Boiler oder Durchlauferhitzer: ein Überblick

Wer die Modernisierung oder Neuinstallation seiner Warmwasser-Versorgungsanlage plant, muss sich zwischen verschiedenen Systemen entscheiden. Zentral oder dezentral, Boiler, Durchlauferhitzer oder Wärmepumpe? Wir geben Ihnen einen Überblick über die Systeme und beantworten die wichtigsten Fragen.

Prüfen Sie Ihren Wasserverbrauch!

Welcher Warmwasserverbrauch ist normal? Mit unserem Warmwasser-Rechner vergleichen Sie Ihre Werte mit denen ähnlicher Haushalte:

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • dezentral: Wasser wird mit Durchlauferhitzer oder Kleinspeicher direkt an Zapfstelle (Dusche, Spüle, Waschbecken) erwärmt 
  • zentral: Wasser wird für alle Zapfstellen von der Heizanlage erwärmt und in zentralem Wasserspeicher gespeichert 
  • Durchlauferhitzer: Beheizung mit Strom oder Gas 
  • für zentrale Warmwasserbereitung kommen alle Brennstoffe sowie erneuerbare Energien infrage 
  • auch Mischformen (dezentral und zentral) möglich 

Boiler oder Durchlauferhitzer? Auf den Wasserverbrauch kommt es an

127 Liter

So viel Wasser verbraucht jede/r Deutsche durchschnittlich am Tag.

127

Der erste Schritt beim Optimieren oder Modernisieren der Warmwasserversorgung sollte eine realistische Einschätzung des eigenen Verbrauchs sein. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft benötigt jede/r Deutsche am Tag durchschnittlich rund 127 Liter Wasser. Der Anteil des warmen Wassers liegt etwa bei 35 bis 45 Litern pro Person und Tag. Diese Werte hängen vor allem von den Voraussetzungen und persönlichen Gewohnheiten ab. Und diese können sich rasch ändern:

Bei der Neuinstallation der Wasserbereitung spielen bauliche Gegebenheiten eine wichtige Rolle, ob eine zentrale oder dezentrale Warmwasserbereitung oder die Kombination aus beiden sinnvoll ist. Bei der Modernisierung ihres Eigenheims sind Hausbesitzer*innen in den meisten Fällen an das bestehende System gebunden. Es sei denn, sie nehmen umfassende und oft sehr kostspielige Sanierungsmaßnahmen wie eine Baderneuerung oder den Einbau einer neuen Heizung vor. Doch auch ohne den kompletten Austausch der Warmwasserbereitung gibt es für Eigentümer*innen und Mieter*innen viele Möglichkeiten zum Wasser- und Kostensparen.

Was bedeutet dezentrale Warmwasserbereitung?

Auf dem Bild ist ein weißer Boiler im Keller zu sehen.(c) www.iStock.com / meailleluc

Bei der dezentralen Warmwasserversorgung wird Trinkwasser dort erwärmt, wo es gebraucht wird: unmittelbar an den einzelnen Zapfstellen wie Dusche, Spüle und Waschbecken. Dazu stehen verschiedene Systeme zur Wahl: Boiler, Durchlauferhitzer und Gasetagenheizungen:

Boiler halten das Warmwasser vor

Kleinspeicher, Tisch- und Wandspeicher, umgangssprachlich auch „Boiler“ genannt, werden entweder über oder unter der Zapfstelle, also beispielsweise unter einem Waschbecken oder über einer Dusche angebracht. Sie besitzen meist ein Fassungsvolumen zwischen 5 bis 15 Litern. Ihre größeren Verwandten, die Tisch- und Wandspeicher, können dagegen 30 bis 150 Liter Wasser fassen. Sie lassen sich in die Küchenzeile integrieren oder an der Wand befestigen. Alle Speicher funktionieren nach demselben Prinzip: Sie erwärmen das Leitungswasser auf eine voreingestellte Temperatur und speichern es bis zum Gebrauch.

Durchlauferhitzer erwärmt das Wasser nach Bedarf

Ein Durchlauferhitzer besitzt eine starke Heizleistung und erwärmt das Wasser „im Vorbeifließen“, sobald der Warmwasserhahn aufgedreht wird. Obwohl es einige mit Gas betriebene Geräte gibt, werden die meisten Durchlauferhitzer mit Strom betrieben.

Gasetagenheizung als Sonderform

Eine Sonderform der dezentralen Bereitung von Warmwasser sind Gasetagenheizungen. Hier wird für jede Wohnung einzeln ein leistungsstarker Gas-Durchlauferhitzer genutzt, der alle Zapfstellen mit Warmwasser versorgt. Sie werden überwiegend in Altbauten mit mehreren Wohneinheiten, aber auch in Einfamilienhäusern verwendet. Auch leistungsstarke Stromdurchlauferhitzer und große Elektrospeicher kommen für die wohnungszentrale Warmwasserversorgung infrage. Diese Lösung ist in der Regel kostengünstiger, als die Wohnungen mit mehreren kleinen Speichern auszurüsten.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem dazugehörigen Fachbeitrag: 

Zum Artikel: Dezentrale Warmwasserbereitung

 

Was bedeutet zentrale Warmwasserbereitung?

Geschirrabwasch im Spülbecken.(c) www.pexels.com | Sarah Chai

Bei der zentralen Bereitung übernimmt die Heizanlage die Aufgabe und versorgt alle Zapfstellen eines Hauses mit Warmwasser. Das Wasser wird im Kessel erwärmt und meist in einem Warmwasserspeicher gespeichert. Die Wasserverteilung im Haus passiert über zwei getrennte (für kalt und für warm) Wasserleitungsnetze.

Boiler im zentralen System

Bolier und Warmwasserspeicher werden häufig synonym verwendet, obwohl es zwei unterschiedliche Systeme sind. Ein Boiler ist meist ein kleiner Warmwasserspeicher, der, anders als sein großer Bruder, unabhängig vom zentralen Heizkessel funktioniert. Stattdessen wird er meist mit Strom oder Gas betrieben.

Frischwasserstation als Sonderform

Eine Sonderform der zentralen Warmwasserbereitung sind Frischwasserstationen: Frischwasserstationen funktionieren ähnlich wie Durchlauferhitzer und erwärmen das Wasser nur bei Bedarf. Allerdings ist die Wärmequelle hier die Heizung: Wird warmes Wasser benötigt, fließt es durch die Frischwasserstation und wird hier über den Wärmetauscher im Durchfluss vom Heizungswasser erwärmt. Detailliierte Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem dazugehörigen Fachbeitrag:

Zum Artikel: Die zentrale Warmwasserbereitung

Mischsysteme der Warmwasserbereitung

Eine effiziente Warmwasserbereitung richtet sich immer auch nach den baulichen Gegebenheiten eines Gebäudes. Deshalb ist es manchmal ratsam, zentrale und dezentrale Warmwasserversorgung miteinander zu kombinieren. Zum Beispiel kann eine zentrale Warmwasserversorgungsanlage um eine dezentrale Komponente erweitert werden, wenn eine Zapfstelle sehr weit vom zentralen Warmwasserspeicher entfernt liegt.

Ein klassisches Beispiel für ein solches Mischsystem ist ein etwas abseits liegendes Gäste-WC, auf dem nur selten und sehr wenig Warmwasser benötigt wird. Für einen Anschluss an den zentralen Warmwasserspeicher würde in diesem Fall eine lange Leitung benötigt, bei der relativ große Leitungsverluste auftreten. Deshalb kann es sinnvoll sein, die einzelne Zapfstelle mit einem dezentralen Boiler oder Durchlauferhitzer auszustatten.

Kostenvergleich: dezentrale und zentrale Warmwasserbereitung

Wasser sparen ist nicht schwer: Mit den "10 besten Tipps" erfahren Sie, wie Sie mit wenig Aufwand Wasser und Energie sparen können.(c) K.-U. Häßler - Fotolia

Beim Vergleich der Kosten von Boiler und Durchlauferhitzer muss man die Systeme getrennt voneinander betrachten: Wie hoch sind die Kosten der zentralen Warmwasserbereitung im Vergleich zur dezentralen Warmwasserbereitung mit Strom oder Gas?

Fossile und biogene Festbrennstoffe (Holzpellets, Scheitholz, Holzhackschnitzel) haben gegenüber Strom einen deutlichen Preisvorteil. Daher sind die Kosten für warmes Wasser mit einem Boiler über das Heizsystem in der Regel geringer als bei einem Durchlauferhitzer mit Strom. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass das zentrale System korrekt eingestellt ist und keine unnötig hohen Verteil- und Speicherverluste auftreten. Konkret heißt das:

  • Es gibt einen effizienten Heizkessel,
  • Warmwasserspeicher und Verteilleitungen sind gut gedämmt,
  • in Mehrfamilienhäusern ist eine hocheffiziente Zirkulationspumpe installiert,
  • in Einfamilienhäusern wird auf eine Zirkulation verzichtet und Zapfstellen, die weit von der Wärmeerzeugungsquelle entfernt liegen, werden vermieden bzw. mit einem vollelektronischen Durchlauferhitzer ausgestattet.

Außerdem sollte geprüft werden, ob der Einsatz erneuerbarer Energien, wie zum Beispiel Solarthermie, sinnvoll ist. Dadurch lassen sich ebenfalls Kosten und CO2-Emissionen sparen.

Vergleicht man die zentrale Warmwasserbereitung über die Heizanlage mit Erdgas oder Heizöl mit einer dezentralen Warmwasserbereitung mit Gas-Durchlauferhitzern (u. a. bei Gasetagenheizungen), ist letztere meist kostensparender, da bei gleichen Energiepreisen kaum Verteil- und Speicherverluste auftreten.

Boiler für Gebäudebestand und Durchlauferhitzer für Neubau?

Auf dem Bild sind eine Badewanne, laufendes Wasser und eine ein Arm zu sehen.(c) www.co2online.de | Phil Dera

Ob ein Boiler oder ein Durchlauferhitzer für ein Gebäude sinnvoll ist, lässt sich nur individuell beantworten. Einer der Einflussfaktoren ist wie bereits erwähnt das Wasserverbrauch. Denn ein Boiler bietet sich meist bei Haushalten mit größerem Warmwasserbedarf an.

 

Beispiel: Gebäude mit bestehender Warmwasserbereitung

Grundsätzlich ist für Gebäude mit einer bereits bestehenden, dezentralen Warmwasserbereitung die Umstellung auf eine zentrale Warmwasserbereitung in den allermeisten Fällen wirtschaftlich nicht sinnvoll. Dazu müsste durch das ganze Haus ein neues Rohrnetz gelegt werden. Das kann zu Problemen mit Schallbrücken und dem Brandschutz führen.

Ähnliches gilt für ein bereits bestehendes zentrales System: Auch hier würden beim Umbau auf ein dezentrales Warmwassersystem erhebliche Installationskosten und Umbaumaßnahmen anfallen. Empfehlenswert ist es daher, die bestehende Warmwasserbereitung mit entsprechenden Maßnahmen zu optimieren.

Warmwasserbereitung im Neubau

Auf dem Bild ist das Dach eines Hauses mit Solarthermie-Anlage abgebildet.(c) www.co2online.de | Alois Müller

Wird eine Warmwasserbereitung im Neubau geplant, dann gibt es mit Blick auf die Kosten und CO2-Emissionen mehrere Möglichkeiten:
• Eine zentrale Warmwasserbereitung in Kombination mit einer Solarthermieanlage oder Wärmepumpe.
• Eine dezentrale Warmwasserbereitung mit hocheffizienten elektronischen Durchlauferhitzern unter Einsatz von selbst erzeugtem Solarstrom.

Sollen mehrere Zapfstellen in Ein- und Mehrfamilienhäusern mit Warmwasser versorgt werden, bieten sich zentrale Systeme als eine kosten- und platzsparende Wahl. Werden zusätzlich erneuerbare Energien integriert, schneiden sie mit einer guten CO2-Bilanz ab. Wegen des steigenden Anteils von Strom aus erneuerbarer Energie am deutschen Strommix (2021 waren es  41Prozent*) und dem möglichen Einsatz von selbst erzeugtem Solarstrom sind aber mittlerweile auch dezentrale Systeme zu einer Kosten- und CO2-sparenden Alternative geworden. Damit entfällt auch die Legionellen-Problematik.

Boiler oder Durchlauferhitzer: Vor- und Nachteile im Vergleich

VorteileNachteile
BoilerWarmwasser fast ohne Verzögerung verfügbarWasser wird konstant warmgehalten - hohe Kosten
Viele Zapfstellen können gleichzeitig mit warmem Wasser versorgt werden.Größere Gefahr der Keimbildung, zum Beispiel Legionellen.
Keine Temperaturschwankungen
Dezentrale Warmwasserbereitung Da das Wasser genau dort erwärmt wird, wo es gebraucht wird, entstehen keine Leitungsverluste. Es dauert lange, bis Warmwasser aus dem Hahn fließt
Bei Durchlauferhitzern besteht keine Gefahr der Keimbildung, zum Beispiel durch Legionellen.Bei älteren Geräten kann die Wassertemperatur schwanken.
Moderne Geräte lassen sich gradgenau einstellen und helfen, Kosten zu sparen. 

Autorin: Indra Jungblut

 

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