Tschüss, Ölheizung – hallo, Zukunft! Sanierungsgeschichte aus dem Bergischen Land

09.03.2026 Lesedauer: min Minh Duc Nguyen

Bernd S. aus dem Bergischen Land hat sein Zweifamilienhaus konsequent auf erneuerbare Energien umgestellt – mit Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher und Heizstab. Was seine Frau und er dabei erlebt haben, was gut lief und was sie anderen empfehlen, erzählt er hier.

Warum hast du dich für so viele Sanierungsmaßnahmen entschieden?

Der Auslöser war eine Energieberatung im Jahr 2017, die uns die Augen geöffnet hat. Unser Zweifamilienhaus stammt aus den Jahren 1998/1999 und wird mit einer Ölheizung betrieben. Nach der Beratung durch die Energieberatung NRW war uns klar, in welche Richtung wir gehen müssen – vor allem, was das Heizen betrifft. Im selben Jahr lag uns ein sehr gut ausgearbeitetes Angebot für eine PV-Anlage vor. Aus allerlei Gründen haben wir das Projekt jedoch bis Ende 2021 ruhen lassen.

Dann kam der Angriffskrieg in der Ukraine. Das hat uns endgültig bewogen, die bis dahin ruhenden Gespräche über PV und Heizung wieder aufzunehmen. Wir wollten nicht länger abhängig sein von fossilen Brennstoffen, deren Preise und Verfügbarkeit von geopolitischen Ereignissen abhängen.

Dahinter steckt jedoch auch eine grundlegende Überzeugung. Fossile Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle sowie Atomkraft passen nicht mehr in unsere Zeit. Ihre Nutzung bringt erhebliche Umweltprobleme mit sich, die wir nicht verantworten wollen. Eine Wärmepumpe ist dagegen klimafreundlicher, effizienter und zukunftssicher. Langfristig wird sie die Öl- und Gasheizung ersetzen. Zum Zeitpunkt unserer Entscheidung waren die Fördermöglichkeiten ausgesprochen gut und das ist bis heute so geblieben.

„Unsere vor einigen Jahren getroffene Entscheidung zum Austausch der Heizungsanlage war hundertprozentig richtig … – Bernd S.

… Mit der Umstellung auf Wärmepumpe, PV-Anlage und PV-Heizstab sparen wir jährlich knapp 4.500 Euro. Außerdem tun wir was Gutes für die Umwelt.“ – Bernd S.

Die wichtigsten Fakten

  • Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung, Baujahr 1998/1999, ca. 300 qm
  • Jährlicher Heizverbrauch vor Optimierung: circa 4.500 Liter Heizöl, Kosten: etwa 4.155 €
  • Nach dem Umstieg ca. 2.500 kWh Hausstrom und 10.500 kWh Wärmestrom, Kosten: etwa 2.822 €
  • Wegfall der jährlichen Reparatur- und Stromkosten für die Ölheizung ~2.300 €
  • PV-Anlage mit 16,8 kWp + E3DC Stromspeicher mit 21 kWh Speicherleistung und 6 kW Wechselrichterleistung

Was hat gut funktioniert – und was nicht?

Was gut lief: Die Zusammenarbeit mit unserem Heizungsbauer war hervorragend. Er hat nicht nur die Wärmepumpe geliefert und eingebaut, sondern auch alle Förderanträge beim BAFA vollständig übernommen. Eine Mitarbeiterin des Unternehmens hat uns von Anfang an begleitet, die Vollmacht vorbereitet und uns klar erklärt, was wann zu tun ist – zum Beispiel, dass vor der Antragstellung keine Arbeiten beginnen dürfen. Das BAFA hat uns einen Zuschuss von 35 Prozent der förderfähigen Kosten bewilligt: 25 Prozent Basisförderung plus 10 Prozent Heizungstausch-Bonus. Die Zusammenarbeit mit dem BAFA war unkompliziert und zügig – vom Verwendungsnachweis bis zur Auszahlung vergingen nur etwas mehr als sechs Wochen.

Auch der Einbau selbst verlief reibungslos. Fünf kompetente Mitarbeiter haben die gesamte Anlage in etwa einer Woche aufgebaut, gleichzeitig die alte Ölheizung demontiert und fachgerecht entsorgt – einschließlich des rund 8.000-Liter-Öltanks. Die einjährige Lieferzeit für die Wärmepumpe haben wir genutzt, um die Bodenplatte im Außenbereich vorzubereiten und den hydraulischen Abgleich durchführen zu lassen.

Was nicht gut lief: Der hydraulische Abgleich war ein echtes Ärgernis. Die vorhandenen Thermostatventile waren nicht voreinstellbar und mussten komplett ausgetauscht werden. Während der Arbeiten kam es zu einem Kurzschluss – das gesamte Haus war ohne Strom. Auch die Wasserzisterne fiel aus und musste mit einem teuren Ersatzteil repariert werden. Beide Folgekosten hat der Heizungsbauer übernommen, was fair war – aber der Vorgang selbst war frustrierend. Ich habe mir damals die co2online-Broschüre „Meine Heizung kann mehr – der hydraulische Abgleich in 8 Schritten“ besorgt und dem Heizungsbauer weitergeleitet. Da keine Rückmeldung kam, habe ich ihn schriftlich vom Auftrag entbunden und den Abgleich anderweitig beauftragt.

Ebenfalls mühsam: die Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber rund um den §14a. Bis wir dort alles geklärt hatten, war es ein langer Weg mit vielen Zwischenschritten – angefangen bei der Zählerumstellung bis hin zur korrekten Abrechnung von Wärme- und Hausstrom.

Was hat dich verunsichert oder sogar frustriert?

Frustriert hat uns der Kurzschluss während des hydraulischen Abgleichs – und die Frage, wer dafür verantwortlich ist. Dass am Ende alles kulant geregelt wurde, hat die Situation gerettet. Aber solche ungeplanten Ereignisse kosten Nerven.

Auch die Bürokratie rund um § 14a war zermürbend. Wir hatten den Einbau von Smart-Meter-Zählern beantragt, doch es wurden zwei andere Zähler eingebaut. Die Abrechnung von Wärme- und Hausstrom musste anschließend manuell über die Zählerstände erfolgen. Das ist zwar handhabbar, aber unnötig kompliziert.

Und dann die Frage der Batteriespeicher-Erweiterung: Wir haben ein konkretes Angebot für einen zweiten Batteriespeicher geprüft und uns dagegen entschieden – die Amortisationszeit wäre bei den aktuellen Einspeisevergütungen schlicht zu lang. Unser Heizungsbauer rät ohnehin dazu, noch zu warten: Die Batteriepreise werden weiter sinken, und künftig sollen Möglichkeiten entstehen, überschüssigen Strom direkt an Nachbarn oder Kommunen zu verkaufen – zu deutlich besseren Konditionen als heute.

Wie hast du dich im Vorfeld informiert?

Der erste Schritt war die Energieberatung NRW, die uns eine klare Orientierung gegeben hat. Danach haben wir uns Zeit gelassen – vielleicht zu viel Zeit, aber der Krieg in der Ukraine hat uns dann endgültig in Bewegung gebracht.

Wir haben zwei ausführliche Informationsgespräche mit unserem Heizungsbauer geführt, bevor wir die Angebote für PV-Anlage und Wärmepumpe beauftragt haben. co2online hat uns dabei ebenfalls geholfen – zum Beispiel mit dem Hinweis auf den Heizstab für PV-Überschuss, den wir inzwischen eingebaut haben. Lieber überschüssigen Strom sinnvoll nutzen, als ihn für wenige Cent ins Netz einzuspeisen.

Für den Förderbereich haben wir uns vollständig auf die Mitarbeiterin des Heizungsbauers verlassen – und das war die richtige Entscheidung. Sie hat alles vorbereitet, eingereicht und begleitet.

Wie zufrieden bist du mit deiner Entscheidung?

Hundertprozentig zufrieden. Die Entscheidung war richtig – das steht für uns außer Frage.

Die Zahlen sprechen für sich: Gegenüber der alten Ölheizung sparen wir jährlich rund 4.500 Euro – ohne Fahrzeugtausch. Wir zahlen keine Schornsteinfegergebühren mehr, keine Gewässerschaden-Haftpflicht, keinen Wartungsvertrag für den Ölbrenner, und die stetig steigenden Reparaturkosten der alten Anlage gehören der Vergangenheit an. Stattdessen produzieren wir eigenen Strom, geben einen Teil davon an unsere Mieterin weiter und speisen den Rest ins Netz ein.

Aber es geht uns nicht nur ums Geld. Wir haben das Gefühl, das Richtige getan zu haben – für uns, für unsere Mieterin und für die Umwelt. Dass wir damit einen messbaren Beitrag zur Reduktion von CO₂-Emissionen leisten, freut uns sehr. Wir wissen aber auch: Einzelne Maßnahmen reichen nicht. Der Wandel muss breiter werden – in vielen Bereichen, nicht nur beim Heizen.

Was empfiehlst du anderen Hausbesitzer*innen?

Fangen Sie mit einer Energieberatung an. Eine professionelle Beratung – zum Beispiel über die Energieberatung der Verbraucherzentralen oder regionale Angebote – gibt Ihnen eine klare Grundlage, bevor Sie Entscheidungen treffen.

Wählen Sie Ihren Handwerker sorgfältig. Ein guter Heizungsbauer ist mehr als ein Installateur – er begleitet Sie durch Förderanträge, Behördenkommunikation und Inbetriebnahme. Das ist Gold wert.

Planen Sie die Förderung von Anfang an mit. Kein Auftrag, keine Arbeiten, bevor der Förderantrag gestellt ist – das ist beim BAFA zwingend. Lassen Sie sich dabei von Ihrem Fachbetrieb unterstützen, der das kennt.

Denken Sie das System ganzheitlich. Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher, Heizstab, Wallbox – diese Komponenten spielen zusammen. Wer das von Anfang an mitdenkt, spart sich spätere Nachrüstungen und holt das Maximum heraus.

Haben Sie Geduld mit der Bürokratie. §14a, Smart-Meter, Zählerkonzepte – das ist komplex und dauert. Aber es lohnt sich, dranzubleiben.

Und schließlich: Warten Sie nicht auf den perfekten Moment. Wir haben vier Jahre gezögert. Im Rückblick hätten wir früher anfangen sollen.

Minh Duc Nguyen

Über den Autor

Minh Duc Nguyen

Minh Duc Nguyen ist seit 2020 Teil der co2online-Redaktion. Er ist besonders vertraut mit dem Thema Heizung im Allgemeinen, sowie Fernwärme und Wärmepumpe im Besonderen. Darüber hinaus gehört der Bereich staatliche Fördermittel für Wohngebäude zu seiner Expertise.

Zum Autor*innen-Profil

Hinweis: Der Redaktion liegen die Namen und Kontaktdaten von Bernd S. vor. Auf seinen Wunsch hin wird der Bericht ohne Porträt veröffentlicht.

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