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Umweltbundesamt zum Smart Meter: „Kein Hoffnungsträger für den Klimaschutz“

Die neuen elektronischen Zähler bieten jede Menge Potenzial für das Energiesparen und den Klimaschutz. Ob es auch ausgeschöpft wird, kommt auf den Verbraucher an, sagt Christoph Mordziol vom Umweltbundesamt (UBA) im Interview über Smart Meter.

Smart Meter = elektronischer Zähler

Christoph Mordziol, Energieexperte des Umweltbundesamtes (UBA)

Christoph Mordziol, Energieexperte des Umweltbundesamtes (UBA) im Gespräch über Smart Meter

Eine Umfrage hat gezeigt: 96 Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Smart Meter nichts anfangen. Wie würden Sie einem Laien erklären, was Smart Meter sind?

Christoph Mordziol: Das, was manche Smart Meter nennen, ist ein elektronischer Zähler. Bei den bisher üblichen Zählern mit Drehscheibe und mechanischer Anzeige muss ein Mensch den Stand ablesen, was bei Privathaushalten einmal im Jahr erfolgt. Anders die elektronischen Zähler: Sie erlauben eine Fernauslese durch den Lieferanten und mindern dessen Kosten. Außerdem kann der Stromlieferant in kürzeren Abständen Rechnungen stellen – statt Abschläge zu berechnen und erst Ende des Jahres abzurechnen.

Gibt es weitere Vorteile?

Christoph Mordziol: Stromerzeuger und Verbraucher können den Verlauf der Elektroleistung über die Zeit, den Lastgang, erkennen.

Wozu ist das wichtig?

Christoph Mordziol: Der Strombedarf der Privathaushalte hat Spitzen, zum Beispiel weil mittags viel gekocht wird. Um solche Spitzen zu decken, gibt es Kraftwerke, die bei Bedarf schnell in Betrieb gehen – ansonsten aber stillstehen. Strom aus Spitzenlastkraftwerken ist daher teuer. Der Stromlieferant wird versuchen, seinen Kunden zu einem möglichst gleichmäßigen Strombezug zu bewegen. Zum Beispiel durch einen Tarif, bei dem der Strom zu Spitzenlastzeiten mehr und zu Schwachlastzeiten weniger als sonst kostet.

Ist das wirklich zum Vorteil der Umwelt? Spitzenlastkraftwerke produzieren zwar teuren, aber umweltfreundlicheren Strom – hier wird meistens CO2-freundlicheres Erdgas benutzt. Der Strom für Schwachlasten wird hingegen aus dem Klimastinker Braunkohle gewonnen.

Christoph Mordziol: Das ist grundsätzlich richtig. Eine Alternative wäre, den Strombedarf in Zeiten zu verschieben, zu denen ein großes Angebot an erneuerbaren Energien besteht, etwa durch ferngesteuertes Ein- und Ausschalten von Geräten. Die Waschmaschine würde also nicht dann eingeschaltet werden, sobald sie gefüllt ist, sondern wenn beispielsweise viel Wind weht. Dies kann die Eingliederung von erneuerbaren Energien in die Stromversorgung erleichtern.

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Smart Meter als Helfer beim Klimaschutz

Also sind Smart Meter auch an dieser Stelle ein Zugewinn für den Umweltschutz?

Christoph Mordziol: An dieser Stelle ja. Zudem können elektronische Stromzähler dazu beitragen, den Kraftwerkseinsatz zu optimieren: Diese müssen dann weniger in der ineffizienten Teillast betrieben und weniger häufig neu gestartet werden. Das senkt den CO2-Ausstoß. Elektronische Zähler können auch helfen, die Netzauslastung zu optimieren. Dies ermöglicht, mehr klimafreundliche erneuerbare Energien für die Stromversorgung zu nutzen.

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Zurück zur Verbraucherseite: Skeptiker sagen, dass Smart Meter keine nennenswerten Energieeinsparungen bewirken. Wie schätzen Sie das ein?

Christoph Mordziol: Die Antwort ist schwer. Die elektronischen Zähler könnten dem Privathaushalt beim Stromsparen helfen. So ermöglicht es mancher Stromlieferant dem Kunden, Daten abzurufen, die durch dessen Stromzähler gewonnen wurden. Daran kann der Kunde beispielsweise erkennen, wann er zu Zeiten Strom verbraucht, zu denen er eigentlich glaubte, alles ausgeschaltet zu haben. Das hilft ihm, Stromeinsparmöglichkeiten zu finden. Der Verbraucher bekommt einen direkteren Zugang zu seinem Verbrauch.

Das hört sich doch ganz gut an. Wo liegt das Problem?

Christoph Mordziol: Den Titel „Hoffnungsträger für den Klimaschutz“ würde ich den Zählern dennoch nicht geben. Denn um die Stromeinsparmöglichkeiten zu ermitteln, muss der Verbraucher Wissen und Beharrlichkeit mitbringen. Und er muss ein Gerät betreiben, dass ihm die heruntergeladenen Daten anzeigt – dieses Gerät verbraucht aber auch wieder Strom. Ob Aufwand und Nutzen in einem guten Verhältnis zueinander stehen, ist fraglich. Zudem dürften sich eher wenige Privathaushalte auf diesem Wege um ihren Stromverbrauch kümmern.

Alles zusammen genommen: Sind Smart Meter ein geeignetes Mittel, um der Erfüllung der Klimaschutzziele einen entscheidenden Schritt näher zu kommen?

Christoph Mordziol: Nein. Sie sind allenfalls ein Mittel, um den Klimaschutzzielen einen Schritt näherzukommen. Von entscheidend würde ich nicht sprechen.

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