Passion fürs Passivhaus

Schon in der Schule konnte Wolfgang Geber nicht verstehen, wieso die Menschheit Öl, Gas und Kohle in Massen verbraucht, ohne intensiv nach Alternativen zu den endlichen Ressourcen zu suchen.

ModernisierungsCheck: Maßnahmen prüfen

Erfahren Sie, ob Ihr Energieverbrauch zu hoch ist – und welche Maßnahmen wie viel bringen. Nötig ist dazu Ihre Heizkostenabrechnung:

Das Ehepaar Geber vor ihrem Passivhaus in Seeheim-Jugenheim.

Die wichtigsten Erfahrungen auf einen Blick:

  • intensiv mit dem/der Architekt*in zusammenarbeiten
  • Passivhäuser rechnen sich langfristig
  • erfahrene Energieberater*innen und Techniker*innen in der Planungsphase einbeziehen

Langfristig lohnenswert

2003 sieht der Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik aus dem hessischen Seeheim-Jugenheim zum ersten Mal ein Passivhaus. Dass man mit dieser Bauweise den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß drastisch reduzieren kann, weil die Heizung nur noch selten laufen muss, überzeugt ihn sofort. Und sollten Passivhäuser eines Tages zum Standard werden, ist man nach Gebers Auffassung damit schon jetzt auf der sicheren Seite.

Das Objekt:

  • Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung als Büroräumlichkeiten, 2 Personen
  • Baujahr: 2011
  • Wohn- und Arbeitsfläche: 284 m2
  • Heizenergieverbrauch: 15 kWh/(m2a)

Auf erfahrene Expert*innen setzen

Acht Jahre später plant Wolfgang Geber sein eigenes Passivhaus. Zunächst informiert er sich ausführlich, besucht die Passivhaustage, führt Gespräche und lässt sich von einer Passivhausplanerin unterstützen. Sein Tipp: Angehende Bauherr*innen sollten die Zusammenarbeit mit Fachleuten suchen. Die Expertise von Architekt*innen, Energieberater*innen oder Techniker*innen, die Erfahrungen mit dem Thema Passivhaus haben, ist in der Planungsphase wertvoll.

Stichwort „Heizwärmebedarf im Passivhaus“

Ein Vergleich: Der Heizwärmebedarf eines Passivhauses ist sehr niedrig: bei einem Energiegehalt von umgerechnet nicht mehr als 1,5 Litern Heizöl oder 1,5 Kubikmetern Erdgas pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr.

Überzeugt in Theorie und Praxis

Die Planung und der Hausbau verlaufen ohne Probleme. Seitdem Wolfgang Geber mit seiner Frau in das neue Zuhause eingezogen ist, genießt er die frische, gefilterte Raumluft. Er freut sich über angenehm warme Räume im Winter und darüber, dass die Hitze im Sommer draußen bleibt. Und auch heute, nach mehreren Jahren in seinem Traumhaus, ist Geber immer noch rundum zufrieden: „Das Passivhaus ist die beste Idee beim Thema Bauen überhaupt.“

„Nie wieder Schornsteinfeger, nie wieder Heizungsprobleme, immer frische Raumluft, ganzjährig angenehmes Wohnklima und sehr geringe Heizkosten – eine sehr gute Entscheidung.“

Wolfgang Geber

Das Passivhaus-Prinzip

Ein Passivhaus wie das von Wolfgang Geber kommt fast ohne aktive Heizsysteme aus. Der Heizwärmebedarf wird mit „passiven“ Quellen wie Sonneneinstrahlung, der Abwärme der Bewohner*innen und der elektrischen Geräte sowie über die Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage gedeckt. Die Heizung, in Gebers Fall eine kleine Wärmepumpe, muss dann nur an sehr kalten Tagen laufen. Passivhäuser haben die bestmögliche Wärmedämmung der thermischen Außenhülle des Wohnhauses und verbrauchen daher deutlich weniger Energie: 75 Prozent weniger Heizenergie als übliche Neubauten und bis zu 90 Prozent weniger als Bestandsgebäude.

Ein Haus, viele Komponenten

Die wichtigsten Komponenten für angenehme Raumtemperaturen im Haus von Wolfgang Geber sind die hochgedämmte und dichte Hülle, die Komfortlüftungsanlage und die Wärmepumpe mit Erdflächenkollektor. Trotzdem kann Geber bei Bedarf wie in einem konventionellen Haus jederzeit die Fenster öffnen. Innen- und Außenbeleuchtung sind außerdem vorwiegend mit LED-Technik ausgestattet.

Die drei Passivhaus-Klassen des Passivhaus Instituts

Alle Klassen: Heizwärmebedarf nicht mehr als 15 kWh/(m²a)

Passivhaus Classic

Darf nicht mehr als 60 kWh/(m²a) an erneuerbarer Primärenergie* zur Deckung des Bedarfs benötigen.
Passivhaus PlusDarf nicht mehr als 45 kWh/(m²a) erneuerbare Primärenergie benötigen. Muss mindestens 60 kWh/(m²a) Energie erzeugen.
Passivhaus Premium

Darf nicht mehr als 30 kWh/(m²a) an erneuerbarer Primärenergie zur Deckung des Bedarfs benötigen. Muss mindestens 120 kWh/(m²a) Energie erzeugen.

*Energie für Heizen, Kühlen, Entfeuchten, Warmwasser, Licht, Hilfsstrom und alle Elektrogerät

Kosten von Passivhäusern

Die Baukosten liegen für ein Passivhaus über denen eines konventionell gebauten Hauses. Die Mehrkosten entstehen vor allem durch die Verwendung qualitativ hochwertiger Komponenten bei Fenstern, Lüftung und Dämmung. So kostet der Neubau eines frei stehenden Einfamilienhauses mit 150 Quadratmetern Wohnfläche zwischen 10.000 und 20.000 Euro mehr, um den Standards der Energieeinsparverordnung für Passivhäuser zu entsprechen.

Die Modernisierung von Bestandsgebäuden auf Passivhaus-Niveau ist oft schwieriger und teurer. Der Aufwand für die Dämmung oder den Umbau der Versorgungstechnik ist meist deutlich höher und damit kostenintensiver.

Rechnet sich langfristig

Wegen eines denkmalgeschützten Gebäudes in der Nachbarschaft greift der Ensembleschutz. Auf dem Dach von Gebers Haus dürfen deshalb keine sichtbaren Kollektoren installiert werden, eine Indach-Photovoltaik-Anlage strebt er dennoch an. Seine Begeisterung für energieeffizientes Wohnen will er weitergeben: War Geber früher noch als Besucher bei den Passivhaustagen dabei, öffnet er heute selber seine Türen für Interessierte. Wolfgang Geber ist sich sicher: Wer langfristig denkt und rechnet, wird schnell erkennen, dass ein Passivhaus auch finanziell eine sehr gute Entscheidung ist.

Aktuelle Förderungen für Passivhäuser

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) der KfW wurde am 24.01.2022 mit einem vorläufigen Programmstopp belegt. Seit dem 22.02.2022 können zwar wieder Anträge für die energetische Sanierung bestehender Gebäude gestellt werden. Die Förderung von Neubau und Kauf von Effizienzhäusern, also auch Passivhäusern, ist aber weiterhin ausgesetzt. Die Einzelheiten für eine künftige Neubauförderung werden derzeit noch erarbeitet. Wie Sie jetzt die besten Förderprogramme finden, zeigen unsere Tipps für maximale Förderung.

Autor: Clemens Boekholt

Ansprechpartner für PraxisCheck und Heizen mit Holz

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