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Gastkommentar der Verbraucherzentrale zur EnEV 2009

Udo Sieverding, Gruppenleiter Energie, von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e. V. im Interview zur EnEV 2009.

ModernisierungsCheck: Gebäude prüfen

Die EnEV soll den Energieverbrauch in Deutschland senken. Wie Sie Ihren Verbrauch senken können, zeigt Ihnen diese kostenlose Analyse für Ihr Gebäude:

Bitte halten Sie Ihre Heizkostenabrechnung bereit.

Udo Sieverding(c) VBZ NRW

Kritisiert einzelne Regelungen der neuen EnEV: Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e. V.

Anders als das Glühlampenverbot tritt die novellierte Energieeinsparverordnung (EnEV) zum 1. Oktober 2009 mit weit weniger medialer Aufmerksamkeit in Kraft. Dabei ist das Einsparpotenzial durch eine Verbesserung des energetischen Gebäudestandards ungleich höher als durch den Austausch der Beleuchtungsmittel. So werden rund 85 Prozent des Energieverbrauchs eines privaten Haushalts für Heizung und Warmwasser aufgewendet, während der Anteil für die Beleuchtung nur zwei Prozent beträgt.

Wenigstens prüfen künftig die Schornsteinfeger

Unter diesem Aspekt sind die schärferen Anforderungen an die Wärmedämmung und die Heizungsanlage zu begrüßen, die die neue Verordnung sowohl für Neubauten als auch bei Sanierungen im Gebäudebestand vorsieht. Im Neubau wird der Einsatz erneuerbarer Energieträger erstmalig als Standard definiert. Die gesetzlichen Vorgaben greifen damit auf, was bau- und anlagentechnisch längst möglich ist, und sind damit ein richtiger Schritt im Hinblick auf eine Verringerung des CO2-Ausstoßes von Gebäuden.

Ergänzt und erweitert werden auch die Nachrüstverpflichtungen, die unabhängig von Instandhaltungen durchzuführen sind, beispielsweise die Dämmung der obersten Geschossdecke. Wie Energieberater immer wieder feststellen, gab es hier in der Vergangenheit jedoch große Umsetzungsdefizite, sei es aus Unwissenheit oder aufgrund fehlender Kontrollen. Deshalb ist fraglich, ob die Vorschriften das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind. Immerhin sollen zukünftig die Schornsteinfeger wenigstens im Heizungskeller prüfen, ob die Rohrleitungen gedämmt sind und der Kessel den EnEV-Standard erfüllt. Dies ist zu begrüßen, da eine effiziente Heizung nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel schont.

Gut gemeint, schlecht gemacht: der Energieausweis

Für viel heiße Luft sorgen nicht nur Nachtspeicherheizungen selbst, sondern auch die neuen EnEV-Regelungen zu deren Außerbetriebnahme. Die Verpflichtung zum Austausch der ineffizienten und unflexiblen Stromfresser wurde nämlich so weit aufgeweicht, dass diese noch bis zu 30 Jahre betrieben werden können. Und auch dann gilt die Austauschpflicht nicht generell, sondern nur für ganz bestimmte Gebäude und wenn wirtschaftliche Gründe nicht dagegen sprechen. Angesichts der Klimaschädlichkeit der elektrischen Speicherheizungen scheint ein attraktives Förderprogramm zu deren Austausch dringend notwendig.

Gut gemeint, aber schlecht gemacht sind auch die Regelungen zum Energieausweis. Hier bleibt (fast) alles wie gehabt, sodass das Dokument weiterhin hinter seinem Anspruch bleibt, eine einfache Orientierungshilfe zum Energieverbrauch eines Gebäudes zu sein. Neben unterschiedlichen Ausweisarten und einer unübersichtlichen Darstellung der Kennwerte fehlen auch zukünftig eine generelle Vorlagepflicht bei Vermietung oder Verkauf sowie wirksame Kontroll- und Sanktionsinstrumente seitens der Behörden. Damit der Energieausweis als Instrument zur Markttransparenz die Sanierungsrate ankurbelt und damit im Sinne der Verordnung zur Energieeinsparung beiträgt, muss der Gesetzgeber hier noch weitreichende Nachbesserungen vornehmen.

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