Dämmung: Handwerker finden leicht gemacht

Wird eine Dämmung nicht fachgerecht umgesetzt, kann sie sich als zu teuer oder wirkungslos herausstellen. Das A und O für die Effektivität einer energetischen Sanierung sind kompetente Fachleute. Um einen geeigneten Handwerker für Ihre Dämmung zu finden, gibt Ihnen Experte Arnold Drewer vom IpeG-Institut eine Checkliste an die Hand:

Portrait Arnold Drewer(c) IpeG-Institut

Arnold Drewer, IpeG-Institut.

Kann der Handwerker die Beschaffenheit der Wand mithilfe eines Endoskops ermitteln?

Drewer: „Soll eine Außenwand, Kellerdecke oder oberste Geschossdecke gedämmt werden, muss der Handwerker mit einem Endoskop überprüfen, ob eine Hohlschicht vorliegt; also ein so genanntes ‚zweischaliges Mauerwerk’, eine hohle Holzbalkendecke oder ein Holzdielenfußboden im Erdgeschoss, der auf einer Balkenlage ruht. In diesem Fall müssen die Hohlschichten angebohrt und mit einem geeigneten Einblasdämmstoff gedämmt werden.”

Berät der Handwerker Sie, ob das Dach oder die oberste Geschossdecke gedämmt werden soll?

Drewer: „Der Handwerker muss seinen Kunden genau befragen, ob er den Spitzboden nutzen (also heizen) möchte oder nicht. Falls nicht, ist eine Dachdämmung unsinnig und die obere Decke sollte gedämmt werden. Eine Dachdämmung ist im Verhältnis zur Deckendämmung mehr als zehn Mal so teuer – bei gleichem Erfolg!”

Kennt der Handwerker die elf wichtigsten Produkte für eine energetische Sanierung?

Drewer: „Der Handwerker sollte diese elf Produkte kennen, da er nur so die richtige Entscheidung für eine effektive Umsetzung der Dämmung treffen kann:

  • Polystyrol WLS 032 für eine hochwirksame Außendämmung.
  • Polyurethan WLS 030 als Sprühschaum für gewölbte Kellerdecken, Kappendecken und andere unebenen Oberflächen sowie vielen Kabeln und Rohren. Diese können nicht mit Platten oder Matten, sondern nur mit Sprühschaum gedämmt werden.
  • Phenolharz WLS 022 als hochwirksamer Plattendämmstoff für Bodentreppen, Kellerdecken oder Rollladenkästen, da es in diesen Fällen an Platz mangelt.
  • Calciumsilikat WLS 065 als Anti-Schimmel-Platte für Fensterlaibungen und andere Stellen im Haus, an denen aufgrund von Tauwasser Schimmel anfallen kann.
  • Zellulose-Einblasdämmstoff WLS 040 als günstigster Dämmstoff für oberste Geschossdecken, der mit dem Dämmsack-Verfahren angebracht wird. Kennt der Handwerker dieses Material nicht, macht er zwar keine Baufehler, nimmt dem Kunden aber unnötig Geld aus der Tasche!
  • Steinwoll-Einblasdämmung WLS 040 als nicht brennbarer Dämmstoff.
  • Polystyrol-Einblasdämmstoff WLS 033 als bester Dämmstoff für ein Hohlschichtmauerwerk. Ein WDVS wäre hier größtenteils wirkungslos.
  • Spaceloft-Matten WLS 014 als bester dünner Dämmstoff für Heizkörpernischen, Rollladenkästen, Fensterlaibungen und andere Stellen mit extrem wenig Platz. Dieses Material dämmt erheblich besser als herkömmliche Dämmstoffe.
  • Holzweichfaserplatten WLS 040 als Aufdachdämmung. Ihr hoher Wärmeschutz macht sie für Dachdecker zu einem nützlichen Material.
  • SLS20 WLS 035 als sehr rieselfähiges Produkt bei extrem schmalen Hohlschichten in der Wand unter vier Zentimetern Dicke.
  • KNAUF Supafil WLS 035 als faserförmiger, hydrophober Kerndämmstoff. Er empfiehlt sich z. B. für die Dämmung der obersten Geschossdecke. Dieses Material ist zwar teurer als Zellulose, aber hochwertiger und nicht brennbar.”

Anmerkung der Redaktion: Eine gute Übersicht über die verschiedenen Dämmstoffe mit ausführlichen Beschreibungen dazu bietet auch das Fachbuch Wärmedämmung der Verbraucherzentrale NRW.

Mit unserer Checkliste den Handwerker für Ihre Dämmung finden

verschiedene Daemmstoffe(c) IpeG-Institut

Eine Auswahl verschiedener Dämmstoffe.

Bietet der Handwerker eine Auswahl an Produkten an?

Drewer:
  „Sie sollten herausfinden, mit welchen Produkten der Handwerker arbeitet. Bietet er nur wenige Produkte oder gar nur eines an? Das wäre ungünstig. Ein Fachmann sollte immer mehrere Marken zur Auswahl haben, damit für jedes Bauteil das jeweils passende Produkt verwendet werden kann.”

Kennt der Handwerker die Anforderungen der EnEV und der KfW?

Drewer: „Ein Handwerker begeht eine Ordnungswidrigkeit, wenn er dämmt, ohne über die Anforderungen der EnEV und der KfW Bescheid zu wissen. Führt er eine energetische Sanierungsmaßnahme durch, muss er dafür auch eine so genannte ‚Fachunternehmererklärung’ ausstellen. In dieser bestätigt der Handwerker, dass er seine Leistungen nach den Richtlinien der EnEV durchgeführt hat.”

Bietet der Handwerker Ihnen die Möglichkeit zur Mithilfe an?

Drewer: „Einem guten Handwerker sollte auch daran gelegen sein, die Kosten möglichst gering zu halten. Hilft der Auftraggeber durch einfache Handlangerarbeiten mit, kann er extrem viel Geld sparen. Dazu gehören z. B. Löcher bohren, Dämmstoff transportieren und in die Einblasmaschine einwerfen, Spanplatten auf die Decke tragen oder die Baustelle säubern.”

Kann der Handwerker die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme ausrechnen?

Drewer: „Kann ein Handwerker keine konkrete Aussage über die Einsparung einer Maßnahme treffen, weiß er nicht, was er tut. Er sollte seinem Kunden den Vorher-/Nachher-U-Wert und die Energieeinsparung berechnen können.”

Anmerkung der Redaktion: Der ModernisierungsCheck informiert Sie ebenfalls über die Wirtschaftlichkeit von Dämm- und weiteren Modernisierungsmaßnahmen.

Kann der Handwerker bei einer Hohlraumdämmung (von zweischaligem Mauerwerk) eine bauphysikalische Berechnung vorweisen?

Handwerker isoliert Tuer.(c) iStock/dlewis33

Dämmung: Handwerker finden leicht gemacht.

Drewer: „Nimmt ein Handwerker eine Dämmmaßnahme vor, verändert er damit die Physik des Hauses. Deshalb muss er die bauphysikalischen Grundlagen kennen und berechnen können. Bei einer diffusionsdichten Außenhaut können beispielsweise Wasserschäden (Abplatzen der Farbe oder der Klinkeroberfläche) entstehen.”

Welche Referenzen hat der Handwerker?

Drewer: „Die Erfahrung eines Handwerkers ist entscheidend für den Erfolg seiner Arbeit. Wie lange und wie oft hat der Handwerker die Dämmmaßnahme schon durchgeführt? Wer hat ihn geschult? All das sind wichtige Punkte, die der Kunde erfragen soll. Idealerweise hat der Handwerker eine Referenzliste, anhand derer der Auftraggeber frühere Kunden anrufen und befragen kann.”

Energieberater und Handwerker – auf gute Zusammenarbeit!

Nicht jeder kompetente Handwerker kann all diese Punkte leisten. Und viele der genannten Anforderungen kann auch ein erfahrener Energieberater erfüllen. Entscheidend für ein zufriedenstellendes Ergebnis ist daher vor allem die gute Zusammenarbeit zwischen Handwerkern und Energieberatern!
Im Online-Branchenbuch Rat und Tat finden Sie beides – fachkundige Energieberater und qualifizierte Handwerker.

Welche Dämmung in Ihrem Fall die richtige ist, lesen Sie im Artikel Dämmung: Vergleich – innen oder außen. Wie Sie die passende Finanzierung dafür finden, erfahren Sie im Artikel Förderungen und Zuschüsse für Wärmedämmung.

Arnold Drewer ist Geschäftsführer des Instituts für preisoptimierte energetische Gebäudemodernisierung (Ipeg) GmbH.

Autorin: Karin Adolph

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