Feuer in Essen: Dämmung als Ursache?

Nach dem Brand eines Wohnblocks in Essen wird über die Ursachen spekuliert. In Foren prangern einige die vermeintlich gefährliche Dämmung an. Doch ein bekanntes Beispiel zeigt, dass dieses Urteil voreilig ist. Außerdem gelten bei Dämmungen strenge Vorgaben für den Brandschutz.

(c) co2online | Phil Dera

Ein Feuer hat in Essen einen Wohnblock mit 39 Wohnungen komplett zerstört. Der Brand breitete sich in der Nacht zu Montag schnell aus: vermutlich von einem Balkon oder einer Wohnung über die gesamte Fassade. Die Ursachen sind noch unklar. Dennoch wird online bereits wild spekuliert – und teilweise die Dämmung des wenige Jahren alten Gebäudes verantwortlich gemacht.

Dämmung im Verdacht als Brandbeschleuniger – kein Einzelfall

Ganz ähnlich war es bei einem verheerenden Brand in London im Jahr 2017. Das Hochhaus „Grenfell Tower“ stand innerhalb von nur einer Stunde komplett in Flammen. 72 Menschen kamen ums Leben. Auch hier wurde schnell die Dämmung als Ursache ins Spiel gebracht. Aufwendige Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Dämmung nicht entscheidend war. Ursachen waren vielmehr die Wetterschutzverkleidung des Gebäudes und deren nicht sachgerechte Verarbeitung.

Auch nach dem Brand an der Bargmannstraße in Essen sollten also zunächst die Untersuchungen zu den Ursachen abgewartet werden. Zumindest mitverantwortlich könnten auch die Windböen des Sturms „Antonia“ gewesen sein, laut Feuerwehr auch die Verkleidung und Abtrennung der Balkone durch Kunststoff.

Brandschutz: sachgerechte Dämmung und Rauchmelder

1. Vorgaben für Brandschutz

Wird eine Dämmung an einem Wohngebäude sachgerecht ausgeführt, besteht keine erhöhte Brandgefahr. Dafür sorgen unter anderem Brandriegel oder Brandsperren. Die werden etwa bei brennbaren Dämmstoffen in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) eingesetzt. So lässt sich das Ausbreiten eines Feuers über die Fassade vermeiden.

2. Auswahl der Dämmstoffe

Dämmstoffe selbst sind unterschiedlich gut brennbar. Bei hohen Anforderungen an den Brandschutz wie zum Beispiel bei Holzbauten wird nur nicht brennbare Steinwolle als Dämmung verwendet. Aber auch ökologische Dämmstoffe sind sicher, wenn sie fachgerecht verarbeitet werden.

3. Umsetzung prüfen lassen

Eine sach- und fachgerechte Dämmung sicherstellen kann zum Beispiel ein/e unabhängige/r Energieberater*in. Der/die kann den Neubau oder die Sanierung begleiten: von der Planung über die Umsetzung bis zur Erfolgskontrolle.

4. Rauchmelder nutzen

Rauchmelder sind ein weiterer wichtiger Baustein für den Brandschutz. Das zeigt das Beispiel aus Essen schon jetzt. Denn so wurden dort offenbar alle Bewohner*innen des brennenden Gebäudes gewarnt und konnten rechtzeitig evakuiert werden.

Und was wir ebenfalls bereits wissen: wie wirksam eine Gebäudedämmung für Energieverbrauch und Klimaschutz ist. Bei einer Fassadendämmung eines Einfamilienhauses etwa lassen sich bis zu 19 Prozent Heizkosten sparen. Wird das Dach mitgedämmt, kommen weitere 13 Prozent Einsparung hinzu – klimafreundlich und sicher.

Zum Dämmstoff-Vergleich

Update vom 01.03.2022:

Die Ursache für das Feuer in Essen ist weiterhin unklar. Das Wohnungsunternehmen will nun aber vorsichtshalber Fassadenteile entfernen. So sollen Balkonverkleidungen und Trennwände abmontiert werden, etwa Sichtschutz aus Plexiglas.