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Die 5 größten Heizmythen im Faktencheck

Es gibt Heizmythen, die Verbraucher*innen seit Jahrzehnten beschäftigen. Die Nachtabsenkung beispielsweise oder die Geschwindigkeit beim Aufdrehen des Thermostats. Wir stellen Ihnen die fünf größten Mythen rund um das Thema Heizen und ihren Wahrheitsgehalt vor.

HeizCheck: Heizenergieverbrauch prüfen

Heizkosten zu hoch? Prüfen Sie Ihren Verbrauch und vergleichen Sie ihn mit dem ähnlicher Haushalte. Nötig ist dazu Ihre Heizkostenabrechnung:

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:

  • Viele Mythen zum Thema Heizen halten sich hartnäckig
  • Schon kleine Veränderungen sowie Verständnis für die Technik sorgen für effizienteres Heizen
  • Richtiges Heizen entscheidend für niedrige Kosten und Klimaschutz

Heizmythos 1: Die optimale Raumtemperatur gibt es nicht

Der eine mag es tropisch warm, die andere kommt schon bei 16 Grad Celsius ins Schwitzen. Wenn es um die optimale Raumtemperatur geht, gehen die Empfindungen und Meinungen auseinander.

Es gibt aber auch Experteneinschätzungen zu diesem Thema. Auf der Website des Umweltbundesamts beispielsweise steht:

  • Im Wohnbereich wenn möglich nicht mehr als 20 Grad Celsius.
  • In der Küche reichen 18 Grad Celsius.
  • Im Schlafzimmer darf es auch mal 17 Grad Celsius kühl sein.
  • Im Arbeitszimmer dürfen es – vor allem bei sitzender Tätigkeit – ruhig 20 bis 22 Grad sein. 

Entscheidend ist in allen Fällen die individuelle Behaglichkeitstemperatur, heißt es weiter auf der Website. Diese hänge vor allem von der raumseitigen Oberflächentemperatur der Wände und Fenster ab.

Stimmt’s oder stimmt’s nicht?

Die eine richtige Temperatur gibt es in der Tat nicht. Es gibt aber viele Gründe dafür, die von den Expert*innen vorgeschlagenen Werte zu berücksichtigen. Zum einen entlasten Sie die Umwelt, weil Ihre Heizung weniger arbeiten muss. Zum anderen sparen Sie bares Geld, wenn Sie Ihre Räume nur so warm wie nötig beheizen. In einem 110-m²-Einfamilienhaus mit Gasheizung können pro Jahr rund 1.000 kWh und rund 75 Euro gespart werden, wenn Sie die Temperatur um ein Grad senken.

Unser Tipp: Kühle Räume ja, aber übertreiben sollten Sie es nicht. Denn sinken die Raumtemperaturen über längere Zeit unter 15 Grad Celsius, steigt das Risiko für Schimmelbildung. Weitere Tipps finden Sie in unserem Artikel zum Thema richtig heizen.

Heizmythos 2: Die Heizung so oft es geht abschalten

Ist niemand zu Hause, muss die Heizung auch nicht arbeiten! Das gilt auch für die nächtlichen Stunden: Schließlich gibt es warme Decken und bei kühlerer Umgebung schläft es sich ohnehin besser. So oder so ähnlich argumentieren Verbraucher*innen, die ihre Heizung nach Möglichkeit komplett abschalten oder zumindest die Heizleistung senken, um Kosten zu sparen.

In Fachkreisen heißt das Reduzieren der Heizleistung am späten Abend Nachtabsenkung. Sie ist umstritten. Die Befürworter*innen preisen Ersparnisse in Höhe von bis zu 15 Prozent an. Die Kritiker*innen halten dagegen, dass die Zusatzenergie für das spätere Aufwärmen der ausgekühlten Räume die Ersparnis wieder zunichtemacht.

In einem Punkt sind sich beide Parteien aber einig: Es gibt sehr viele Einflussfaktoren. Die wichtigsten sind:

  • Art des Gebäudes (Altbau, Neubau, leichte Bauweise, massive Bauweise etc.)
  • Energetischer Zustand des Gebäudes (vor allem der Zustand der Wärmedämmung)
  • Art der Heizanlage (Fußbodenheizung oder Brennwertkessel)
  • Dauer der Nachtabsenkung

Stimmt’s oder stimmt’s nicht?

Zwischen Heizung abschalten und Heizleistung reduzieren gibt es einen Unterschied. Expert*innen raten davon ab, die Heizung immer wieder an- und auszuschalten. Denn das ständige Takten – so lautet der Fachbegriff für das Hoch- und Runterfahren eines Heizkessels – führt auf Dauer zu Verschleißerscheinungen und häufig auch zu einem frühzeitigen Defekt.

Das Herunterdrehen des Thermostats hingegen ist relativ unbedenklich. Wer einen modernen Wärmeerzeuger hat, der muss erst gar nicht zum Thermostat greifen. Es reicht stattdessen, einfach die „Nachtabsenkung“-Funktion am Kessel zu aktivieren.

Unser Tipp: Wenn Sie in einem sehr gut gedämmten Gebäude mit Fußbodenheizung wohnen, dann bringt Ihnen die Nachtabsenkung in der Regel wenig bis nichts. Ist das Gebäude hingegen unsaniert und mit einem Brennwertkessel ausgestattet, wäre eine Ersparnis durch Nachtabsenkung möglich. Bedenken Sie aber, dass das Gebäude nicht zu sehr auskühlen sollte, da sonst die Schimmelgefahr steigt.

Sorgen Sie lieber dafür, dass Ihre Heizung effizient läuft. Was Sie dabei berücksichtigen sollten, erläutern wir in den Tipps für Hauseigentümer*innen.

Heizmythos 3: Der Raum wird schneller warm, wenn das Thermostat voll aufgedreht ist

Einer der größten Heizmythen betrifft das Thermostat, um genauer zu sein: die Funktion eines Thermostats. So nehmen viele Menschen an, dass der Raum schneller warm wird, wenn das Thermostat auf der höchsten Stufe steht. Dementsprechend drehen sie den Knauf immer bis zum Anschlag auf, wenn sie nach Hause kommen.

Diese Annahme ist nicht ganz korrekt. Denn mit der Einstellung des Thermostats wird nicht die Geschwindigkeit geregelt, sondern die Sollraumtemperatur. Oder anders formuliert: Ein Heizungsthermostat ist kein Wasserhahn. Wird das Thermostat voll aufgedreht, heizt man nicht schneller, sondern nur länger – bis die höhere Temperatur erreicht ist.

(c) Günter Menzl | Fotolia.com

Stimmt’s oder stimmt’s nicht?

Das Aufdrehen des Thermostats hat demnach keine Auswirkung auf die Aufwärmgeschwindigkeit. Das zu ermitteln ist in der Praxis aber nicht immer leicht – erst recht, wenn die Thermostate keine Temperaturanzeige besitzen. Hinzu kommt, dass das Wärmeempfinden sehr individuell ist.

Unser Tipp: Tauschen Sie Ihre alten Heizkörperthermostate gegen neue mit Temperaturanzeige aus. Diese gibt es ab zehn Euro pro Stück zu kaufen. Je nach Rahmenbedingungen können Sie mit den neuen Thermostaten pro Jahr bis zu zehn Prozent Heizkosten sparen. Weitere Informationen finden Sie in unserem Artikel über programmierbare Thermostate.

Heizmythos 4: Lüften im Winter ist Energieverschwendung

Gut isolierte Fenster einbauen, Gebäudeaußenflächen dämmen, Türen austauschen. All diese Maßnahmen dienen dazu, das Entweichen von Wärme nach außen zu verhindern oder zumindest gering zu halten. Da ist die Annahme, dass das klassische Lüften reine Energieverschwendung ist, durchaus naheliegend. Schließlich strömt eine Menge warmer Luft nach draußen, wenn wir die Fenster zum Lüften öffnen.

Auch wenn diese Annahme richtig ist, kommen die meisten Menschen nicht umhin, auch im tiefsten Winter zu lüften. Denn nicht zu lüften hat negative Folgen:

  • Schlechte Luft: Verbrauchte Luft enthält kaum noch Sauerstoff, der für unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit ausschlaggebend ist.
  • Schadstoffe: Einige Gegenstände im Haus wie Möbel, Teppiche oder Reinigungsmittel dünsten Schadstoffe aus.
  • Schimmel: Mit der Zeit steigt die Luftfeuchtigkeit und damit die Gefahr von Schimmelbildung.
  • Allergien & Atemprobleme: Bei einer zu hohen Konzentration an Schimmelsporen in der Atemluft sind Räume aus gesundheitlichen Gründen unbewohnbar.
  • Mietrechtliche Konsequenzen: Werden Schäden durch mangelnde Wohnungslüftung verursacht, können die Mieter*innen dafür haftbar gemacht werden.

Stimmt’s oder stimmt’s nicht?

Es stimmt natürlich, dass warme Luft und somit Heizenergie verloren geht, wenn wir lüften. Wie viel, hängt aber von Faktoren wie Lüftungsdauer, Lüftungstechnik, Außen- und Innentemperaturen sowie Wetterlage ab. Im Winter sollten Sie drei- bis viermal täglich für 5 Minuten stoßlüften.

Um dem Problem des Energieverlusts entgegenzuwirken, sind moderne Lüftungsanlagen übrigens mit der Technik der Wärmerückgewinnung ausgestattet. So sind sie in der Lage, bis zu 90 Prozent der Wärme zurückzugewinnen.

Unser Tipp: Wenn Sie nicht gerade in einem Neubau mit Lüftungsanlage inklusive Wärmerückgewinnung wohnen, müssen Sie weiterhin händisch lüften. Wie Sie dabei möglichst wenig Energie verschwenden, lesen Sie in unserem Artikel Richtig lüften.

Heizmythos 5: Umweltfreundliche Heizsysteme sind viel zu teuer

Zu den umweltfreundlichen Heizsystemen zählen zum Beispiel Wärmepumpen, Holzheizungen und Solarthermieanlagen. Anders als klassische Heizsysteme wie Gas- und Ölheizungen setzen sie auf Energiequellen, die bis zu einem gewissen Grad erneuerbar sind. Sie sind im Vergleich teurer als die Klassiker, verursachen bei fachgerechter Planung und Umsetzung aber deutlich weniger Betriebskosten.

Zwar gibt es für den Umstieg auf erneuerbare Energien lukrative Fördermittel vom Staat. Der Umwelt bringt es aber nur etwas, wenn folgende Punkte zutreffen:

  • Das neue Heizsystem passt zum Gebäude und Heizverhalten der Bewohner*innen.
  • Der Antriebsstrom für die Wärmepumpe wurde ökologisch erzeugt.
  • Die Solarthermieanlage wurde fachgerecht geplant und installiert.
  • Der Brennstoff bei einer Holzheizung kommt aus der heimischen Forstwirtschaft.

Stimmt’s oder stimmt’s nicht?

Vergleicht man nur die Anschaffungskosten miteinander, dann sind umweltfreundliche Heizsysteme teurer als klassische Modelle – und das trotz hoher Heizungsförderung. Langfristig gesehen rechnet sich der Umstieg allerdings. Denn die Amortisation bei einer neuen Heizung beträgt im Schnitt 15 bis 20 Jahre. Währenddessen sorgen umweltfreundliche Heizungen wie Wärmepumpe, Solarthermie und Co für deutlich geringere Energiekosten. Nebenbei wird die Umwelt entlastet. Einen Überblick über die verschiedenen Heizungsarten und ihre Kosten finden Sie in unserem Heizungs-Vergleich.

Unser Tipp: Umweltschutz muss nicht teuer sein. Wenn Sie Ihre bestehende Heizanlage mit kleinen Maßnahmen wie dem hydraulischen Abgleich oder dem Pumpentausch optimieren, leisten Sie schon einen Beitrag zum Klimaschutz. Die größere Wirkung erzielen Sie aber mit der Kombination Kesseltausch plus Optimierungsmaßnahmen.

Autor: Minh Duc Nguyen

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