Nachhaltiger Weihnachtsbaum: Kaufen, mieten, aus Plastik oder selbst gemacht?

Fast 30 Millionen klassische Weihnachts­bäume aus Holz werden Jahr für Jahr in Deutsch­land ver­kauft. Nur etwa zehn Prozent davon kommen aus dem Ausland. Nach den Feier­tagen können aus einem Weihnachts­baum Energie, Bau­material oder Tier­futter ent­stehen. Klingt nach einer sauberen Sache. Aber ist das wirklich so einfach?

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Tipps zum klimafreundlichen Weihnachtsbaum-Kauf im Überblick

  • echter Weihnachts­baum aus Holz klima­freund­licher als aus Plastik
  • Bio-Weihnachts­baum bevor­zugen, um Pestizide zu vermeiden
  • Weihnachts­baum am besten aus der Region
  • möglichst zu Fuß, per Fahr­rad oder Bus und Bahn nach Hause trans­portieren
  • bei Topf- und Miet-Bäumen auf Sorte und klima­freund­lichen Transport achten
(c) www.unsplash.com / Jason Vigeland

Ökobilanz eines klassischen Weihnachtsbaums

Klassische Weihnachtsbäume aus Holz gelten als klimaneutral. Sie wachsen meist sieben bis zehn Jahre und speichern dabei reichlich CO2. Werden Sie verbrannt, um Strom und Wärme zu produzieren, entsteht nur so viel CO2 wie sie vorher gespeichert haben. Werden aus ihnen Baumaterial oder Möbel hergestellt, bleibt das CO2 sogar langfristig gespeichert.

Allerdings gibt es beim Weihnachtsbaum aus Holz große Unterschiede. So stammen laut Umweltorganisation Robin Wood nur etwa 15 Prozent aus Waldbetrieben. Die meisten dagegen von Plantagen, auf denen Kunstdünger und Pestizide verwendet werden, und von denen lange Transwortwege nötig sind. Rückstände davon können so auch im Wohnzimmer landen, wie der BUND festgestellt hat: 2020 traf das auf über die Hälfte der untersuchten Bäume zu. Ein herkömmlicher Weihnachtsbaum scheint also nicht besonders nachhaltig zu sein.

Ist der Kauf eines Plastik-Weihnachtsbaums eine gute Alternative?

Künstliche Weihnachts­bäume sorgen für zusätz­liches CO2 – je nach Art der Herstellung und des Materials (PVC oder Poly­ethylen, zum Teil als Spritz­guss). Eine Studie geht von rund 48 kg CO2 pro Plastik­tanne aus. Bei einem normalen Weihnachts­baum sind es dagegen maximal rund 3 kg CO2 (vor allem durch den Transport). Ein Plastik­baum müsste also mindestens 16 oder 17 Jahre genutzt werden, um das auszu­gleichen. Als Lebens­dauer gibt ein führender Hersteller acht bis zehn Jahre an.

Wo kann ich Bio-Weihnachtsbäume kaufen?

Empfehlenswert ist ein Bio-Weihnachtsbaum. Die sind zwar längst nicht überall zu haben. Aber inzwischen an mehr als 800 Orten. Robin Wood erstellt jährlich eine Liste mit Verkaufs­stellen. Zu erkennen ist ein Bio-Weihnachtsbaum an den entsprechenden Siegeln:

  • von Bio-Anbauverbänden wie Bioland, Demeter und Naturland.
  • Weniger streng als bei den Bio-Verbänden sind die Kriterien bei FSC („Forest Stewardship Council“) – nicht zu verwechseln mit PEFC („Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes”), bei dem auch Pestizide erlaubt sind.
  • Das Siegel „Fair Trees“ ist vergleichbar mit dem Fairtrade-Siegel: zwar nicht bio, aber oft besser als gar kein Siegel.
(c) Jens Hakenes

Weihnachtsbaum mieten?

Wer keinen normalen oder künstlichen Weihnachtsbaum kaufen möchte, hat noch zwei Alternativen: einen Weihnachtsbaum im Topf mieten oder kaufen. Im Idealfall können diese Bäume nach dem Fest wieder eingepflanzt werden. Es besteht aber die Gefahr, dass sie austrocknen oder später in der Kälte eingehen. Denn nicht alle Sorten sind für einen Topf geeignet. Bei manchen passen zum Beispiel die eigentlich nötigen Wurzeln nicht in den Topf.

Billige Angebote von Discountern oder Baumärkten sollten Sie daher meiden, damit der gemietete Christbaum auch wirklich wieder eingepflanzt werden kann. Wenden Sie sich am besten an regionale Baumschulen oder Förstereien, in einigen Regionen gibt es auch spezielle Anbieter, um Weihnachtsbäume zu mieten. Einen Weihnachtsbaum im Topf mieten bedeutet daher auch, ihn zu pflegen, also wie jede Topfpflanze mindestens ausreichend zu gießen.

Transport von Weihnachtsbäumen bedenken

Für alle Arten von Weihnachtsbäumen gilt: Je kürzer und nachhaltiger der Transport, desto besser. Plastik-Bäume stammen häufig aus China, haben also in der Regel die längste Anreise hinter sich und sorgen so für viel CO2. Auch Holz-Weihnachtsbäume von Plantagen sind meist weiter gereist als die vom nahgelegenen Förster. Weihnachtsbäume im Topf verursachen durch das höhere Gewicht auch mehr CO2 beim Transport.

Entscheidend für die Klimabilanz ist zudem, wie der Weihnachtsbaum nach dem Kauf nach Hause kommt. Am klimafreundlichsten ist der Transport zu Fuß oder per Fahrrad (Anhänger oder Lastenrad). Bei Bus und Bahn sollten Sie auf jeden Fall Hauptverkehrszeiten meiden und niemanden behindern. Eine Alternative zum eigenen Auto sind Lieferdienste.

(c) www.unsplash.com / Chang Duong

Weihnachtsbaum-Alternative zum Klassiker

Wer einmal etwas anderes als den klassischen Nadelbaum im Wohnzimmer haben möchte, hat noch einige Alternativen zum Weihnachtsbaum parat:

  • Aus Tannengrün lassen sich allerlei Gebilde basteln, die einen richtigen Weihnachtsbaum ersetzen können. Angefangen beim klassischen Adventskranz bis hin zu einem nachgebauten Baum, bei dem das Schnittgrün die Zweige ersetzt, wie zum Beispiel beim Keinachtsbaum.
  • Wenn Sie noch kreativer werden möchten, können Sie auch aus Pappe und Papier eine Weihnachtsbaum-Alternative basteln. Auch mit Draht, Pappmaché oder Stoff gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Im Internet finden Sie viele Anleitungen und Ideen zur Inspiration.
  • Wenn Sie möglichst wenig Aufwand haben wollen, dann reicht bei Ihnen vielleicht auch ein dekorativer Vorhang, eine Decke oder ein Bild als Alternative zum Weihnachtsbaum.

Tipps für eine klimafreundliche Adventszeit

Wer für noch weniger CO2 sorgen möchte, kann in der Advents­zeit und rund um Weih­nachten noch einiges mehr tun:

Autor*innen: Jens Hakenes, Anne Weißbach

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