Solarthermie-FAQ: Fragen & Antworten

Energieberater Peter Mellwig vom ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung beantwortet die wichtigsten Verbraucherfragen zur Solarthermie: von der Wirtschaftlichkeit und Lebensdauer von Solarthermieanlagen über die Nutzung im Winter bis hin zum idealen Dach für die Nutzung der Solarthermie.

Lohnt sich Solarthermie für jedes Haus?

„Zurzeit erleben wir einen Preisverfall beim Heizöl. Umgekehrt heißt das, dass sich die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage dadurch aktuell vermindert. Tatsächlich ist eine thermische Solaranlage oft nicht die wirtschaftlichste Maßnahme zur Energieeinsparung. Einen Altbau sollte man generell erstmal dämmen und dann mit hochwertiger Heiztechnik ausstatten – so bleibt die teuer erzeugte Wärme nämlich im Haus.

Am wirtschaftlichsten sind Solarthermieanlagen, wenn es einen großen Wärmebedarf im Sommer gibt. Ein Beispiel dafür ist die große Familie, die oft duscht. Aber auch bei Mehrfamilienhäusern lohnen sich Solaranlagen in aller Regel. Wenn der Heizkessel ohnehin ausgetauscht werden muss, sollte unbedingt über den Einbau einer thermischen Solaranlage nachgedacht werden. Dann können gleich die richtigen Speicher eingebaut und Kosten vermieden werden. Im Übrigen sollten wir angesichts der drängenden Klimaprobleme nicht das verbleibende Öl auch noch verheizen – auch wenn es gerade billig ist.”

Welche Lebensdauer haben Solarthermieanlagen?

„Die Anlagen halten ungefähr 20 bis 25 Jahre. Viele Hersteller geben eine zehnjährige Garantie auf die Kollektorfunktion.“

Funktioniert Solarthermie im Winter überhaupt?

Solarthermie funktioniert, wenn Sonnenstrahlung auf den Kollektor trifft. Das kann ein klarer Februartag sein oder ein bedeckter, aber heller Tag im Oktober. Die Dauer der Einstrahlung ist natürlich im Sommer am längsten. Röhrenkollektoren, auch Vakuumröhrenkollektoren genannt, können aber sogar aus der kurzen Einstrahlung im Winter noch hohe Temperaturen erzeugen. Weil die Wintersonne sehr flach über dem Horizont steht, können die Kollektoren mehr von ihr einfangen, wenn sie steiler geneigt sind. Auch senkrechte Fassadenanlagen können im Winter gute Erträge erzielen.“

Wie groß ist der Anteil des Wassers, den man per Solarthermie erhitzen kann?

„Solaranlagen zur Brauchwassererwärmung werden in Ein- und Zweifamilienhäusern so ausgelegt, dass sie circa 70 Prozent des Brauchwarmwassers erwärmen. In größeren Gebäuden wird meist eine geringere solare Deckung eingeplant, um die Überschüsse im Sommer besser handhaben zu können.“

Kann ein Baum bzw. dessen Schatten zum Problem für Solarthermie werden?

„Wenn der Baum so klein ist und auch bleibt, dass er die Anlage wegen der dann tiefer stehenden Sonne nur im Winterhalbjahr verschattet, dann ist er für den Ertrag meist unschädlich; ebenso bei einem Laubbaum, der im Winter ohnehin kahl ist . Bei einer lang andauernden, starken Verschattung sind Solaranlagen allerdings nicht sinnvoll.“

Wie sieht das ideale Dach für Solarthermie aus?

„Das ideale Solardach ist 45 Grad geneigt und weist nach Süden. Aber auch auf einem Dach mit Ost- oder Westausrichtung hat man noch circa 80 Prozent Ertrag. Dann kann gegebenenfalls die Kollektorfläche vergrößert werden. Auf Flachdächern werden die Kollektoren mit der idealen Ausrichtung aufgeständert. Für das Dach eines denkmalgeschützten Gebäudes ist eine Genehmigung der zuständigen Behörde nötig.“

Was sind die Vorteile und Nachteile von Röhrenkollektoren und Flachkollektoren?

„Flachkollektoren sind einfach aufgebaut und sehen einem Dachfenster nicht unähnlich. Ihr Jahresertrag liegt bei circa 530 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Röhrenkollektoren bestehen aus Glasrohren, in denen ein Vakuum herrscht – ähnlich einer Thermoskanne. Wärme, die einmal darin ist, kann kaum wieder entweichen. Falls eine einzelne Röhre undicht wird, kann sie in der Regel einzeln ausgetauscht werden. Ihr Jahresertrag liegt bei circa 650 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Die Materialkosten sind ungefähr doppelt so hoch wie bei Flachkollektoren. Röhrenkollektoren können eingesetzt werden, wenn eine hohe Effizienz gefordert ist, zum Beispiel bei kleinen Dachflächen oder ungünstigen Gebäudeausrichtungen. Aber auch wenn hohe Temperaturen gebraucht werden, sind Röhrenkollektoren die richtige Wahl.“

In einem Fachartikel des Dossiers sind weitere Details zu den verschiedenen Arten von Solarkollektoren zu finden.

Peter Mellwig arbeitet für ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung und als freiberuflicher Energieberater in Berlin: www.energiespar-beratung.de.

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