Biosiegel im Vergleich

Noch nie war es einfacher, sich gesund und ökologisch nachhaltig zu ernähren: Bio-Lebensmittel gibt es nahezu überall zu kaufen. Gleichzeitig existiert eine Fülle von Biosiegeln mit teilweise unterschiedlichen Schwerpunkten. Ein Überblick über die wichtigsten Biosiegel und was sie bedeuten.

Die wichtigsten Tipps zu Biosiegeln im Überblick

  • guter Einstieg: staatliches Biosiegel markiert Mindeststandard
  • Premium-Bio: deutlich höhere Öko-Standards bei Anbauverbänden
  • fairer Handel nicht automatisch bio: auf zusätzliches Biosiegel achten

Darum Bio: Ziele der ökologischen Landwirtschaft

(c) www.unsplash.com / Jan Kopřiva

Ökologische Landwirtschaft bedeutet mehr als giftfreie Ackerflächen, weil der Einsatz von Pestiziden & Co. untersagt ist. Darüber hinaus gilt es beispielsweise, zielgerichtet die Artenvielfalt zu erhalten, das Tierwohl zu erhöhen und die Qualität der Böden durch den Aufbau von Humus zu verbessern. Letzteres bindet auch CO2 und ist daher für den Klimaschutz bedeutend. So weit wie möglich schonen Ökolandwirt*innen außerdem Ressourcen. Das höchste Ziel der ökologischen Landwirtschaft ist demnach das Schließen sämtlicher Stoffkreisläufe und eine (klima)resiliente – also widerstandsfähige – Landwirtschaft.

Der Vergleich: Überblick der wichtigsten Biosiegel

Im Handel ist eine Fülle von unterschiedlichen Biosiegeln zu finden, die mitunter eigene Schwerpunkte wie Regionalität oder höhere Sozialstandards setzen. Eine Orientierung bietet der folgende Vergleich der wichtigsten Biosiegel.

Fleischproduktion und CO2-Emissionen.(c) iStock/digitalimagination

Wo „bio“ draufsteht ...

Wird ein Lebensmittel als „bio“ oder „öko“ beworben oder trägt diese Silben im Produktnamen, muss es aus zertifizierter ökologischer Landwirtschaft stammen. Vom Mindeststandard bis Premiumware gibt es Biolebensmittel für jeden Geldbeutel.

Staatliches Biosiegel

Das EU-Biosiegel und das sechseckige deutsche Biosiegel garantieren, dass europaweit die gleichen ökologischen Mindeststandards eingehalten werden. Bauernhöfe und Lebensmittelverarbeiter müssen nicht vollständig auf bio umstellen, sondern können in einem gesonderten Bereich weiterhin konventionell produzieren.

 

VorteilNachteil
kein Einsatz von chemischen PflanzenschutzmittelnBetriebe nicht zwangsläufig komplett bio
Tierhaltung: vorbeugende Gabe von Antibiotika verbotenverarbeitete Lebensmittel: bis 5 % konventionelle Zutaten erlaubt
Anzahl der Nutztiere auf den Höfen begrenzt
Tierfutter vollständig bio (seit Januar 2022)
verarbeitete Lebensmittel: Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, synthetische Süßstoffe verboten
Produkte oft günstiger als Verbandsware

 

Biosiegel der Anbauverbände

Die Biosiegel der Anbauverbände Bioland, Naturland, Demeter, Biokreis, Biopark, Gäa und Ecovin (Weinanbau) gehen weit über die gesetzlichen Vorgaben von EU-Bio hinaus. Die strengsten Öko-Richtlinien besonders in Sachen Tierwohl hat Demeter.

Kritik an Anbauverband

Aufgrund unwissenschaftlicher Methoden und Nähe zur Esoterik steht Demeter allerdings auch in der Kritik. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft des Anbauverbandes geht auf die Anthroposophie von Rudolf Steiner zurück. So werden beispielsweise mit Kuhfladen gefüllte Rinderhörner im Acker vergraben und deren Inhalt später dem Kompost zugeführt. Weitere biologisch-dynamische Präparate kommen als Homöopathie für Boden und Pflanze zum Einsatz.

Auch wenn sich die einzelnen Richtlinien im Detail unterscheiden, sind sich die Anbauverbände in den wichtigsten Punkten einig:

  • Der Einsatz von Gentechnik jeglicher Art ist verboten.
  • Bodenfruchtbarkeit erhalten: Die Fruchtreihenfolge und das Düngen sind noch strenger als bei EU-Bio geregelt.
  • Es sind im Vergleich mit EU-Bio deutlich weniger Zusatzstoffe bei der Verarbeitung von Lebensmitteln erlaubt.
  • Tierfutter muss mindestens zur Hälfte vom eigenen Hof stammen.
  • Gülle-Überschüsse vermeiden: Pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche darf nur eine bestimmte Anzahl an Tieren gehalten werden, wie beispielsweise 10 Mastschweine (zum Vergleich EU-Bio: 14).
  • Tiertransporte zum Schlachthof sind auf 200 Kilometer und insgesamt 8 Stunden vom Auf- bis zum Abladen begrenzt.

Markiert EU-Bio die Mindeststandards, stellen nach den Richtlinien der Anbauverbände zertifizierte Lebensmittel Premium-Bio dar.

VorteilNachteil
Betriebe vollständig bioProdukte oft teurer
verarbeitete Lebensmittel: alle Produktzutaten bioDemeter: Esoterik-Kritik
noch weniger Zusatzstoffe bei Verarbeitung von und in Lebensmitteln erlaubt
keine Gentechnik
strengere Vorgaben für Fruchtfolge und Düngung
höheres Tierwohl: noch mehr Platz für Nutztiere
oft gezielte Maßnahmen, die Artenvielfalt zu erhöhen

 

Regionale Biosiegel

Diese Biosiegel sollen oft die regionale Herkunft der Lebensmittel hervorheben. Stammen die Rohstoffe beispielsweise aus Bayern und fanden dort auch sämtliche Produktionsschritte statt, können diese Lebensmittel das bayerische Biosiegel tragen. Die Hersteller sind nach Bioland, Naturland, Demeter oder Biokreis zertifiziert.

Fairer Handel

Fairer Handel – auch Fairtrade genannt – bedeutet nicht automatisch ökologische Landwirtschaft. In erster Linie erhalten Landwirt*innen und Kooperativen höhere Erzeugerpreise und haben dadurch ein besseres Auskommen. Mit den Mehreinnahmen werden in der Regel weiterhin soziale Projekte finanziert, die der gesamten Gemeinschaft vor Ort zugutekommen, wie etwa der Bau und das Unterhalten von Schulen.

Stammen Fairtrade-Produkte aus ökologischem Anbau, sind sie zusätzlich mit einem Biosiegel gekennzeichnet. Mit seinem Siegel „Naturland fair“ verbindet der Anbauverband ökologische und soziale Standards.

Konzernlogos

Viele Supermarktketten haben für ihre Bio-Eigenmarken auch eigene Biosiegel oder -logos. Die Produkte müssen mindestens nach EU-Bio zertifiziert sein. Sie tragen dann zusätzlich das staatliche Biosiegel oder sogar das eines Anbauverbands.

Nachhaltige Fischerei

Das Marine Stewardship Council (MSC) zeichnet mit seinem Siegel nachhaltige Fischerei aus. Zertifizierte Unternehmen müssen Überfischung vermeiden und damit Fischbestände nachhaltig schützen. Zudem dürfen die eingesetzten Fangmethoden das Ökosystem nur gering belasten.

 

Kritik an Siegel

Das MSC-Siegel steht immer wieder in der Kritik, da die Umweltstandards nicht streng genug seien. Vorwürfe gab es unter anderem in der Dokumentation „Seaspiracy“, die auf Netflix zu sehen ist. „Tatsächlich schließt eine MSC-Zertifizierung nicht aus, dass in der Fischerei Meeressäuger und Seevögel als Beifang sterben, Hai-Finning betrieben wird oder Supertrawler und zerstörerische Grundschleppnetze zum Einsatz kommen“, schreibt der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) in seiner Stellungnahme zur Dokumentation.

Tipp: Der Anbauverband Naturland zertifiziert ebenfalls nachhaltige Fischerei – und zwar mit strengeren Sozial- und Umweltstandards als das MSC.

Autor: Jens Brehl

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