Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Viele Möglichkeiten, Wohnraum optimal zu nutzen
- Das Timing spielt eine wichtige Rolle
- Beratungsangebote bieten erste Orientierung
- Praxisbeispiel zeigt: Vorausschauendes Umbauen geht
11.03.2026 Lesedauer: min Minh Duc Nguyen
Die Kinder sind ausgezogen, die Zimmer stehen leer – und das Haus fühlt sich auf einmal zu groß an. Viele Eigentümer*innen kennen diesen Moment, schieben die Frage aber vor sich her: Was tun mit dem Platz? Dabei ist genau jetzt der beste Zeitpunkt, um aktiv zu werden – für sich selbst, für die eigene Zukunft und ganz nebenbei auch für andere.
Mit dem Modernisierungskosten-Rechner können Sie prüfen, welche Sanierungsmaßnahmen sich für Ihr Gebäude lohnen und wie viel Energie Sie dadurch sparen.
Wohnraumsuffizienz klingt nach Fachbegriff, meint aber etwas sehr Praktisches: nur so viel Wohnfläche nutzen, wie man tatsächlich braucht. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Warum das notwendig ist? Der durchschnittliche Wohnflächenverbrauch in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen und beträgt heute rund 47 Quadratmeter pro Person. In den 1960er-Jahren waren es noch um die 20 Quadratmeter pro Person. Der größere Bedarf hat Folgen. Tanja Kenkmann vom Öko-Institut bringt das Problem auf den Punkt: „Jeder bewohnte Quadratmeter Fläche in Gebäuden führt zu höherem Energieverbrauch. Denn die Fläche wird beleuchtet, beheizt, mit Bodenbelag versehen und möbliert; und er muss gereinigt und instandgehalten werden."
Wohnraumsuffizienz bezeichnet einen bewussten Umgang mit Wohnfläche: Haushalte nutzen nur so viel Raum, wie sie für ein gutes Leben brauchen. Das Konzept verbindet soziale Gerechtigkeit – weniger Überversorgung auf der einen, weniger Enge auf der anderen Seite – mit Klimaschutz, denn jeder zusätzliche Quadratmeter bedeutet mehr Energie für Heizung, Beleuchtung und Instandhaltung. Suffizienz ist dabei kein Verzicht, sondern eine Frage der Angemessenheit.
Mit Blick auf die CO2-Emissionen ist das kein guter Trend. Schließlich verfehlt der Gebäudesektor seine Klimaziele Jahr für Jahr. Der Expertenrat für Klimafragen hat prognostiziert, dass er bis 2030 33 Millionen Tonnen CO₂ zu viel emittieren wird. Gleichzeitig liegt die Sanierungsrate mit 0,7 Prozent auf einem historischen Tief – weit entfernt von den 2 Prozent, die die Bundesregierung selbst für notwendig hält.
Die meisten Menschen, die in zu großen Häusern wohnen, denken irgendwann ans Umstrukturieren – aber selten zum richtigen Zeitpunkt. Erfahrungen aus der Praxis zeigen: Wer nach dem 70. Lebensjahr mit Umbau oder Verkleinerung beginnt, tut sich deutlich schwerer. Die körperliche Belastung durch ein großes Haus steigt, die Bereitschaft zu Veränderungen sinkt – und plötzlich ist der Zug abgefahren. Die Folge: Viele Menschen landen früher als nötig im Pflegeheim – nicht, weil sie pflegebedürftig sind, sondern weil ihr Zuhause nicht mehr zu ihrem Leben passt. Pflegeplätze sind knapp und teuer. Wer frühzeitig handelt, behält die Kontrolle.
Der richtige Zeitpunkt ist nicht in weiter Zukunft, sondern jetzt. Also dann, wenn die Kinder gerade ausgezogen sind, die eigene Gesundheit noch mitspielt und man die Energie hat, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen.
Man kann diese Entscheidung auch vorziehen. So hat es der 27-jährige Benedikt aus Stuttgart gemacht. Statt bis ins hohe Alter zu warten, hat er ein altes Einfamilienhaus zu einem Dreifamilienhaus umbauen lassen. Wie genau er es geschafft hat, dazu kommen wir gleich!
Es gibt mehr Möglichkeiten, als die meisten ahnen. Und viele davon lassen sich ohne großen bürokratischen Aufwand umsetzen:
Barrierefreiheit: Jetzt planen, später profitieren
Ein Umbau lohnt sich doppelt, wenn er gleichzeitig die Barrierefreiheit verbessert. Breitere Türen, ein ebenerdiges Bad, ein Treppenlift – das sind Investitionen, die im Alter den Unterschied machen zwischen selbst bestimmtem Wohnen und dem Gang ins Pflegeheim. Wer das jetzt angeht, kann KfW-Fördermittel nutzen und hat die Ruhe, es richtig zu planen.
Der wichtigste erste Schritt ist eine Beratung durch Fachleute, die sich auf genau diese Lebenssituation spezialisiert haben. Sie bieten Betroffenen Orientierung, helfen ihnen, ihre Bedürfnisse zu reflektieren, und unterstützen sie dabei, die richtige Wohnform zu finden. Architekt*innen mit Erfahrung in Bestandsumbau und kommunale Wohnberatungsstellen kennen zudem die lokalen Möglichkeiten, Förderprogramme und rechtlichen Rahmenbedingungen.
Anlaufstellen gibt es in vielen Städten:
Sie fragen sich, ob Ihr Zuhause noch zu Ihrem Leben passt – oder wie es das wieder tun könnte? Der co2online-MiniCheck „Passend wohnen – Leben gestalten... hilft Ihnen, Ihre Situation einzuschätzen. Im nächsten Schritt empfiehlt es sich, sich mit Menschen in ähnlichen Situationen auszutauschen, die Ähnliches planen oder sogar schon umgesetzt haben.
Wie ein solcher Umbau in der Praxis aussehen kann, zeigt das nachfolgende Beispiel von Benedikt Karow aus Stuttgart
Benedikt Karow hat in Stuttgart-Weilimdorf ein Haus aus dem Jahr 1935, das nie wirklich gedämmt oder mit einer Zentralheizung ausgestattet war, gekauft und es in ein modernes Dreifamilienhaus mit 150 Quadratmetern und Energieeffizienzstandard 55 EE verwandelt. Was als persönliches Wohnprojekt begann, ist zu einer durchdachten Kombination aus Altersvorsorge, Vermietung und Energieautarkie geworden. Hier erzählt er, wie das gelaufen ist.
Es gab im Wesentlichen vier Gründe. Der erste war die emotionale Bindung: Ich bin hier in Stuttgart-Weilimdorf aufgewachsen, kenne das Nachbarhaus mein ganzes Leben lang und hatte eine sehr enge Verbindung zu den Alteigentümern. Als sie ins Pflegeheim musste, haben wir noch per WhatsApp Gartenfotos ausgetauscht. Dieses Haus wollte ich einfach nicht an Fremde übergeben.
Der zweite Grund war meine eigene Altersvorsorge. Im Alter nicht mehr auf eine Mietwohnung angewiesen zu sein, aus der man gekündigt werden kann – das war mir wichtig. Mit drei Wohneinheiten habe ich die Möglichkeit, selbst einzuziehen und gleichzeitig Mieteinnahmen zu generieren, die meine Rente aufstocken.
Drittens habe ich an meine Eltern gedacht. Sie sind über 70, ihr jetziges Haus ist nicht barrierefrei – kleine Flure, enge Türdurchgänge. Ich habe bei meinen Großeltern erlebt, wie wertvoll eine Pflegekraft sein kann, die in der Nähe wohnt, aber trotzdem ihren eigenen Rückzugsort hat. Genau das wollte ich hier ermöglichen: eine separate Wohneinheit, in der eine Pflegekraft ihren eigenen Safe Space hat, während meine Eltern in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.
Und schließlich: der schwäbische Traum vom Eigenheim. „Schaffe, schaffe, Häusle baue" – das war einfach immer ein Teil meines Plans.
Das jetzige Haus meiner Eltern ist überhaupt nicht barrierefrei und sehr verwinkelt. Im neuen Haus wäre später genug Platz für einen Treppenlift oder einen eigenen Rückzugsort für die Pflegekraft.“
- Benedikt Karow
Sehr gut funktioniert hat die Zusammenarbeit mit der Architektin Nicole Schuchmann. Das Projekt hat erst wirklich Gestalt angenommen, als sie dazukam – mit ihrem Erfahrungswissen aus Sanierungsprojekten, ihrem Gespür für Konzepte und ihrem Netzwerk an verlässlichen Handwerkern. Aus 80 Quadratmetern drei Wohneinheiten auf 150 Quadratmetern zu machen – das klingt erst mal nach einer Hausnummer. Aber mit dem richtigen Team geht das.
Auch die Entscheidung gegen einen Abriss und für einen Wiederaufbau hat sich als goldrichtig herausgestellt. Wir konnten viele vorhandene Materialien, wie beispielsweise die Deckenbalken oder den Torf, wiederverwenden. Wo neues Material hinzukommen musste, haben wir auf ökologische Stoffe zurückgegriffen. In so einem Haus steckt nun mal eine Geschichte, die ich auch gerne den Nachfahren weitererzählen möchte: „Hey, schaut mal, wir haben hier nichts plattgemacht. Wir machen alles nur neu und modern.“
Was mich überrascht hat: Die Entkernung eines so alten Hauses bringt immer Unerwartetes mit sich. Als wir die Decken öffneten, kamen Gips, Torf und Stroh zum Vorschein. Dann haben wir uns kurz hingesetzt und mit Nicole gesprochen. Sie hat klar gesagt: „Wenn ihr es richtig machen wollt, räumt das leer.” Also haben wir getrennt, gesiebt und geschaufelt. Gemischter Abfall kostet 400 Euro pro Tonne, Gips hingegen nur 60 bis 70 Euro. Das war zwar Arbeit, aber auch ein schönes gemeinsames Erlebnis mit meinen Eltern.
Der Baulärm, die Kosten und die ständigen Abstimmungen mit den Handwerkern – das alles hat uns schon mitgenommen, den einen ein bisschen mehr, den anderen weniger. Bei einem so großen Umbauprojekt wird man immer wieder von irgendetwas überrascht, und das zehrt. Am Ende waren wir aber alle sehr glücklich – und meine Mutter hat sofort die Dachgeschosswohnung für sich beansprucht, da diese ihrer Meinung nach die kuscheligste war.
Für mich persönlich war die größte Herausforderung wohl die Kostendiskussion am Anfang: Rechnet sich das überhaupt? Was kann ich an Eigenkapital einbringen, was sind die Annuitäten, welche Fördermittel bekomme ich von der Stadt und der KfW? Das waren keine einfachen Fragen – aber es hat sich gelohnt, sie gründlich zu beantworten.
Ich habe vor allem auf Fachleute gesetzt. Die Architektin Nicole Schuchmann war dabei die entscheidende Partnerin. Sie hat mir nicht nur das beste Konzept geliefert, sondern mich auch kostenseitig beraten und auf Risiken hingewiesen. Hinzu kamen ihre langjährigen Handwerker, auf die ich mich ebenfalls verlassen konnte.
Als Controller mit BWL/VWL-Hintergrund habe ich außerdem selbst gerechnet: Eigenkapital, Annuitäten, Fördermittel von KfW und Stadt Stuttgart, steuerliche Vorteile aus Vermietung und Verpachtung. Diese Kombination aus Fachplanung und eigener Finanzanalyse hat mir die nötige Sicherheit gegeben.
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Sehr zufrieden. Aus einem Haus von 1935, das nie wirklich gedämmt oder mit einer Zentralheizung ausgestattet war, ist ein modernes Dreifamilienhaus mit 150 Quadratmetern und Energieeffizienzstandard 55 EE geworden. Die Hausgemeinschaft ist gewachsen – zwei der Mieter kenne ich schon seit der Grundschule. Jeder hilft jedem, jeder hat schon mal mitgebohrt oder Kabel verlegt. Das ist einfach schön.
Und der Torf aus den alten Decken? Der kommt jetzt in die Hochbeete, die wir aus den übrigen Deckenbalken bauen. So schließt sich der Kreis.