Schimmel: entfernen & vorbeugen

Wie kommt es zu Schimmel in der Wohnung und wie kann man vorbeugen? Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Schimmel in Ihrer Wohnung vermeiden oder entfernen können – und wie Sie bei Schimmelbefall rechtlich gegen den Vermieter vorgehen können.

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Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Feuchtigkeit, hohe Temperaturen und Nährstoffe begünstigen Schimmelbefall
  • pro Tag bis zu 12 Liter Feuchtigkeit in einer Wohnung
  • bester Schutz gegen Schimmel: regelmäßiges Lüften
  • Schimmel: nicht nur entfernen, sondern auch Ursache beseitigen
  • wichtig für Mietminderung: Dokumentation bei Schimmel in Mietwohnung

Meist genügen ausreichendes Lüften und richtiges Heizen in den Wintermonaten, um den Schimmelbefall in den eigenen vier Wänden erfolgreich zu verhindern. Doch wenn sich Schimmel gebildet hat, muss er entfernt werden, um die Gesundheit nicht zu gefährden und die Wohnung vor Wärmeverlust und Bauschäden zu schützen.

Wie entsteht Schimmel?

Schimmelbeseitigung(c) GaToR-GFX/Fotolia.com

Schimmelpilze sind anpassungsfähig und sehr genügsam. Diese drei Faktoren begünstigen die Schimmelbildung:

  • Feuchtigkeit
    In der Wüste schimmelt es nicht. Schimmel entsteht dort, wo es feucht ist. Besonders gern breitet er sich aus, wo sich feuchte Luft an kalten Oberflächen niederschlägt. Dabei muss sich nicht einmal Kondenswasser bilden. Es genügt, wenn die relative Luftfeuchtigkeit auf der Oberfläche mehr als 80 Prozent beträgt und im Raum 65 Prozent überschreitet.
  • Temperatur
    Am wohlsten fühlen sich Schimmelpilze bei Temperaturen zwischen 15 und 30 Grad. Deswegen finden sie in unseren Häusern perfekte Bedingungen.
  • Nährstoffangebot
    Schimmelpilze nutzen eine Vielzahl von Materialien als Nahrungsquelle. Schimmel entsteht auf Beton, Zement, Holz, Gipskarton, Tapete, Farbe und Kunststoff. Schimmelbildung ist sogar auf Materialien möglich, die selbst keine Nährstoffe abgeben – etwa wenn sich Partikel und Staub aus der Luft auf Glas absetzen.

Schimmel breitet sich gern dort aus, wo keine Luft zirkuliert: hinter Schränken und Verkleidungen, hinter Vorhängen und unter Fußbodenbelägen. Ebenfalls gefährdet sind sogenannte Wärmebrücken. Das sind Bauteile des Gebäudes, durch welche die Wärme schneller nach außen transportiert wird, als durch andere Bauteile. Anfällig sind beispielsweise Fensterlaibungen, Balkone, Loggias oder Rollladenkästen.

Ein weiterer Faktor: Früher erfolgte der Luftaustausch durch undichte Stellen in der Gebäudehülle oder durch die Fugen der Fenster. Dabei verpuffte jedoch viel Energie. Mit dem Einbau dichter Fenster können diese Energieverluste deutlich gemindert werden. Dies führt bei unverändertem Lüftungsverhalten allerdings zu einer Erhöhung der relativen Luftfeuchte. Dann droht Schimmel.

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Können von außen gedämmte Wände noch atmen?

Wände können grundsätzlich nicht atmen. Was viele mit „atmen” meinen, bezieht sich auf die bauphysikalische Wasserdampfdiffusion. Sie sorgt dafür, dass insbesondere in der kalten Jahreszeit ein hohes Dampfdruckgefälle von innen nach außen entsteht. Das heißt, der warme Dampf im Gebäude will ins Freie. Unterschreitet der Dampf den Taupunkt auf dem Weg nach draußen, kann er in bestimmten Bauteilschichten kondensieren – also flüssig werden. Dieses Phänomen tritt sehr häufig in unsanierten Altbauten auf und kann das Baumaterial beschädigen. Eine moderne, außenliegende Dämmung hält das Gebäude dagegen trocken und warm. Weitere Infos zur Gebäudedämmung finden Sie im Dossier Dämmung.

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Wie kann ich Schimmel vorbeugen?

Infografik: Feuchtigkeitsquellen und ihre Wasserdampfabgabe

Bei niedriger Luftfeuchtigkeit und angemessener Raumtemperatur haben Schimmelpilze so gut wie keine Chance. Deshalb sollten Sie regelmäßig stoßlüften und in den Wintermonaten bewusst heizen. Nutzen Sie unsere Tipps zum richtigen Lüften. Als Faustregel gilt: Stoßlüften Sie zwei- bis viermal täglich für jeweils fünf bis zehn Minuten – je nachdem, wie viel Sie sich in den Räumen aufhalten oder was Sie dort tun. Vor allem beim Duschen, Kochen und Wäschetrocknen entsteht viel Feuchtigkeit. Bei einem 4-Personen-Haushalt sind es pro Tag etwa zwölf Liter Wasser durch Duschen, Kochen, Wäschetrocknen und die normale Atemluft. Kann die Feuchtigkeit aus der Luft nicht entweichen, lagert sie sich an der kältesten Stelle im Zimmer als Tauwasser ab. Die Schimmelbildung ist vorprogrammiert.

Auch Bauschäden wie kaputte Rohre, undichte Dächer oder mangelhafte Dämmung können feuchte Wände und damit Schimmel verursachen. Hier hilft nur eine fachgerechte Sanierung. Energieberater können an dieser Stelle helfen. Unsere Handwerker-Datenbank Rat und Tat findet den passenden Berater in Ihrer Nähe.

Wer in einem Passivhaus lebt, braucht eine (mechanische) Lüftungsanlage. Das sind Anlagen, die einen ausreichenden Luftaustausch gewährleisten, ohne dass während der Heizperiode dabei vermehrt Heizenergie verloren geht. Am besten: eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Für die Raumtemperatur gilt: In allen Wohnräumen sollten mindestens 20 Grad eingehalten werden. Im Schlafzimmer sind Temperaturen um die 16 Grad ausreichend. Übertriebenes Heizenergiesparen ist nicht sinnvoll, weil kühle Temperaturen die Schimmelbildung begünstigen. Letztlich kann sogar Energie unnötig verschwendet werden. Denn: Treten in der Wohnung erst einmal Feuchtigkeitsschäden auf, wird die Wärme bis zu dreimal so schnell über die Wände nach außen geleitet.

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Wie kann ich Schimmel entfernen und bekämpfen?

Zuerst gilt es, den Auslöser für das Auftreten der Schimmelpilze zu identifizieren und zu beheben. Die Ursachen reichen von falschem Lüft- und Heizverhalten, über schlechte Dämmung und feuchtes Mauerwerk bis hin zu Konstruktionsfehlern beim Bau oder Wasserrohrbrüchen. In Mietwohnungen ist die Ursachensuche Aufgabe des Vermieters. Er muss auch die Kosten übernehmen.

Das Umweltbundesamt empfiehlt, oberflächige Schimmelflecken mit einer Größe von bis zu einem halben Quadratmeter grundsätzlich selbst zu bekämpfen. Denn die sichtbaren Teile des Schimmels produzieren Sporen, die sich über die Luft verbreiten und eingeatmet werden. Um dies kurzfristig zu unterbinden, sollten die befallenen Stellen mehrmals mit Schimmelkillern wie Brennspiritus oder 70 bis 80 %-igem Ethylalkohol abgetupft werden. Tragen Sie bei den Arbeiten unbedingt Kunststoffhandschuhe und einen Mundschutz. Diese Utensilien gibt es in jedem Baumarkt.

Auf den Einsatz aggressiver chemischer Mittel sollten die Bewohner verzichten. Viele dieser „Chemiekeulen“ sind laut Stiftung Warentest gesundheitsschädlich. Auch die häufig empfohlene Essiglösung ist laut Umweltbundesamt nicht empfehlenswert für das Bekämpfen von Schimmel. Sie verliert ihre Wirkung, wenn sie mit alkalischen Stoffen wie Kalk, der in vielen Innenputzen steckt, in Berührung kommt. Außerdem enthält Essig organische Nährstoffe, die das Pilzwachstum sogar begünstigen können.

Befallene Tapeten, Gipskartonplatten oder Holzteile müssen entsorgt werden. Zusätzlich sollten Vorhänge oder abnehmbare Möbelbezüge nach der Schimmelbeseitigung gereinigt werden.

Der Deutsche Mieterbund (DMB) rät allerdings aus mietrechtlichen Gründen davon ab, den Schimmel auf eigene Faust zu bekämpfen. Wenn Mieter das Schimmelproblem selbst angehen, ohne die eigentliche Schadensursache zu kennen, riskieren sie, dass der Schimmel wiederkommt und sich die Feuchtigkeitsschäden verschlimmern. Dann sind sie sogar zum Schadensersatz verpflichtet.

Schwerer und großflächiger Schimmelbefall ist in jedem Fall eine Aufgabe für den Spezialisten. Ein solcher Experte verfügt über eine entsprechende Ausrüstung und kennt sich mit den Problemen und Gefahren der Schimmelbeseitigung aus. Außerdem verfügen Fachfirmen zum Beispiel über eine Spezialausrüstung zum Abfräsen von Putzschichten, Spezialsauger und Luftschleusen.

Besonders bei schwerem Schimmelbefall sollte nach der Sanierung überprüft werden, ob die Maßnahmen auch tatsächlich gefruchtet haben. Der Erfolg kann beispielsweise durch eine abschließende Raumluftuntersuchung kontrolliert werden.

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Ist eine Mietminderung bei Schimmel rechtens?

Sind Schäden am Haus (zum Beispiel undichte Stellen in Mauerwerk und Dach) oder Baumängel (zum Beispiel schlechte Wärmedämmung) für den Schimmel verantwortlich, können Sie die Miete kürzen. Beide Bereiche liegen im Verantwortungsbereich des Vermieters. Eine Mietminderung ist auch möglich, wenn das Badezimmer kein Fenster hat und vom Vermieter nicht mit einer funktionierenden Zwangsentlüftung ausgerüstet wird – und es dadurch zur Schimmelbildung kommt.

Ist allerdings falsches Heiz- und Lüftungsverhalten die Ursache, ist eine Mietminderung nicht möglich, da der Mieter den Mangel selbst verursacht hat. Mieter sind verpflichtet, ausreichend zu lüften. Vorübergehendes Kippen der Fenster genügt nicht, da die Luft so nicht ausreichend ausgetauscht wird. Allerdings müssen Sie als Mieter nicht mehr lüften als zumutbar ist. Verweigert ein Mieter trotz Hinweis des Vermieters ein normales Lüftungsverhalten und entstehen dadurch massive Schimmelschäden, dann kann der Vermieter nach Abmahnung fristlos kündigen.

Grundsätzlich gilt: Der Vermieter trägt die volle Beweislast dafür, dass die Feuchtigkeit nicht aus seinem Verantwortungsbereich stammt. Er muss konkret beweisen, dass kein Baumangel oder der Zustand von Fenstern, Türen oder Heizung für den Schimmel verantwortlich sind. Lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob die Schäden auf Baumängel oder auf das Verhalten des Mieters zurückzuführen sind, dann ist der Vermieter den Beweis schuldig geblieben. Die Folge: Eine Mietminderung wegen Schimmels ist gerechtfertigt. Der Mieter kann eine Schadensbeseitigung und Sanierung vom Vermieter einfordern.

In der Praxis liegt oft eine Kombination aus Schäden am Haus und falschen Heiz- und Lüftungsverhalten vor. Das führt regelmäßig zu rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Mieter und Vermieter. Kommt es zu einem Rechtsstreit, gehen Mieter mit diesen Tipps des Deutschen Mieterbundes gut gerüstet in die Auseinandersetzung:

  • Zeigen Sie Schäden sofort schriftlich dem Vermieter an.
  • Lassen Sie die Schäden von Zeugen, zum Beispiel Nachbarn, besichtigen.
  • Halten Sie den Wohnungszustand schriftlich in einem Protokoll fest.
  • Machen Sie Fotos von den Schäden.
  • Messen Sie die Temperatur der einzelnen Räume und notieren Sie diese.
  • Informieren Sie sich bei Nachbarn oder Vormietern, ob es in Ihrer Wohnung früher schon Feuchtigkeitsschäden gab.

Für den Fall eines Rechtstreits mit dem Vermieter kann ein Energiesparkonto eine wertvolle Argumentationshilfe sein. Mit dem kostenlosen Online-Haushaltsbuch können Mieter dokumentieren, dass sie ausreichend geheizt haben. Weitere rechtliche Informationen finden Sie in der Broschüre „Wohnungsmängel und Mietminderung“, die unser Partner, der Deutsche Mieterbund, herausgibt.

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Wie schadet Schimmel der Gesundheit?

Laut Deutschem Allergie- und Asthmabund leiden etwa sechs Prozent der Deutschen an Schimmelpilzallergien. Sobald Schimmel größere Flächen befällt, kann er der menschlichen Gesundheit schaden.

Eingeatmete Pilzsporen sorgen für allergische Reaktionen und Reizungen. Wer regelmäßig unter Schnupfen, Bronchitis, geröteten Augenschleimhäuten, Müdigkeit oder Kopfschmerzen leidet, sollte die Wohnung auch auf Schimmelbefall untersuchen. Vor allem Kinder und Allergiker entwickeln häufig sporenbedingtes Asthma.

Es geht noch schlimmer: Schimmelpilze können Infektionen verursachen. Das passiert zwar sehr selten, die Folgen sind dafür umso schwerwiegender: Ekzeme auf der Haut, Pilzwucherungen oder eine Infektion der Lunge. Immungeschwächte Personen wie alte und kranke Menschen oder Säuglinge sind gefährdet.

Vor allem seiner Kinder zuliebe sollte man jedes kleine Anzeichen für Schimmelbefall ernst nehmen und entsprechend reagieren. Um gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermeiden, ist rasches Handeln oberstes Gebot, wenn Sie Schimmelbefall entdecken.

Weiterführende Informationen über gesundheitliche Auswirkungen von Schimmel erhalten Sie in dem Ratgeber „Feuchtigkeit und Schimmelbildung" der Verbraucherzentrale.

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