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Energetische Sanierung mit Barrierefreiheit verbinden – ein Experte im Interview

Joachim Seeger beschäftigt sich seit 18 Jahren mit altersgerechtem und energetisch optimiertem Wohnraum. Er ist Referatsleiter in der Abteilung „Wohnen im Alter, Wohnungsgenossenschaften und Energetische Stadtsanierung“ im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Im Interview verrät er, worauf Hausbesitzer achten sollten.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Gemeinsame Umsetzung von energieeffizienter Sanierung & Barrierefreiheit spart Kosten und Unannehmlichkeiten durch doppelte Baustellen
  • Bad und Türschwellen wichtigste Bereiche für Sicherheit & Komfort in jedem Alter
  • Förderungen für energetische Sanierungen, Barrierefreiheit und Einbruchschutz lassen sich koppeln

Energieeffizient sanieren und Barrierefreiheit – warum passt das so gut zusammen?

Energetische Optimierungen, der Abbau von Barrieren und sogar Einbruchschutz betreffen teilweise die gleichen Gewerke. Außentüren und Fenster spielen beispielsweise bei der energetischen Sanierung eine wichtige Rolle. Aber auch bei einem altersgerechten und sicheren Zuhause nehmen Türen und Fenster eine Schlüsselrolle ein, denn breite Türen und leicht bedienbare Fenstergriffe erleichtern das Leben bei eingeschränkter Mobilität. Das Gleiche gilt für das Bad: Wenn die Heizungsanlage modernisiert wird, sind häufig Leitungen in Bad und Küche davon betroffen. Mit vergleichsweise kleinem Mehraufwand können im Zuge der Sanierung dort direkt Barrieren abgebaut werden, die älteren Menschen, aber auch Familien mit Kindern den Alltag erleichtern.

Ich plane eine energetische Sanierung und möchte also gleichzeitig für das Alter vorsorgen. Was sind die wichtigsten Bereiche?

Das unterscheidet sich zwischen Neubau und Bestand. Bei einem Neubau lässt sich vieles, was der Barrierefreiheit dient, von Anfang an ohne Mehrkosten mit einplanen. Beispielsweise beim Grundriss: Es empfiehlt sich in Bad und Küche ein großzügiger Schnitt, der die Bewegungsfreiheit nicht nur im Alter erleichtert. Außerdem sollten Türbereiche immer direkt ebenerdig und ohne Schwellen als Stolperfallen angelegt werden. Das alles ist im Bestand natürlich schwieriger umzusetzen, aber man kann einiges nachrüsten.

Um die Kosten und die Unannehmlichkeiten durch Bauarbeiten zu minimieren, empfiehlt es sich, die Umbauarbeiten für mehr Barrierefreiheit unmittelbar mit einer energetischen Sanierung zu kombinieren. Das ist sehr sinnvoll, weil unter anderem Bad und Türbereiche bei beiden Themenbereichen eine Rolle spielen.

Werden beispielsweise die Heizungsrohre erneuert, sind oft auch die Wasserleitungen im Bad betroffen – hier kann die Gelegenheit für den Einbau einer bodengleichen Dusche genutzt werden. Diese senkt das Unfallrisiko in jedem Alter. Das gleiche gilt für Haltegriffe. Viele Leute denken bei Barrierefreiheit ja immer noch an Krankenhausatmosphäre – hier werden Architekten jedoch bestätigen, dass beispielsweise bodengleiche Duschen mittlerweile State-of-the-Art sind und auch optisch einiges hermachen.

Im Eingangsbereich sollte darauf geachtet werden, dass die Türen nicht nur eine gute Isolierwirkung haben, sondern möglichst 90 Zentimeter breit sind, mindestens aber 80 cm. So kommen Sie auch mit Gehhilfen, einem Rollator oder einem Kinderwagen unfallfrei hindurch. Bei der Gelegenheit sollten Sie direkt auch Türschwellen oder Treppenstufen wenn möglich, beseitigen oder reduzieren. Wer einen größeren Umbau scheut, kann diese Stolperfallen an Eingangstür oder Balkon auch einfach mit Rampen überbrücken. Das geht auch optisch sehr unauffällig und dezent.

Und was die Energieeffizienz angeht, so können die wichtigsten Bereiche ganz klar mit „FDH“ zusammengefasst werden – das sind Fenster, Dämmung und Heizung.

Wachsen mit den wachsenden Ansprüchen an das eigene Heim nicht auch die Kosten, die die Sanierung mit sich bringt?

Natürlich ist eine Tür, die allen drei Bereichen dient – also einer guten energetischen Isolierung, der Barrierefreiheit und Einbruchsicherheit – teurer als ein einfacheres Modell. Langfristig ist das jedoch kostengünstiger, als wenn der Handwerker in ein paar Jahren wieder anrücken muss, um beispielsweise den Türrahmen zu vergrößern und wieder eine neue Tür einzusetzen. Oder ein Sturz über die Türschwelle einen Verdienstausfall oder eine Verletzung nach sich zieht. Um die finanzielle Belastung geringer zu machen gibt es für Sanierungswillige außerdem zahlreiche Möglichkeiten, ihr Vorhaben finanzieren zu lassen. Am bekanntesten sind dabei die Fördermittel der KfW-Bankengruppe.

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Ich bin mir unsicher, ob mein Zuhause energetisch und was das Alter angeht gut ausgestattet ist. Wo erhalte ich Beratung?

Was den energetischen Zustand des Gebäudes angeht, empfiehlt sich immer die Beratung durch einen sachverständigen Energieberater oder einen sogenannten Bauvorlageberechtigten. Diese Beratungen werden für private Haushalte im Übrigen durch das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.

In Sachen Barrierefreiheit können örtliche Wohnberatungsstellen und die Bundesfachstelle Barrierefreiheit weiterhelfen. Im akuten Bedarfsfall sind auch die Pflegekassen der richtige Ansprechpartner. Im Zweifel kann man übrigens auch mal bei uns anrufen – wir können natürlich weiterhelfen oder an die richtige Stelle verweisen.

Wenn es dann um die Finanzierung geht, gibt die Webseite der KfW schon auf den ersten Blick Aufschluss darüber, was alles gefördert wird. Die Reduzierung von Barrieren springt einem beispielsweise direkt ins Auge. Ansonsten bietet sich eine BAFA-Erstberatung an, aber auch die Energieberater kennen die regionalen und bundesweiten Fördermöglichkeiten, die für ein bestimmtes Sanierungsvorhaben in Frage kommen.

Tipp: Hausbesitzer in Hannover und Bremen können von regionalen Pilotprojekten zur integrierten Sanierungsberatung profitieren. In diesen Regionen bieten eigens geschulte Energieberater eine umfassende 90-minütige Beratung zu den Themen energieeffiziente Sanierung, Barrierefreiheit und Einbruchschutz an. Mehr Informationen zu regionalen und überregionalen Beratungsangebot finden Sie in unserem Artikel zum Thema.

Alle drei Sanierungsbereiche werden von der Bundesregierung gefördert. Warum interessiert sich der Bund für den Zustand privater Wohnsitze?

Da gibt es verschiedene Gründe. Zum einen senken energetische Sanierungen im Gebäudesektor den Ausstoß von klimaaktiven Treibhausgasen und tragen so zum Klimaschutz in Deutschland wesentlich bei. Das wollen wir natürlich unterstützen. Zum anderen sollen Menschen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld leben können. Das entspricht auch dem Wunsch der meisten Deutschen. Gleichzeitig gibt es zu wenig Wohnungsbestand, der altersgerecht ausgebaut ist. Von den Pflegekassen wissen wir, dass Unfälle – vor allem im Wohnumfeld – zu den häufigsten Gründen für Pflegebedarf oder Krankenhausaufenthalten gehören. Um das zu vermeiden, bemühen wir uns mehr barrierefreien Wohnungsbestand zu schaffen, der vornherein ein sicheres und komfortables Leben auch im Alter garantiert. Und da, wo das noch nicht der Fall ist, möchten wir Unterstützung beim entsprechenden Umbau geben.

Dieses Interview haben wir im Mai 2018 geführt.

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