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Rebound-Effekt – wie beeinflusst er unser Klimaverhalten?

Wenn es um Energiesparen und mehr Energieeffizienz geht, fällt immer häufiger das Wort „Rebound-Effekt”. Gemeint ist damit, dass Energiespar-Effekte hinter ihren berechneten Potenzialen zurück- oder sogar ganz ausbleiben. Muss ich überhaupt auf Energieeffizienz achten, wenn der Rebound-Effekt meine Einsparungen zunichte macht?

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Stellen Sie sich einmal folgendes Szenario vor: Sie investieren viel Geld in die energetische Sanierung Ihrer Immobilie. Im Gegenzug versprechen Sie sich ehebliche Einsparungen bei den Energiekosten durch die gesteigerte Energieeffizienz. Doch am Ende sparen Sie nichts, im Gegenteil – Ihre laufenden Kosten steigen sogar. Als Grund für einen solchen Verlauf wird oft der Rebound-Effekt genannt: Trotz Effizienzsteigerung gibt es keine Ressourcenersparnis.

(c) www.unsplash.com / Sara Kurfeß

Was ist der Rebound-Effekt? – Definition

Der Rebound-Effekt wird auch Bumerang-Effekt genannt und bezeichnet das Phänomen, wenn erwartete Einsparpotenziale durch Effizienzsteigerungen nicht erreicht werden. Grund dafür ist, dass die eingesparten Ressourcen an anderer Stelle eingesetzt werden und damit auch der Energieverbrauch steigen kann.

Ein Beispiel für den Rebound-Effekt ist die Umstellung auf energiesparende LEDs: Der Stromverbrauch steigt, wenn beim Umstieg auf LEDs etwa mehr Lampen installiert werden oder die Lampen zwar effizienter, dafür aber heller, also ressourcenintensiver sind. Oder die neuen Lampen werden häufiger genutzt als vorher.

Für Eigentümer*innen gehört das oben beschriebene Sanierungsszenario wohl zu den Worst Cases. Die Befürchtung ist nicht unberechtigt: Zum Beispiel ist der gesamte Heizenergieverbrauch in Deutschland in den letzten zehn Jahren kaum gesunken – trotz milliardenschwerer Investitionen in Energieeffizienz und Modernisierungen seit 2010.

Sind Sanierungen überhaupt noch sinnvoll, wenn Einsparungen aufgrund des Rebound-Effekts nicht erreicht werden?

Die kurze Antwort ist: ja – wenn Sie dabei ein paar Dinge beachten! Welche das sind, lesen Sie im Folgenden:

Rebound-Effekt – überbewertet oder zu lange ignoriert?

Das Phänomen des Rebound-Effekts ist kein neues. Aber spätestens seitdem klar ist, dass der Gebäudesektor seine Klimaziele für 2020 nicht erreichen konnte, erhält der Rebound-Effekt wieder mehr Aufmerksamkeit. Denn als effizienzmindernder Faktor stellt er klimafreundliche Sanierungen und Modernisierungen im Gebäudebereich infrage und verunsichert damit nicht nur Eigenheimbesitzer*innen, sondern die gesamte Wohnungswirtschaft.

Im Forschungsvorhaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) „License“ wurde das Phänomen wissenschaftlich betrachtet: Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) und dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat co2online die Auswirkungen des Rebound-Effekts untersucht.

Die Sanierung, mein gutes Gewissen

Wie sich der Rebound-Effekt auf das Klimaverhalten auswirken kann, zeigte ein Experiment, das mit co2online-Nutzer*innen durchgeführt wurde: Die Teilnehmenden wurden zu ihrem Gewissen bezüglich ihres klimaschädlichen Verhaltens befragt. Es stellte sich heraus, dass Personen ein weniger schlechtes Gewissen hatten, wenn sie vorab an persönliche klimafreundliche Handlungen erinnert wurden.

In der Befragung ging es zum Beispiel zunächst um ihre energetische Sanierung, anschließend wurden sie zu ihrem Flugverhalten befragt. Die Ergebnisse lassen auf einen indirekten Rebound-Effekt schließen: Die Sanierung dient als „moralischer Puffer“, der spätere, weniger klimafreundliche Handlungen kompensiert.

Welche Arten von Rebound-Effekten gibt es?

Grundsätzlich werden beim Rebound-Effekt drei verschiedene Arten unterschieden:

  1. Direkter Rebound-Effekt: Eine Effizienzsteigerung führt dazu, dass von einem Produkt oder einer Dienstleistung mehr nachgefragt wird bzw. dass mehr Leistung in Anspruch genommen wird.
    Ein Beispiel aus dem Alltag sind TV-Geräte: Moderne Geräte werden immer effizienter und verbrauchen pro Pixel weniger Energie. Dafür werden neuere Geräte auch tendenziell größer und arbeiten mit einem Vielfachen an Pixeln, sodass der Gesamtverbrauch wieder steigt oder zumindest nicht abnimmt.
  2. Indirekter Rebound-Effekt: Durch eine Effizienzverbesserung werden in einem bestimmten Bereich Ressourcen gespart. Das setzt auch die Kaufkraft dahinter frei, die wiederum an anderer Stelle eingesetzt werden kann.
    Hier passt das Beispiel aus dem co2online-Experiment: Eine energetische Sanierung kann zum Beispiel dazu führen, dass Haushalte ihre frei gewordenen finanziellen Mittel für Flugreisen ausgeben und damit wieder zusätzliche Ressourcen verbrauchen.
  3. Systemischer Rebound-Effekt: Können Technologien effizienter und damit günstiger hergestellt werden, kann der gesunkene Preis eine vermehrte Nachfrage auf gesamtgesellschaftlicher Ebene zur Folge haben.
    Das bekannteste Beispiel dafür ist die Entwicklung des Verkehrsaufkommens: Das Auto als Technologie ist seit seiner Erfindung viel effizienter geworden; die Menge an Autos ist gleichzeitig enorm gestiegen, sodass die Effizienzsteigerung kaum ins Gewicht fällt.

Sind Effizienzsteigerungen überhaupt sinnvoll, wenn der Rebound-Effekt sie wieder aufhebt?

Dazu gibt es eine gute und schlechte Nachricht. Zuerst die schlechte: Im Bereich der Gebäudesanierungen ist der Rebound-Effekt nicht der einzige effizienzmindernde Faktor. Bei Sanierungen gibt es während Planung, Umsetzung und Nutzung diverse Gründe, warum die erwartete Effizienzsteigerung nicht erreicht wird: angefangen bei einer fehlenden Energieberatung über Mängel bei den eingesetzten Produkten oder ihrem Einbau bis hin zu Unwissenheit bei den Nutzer*innen. Und auch der Rebound-Effekt gehört dazu.

Die gute Nachricht: Gegen all diese Faktoren können Sie gegensteuern – so auch gegen den Rebound-Effekt. Außerdem zeigen Untersuchungen, dass der Rebound-Effekt als einzelner Faktor die Einspareffekte der Effizienzsteigerung insgesamt nicht aufhebt. Ein Szenario wie zu Beginn, bei dem nach einer Sanierung keinerlei Einsparung zu verzeichnen ist, kann also nicht allein dem Rebound-Effekt geschuldet sein.

Wie hoch ist der Einfluss des Rebound-Effekts?

Wie stark der Rebound-Effekt wirkt, ist je nach Bereich unterschiedlich und lässt sich nur schwer ermitteln. Indirekte Bumerangeffekte hängen sehr vom individuellen Nutzerverhalten ab und passieren eher unbewusst. Die Ergebnisse können sich auch je nach Land unterscheiden:

  • Im Individualverkehr liegt die Spanne für den direkten Rebound-Effekt etwa zwischen 40 und 70 Prozent in Deutschland. In den USA sind es hingegen 3 bis 87 Prozent.
  • Für den Bereich Raumbeheizung wird der Rebound-Effekt für Österreich auf zwischen 20 und 30 Prozent geschätzt. In den USA liegt er in einer ähnlichen Spanne zwischen 25 und 31 Prozent.

Was lässt sich gegen den Rebound-Effekt tun?

Um gegen den Rebound-Effekt zu wirken, muss man zuerst verstehen, wie es überhaupt dazu kommt, dass erwartete Einsparungen nicht erreicht werden: Bei der Berechnung der theoretischen Sparpotenziale wird davon ausgegangen, dass das Nutzungsverhalten konstant bleibt. Dass sich die Nutzer*innen bei einer verbesserten Effizienz oft auch anders verhalten, wird bei den Prognosen nicht berücksichtigt. Und so entsteht letztendlich die Differenz, die mit dem Rebound-Effekt beschrieben wird.

Für Konsument*innen heißt das im Umkehrschluss aber auch, dass sie dem Rebound-Effekt entgegenwirken können, indem sie sich ihrem eigenen Verhalten stärker bewusst werden.

Sich selbst nicht mehr austricksen

Haben Sie sich selbst schon einmal dabei erwischt, nach dem Sport zum Schokoriegel zu greifen, anstatt zum Apfel, den Sie sonst gewählt hätten? Dann sind Sie auch hier in die Falle der moralischen Lizensierung getappt. Das passiert jedem Mal – so vermeiden Sie es, „sich selbst auszutricksen“:

  • Machen Sie sich bewusst, welche psychologischen Mechanismen dahinterstecken. Und bei Ihrem Klimaverhalten fällt Ihnen das möglicherweise noch leichter, denn wem Klimaschutz am Herzen liegt, ist besonders um konsistentes klimafreundliches Verhalten bemüht.
  • Was Ihnen also dabei helfen kann, ist, sich Ihr Verbrauchsverhalten vor und nach der Effizienzmaßnahme zu vergegenwärtigen. Dabei unterstützt Sie zum Beispiel das kostenlose Energiesparkonto, mit dem Sie Ihre Zählerstände erfassen und auswerten können – für Heizung, Strom, Wasser, Photovoltaik und Mobilität. So haben Sie Ihre Verbräuche immer Blick und können direkt sehen, wie erfolgreich eine Maßnahme ist und ob Sie gegensteuern müssen.

Energiesparkonto anlegen

  • Bevor Sie eine Maßnahme für mehr Effizienz umsetzen, machen Sie sich außerdem klar, was Sie davon erwarten: Mehr Komfort? Weniger Kosten? Energiesparen als Beitrag zum Klimaschutz? Mit dem Ziel vor Augen kommen Sie nicht so schnell vom Weg ab – auch wenn Sie zwischendurch einer Versuchung begegnen.

Autorin: Anne Weißbach