über die Heizperiode hinweg hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Jahresarbeitszahl (JAZ): Bei einer Vorlauftemperatur von 30 °C sind JAZ-Werte von 4,5 und mehr erreichbar, während der Wert bei einer Vorlauftemperatur von 45 °C bei 3,5 bis 4,0 liegt. Für den Modellvergleich ist der SCOP-Wert, der aus der Heat Pump Keymark-Datenbank bezogen werden kann, die relevante Kennzahl. Dabei ist der zur eigenen Vorlauftemperatur passende Wert (SCOP35 oder SCOP55) zu verwenden.

Wärmequelle: Bei rund 90 Prozent aller Installationen wird Luft als Wärmequelle genutzt. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind flexibel, schnell installierbar und günstiger in der Anschaffung (JAZ im Bestand: 3,0–4,0). Bei dichter Bebauung ist es wichtig, Modelle unter 50 dB(A) zu bevorzugen, da das BAFA seit 2026 nur noch besonders leise Geräte fördert. Sole-Wasser-Systeme sind effizienter (JAZ 4,0–5,0), geräuschärmer, aber genehmigungspflichtig und teurer in der Installation.

Für die technische Planung empfiehlt sich die VDI-Richtlinie 4645. Sie beschreibt einen systematischen Vorplanungsprozess von der Gebäudeanalyse bis zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.

Was Sie selbst entscheiden

Effizienz vs. Kosten: Die Effizienzspanne ist erheblich. So kostet ein Modell mit SCOP 3,5 bei einem Jahresbedarf von 22.500 kWh rund 1.517 Euro Strom pro Jahr (bei 23,6 Cent pro kWh), während ein Modell mit SCOP 4,5 nur 1.180 Euro kostet. Der Mehrpreis für ein Premiumgerät kann jedoch mehrere tausend Euro betragen. Ob sich diese Investition lohnt, hängt von der Nutzungsdauer und dem verfügbaren Budget ab.

Kältemittel: Natürliche Kältemittel wie Propan (R290) sind ökologisch vorteilhaft und werden mit einem Förderbonus von 5 Prozent honoriert. Ab 2028 sollen voraussichtlich nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln förderfähig sein. Das Marktangebot wächst kontinuierlich.

Anbieter: Lokale Installateure punkten mit persönlicher Betreuung und schnellen Reaktionszeiten, arbeiten aber meist mit einer begrenzten Modellauswahl. Überregionale Anbieter (z. B. Thermondo, Enpal, 1Komma5°) bieten standardisierte Prozesse und teils günstigere Preise. Beide Modelle haben ihre Berechtigung – entscheidend ist die nachgewiesene Erfahrung des Fachbetriebs, etwa durch Referenzen, VDI-4645-Schulung oder Zertifizierung als Fachbetrieb Wärmepumpe (BWP).

Einzelmaßnahme oder Gesamtpaket? Wer Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher und Wallbox kombiniert, kann den PV-Eigenverbrauch um 30 bis 50 Prozent steigern. Wer zunächst nur die Heizung tauscht, macht ebenfalls nichts falsch.

Fazit

Es gibt nicht die eine richtige Wärmepumpe – sondern mehrere passende. Das Haus definiert den technischen Rahmen, Sie wählen innerhalb dieses Rahmens nach Ihren Prioritäten. Mit strukturierter Planung, einem erfahrenen Fachbetrieb und einem pragmatischen Blick auf Wirtschaftlichkeit und Förderung treffen Sie eine solide Entscheidung.

*Gekürzte Version. Den vollständigen Blogbeitrag lesen Sie auf https://heatpumpswatch.org/de/