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Der lange Weg zur Windkraft
In Königs Wusterhausen soll ein neuer Windkraftpark entstehen. Doch der Ausbau erneuerbarer Energien direkt vor der eigenen Haustür trifft nicht bei allen Bürgern der Stadt auf uneingeschränkten Zuspruch.
Seit einigen Jahren engagiere ich mich in meiner Heimatstadt Königs Wusterhausen für erneuerbare Energien. Von 2007 bis 2009 war ich Vorstandsvorsitzender der sehr erfolgreichen Energie-Team Schüler-Aktiengesellschaft am meinem Gymnasium und organisierte den regelmäßigen Energiestammtisch in der Stadt. Gemeinsam mit der Schüler-AG konnte ich den Energiesparmeister-Wettbewerb 2009 von co2online gewinnen.
Umso erfreulicher fand ich daher die Nachricht, dass auch bei uns in Königs Wusterhausen ein großer Windkraftpark entstehen soll. Erfahrungsgemäß geht so etwas aber nicht ohne Schwierigkeiten und Proteste der Anwohner ab. Ich war also gespannt und harrte der Dinge, die da kommen würden. Zum ersten Mal angesprochen wurde die Angelegenheit dann, neben vielen anderen und (leider) nicht mit hoher Priorität, vor etwa drei Wochen im Jugendbeirat der Stadt. Hier herrschte schnell Einigkeit darüber, dass erneuerbare Energien grundsätzlich zu begrüßen seien, dass aber über den konkreten Fall nicht genug bekannt ist, um darüber diskutieren zu können. Einzelne Bürger seien allerdings schon sehr aktiv, mobilisierten ihre Mitbürger und bereiteten breite Proteste vor.
Aufwind für Brandenburg
Um sich das alles besser vorstellen zu können, muss man vielleicht etwas mehr zum geplanten Projekt wissen:
Die Stadt Königs Wusterhausen, im Süden an Berlin grenzend, erstreckt sich von der eigentlichen Kernstadt aus weit nach Nordosten. Einzelne Ortsteile im Norden und Süden umschließen wie eine Zange einen riesigen Kiefernwald. In diesem Wald möchte die Firma ENERTRAG 47 Windräder mit einer Höhe von 190 Metern bauen. Der überschüssige erzeugte Strom soll später nicht ins Netz eingespeist, sondern für die Herstellung von Wasserstoff für eine Wasserstofftankstelle am Flughafen in Schönefeld genutzt werden. Soweit hört sich das Ganze eigentlich sehr gut an: Königs Wusterhausen würde quasi über Nacht zu einer der großen Energie-Kommunen in Brandenburg werden und könnte gleichzeitig erhebliche Mehreinnahmen für das Stadtbudget einplanen.
Aber viele Anwohner, schon sensibilisiert durch die Fluglärm-Debatte um den neuen Flughafen BBI, haben erhebliche Bedenken. Werden nicht die Natur verschandelt, seltene Vögel gefährdet, hektarweise Wald vernichtet? Wird der Lärm nicht unerträglich sein? Und was ist mit dem Schattenwurf von derart großen Anlagen? Ich selbst finde die Idee, ein großes Kraftwerk für erneuerbare Energien in meiner Stadt zu haben, äußerst attraktiv, bin aber gleichzeitig der Meinung, dass die Interessen der Anwohner in jedem Fall ernst genommen werden müssen. Windparks, die gegen den Widerstand der Bürger und ohne Rücksicht auf ihre Interessen gebaut werden, sind nicht das, was ich mir idealerweise unter einer zukunftsträchtigen und nachhaltigen Energieversorgung vorstelle.
Einladung zum Dialog
Auf den Sitzungen der Ortsbeiräte der betroffenen Ortsteile wollte ENERTRAG die genauen Pläne für den Windpark vorstellen und Bürgerfragen beantworten. Um auf diese Weise die Argumente beider Seiten direkt vergleichen zu können und auch ein bisschen mehr über die Stimmungslage zu erfahren, ging ich zur Ortsbeiratssitzung in Niederlehme. Zwar waren viele Bürger anwesend, die sehr sachliche Argumente vortrugen und zum Beispiel Fragen nach dem Abstand zwischen Windrädern und Häusern stellten oder nach den Ausgleichsaufforstungen fragten. Im Publikum saßen aber auch einige Anwohner, die den Schritt zum emotionalen Wutbürgertum in dieser Sache offensichtlich schon deutlich hinter sich hatten. Von den anderen Ortsbeiratssitzungen wurde ähnliches berichtet. Die Stimmen gegen den Windpark waren überall sehr laut.
Also traf sich Mitte März auch die Generation 2.1, ein loser Zusammenschluss von jungen Aktiven der CDU, Grünen, Linken und SPD in Königs Wusterhausen, um über die gemeinsame Strategie zu beraten. Wir kamen schnell überein, für die Anwohner Mitgestaltungsmöglichkeiten zu schaffen. Ein offener Planungsprozess mit den beteiligten Bürgern, der Stadt und ENERTRAG könnte viele Probleme und Bedenken ausräumen und allen Interessen Rechnung tragen. Deswegen werden wir jungen Leute uns dafür einsetzen. Vielleicht kann die erste Reihe der Windräder zurückgenommen werden, um den Abstand zu vergrößern. Vielleicht lassen sich Modelle finden, um die Ortsteile besser von dem Windpark profitieren zu lassen. Gleichzeitig sind wir aber klar der Meinung, dass der Windpark als solcher eine positive Sache für Königs Wusterhausen wäre. Und diese Position möchten wir auch öffentlich vertreten. Schon am letzten Montag gab es am Rande einer Mahnwache gegen Atomkraft eine Unterschriftensammlung für den Windpark.
Die Stadt plant jetzt zusammen mit ENERTRAG Besichtigungstouren zu den Windrädern und eine offene Diskussion aller Beteiligten. Die Gegner organisieren sich derweil weiter. Es bleibt also spannend. Der „Kampf“ um den Windpark hat gerade erst begonnen…
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Michael Hantzsche,
Freiwilliger im Ökologischen Jahr







