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EnEV 2009: Kosten & Einsparungen – das Interview

Mieter und Hausbesitzer liegen bei der Beurteilung von Energiesparmaßnahmen häufig auseinander. Um beide Seiten zu Wort kommen zu lassen, haben wir die Vertreter der jeweils größten Verbände dazu befragt, was sie von der neuen EnEV halten.

ModernisierungsCheck: Gebäude prüfen

Die EnEV soll den Energieverbrauch in Deutschland senken. Wie Sie Ihren Verbrauch senken können, zeigt Ihnen diese kostenlose Analyse für Ihr Gebäude:

Bitte halten Sie Ihre Heizkostenabrechnung bereit.

Lukas Siebenkotten

„Die verschärften Anforderungen werden erst über einen längeren Zeitraum zum Tragen kommen.“ Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB), über die neue EnEV.

co2online: Welche Verbesserungen wird die novellierte EnEV bringen, die am 1. Oktober 2009 in Kraft tritt? Wo gibt es Schwachstellen?

Lukas Siebenkotten: Die Verbesserungen der neuen Energieeinsparverordnung betreffen vor allem Neubauten. Die Verschärfungen für den Gebäudebestand sind nur relativ geringfügig. Es bleibt dabei: Bestehende Gebäude sind von den Anforderungen der neuen Energieeinsparverordnung weitgehend ausgenommen.

Gerold Happ: Die EnEV 2009 nimmt keine Rücksicht darauf, ob die geforderten Maßnahmen auch wirtschaftlich umgesetzt werden können. Dies ist vor allem bei vermieteten Immobilien ein schwerer Mangel, da hier das Investor-Nutzer-Dilemma nicht zur Kenntnis genommen wird. Verbesserungen gibt es in erster Linie bei der Definition von Ordnungswidrigkeiten, die künftig nur noch bei grober und nicht bereits bei einfacher Fahrlässigkeit vorliegen. 

Keine höheren Kosten durch die EnEV 2009 für Mieter

Gerold Happ

Gerold Happ, Referent für Umwelt- und Energierecht bei Haus & Grund: „Die EnEV 2009 nimmt keine Rücksicht darauf, ob die geforderten Maßnahmen auch wirtschaftlich umgesetzt werden können.”

co2online: Welche Mehrkosten können durch die EnEV auf Mieter bzw. auf Hausbesitzer und Bauherren zukommen?

Lukas Siebenkotten: Durch die Energieeinsparverordnung werden allenfalls geringfügig – wenn überhaupt – höhere Kosten auf die Mieter zukommen. Soweit Neubauwohnungen von den Anforderungen der EnEV betroffen sind, muss abgewartet werden, inwieweit Vermieter für diese Wohnungen am Markt höhere Preise erzielen können.

Gerold Happ: Aufgrund der erhöhten Anforderungen kommen auf Bauherren jetzt höhere Baukosten zu. Die Bundesregierung geht von drei bis vier Prozent aus. Ferner ist zu erwarten, dass aufgrund der hohen Anforderungen an die Dichtheit der Gebäudehülle nun vielfach Lüftungsanlagen in Gebäude eingebaut werden müssen. Auch dies wird die Kosten für den Neubau um mehrere Tausend Euro erhöhen. Bei Bestandsgebäuden werden nicht nur die Kosten der Sanierungsarbeiten aufgrund der erhöhten Anforderungen steigen. Die Eigentümer treffen auch kostenintensive Nachrüstpflichten.  

EnEV 2009: Einsparungen bei Heizkosten hängen von mehreren Faktoren ab

co2online: Wie viel Einsparungen an Heizkosten und CO2-Emissionen wird die verschärfte EnEV bringen?

Lukas Siebenkotten: Da zurzeit nur rund 155.000 Wohnungen in Neubauten errichtet werden, ist die potenzielle Heizkostenersparnis überschaubar. Die verschärften Anforderungen werden deshalb erst über einen längeren Zeitraum zum Tragen kommen.

Gerold Happ: Die Heizkostenersparnis schwankt stark und hängt von dem Heizmaterial und den aktuellen Energiepreisen ab, die CO2-Einsparung wiederum davon, wie viele Häuser saniert werden. Die Bundesregierung selbst hat hier auf eine Prognose verzichtet. Aufgrund der hohen Anforderungen und der hohen Kosten dürfte die Sanierung jedoch weiter ins Stocken geraten. Die hohen Kosten stehen vermutlich in keinem Verhältnis zu den CO2-Einsparungen. 

co2online: Was müssen Besitzer und Nutzer von Nachtspeicherheizungen beachten?

Lukas Siebenkotten: Paragraph 10 der Energieeinsparverordnung enthält zu Nachtstromspeicherheizungen sehr großzügige Übergangsfristen und zahlreiche Ausnahmen. Vorerst müssen Mieter beziehungsweise Vermieter keine besonderen Regelungen beachten. Nachtstromspeicherheizungen dürfen 30 Jahre betrieben werden. Vor dem 1. Januar 1990 eingebaute Speichersysteme dürfen noch bis Ende 2019 betrieben werden.

Gerold Happ: In Gebäuden mit mehr als fünf Wohneinheiten müssen  Nachtspeicherheizungen zukünftig außer Betrieb genommen werden. Die Pflicht tritt stufenweise ein, sodass Nachtspeicherheizungen nach einer Lebensdauer von 30 Jahren in der Regel außer Betrieb genommen werden müssen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Sollte beispielsweise der Ausbau der Nachtspeicherheizungen und der Einbau einer neuen Heizung auch unter Inanspruchnahme von Fördermitteln nicht wirtschaftlich sein, besteht keine Pflicht.

Praxistest Energieausweis

Der 2007 eingeführte Energieausweis soll Mietern ermöglichen, den energetischen Zustand einees Gebäudes einfach zu überblicken.

co2online: Schon mit der EnEV von 2007 wurde der so genannte Gebäude-Energie-Pass zur Pflicht. Wie beurteilen Sie den Pass?

Lukas Siebenkotten: Der Energieausweis ist ein erster und wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Allerdings besteht aus unserer Sicht durchaus Nachbesserungsbedarf. Wir haben uns immer dafür eingesetzt, dass nur ein Typ Energieausweis angeboten wird, nämlich der Bedarfsausweis. Den verbrauchsorientierten Energieausweis lehnen wir ab. Wir halten es für sinnvoll, wenn klare Kriterien vorgegeben werden, wie ein Bedarfsausweis ausgestellt werden muss. Wir fordern ebenfalls, dass der Energieausweis Mietinteressenten ausgehändigt werden muss und dass auch die Mieter im Haus Anspruch auf Aushändigung eines Energieausweises haben.

Gerold Happ: Beim Bedarfsausweis sind die zulässigen Berechnungsmethoden so komplex und unterschiedlich, dass es zwischen zwei verschiedenen Bedarfsausweisen für dasselbe Gebäude Abweichungen von bis zu 30 Prozent geben kann. In der Praxis wurde auch festgestellt, dass der tatsächliche Verbrauch oftmals unter dem angegebenen Bedarf liegt. Der Verbrauchsausweis hingegen gibt den witterungsbereinigten Energieverbrauch der letzten drei Jahre wieder. Er stellt somit eine solide Information über den tatsächlichen Verbrauch der Vornutzer dar. Allenfalls bei längeren Leerständen kommt es hier zu untauglichen Ergebnissen. Der Verbrauchsausweis ist dem Bedarfsausweis also überlegen. 

Mieter sollten an den Investitionskosten einer energetischen Sanierung beteiligt werden

co2online: Nur etwa ein bis zwei Prozent der Gebäude im Bestand werden pro Jahr energetisch saniert. Was müsste getan werden, um den jetzigen „Sanierungsstau“ im Gebäudebereich aufzulösen?

Lukas Siebenkotten: Der Deutsche Mieterbund fordert, dass der Gesetzgeber klare energetische Vorgaben auch für den Wohnungsbestand macht. Bis zum Jahr 2020 sollte es Ziel sein, den Großteil der bestehenden Wohnungen energetisch zu modernisieren. Hierzu muss der Gesetzgeber parallel und dauerhaft staatliche Fördermittel zur Verfügung stellen.

Gerold Happ: Eine weitere Verschärfung der EnEV ist äußerst kontraproduktiv. Für die Zukunft wird entscheidend sein, das Investor-Nutzer-Dilemma zu lösen. Im Kern geht es darum, den Mieter als Nutznießer von energetischen Sanierungsmaßnahmen an den Investitionskosten zu beteiligen. Derzeit trägt der Vermieter als Investor sämtliche Kosten. Es ist deshalb erforderlich, das Mietrecht zu novellieren. Andernfalls kann der Gebäudebestand nicht in dem notwendigen Umfang energetisch saniert werden. Ergänzend müssen auch steuerrechtliche Änderungen erfolgen. Könnten private Vermieter Investitionen in energetische Sanierungen in kürzeren Fristen abschreiben, wären solche Maßnahmen für private Vermieter deutlich attraktiver und wirtschaftlicher.

Anmerkung der Redaktion: Ausführliche Informationen zur Energiesparverordnung 2014 (EnEV 2014) finden Sie hier. 

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