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Klimawandel: Die weltweiten Folgen

Artensterben, Hitzewellen, Eisschmelze – je nach Temperaturanstieg sind die Folgen der globalen Erwärmung unterschiedlich stark. Erfahren Sie, warum die Pariser Klimaziele so wichtig sind und welche Mechanismen besonders Entwicklungsländern helfen sollen.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Gegenwärtiger Kurs bedeutet 3,2 Grad globale Erwärmung
  • Für 1,5 Grad müssten Emissionen ab 2020 um 7,6 Prozent pro Jahr sinken
  • 2-3 Grad bedeuten für 20-30 Prozent aller Arten hohe Gefährdung
  • Jedes vermiedene Zehntelgrad vermindert die Folgen des Klimawandels.
  • Industriestaaten zögern bei Finanzhilfen für Entwicklungsländer

Definition Kipppunkte

Im Klimasystem der Erde gibt es Grenzen, an denen schon kleine Änderungen abrupte Änderungen auslösen können. Diese planetaren Grenzen werden Kipppunkte genannt. Überschreitet die globale Erwärmung diese Punkte, lassen sich die Folgen nicht mehr aufhalten oder rückgängig machen. Beispiele für Kipppunkte sind das Schmelzen des arktischen Meereises und die Abschwächung der Wärmeströmung im atlantischen Ozean (thermohaline Zirkulation).

Was die weltweiten Folgen des Klimawandels angeht, sind die Meldungen der Vereinten Nationen regelmäßig alarmierend. Die Welt steuere auf eine Erwärmung von 3,2 Grad zu, schrieb das Umweltprogramm der UN in seinem Emissions Gap Report 2019. Selbst dieser Temperaturanstieg sei nur dann einzuhalten, wenn die Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens ihre zuvor gemeldeten freiwilligen Beiträge (NDCs) umsetzen. Um das Pariser 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, müsste der Ausstoß von Treibhausgasen zwischen 2020 und 2030 aber jährlich um 7,6 Prozent sinken, für das 2-Grad-Ziel um 2,7 Prozent. Tatsächlich aber sind die Emissionen im Jahr 2019 laut Global Carbon Project einmal mehr gestiegen.

Artensterben und Kipppunkte

Die Folgen des Klimawandels sind laut Weltklimarat gewaltig. Schon in seinem 4. Sachstandsbericht schätzte der IPCC, dass ein Temperaturanstieg zwischen 2 und 3 Grad für 20 bis 30 Prozent aller Arten ein hohes Risiko bedeuten würde auszusterben. In seinem Bericht zur Erderwärmung um 1,5 Grad prognostiziert der IPCC, dass bei diesen Temperaturanstieg zum Beispiel 6 Prozent aller Insekten mehr als die Hälfte ihres Lebensraums verlieren würden.

Bereits innerhalb des Pariser Temperaturbereichs von 1,5 bis 2 Grad Erwärmung könnten zudem einige Kipppunkte im Erdsystem ausgelöst werden. Damit sind irreversible Schäden bestimmter Systeme gemeint, die sich nicht mehr aufhalten oder rückgängig machen lassen, sobald bestimmte Temperaturschwellen überschritten wurden.

Der Weltklimarat IPCC unterteilt Kippelemente in regionale Phänomene wie das Schmelzen des arktischen Meereises und sogenannte großräumige singuläre Ereignisse mit Folgen für das gesamte Klimasystem, dazu zählen zum Beispiel der Verlust des westantarktischen Eisschildes und die Abschwächung der Wärmeströmung im Atlantik. Welche Kippelemente es gibt, erklärt diese Übersicht des Climate Service Centers Germany (GERICS). Eine anschauliche Karte bietet das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Der Potsdamer Forscher Stefan Rahmstorf hat in einem Artikel für einige Kipppunkte aufgelistet, bei welchen Temperaturanstiegen sie erreicht werden könnten.

Folgen des Klimawandels für Europa und die Welt

Extremere Temperaturen sind nicht nur ein Problem für Tropen- und Wüstenregionen. Mittel- und Südeuropa zählen ähnlich wie das südliche Afrika, die amerikanische Ostküste und der westliche Teil Asiens zu den Regionen, in denen der stärkste Temperaturanstieg in Hitzeperioden zu erwarten ist. So steht es im 1,5-Grad-Bericht des Weltklimarats. Ein Anstieg von 1,5 auf 2 Grad Erderwärmung würde demnach weltweit 420 Millionen Menschen zusätzlich extremen Hitzewellen aussetzen. Die Mittelmeerregion wäre weltweit neben dem südlichen Afrika auch am stärksten von häufigeren und gravierenderen Dürren betroffen.

Was den Meeresspiegel angeht, würde eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad statt 2 Grad den Anstieg voraussichtlich um 10 Zentimeter vermindern. Insgesamt wird bis Ende des Jahrhunderts mit einem Meeresspiegelanstieg von 20 Zentimetern bis einem Meter gerechnet, wenn die Erwärmung 2 Grad nicht übersteigt. Nach dem Jahr 2100 würde sich der Anstieg allerdings fortsetzen.

Welche Risiken jedes zusätzliche Grad Erderwärmung für die Menscheit bedeutet, zeigt ein Blick auf die Folgen für die Ernten. Bei einem Temperaturanstieg um 1,5 Grad wären weltweit 8 Millionen Menschen zusätzlich durch veränderte Ernteerträge gefährdet. Bei 2 Grad würde sich die Zahl auf 80 Millionen verzehnfachen. Bei 3 Grad – und auf diesen Wert steuert die Welt derzeit zu – wären es sogar 406 Millionen Menschen zusätzlich.

Die Folgen des Klimawandels verstärken außerdem oft andere Eingriffe des Menschen in die Natur wie die moderne Land- und Forstwirtschaft. Diese Wechselwirkungen hat der IPCC ausführlich in seinem Sonderbericht zu Klimawandel und Land beschrieben. Der Klimawandel beeinträchtigt zwar beispielsweise die Artenvielfalt. Das Insektensterben lässt sich aber vor allem durch andere Maßnahmen bekämpfen: eine Verminderung von Monokulturen, Pestiziden und Lichtverschmutzung.

In unserem Artikel „Klimawandel: Folgen für Deutschland“ finden Sie Informationen dazu, wie sich der Klimawandel auf die Bundesrepublik auswirkt und welche Möglichkeiten das Land hat, sich auf die Folgen einzustellen.

Hilfe für die am stärksten betroffenen Regionen

Ärmere Länder wird der Klimawandel weit stärker treffen als wohlhabende Staaten wie Deutschland, die in gemäßigten Breiten liegen und leichter in Deiche und klimatisierte Gebäude investieren können. Dürren etwa erhöhen dem 1,5-Grad-Bericht zufolge das Risiko für politische Konflikte vor allem in den Staaten südlich der Sahara und des Nahen Ostens.

Innerhalb der Klimapolitik gibt es deshalb schon seit dem Abschluss der Klimarahmenkonvention UNFCCC in Rio 1992 Bestrebungen, Industriestaaten zu finanziellen Zahlungen an ärmere Staaten zu bewegen. Sie sollen auch für diese Staaten Technologien zur Emissionsminderung erschwinglich machen, die Anpassung an den Klimawandel finanzieren und sie für Schäden zum Beispiel durch Missernten entschädigen.

Ein wichtiger Finanzierungsmechanismus wurde beim Weltklimagipfel in Warschau 2013 etabliert und schließlich in das Pariser Klimaabkommen aufgenommen, der Internationale Warschauer Mechanismus für den Umgang mit Schäden und Verlusten (WIM). International läuft diese Diskussion unter dem Begriff Loss and Damage. Weil die Industriestaaten aber unkalkulierbare Entschädigungsansprüche befürchten, kommen die Verhandlungen kaum voran.

Ab 2020 sollen zumindest 100 Milliarden Dollar pro Jahr für Klimaprojekte in Entwicklungsländern bereitstehen. Das hatten die Industriestaaten 2009 beim Klimagipfel in Kopenhagen zugesagt. Das Geld ist für Projekte zur Treibhausgas-Vermeidung und zur Anpassung an den Klimawandel bestimmt und der Großteil soll vom Green Climate Fund verwaltet werden. Offen ist aber, ob die Zusagen tatsächlich erreicht werden.

Autor: Manuel Berkel

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