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Digitaler Fußabdruck & CO2-Ausstoß im Netz

Digitale Handlungen verbrauchen Energie und verursachen damit CO2 – aber sie hinterlassen auch Spuren, die viel über unsere Identität preisgeben können. Mit unseren Tipps können Sie Ihre Spur verwischen und gleichzeitig Ihren digitalen CO2-Fußabdruck verkleinern.

Was ist ein digitaler Fußabdruck?

Ein digitaler Fußabdruck umfasst alle Online-Aktivitäten, die eine Person unternimmt.

  • Dazu gehören aktive Spuren, wie Kommentare oder Beiträge, die etwa auf Social-Media-Plattformen gepostet werden.
  • Aber auch passive Abdrücke sind Teil davon, zum Beispiel wenn Websites Informationen darüber sammeln, wie Nutzer*innen sich auf ihnen verhalten (Stichwort Cookies). Dieser passive Anteil wird auch als Datenemission bezeichnet.
(c) www.unsplash.com / Erik Lucatero

Ihre digitalen Fußabdrücke ergeben zusammen genommen Ihre digitale Identität. Die wiederum kann für andere interessant sein: Arbeitgeber oder Gläubiger, aber auch neue Bekanntschaften interessieren sich möglicherweise für das, was Sie im Netz so treiben. Hacker oder Identitätsdiebe können sich daran auch mit bösen Absichten zu schaffen machen.

Und dann sind es natürlich die großen Konzerne, die besonders an unseren Daten interessiert sind. Denn so können sie Werbung noch besser auf Konsument*innen abstimmen.

Datenemissionen verringern

Jeder Schritt, den Sie online gehen, hinterlässt also einen Fußabdruck. Um diese Spur verwischen zu können, muss man wissen, wo und wie die Fußabdrücke entstehen.

Zunächst hilft es, sich bewusst zu machen, welche digitalen Dienste und Plattformen man tatsächlich nutzt:

  • Bei welchen Sozialen Netzwerken sind Sie angemeldet (auch die, auf denen Sie gar nicht mehr aktiv sind)?
  • Wie viele (ungenutzte) Apps haben Sie auf Ihrem Smartphone installiert?
  • Auf welchen Websites sind Sie unterwegs?
  • Welche Newsletter/E-Mail-Dienste haben Sie abonniert?

Haben Sie sich schon mal selbst gegoogelt?

(c) www.unsplash.com / Firmbee.com

Das hat nichts mit Eitelkeit zu tun – um ein Bild Ihrer digitalen Identität zu erlangen, können Sie Ihren Namen auch über Suchmaschinen suchen. So erhalten Sie einen Überblick, welche Beiträge zu Ihrer Person online zu finden sind und können einschätzen, ob die Ihnen gefallen. Sind Beiträge dabei, die Ihnen nicht passen, können Sie diese möglicherweise selbst entfernen (zum Beispiel bei eigenen Social-Media-Profilen) oder den Administrator der Seite darum bitten.

Google, als eine der größten Datenkraken, versucht zumindest mehr Transparenz darüber zu schaffen, welche Nutzerdaten sie abgreifen und speichern. Immerhin besitzt das Unternehmen mit Suchanfragen und Suchverläufen unzählige Informationen, die tiefen Einblick in unser Leben gewähren. Vieles davon lässt sich über die eigenen Konto-Einstellungen anpassen. Mit dem Dienst Google Takeout können Sie sogar die zu Ihnen gesammelten und gespeicherten Daten herunterladen.

Gezielte Fußspuren hinterlassen

Außerdem können Sie bestimmte Schritte unternehmen, um Ihren digitalen Fußabdruck zu kontrollieren:

  1. Sichere Passwörter
    Das A und O für Sicherheit im Netz und damit auch den Schutz Ihrer Daten sind gute Passwörter. 1234 gehört nicht dazu – Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gibt Tipps zum Erstellen sicherer Passwörter.
  2. Software-Updates machen
    Ihre digitalen Hinterlassenschaften sind ein gefundenes Fressen für Viren und Schadsoftware und die entwickeln sich ständig weiter. Daher ist es so wichtig, die Software auf Smartphones, Computern und Co. stets aktuell zu halten.
  3. Privatsphäre-Einstellungen prüfen
    Beim Anlegen eines neuen Profils werden diese gerne mal nur grob überflogen, dabei lohnt es sich, sich mit den Einstellungen zu Privatsphäre und Datenschutz auseinanderzusetzen. So können Sie steuern, welche Ihrer Beiträge und Inhalte für wen zu sehen ist oder wie gespeichert wird. Achten Sie auch darauf, wenn Änderungen der AGB oder Privatsphäre-Einstellungen anstehen, ob Sie möglicherweise nachjustieren müssen.
  4. Ungenutzte Dienste löschen
    Wie viele Apps haben Sie auf Ihrem Smartphone, die Sie nicht nutzen? Und wie viele davon sind kostenlos? Gerade diese Apps enthalten häufig Software, die mithört, um Ihre Interessen zu erkunden und personalisierte Werbung besser ausspielen zu können. Wie bei allem, was über einen längeren Zeitraum nicht genutzt wird, gilt: aussortieren! Wenn Sie nicht darauf verzichten können, dann deaktivieren Sie die Mikrofoneingabe und prüfen Sie auch hier die Datenschutzeinstellungen.
  5. Bewusst digital konsumieren und produzieren
    Jede Suchanfrage, jede Standortnutzung, jeder kostenlose Download ist wie ein Puzzleteil, die zusammengesetzt ein detailliertes Bild unseres Lebens ergeben. Und im Netz sind wir nicht nur Konsumenten, sondern auch Produzenten: Wir legen Profile an, posten Beiträge oder kommentieren. Ein bewusster Umgang mit digitalen Gütern und Dienstleistungen schützt unsere Privatsphäre und Identität.

Und was hat das jetzt mit Energieeffizienz und CO2-Emissionen zu tun?

Von Datenemissionen ist die Rede, wenn unsere Online-Aktivitäten ihre digitalen Spuren hinterlassen. Aber das sind nicht die einzigen Emissionen, die wir damit verursachen. Denn jeder Klick benötigt Strom, um zu funktionieren – und davon nicht zu knapp. Das bedeutet gleichzeitig einen hohen CO2-Ausstoß.

Klicks, die uns persönlich ein Minimum an Energie kosten, lassen woanders die Rechenzentren heiß laufen. Wie energiehungrig alltägliche digitale Vorgänge sind, ist vielen Internetnutzer*innen nicht bewusst. Oder wissen Sie, wie viel Strom eine Suchanfrage oder ein gestreamtes Video verbraucht? Jens Gröger vom Öko-Institut hat für diese und weitere Fragen zum digitalen CO2-Fußabdruck Antworten gefunden:

CO2-Ausstoß durch Suchanfragen, Streaming & Co

So viel Gramm CO2 verursacht eine 4-stündige Online-Videokonferenz. Das Homeoffice-Jahr 2020 hat einen großen digitalen CO2-Fußabdruck hinterlassen.

732
  • Eine Suchanfrage verursacht ungefähr 1,45 Gramm Treibhausgasemissionen. Wer 50-mal am Tag etwas im Netz sucht, sorgt über ein Jahr hinweg für 26 Kilo CO2.
  • 3,5 Stunden Videos streamen in hoher Qualität verursacht 65 Kilogramm CO2 pro Jahr.
  • Eine 4-stündige Online-Videokonferenz verursacht einen CO2-Ausstoß von 732 Gramm.
  • Eine Stunde Videotelefonie pro Tag mit dem Smartphone kann aufs ganze Jahr gerechnet 67 Kilogramm CO2 verursachen, 21 Kilogramm davon entstehen durch die mobile Datenübertragung im Netz. Übrigens: Bei einer Übertragung über eine WLAN- oder LAN-Verbindung wären es nur 5 Kilogramm statt 21.
  • 250 Gigabyte gespeicherte Dateien in einer Online-Cloud, etwa als Backup einer Festplatte, verursachen 31 Kilogramm CO2-Äquivalente.

Besonders die Übertragung von Bewegtbild ist energieintensiv. Und in Deutschland sind schätzungsweise mehr als drei Viertel der übertragenen Daten Videos. Wie viel Treibhausgase sie genau verursachen, kann kaum ermittelt werden. Denn dafür gibt es zu viele Einflussfaktoren: das Endgerät, die Netzwerkverbindung und die Auflösung. Sicher ist aber, dass Videos am meisten Energie benötigen, wenn sie über mobiles Internet ohne vorherigen Download in hoher Qualität gestreamt werden.

1 Tonne CO2 durch digitale Handlungen

Insgesamt veranschlagt das Öko-Institut einen Fußabdruck von 739 Kilogramm CO2 für eine Person in Deutschland, wenn sie digitale Geräte durchschnittlich nutzt. Das entspricht einem Anteil von etwa 7 Prozent am gesamten Fußabdruck. Menschen mit einer besonders intensiven Nutzung digitaler Geräte verursachen sogar 1.009 Kilogramm CO2-Emissionen, also gute 9 Prozent des Gesamtfußabdrucks. Diese Angaben beziehen sich jedoch nur auf die Nutzung der Geräte, für die Herstellung fallen zusätzliche Emissionen an, die Jens Gröger in seinem Bericht vom Öko-Institut aufführt.

Bis zu etwa einer Tonne CO2 produziert eine Person nur durch Internetnutzung und andere digitale Handlungen. Das ist fast ein Zehntel des gesamten CO2-Fußabdrucks.

Mehr CO2 durch Datenverkehr als durch Flugverkehr

Insgesamt sollen digitale Technologien zwischen 1,8 und 3,2 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen ausmachen. Das ermittelte eine Kurzstudie des Borderstep Instituts von 2020. Darin inbegriffen sind Herstellung, Betrieb und Entsorgung digitaler Endgeräte und Infrastrukturen. Zum Vergleich: Der Flugverkehr verursacht etwa 2,4 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen (Stand 2019).

Für 2020 dürften diese Zahlen noch einmal gestiegen sein. Denn aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie verzichteten viele Menschen auf persönliche Kontakte und ersetzten diese über die virtuelle Kommunikation, sei es nun beruflich oder privat. Einen Anhaltspunkt dafür bietet der Datenverkehr am Internet-Knoten in Frankfurt am Main DE-CIX: Der soll durch Videokonferenzen zu Beginn der Pandemie innerhalb einer Woche um die Hälfte gestiegen sein.

Ist Ihr Zuhause auch zum Büro geworden? So sparen Sie Energie im Homeoffice.

Datenschutz und Klimaschutz gehen Hand in Hand

Wer auch in der virtuellen Welt bewusst konsumiert, schützt oft nicht nur die eigenen Daten, sondern auch das Klima. Denn je weniger Klicks, desto weniger Datenverkehr, desto weniger CO2-Emissionen.

Alternative Anbieter digitaler Dienste verbinden beides oft miteinander. Denn sie möchten Ihren Nutzer*innen mit einer hohen Datensouveränität häufig weitere Vorteile bieten, um gegenüber den großen Playern zu überzeugen. Von Webhosting und E-Mail-Anbietern über Apps bis zu Mobilfunkanbietern gibt es mittlerweile viele ökologische Möglichkeiten für digitale Dienste. Diese Anbieter betreiben ihre Server zum Beispiel mit Ökostrom oder versuchen, die Abwärme der Rechenzentren zu verwerten.

Wie Sie selbst Ihre digitalen CO2-Emissionen verringern können, etwa beim Streaming oder Datenmüll, erfahren Sie in unseren klimafreundlichen Vorsätzen – garantiert ganzjährig anwendbar!

Autorin: Anne Weißbach

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