Industrie, Verkehr und Haushalte

Deutschland will seine Emissionen bis 2020 um 40 Prozent reduzieren. Dabei sind alle volkswirtschaftlichen Sektoren gefragt, den größten Anteil wird aber sicher der Energiesektor erbringen müssen. Allein dort nämlich entstehen rund 40 Prozent aller deutschen Treibhausgase. Noch beruht hierzulande die Energieerzeugung zu fast zwei Dritteln auf fossilen Brennstoffen wie Braun- oder Steinkohle. Die Bilanz: Für jede erzeugte Kilowattstunde Strom werden im Schnitt mehr als 600 Gramm Kohlendioxid freigesetzt, mehr als in vielen anderen Ländern. Die schnelle Umstellung auf Erneuerbare Energien ist bei der Kohlendioxid-Einsparung im Energiesektor deshalb eine Schlüsselfrage.

Stromleitungen(c) iStock.com/iliffd

lle Experten fordern zudem ein verstärktes Stromsparen, doch bisher verlief die Entwicklung eher umgekehrt: Zwischen 1993 bis 2007 stieg der Verbrauch um 20 Prozent. Rund 70 Prozent des Stroms werden zwar von Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungsfirmen geschluckt. Aber auch Privathaushalte verbrauchen erhebliche Mengen: Würden Verbraucher alle zur Verfügung stehenden Stromsparmöglichkeiten nutzen, könnten innerhalb von zehn Jahren rund 110 Terawattstunden pro Jahr eingespart werden - das entspricht etwa der Leistung von 20 Kohlekraftwerken mit je 800 Megawatt.

Für rund 40 Prozent der energiebedingten Emissionen ist in Deutschland der Wärmemarkt im Gebäudebereich verantwortlich. Bis 2007 war hier der Anteil Erneuerbarer Energien schon auf 7,5 Prozent gestiegen, bis 2020 sollen 14 Prozent erreicht werden. Das CO2-Minderungspotenzial bei Wohngebäuden, etwa durch bessere Wärmedämmung oder moderne Heizungen, ist jedenfalls immens: Rund 31 Millionen Tonnen Kohlendioxid, also etwa vier Prozent des gesamten deutschen Treibhausgas-Ausstoßes, könnten bis 2020 allein hier gespart werden.

Flugzeug im Himmel(c) istock.com/Cameron Strathdee

Bislang vernachlässigt: Verkehr und Landwirtschaft

Schlecht ist die bisherige Klimabilanz im Verkehr: Anders als in den übrigen Sektoren gingen Emissionen hier nicht zurück, sondern sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Der Effekt sparsamerer Motoren wurde durch größere und schwerere Fahrzeuge, vor allem aber durch mehr gefahrene Kilometer überkompensiert. Die Landwirtschaft trägt derzeit mit etwa 5,4 Prozent beziehungsweise 11,2 Prozent zu den gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland bei – je nachdem, ob nur die direkten Emissionen oder beispielsweise auch Effekte einer veränderten Landnutzung berücksichtigt werden oder nicht. Vorrangig geht es im Agrarsektor um die Treibhausgase Methan oder Lachgas, die etwa in der Viehzucht oder durch Kunstdünger freigesetzt werden. Aber auch der Umbruch von Grünland oder die Entwässerung von Mooren sind schlecht fürs Klima – sie führen dazu, dass gespeicherter Kohlenstoff als Kohlendioxid in die Atmosphäre entweicht.

In Deutschland führt das Umweltbundesamt die offiziellen Statistiken über Emissionen – zum Beispiel durch die Deutsche Emissionshandelsstelle, der seit 2005 Energiewirtschaft und Teile der Industrie Verschmutzungszertifikate für ihre jährliche Kohlendioxid-Emissionen vorlegen müssen. Durch den Handel mit diesen CO2-Zertifikaten sollen Anreize zum Sparen gesetzt werden, denn nicht verbrauchte Papiere können gewinnbringend weiterverkauft werden. In der Praxis funktioniert das allerdings nur begrenzt: Emissionshöchstgrenzen wurden bislang eher großzügig gesetzt, ein Großteil der Zertifikate wird zudem kostenlos zur Verfügung gestellt. Und auch in Sachen Vollständigkeit sind sowohl die Statistiken als auch der Emissionshandel verbesserungswürdig: Der CO2-Ausstoß von Handelsschiffen und Flugzeugen wird bisher nirgends erfasst oder reguliert.

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