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Interview: Lohnt sich eine Wärmepumpe?

Wärmepumpen können eine umweltfreundliche Alternative zu konventionellen Heizsystemen bieten. Aber rentieren Sie sich auch für die Haushaltskasse? Wann sich Wärmepumpen lohnen, welche Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten es gibt und ob eine Wärmepumpe auch zu Ihrem Zuhause passt, erklärt Udo Peters, Referent für Energietechnik von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, in unserem Interview.

Udo Peters, Energieexperte Verbraucherzentrale NRW(c) Verbraucherzentrale NRW

Udo Peters, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW

Sind Wärmepumpen nur etwas für Idealisten oder lohnen sie sich auch finanziell?

Ob und in welchem Umfang sowohl Klima als auch Hauskonto vom Einbau einer Wärmepumpe profitieren, hängt entscheidend von deren Effizienz ab, also davon, wie viel Umweltwärme über das Jahr tatsächlich genutzt werden kann. Maßstab hierfür ist die Jahresarbeitszahl. Die Werbung suggeriert häufig, dass man für 100 Prozent Heizenergie nur 25 Prozent Strom braucht; das entspricht einer Jahresarbeitszahl von 4,0. Dies ist zwar grundsätzlich möglich, die in der Praxis erreichten Jahresarbeitszahlen liegen aber häufig darunter. Bei Geräten, die als Wärmequelle die Außenluft nutzen, wird meist nicht einmal eine Jahresarbeitszahl von 3,0 erzielt. Die Verluste bei der heutigen Stromerzeugungstechnik und Übertragungstechnik werden erst ab einer Jahresarbeitszahl von 2,6 kompensiert.

In welchem Umfang Heizkosten eingespart werden, hängt von den Energiepreisen ab. Als Faustregel kann gelten: Die Jahresarbeitszahl muss größer sein als der Strompreis dividiert durch den Erdgas- oder Heizölpreis, jeweils pro Kilowattstunde (kWh). Beispiel: Bei 20 Cent pro Kilowattstunde (Ct./kWh) Wärmepumpenstromtarif und 5 Ct./kWh Erdgaspreis muss die Jahresarbeitszahl mindestens 4,0 (also 20 dividiert durch 5) betragen. Damit sich die höheren Investitionskosten einer Wärmepumpe überhaupt rechnen, bieten viele Energieversorger Sondertarife für Wärmepumpen an. Die damit verbundenen Abschaltzeiten müssen dann bei der Anlagenplanung berücksichtigt werden (Pufferspeicher). Ratsam ist auch zu prüfen, ob im Bedarfsfall ein Anbieterwechsel möglich ist.

Welche Wärmepumpe ist für welchen Haushalt am besten geeignet?

Wärmepumpen können Umweltwärme aus unterschiedlichen Quellen anzapfen: Grundwasser mit Hilfe von Brunnen, Erdwärme mit Flächenkollektoren oder Erdsonden. Auch der Umgebungsluft kann Wärme entzogen werden, am wenigsten allerdings im Winter – gerade dann, wenn am meisten Wärme gebraucht wird. Dies ist ein entscheidender Nachteil für die Effizienz der Wärmepumpe, die eine ganzjährig möglichst hohe Temperatur der Quelle und eine möglichst niedrige Temperatur der Heizflächen braucht. Wärmepumpen, die Grundwasser oder Erdwärme nutzen, erreichen daher deutlich höhere Jahresarbeitszahlen. Allerdings sind hier auch die Investitionskosten wesentlich höher.

Auch muss im Einzelfall geprüft werden, ob ausreichend Fläche für einen Erdkollektor zur Verfügung steht und ob sich der Untergrund eignet. In jedem Fall empfiehlt sich eine Grundwasseranalyse bzw. ein Bodengutachten. Brunnen- und Sondenbohrungen bedürfen zusätzlich der Genehmigung durch die untere Wasserbehörde. Die zweite Voraussetzung für effizienten und sparsamen Betrieb – niedrige Temperatur der Heizflächen – wird idealerweise von Fußboden- oder Wandheizungen erfüllt. Im Neubau wird aber auch mit Heizkörpern noch eine gute Effizienz erreicht.

Wärmepumpen lohnen sich – in gut gedämmten Gebäuden

Im Altbau mit Vorlauftemperaturen von häufig 70 °C und mehr sollte zuerst das Gebäude gut gedämmt werden, sodass die Vorlauftemperatur auch an kalten Tagen 50 °C nicht übersteigt. Zusätzlich können Heizkörper ausgetauscht oder Heizflächen vergrößert werden. Bisher werden für Wohngebäude meist Elektro-Wärmepumpen eingesetzt. Erste Erdgas-Wärmepumpen sind am Markt oder in der Erprobung. Sie erfordern bei gleicher Effizienz wesentlich geringere Kollektorflächen bzw. Sondentiefen. Das begünstigt die Erdwärmenutzung – gute Wärmedämmung vorausgesetzt – besonders im Gebäudebestand, wo es schon einen Gasanschluss, aber ein nur sehr begrenztes Flächenangebot gibt.

Förderantrag des Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) für eine Wärmepumpe auf einem Tisch

Einfach den Förderantrag ausfüllen: Das BAFA gibt für den Einbau effizienter Wärmepumpen Zuschüsse.

Welche Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten gibt es?

Der Einbau effizienter Wärmepumpen für die kombinierte Warmwasserbereitung und Beheizung bestehender Wohngebäude wird duch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert. Informationen zu Fördermöglichkeiten finden Sie auf der Website des BAFA.

Gibt es in der Regel eine Garantie des Herstellers?

Zunächst gilt die gesetzliche Gewährleistung nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch oder der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen. Einzelne Hersteller und Fachbetriebe gehen jedoch darüber hinaus. Die Verbraucherzentralen empfehlen, die Anlage als Komplettleistung aus einer Hand zu beauftragen und dabei zertifizierte Fachbetriebe zu bevorzugen. Außerdem sollte mit dem Fachbetrieb eine Mindest-Jahresarbeitszahl unter den verabredeten Randbedingungen wie Raumtemperatur, Warmwasserverbrauch, Messeinrichtungen vereinbart werden. Eine Mustervereinbarung wird von den Energieberatungskräften der Verbraucherzentralen in der persönlichen Beratung erläutert und zur Verfügung gestellt.

Ist es ratsam, eine Wärmepumpe zu versichern?

Nein, eine spezielle Versicherung ist nicht nötig.

Gibt es ansonsten regelmäßige Wartungskosten?

Moderne Wärmepumpen sind robust und wenig störanfällig. Die Kosten sind bei einer sorgfältig geplanten und installierten Anlage nicht wesentlich höher als bei Gas- oder Ölkesselanlagen. Anders als konventionelle Heizungsanlagen reagieren Wärmepumpen allerdings empfindlich auf Störungen, falsch eingestellte Regelung oder Änderung des Nutzerverhaltens, etwa höheren Warmwasserverbrauch oder erhöhte Raumtemperaturen. Um unliebsame Überraschungen bei der nächsten Stromrechnung zu vermeiden, empfiehlt sich daher eine regelmäßige Wartung und Überprüfung der Effizienz anhand eines Wärmemengenzählers und eines Stromzählers. Diese Messeinrichtungen sind auch Voraussetzungen für eine Förderung durch das BAFA und sind in modernen Wärmepumpen bereits integriert.

Wie viel an Heizkosten kann durch Wärmepumpen Jahr für Jahr gespart werden?

Das hängt von der im Betrieb erreichten Jahresarbeitszahl und dem Verhältnis von Wärmepumpenstrompreis und – vergleicht man beispielsweise mit einem Gasbrennwertkessel – dem Erdgaspreis ab. Eine Erdwärmepumpenanlage mit einer Jahresarbeitszahl mindestens 4,0 kann bei heutigen Preisen bis zu 50 Prozent der Energiekosten einsparen.

Wie lange dauert es dann, bis ich das Geld für die Wärmepumpe wieder drin habe?

Geht man von heutigen Preisniveaus aus und unterstellt, dass Energiepreise und Kapitalzinsen sich zukünftig ähnlich entwickeln, so amortisieren sich die höheren Investitionskosten effizienter Wärmepumpenanlagen etwa nach zehn Jahren.

Weitere Informationen zu Wärmepumpen einholen

Wenn ich nun als Verbraucher noch weitere Fragen zu Wärmepumpen habe – wie kann ich eine Verbraucherzentrale kontaktieren?

Die Energieberatung der Verbraucherzentralen berät bundesweit auch zu Wärmepumpen. Verbraucher können in allen Beratungsstellen und -stützpunkten Termine für eine 30-minütige persönliche Energieberatung für 5 Euro (Förderung durch Bundeswirtschaftsministerium) vereinbaren. Termine kann man über die Website der Verbraucherzentrale Energieberatung vereinbaren. In Nordrhein-Westfalen können Verbraucher darüber hinaus die Energieexperten auch zu sich nach Hause kommen lassen. Das bietet sich an, wenn man größere Vorhaben, wie zum Beispiel eine Heizungserneuerung plant. Der 90-minütige Vor-Ort-Service kostet dank EU- und Landesförderung 60 Euro. Termine kann man über die Website www.verbraucherzentrale.nrw/energieberatung vereinbaren.

 

Anmerkung der Redaktion: Dieses Interview wurde im Mai 2017 aktualisiert.

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