Programmierbare Thermostate: „Der Verbrauch sinkt und der Komfort steigt”

Thomas Müller ist Redakteur bei der Zeitschrift test, die von Stiftung Warentest herausgegeben wird. Er hält programmierbare Thermostate für sinnvoll. Im Interview erklärt er, wie sich damit Energie sparen lässt, warum noch so wenige Deutsche auf die Technik setzen und worauf Nutzer beim Kauf von programmierbaren Thermostaten achten sollten.

Thomas Müller von Stiftung Warentest hat Heizungsthermostate unter die Lupe genommen.

Hat programmierbare Thermostate unter die Lupe genommen: Thomas Müller von Stiftung Warentest.

Wie viel können Verbraucher durch programmierbare Thermostate sparen? 

Wir haben bei unserem Test von Heizkörperthermostaten eine Beispielrechnung angestellt, bei der sich der Verbrauch um zehn Prozent senken ließ. Bei einer Wohnung mit älteren Doppelglasfenstern und mittlerer Wärmespeicherkapazität der Wände haben wir dabei die Temperatur mit Hilfe von programmierbaren Thermostaten zwischen 9 und 18 Uhr um vier Grad von 21 auf 17 Grad abgesenkt. Wer fleißig ist und jeden Morgen beim Verlassen des Hauses manuell jeden Heizkörper herunterdreht, kann genau so viel einsparen. Aber man muss schon diszipliniert sein: Vergisst man das Runterregeln, gehen die Heizkosten wieder hoch.

Auch aus Komfortgründen sind programmierbare Thermostate sinnvoll

Gibt es weitere Gründe, sich programmierbare Thermostate zu kaufen?

Komfort. Wenn ich als Nutzer will, dass mein Bad morgens warm ist, kann ich den Thermostat entsprechend programmieren. Sonst müsste ich für den gleichen Effekt entweder den Wecker früher stellen oder die Nacht durchheizen. Das gleiche gilt natürlich auch für das Hochheizen der Wohnung, bevor man von der Arbeit zurück kommt: Man kehrt in eine angenehm temperierte Wohnung zurück, die dafür aber nicht den ganzen Tag beheizt werden muss.

Wem empfehlen Sie programmierbare Thermostatventile?

Sie lohnen sich vor allem für Hausbesitzer, die viele Heizkörper haben. Es gibt Systeme, mit denen man die Thermostate fürs ganze Haus einzeln anwählen und programmieren kann. Das erspart viel Aufwand, weil man nicht ständig jeden einzelnen Heizkörper rauf- und runterdrehen muss. Ansonsten empfiehlt sich der Kauf für alle, die sparen wollen, aber nicht diszipliniert genug sind, ständig die Heizkörper rauf- und runterzuregeln.

Hat man viele Heizkörper, eignen sich programmierbare Thermostate

Worauf muss man beim Kauf von programmierbaren Thermostatventilen achten?

Wer viele Heizkörper in der Wohnung oder im Haus hat, die er mit programmierbaren Thermostaten ausstatten will, für den eignen sich besonders solche mit funkgesteuerten Regeleinheiten. Bei wenigen Heizkörpern genügen auch die Geräte, die einzeln programmiert werden müssen. Diese sind oft deutlich günstiger. Der Austausch ist kinderleicht: Einfach die alten Thermostatköpfe abschrauben und die neuen drauf. Es gibt zwei gängige Anschlussarten, den Schnappanschluss und die Schraubmutter. Am besten, man nimmt den alten Thermostatkopf beim Neukauf mit und vergleicht die Anschlüsse im Geschäft. Je nachdem, welchen Anschluss der neue Kopf hat, muss man mitunter einen Adapter dazukaufen.

Was ist der technische Unterschied zwischen programmierbaren und normalen Thermostatventilen?

Der Hauptunterschied ist, dass die normalen Thermostate eine kleine Flüssigkeitskapsel haben, die sich je nach Temperatur ausdehnt oder zusammenzieht. Dadurch schließt und öffnet sich das Ventil mechanisch. Bei den programmierbaren Thermostatventilen ist der Fühler nicht mechanisch, sondern elektronisch und hat einen kleinen Motor. Dafür braucht man Batterien, was natürlich ein Nachteil ist – diese halten aber in der Regel einige Jahre.

Was bringen die Fenstersensoren, die viele Geräte haben?

Die Sensoren erkennen, wann der Nutzer die Fenster zum Lüften öffnet. Das programmierbare Thermostat reagiert und schließt das Ventil. Auch das muss man bisher manuell machen, sonst heizen Sie die Straße.

Programmierbare Thermostatventile sind bisher relativ wenig verbreitet

Viele Haushalte benutzen nach wie vor herkömmliche Thermostatventile. Warum ist die Verbreitung programmierbarer Thermostate vergleichsweise gering?

Mieter finden in der Wohnung funktionierende Thermostate vor, ein Austausch ist also nicht unbedingt notwendig. Viele denken vielleicht, dass sie diszipliniert die Heizung selbst regeln und daher die einfachen Thermostate ausreichen. Für Eigentümer ist es wohl auch eine Preisfrage. Gute nicht programmierbare Thermostate gab es damals ab 8 Euro, die Preise für programmierbare fingen bei 30 Euro an und gingen rauf bis auf 120 Euro für funkgesteuerte Köpfe.

Gibt es weitere Gründe?

Viele wissen nicht, dass die Montage sehr einfach ist, genau wie die Demontage. Das kann jeder selbst machen, ohne Handwerker. Wenn man als Mieter in eine neue Wohnung zieht, kann man die programmierbaren Thermostatventile einfach abschrauben und mitnehmen.


Das Interview mit Thomas Müller wurde im Oktober 2009 geführt.

Weitere Informationen rund um programmierbare Thermostate und herkömmliche Thermostatventile finden Sie im Thermostat-Test, der 2008 in der Zeitschrift „test”  erschienen ist.