Durchlauferhitzer: Der große Ratgeber

09.12.2022 Lesedauer: min Minh Duc Nguyen und Indra Jungblut

Ein Mann und eine Frau prüfen mit Taschenrechner und Laptop Dokumente

Morgens unter der Dusche, abends beim Abwasch: Warmes Wasser gehört zu den Selbstverständlichkeiten des Alltags – ebenso wie die entsprechende Strom- bzw. Energiekostenrechnung. Wer seinen Energieverbrauch senken möchte, kommt früher oder später an der Warmwasserbereitung und in vielen Fällen am Durchlauferhitzer nicht vorbei. Das Gerät erwärmt das Wasser nur dann, wenn es gebraucht wird. Es gibt keinen Vorratsbehälter, keine Bereitschaftsverluste und keinen dauerhaft aufgeheizten Speicher. Doch welches Modell passt zu welchem Haushalt? Welche Förderung gibt es? Und wie lässt sich beim Betrieb noch mehr Strom sparen? Antworten auf diese und weitere Fragen lesen Sie hier. 

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • dezentral: Wasser wird mit Durchlauferhitzer oder Kleinspeicher direkt an der Zapfstelle (Dusche, Spüle, Waschbecken) erwärmt
  • zentral: Wasser wird für alle Zapfstellen von der Heizanlage erwärmt und in zentralem Wasserspeicher gespeichert
  • Durchlauferhitzer: Beheizung mit Strom oder Gas
  • für zentrale Warmwasserbereitung kommen alle Brennstoffe sowie erneuerbare Energien infrage
  • auch Mischformen (dezentral und zentral) möglich 

Was ist ein Durchlauferhitzer?

Ein Durchlauferhitzer erhitzt kaltes Leitungswasser im Durchlaufprinzip: Sobald der Wasserhahn geöffnet wird, strömt das Wasser durch das Gerät und wird dort elektrisch oder mit Gas auf die gewünschte Temperatur gebracht. Es gibt keinen Vorratsbehälter – das Wasser wird nur bei Bedarf erwärmt.

Gegenüber einem zentralen Warmwassersystem oder einem Boiler entfallen dadurch:

  • Bereitschaftsverluste durch dauerhaft aufgeheiztes Wasser
  • lange Warmwasserleitungen, in denen das Wasser abkühlt
  • regelmäßiges Aufheizen eines Speichers

Das macht den Durchlauferhitzer besonders interessant für Haushalte mit niedrigem oder punktuellem Warmwasserbedarf sowie für einzelne Zapfstellen wie Bad, Küche oder Gäste-WC.

Eine Person spült einen Teller mit einer Bürste ab

Alternativen zum Durchlauferhitzer

Bevor Sie sich für ein Gerät entscheiden, lohnt ein Blick auf die grundsätzlichen Alternativen der Warmwasserbereitung.

Zentrale Warmwasserversorgung

Bei der zentralen Versorgung wird Warmwasser über die Heizungsanlage – meist eine Gas- oder Wärmepumpenheizung – erzeugt und über ein Leitungssystem in der Wohnung verteilt. Das ist praktisch, wenn ohnehin eine moderne Heizung vorhanden ist. Nachteil: Lange Leitungswege führen dazu, dass das Wasser zunächst ablaufen muss, bis es warm ankommt – das verschwendet Wasser und Energie.

Boiler (Warmwasserspeicher)

Ein Boiler hält ein bestimmtes Wasservolumen (häufig 5 bis 200 Liter) dauerhaft auf Temperatur. Er eignet sich gut, wenn gleichzeitig an mehreren Zapfstellen warmes Wasser benötigt wird. Nachteil: Auch wenn kein Wasser abgerufen wird, verbraucht er Energie, um das Wasser warm zu halten (Bereitschaftsverlust).

Wann lohnt es sich, sich von seinem alten Durchlauferhitzer zu verabschieden? Für Markus aus Bonn war irgendwann klar: „Unser alter Durchlauferhitzer hat nur noch wenig Wasser durchgelassen und unsere Stromrechnung in die Höhe getrieben.“

Welche Arten von Durchlauferhitzern gibt es?

Grundsätzlich lassen sich Durchlauferhitzer in elektrische und gasbetriebene Modelle unterteilen. Elektrische Modelle sind die in deutschen Haushalten am häufigsten genutzte Geräte. Sie benötigen keinen Gasanschluss und können nahezu überall installiert werden. Je nach Bauart und Leistung werden die Geräte Durchlauferhitzer oder Kleindurchlauferhitzer bzw. Mini-Durchlauferhitzer genannt. 

(Komfort-)Durchlauferhitzer & Co. im Bad

Egal ob zum Zähneputzen, Duschen oder für ein Wannenvollbad: Nach dem Öffnen des Zapfhahnes soll Wasser in der gewünschten Temperatur zur Verfügung stehen – und zwar schnell und in ausreichender Menge. Bei der Wahl des passenden Gerätes entscheidet die Leistung des Durchlauferhitzers, in welcher Menge und mit welcher Temperatur er das warme Wasser liefern kann.

Die meisten Hersteller empfehlen für den Einsatz im Badezimmer sogenannte Komfort-Durchlauferhitzer mit mindestens 18 kW. Je nach Modell und Preisklasse können die Geräte mehrere Entnahmestellen gleichzeitig versorgen. Hochpreisige Durchlauferhitzer sind außerdem mit Zusatzfunktionen wie Kindersicherung, ECO-Modus oder Fernbedienung ausgestattet.

(Kompakt-)Durchlauferhitzer & Co. in der Küche

In der Küche liegt das Augenmerk bei der Warmwasserinstallation zu gleichen Teilen auf Komfort und Sicherheit. Schließlich werden hier im Vergleich zum Bad unter Umständen deutlich höhere Wassertemperaturen benötigt. Doch das hängt ganz von den Gewohnheiten ab. Manche spülen ihr Geschirr bei 35 Grad Celsius, andere waschen mit bis zu 50 Grad heißem Wasser ab. Diese Nutzungsgewohnheiten bestimmen auch, welche Geräte sinnvollerweise installiert werden sollten.

Hinzu kommt, dass die meisten Geräte unterm Spülschrank eingebaut werden und daher sehr kompakt sein sollten. In der Praxis kommen häufig sogenannte Kompakt-Durchlauferhitzer mit einer Leistung von 11 bis 13,5 kW zum Einsatz. Sie können bis zu zwei Zapfstellen mit gleichbleibendem Warmwasser versorgen.

(Mini)Durchlauferhitzer & Co. in der Gästetoilette und Waschküche

Auf dem Gäste-WC oder in der Waschküche wird warmes Wasser eher selten und nur in geringen Mengen benötigt. Meist geht es darum, sich die Hände zu waschen. Für den Einsatz in diesen Räumen sind Mini-Durchlauferhitzer beziehungsweise Kleindurchlauferhitzer das Produkt der Wahl. Die Geräte sind äußerst kompakt und benötigen für den Betrieb keinen Starkstromanschluss. Ihre Leistungsspanne reicht von 3,5 kW bis 6,5 kW. Einen Kleinspeicher für solche Räume zu verwenden, wäre unnötig. Denn warmes Wasser dauerhaft vorzuhalten, das nicht gebraucht wird, ist unwirtschaftlich.

Hydraulisch, elektrisch, vollelektrisch: Regelungen im Vergleich

Elektrische Durchlauferhitzer werden unterschiedlich gesteuert beziehungsweise geregelt. Es gibt sie als hydraulische, elektrisch gesteuerte, elektrisch geregelte und vollelektrisch gesteuerte Modelle.

Hydraulische Durchlauferhitzer arbeiten abhängig vom Wasserdruck: ein Mechanismus, der zu Temperaturschwankungen führen kann. Wird beispielsweise an einer zweiten Zapfstelle der Wasserhahn aufgedreht, kommt es zu einem plötzlichen Temperaturabfall. Nach kurzer Verzögerung schaltet sich der Durchlauferhitzer auf eine höhere Stufe, um größere Wassermengen zu erwärmen. Sobald die andere Zapfstelle wieder geschlossen wird, ist das Wasser dann allerdings zu heiß. Im Vergleich zu Durchlauferhitzern mit elektrischer Regelung bedeutet dies einen hohen Komfortverlust.

Etwas teurer, aber dafür komfortabler und energiesparender sind elektronisch gesteuerte Durchlauferhitzer. Bei ihnen treten kaum Schwankungen der Wassertemperatur auf, auch wenn mehrere Zapfstellen gleichzeitig mit warmem Wasser versorgt werden. Ein weiterer Vorteil: Die gewünschte Wassertemperatur lässt sich nahezu gradgenau am Gerät einstellen. Damit wird kein Wasser verschwendet, bis die richtige Temperatur gefunden ist. Die Geräte haben zwei Sensoren und messen die Zulauftemperatur und die Durchflussmenge.

Die verbesserte Variante der elektrischen Durchlauferhitzer sind elektronisch geregelte Geräte. Sie messen nicht nur die Zulauftemperatur und die Durchflussmenge, sondern auch die Auslauftemperatur. Sie verfügen sozusagen über eine Kontrollfunktion.

Im Vergleich zu anderen Durchlauferhitzern haben vollelektronisch gesteuerte Geräte nicht nur drei Sensoren, sondern auch ein Motorventil. Dieses soll für eine noch genauere Temperaturregulierung durch den Durchlauferhitzer selbst sorgen. 

Durchlauferhitzer kaufen: Worauf Sie beim Vergleich achten sollten

Ob ein Boiler oder ein Durchlauferhitzer für ein Gebäude sinnvoll ist, lässt sich nur individuell beantworten. Einer der Einflussfaktoren ist wie bereits erwähnt das Wasserverbrauch. Denn ein Boiler bietet sich meist bei Haushalten mit größerem Warmwasserbedarf an.

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1. Leistung (Kilowatt)

Die benötigte Leistung hängt von der gewünschten Anwendung ab:

  • Handwaschbecken: 3,5 – 5,5 kW
  • Küchenspüle: 5,5 – 7 kW
  • Dusche: 18 – 21 kW
  • Badewanne: 24 – 27 kW

Wählen Sie die Leistung passend zum Verwendungszweck – ein zu starkes Gerät verbraucht unnötig Strom, ein zu schwaches liefert nicht genug warmes Wasser.

2. Druckfest oder drucklos?

Drucklose Modelle sind günstiger und einfacher zu installieren, erfordern aber spezielle Armaturen. Druckfeste Modelle sind flexibler einsetzbar und für Duschen unverzichtbar.

3. Temperaturregelung

Achten Sie auf eine präzise, stufenlose Temperaturregelung. Elektronisch gesteuerte Modelle bieten hier deutliche Vorteile gegenüber rein hydraulischen Geräten.

4. Energieeffizienz

Moderne Geräte mit elektronischer Steuerung passen ihre Leistung automatisch an den tatsächlichen Bedarf an. Das spart Strom im Vergleich zu älteren Modellen mit fester Leistungsstufe.
5. Anschluss und Installation

Elektrische Hochleistungsgeräte (ab ca. 18 kW) benötigen einen Drehstromanschluss (400 V). Kleinere Geräte laufen an einer normalen Steckdose (230 V). Die Installation sollte immer durch eine Elektrofachkraft erfolgen.

6. Sicherheitsmerkmale

Achten Sie beim Kauf auf folgende Sicherheitsfunktionen:

  • Verbrühschutz: Begrenzt die maximale Auslauftemperatur – besonders wichtig in Haushalten mit Kindern oder älteren Personen.
  • Kindersicherung: Verhindert unbeabsichtigtes Verstellen der Temperatur.
  • Überhitzungsschutz: Schaltet das Gerät bei zu hoher Temperatur automatisch ab.
  • Lufterkennung: Registriert Luft in der Leitung und verhindert so Schäden am Gerät. Nicht alle Modelle bieten diese Funktion.

- Schutzart IP25: Schützt das Gerät vor Strahlwasser – wichtig für den Einsatz in Dusche oder Bad.

7. Marken, Modelle und Preise

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Preissegment
Leistung
Beispielmodelle
Preis (ca.)
Einstieg
3,5 – 6,5 kW
Stiebel Eltron DNM 3, AEG MTH 350
80 – 200 Euro
Mittelklasse
11 – 18 kW
AEG 230769, Stiebel Eltron DCE RC, Bosch Tronic Comfort Plus
270 – 400 Euro
Oberklasse
21 – 27 kW
Stiebel Eltron DEL Plus, Vaillant VED plus, Bosch Tronic 7000
470 – 700 Euro
Auflistung von Marken, Modellen und Preisen

Die bekanntesten Hersteller am deutschen Markt sind Stiebel Eltron, Vaillant, AEG, Bosch und Viessmann. Die Preise variieren, wie in der Tabelle drüber zu sehen, je nach Leistungsklasse und Ausstattung erheblich.

Wer konkrete Modelle vergleichen möchte, findet in aktuellen Vergleichstests häufig Geräte wie den Stiebel Eltron DEL Plus (Oberklasse, ab ca. 500 Euro) oder den Stiebel Eltron DHB-E (Mittelklasse, ab ca. 408 Euro) unter den empfohlenen Produkten. Beide überzeugen mit elektronischer Regelung, Kindersicherung und Energieeffizienzklasse A. 

**Hinweis:** Preise können je nach Händler und Zeitpunkt variieren. Vergleichen Sie vor dem Kauf aktuelle Angebote.

Vor- und Nachteile des Durchlauferhitzers auf einen Blick

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Vorteile
Nachteile
Keine Bereitschaftsverluste – Energie nur bei Bedarf
Hohe Stromkosten bei größeren Mengen Warmwasser
Unbegrenzt warmes Wasser (kein leerer Speicher)
Hochleistungsgeräte brauchen Drehstromanschluss (400 V)
Kein Legionellenrisiko durch stehendes Warmwasser
Ältere hydraulische Modelle regeln Temperatur ungenau
Platzsparend und kompakt
Gas-Durchlauferhitzer erfordern jährliche Wartung
Niedrige Anschaffungskosten im Vergleich zu Boilern
Bei sehr hohem Gleichzeitigkeitsbedarf weniger geeignet
Einfache Installation (besonders kleine Modelle)
Strom ist pro kWh teurer als Gas oder Fernwärme
Auflistung der Vor- und Nachteile von Durchlauferhitzer

Strom sparen mit dem Durchlauferhitzer: 7 praktische Tipps

Obwohl der Durchlauferhitzer bereits von Natur aus energieeffizienter als ein Boiler ist, lässt sich beim Betrieb noch einiges optimieren.

1. Niedrige Temperatur wählen

Je höher die eingestellte Temperatur, desto mehr Energie wird verbraucht. Stellen Sie die Temperatur so ein, dass das Wasser angenehm warm ist – eine Mischung mit Kaltwasser ist in der Regel nicht nötig. Empfehlung: 37 bis 42 Grad Celsius für die Dusche.

2. Durchfluss begrenzen

Weniger Wasser bedeutet weniger Energieverbrauch. Verwenden Sie Sparduschköpfe oder Durchflussbegrenzer an der Armatur. Sie reduzieren den Wasserverbrauch um bis zu 50 Prozent – ohne spürbaren Komfortverlust.

3. Kurz duschen statt lang

Ein fünfminütiges Duschen verbraucht deutlich weniger Energie als zehn Minuten. Kleine Gewohnheitsänderungen summieren sich über das Jahr zu erheblichen Einsparungen.

4. Kalt statt warm für kurze Entnahmen

Für das kurze Händewaschen lohnt es sich oft nicht, den Durchlauferhitzer zu aktivieren. Kaltes Wasser reicht hygienisch aus und spart Strom.

5. Modernisieren: Altes Gerät ersetzen

Ältere Modelle mit fester Leistungsstufe verbrauchen mehr Strom als nötig. Moderne elektronisch geregelte Geräte passen ihre Leistung dem tatsächlichen Bedarf an und können im Vergleich deutlich effizienter sein.

6. Auf den Standort achten

Installieren Sie den Durchlauferhitzer möglichst nah an der Zapfstelle. Lange Wasserleitungen zwischen Gerät und Armatur führen zu Wärmeverlusten und verschwenden Wasser.

7. Regelmäßige Wartung

Kalkablagerungen im Gerät reduzieren die Effizienz. Entkalken Sie den Durchlauferhitzer regelmäßig – besonders in Regionen mit hartem Wasser.

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