Peter Treudt (60), Lehrer aus Nordrhein-Westfalen

  • Einfamilienhaus, Baujahr 1959, 130 qm Wohnfläche
  • Dämmmaßnahmen: Fassade, Bodenplatte, Dachbodengeschossdecke, Kellerdecken im unbeheizten Bereich, Rollladen-Kästen, Aufarbeitung der Fenster, neue Haustür, Isolierung von Heizungsrohren
  • weitere Maßnahmen: Austausch des Heizkessels und aller Heizkörper, Solarkollektoren
  • Material: Holzweichfaserplatten (außen) und Paliteplatten (innen)
  • Einsparung: rund 1.200 Euro pro Jahr

Warum ich auch anderen eine Wärmedämmung empfehle…

„Ich habe mich bewusst – soweit es möglich war – für ökologische Dämmstoffe entschieden. Und damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Der Holzfaserdämmstoff etwa, der auf  der Nordost- und Südwestseite des Hauses aufgebracht wurde, kann die Sonnenwärme tagsüber speichern und gibt sie nachts an die Wände ab. Das spart Heizkosten und verbessert das Wohnklima. Außerdem sind ökologische Dämmstoffe kein Recyclingproblem für die nächste Generation.“

Meine Dämmmaßnahmen

„Dazu vielleicht ein Auszug aus der ‚Dämmgeschichte‘ meines Hauses: Als ich vor Beginn der Arbeiten einen Energieberater (einen Architekten) hinzuzog, schaute dieser sich den Energieverbrauch des Hauses an und sagte nur: ‚Abriss wäre auch eine Alternative!‘ Damals lag der Verbrauch pro Jahr bei unglaublichen 55.000 Kilowattstunden bei 130 Quadratmetern. Dies entsprach einer Energiekennzahl von 310! In vielen Einzelschritten wurde das Haus dann energetisch ertüchtigt:

  • Aufarbeitung der Holzdoppelkastenfenster und Neuverglasung mit Energiespargläsern.
  • Dämmung der Dachbodengeschossdecke durch das Einblasen von Zellulose.
  • Abnahme der Holzverschalung der hinterlüfteten Fassade im Obergeschoss auf der Ostseite. Denn: Zwischen Mauerwerk und Holzverschalung hatte man die Zuleitungen zu den Heizkörpern ohne Isolierung ‚im Freien‘ verlegt – kein Witz! Dort wurden Rohre und Mauerwerk gedämmt.
  • Dämmung der überragenden Geschoßplatte des Obergeschosses an Unter-/Stirnseite in zwölf Zentimeter Stärke.
  • Dämmung der innenliegenden Rollladen-Kästen.
  • Solarkollektoren für die Brauchwassererwärmung.

Das Ergebnis: eine Senkung des Energiebedarfes um mehr als 40 Prozent bei ca. 15.000 Euro an Kosten.
Und es ging noch weiter:

  • Freilegung des Fundamentes auf der nichtunterkellerten Ostseite bis zur Bodenplatte, sowie auf der unterkellerten Westseite bis in eine Tiefe von 1,80 Meter. Dämmung jeweils mit zwölf Zentimeter starken Perimeterplatten.
  • Dämmung der West- (hier bis in den Drempel hinein) und Ostfassade mit zwölf Zentimeter dicken Holzweichfaserplatten.
  • Innendämmung der Nordfassade mit Calciumsilikatplatten in sechs Zentimetern Stärke, weil dort die Kletterhortensien und der Efeu erhalten bleiben sollten.
  • Durchführung eines hydraulischen Abgleichs.
  • Dämmung der Kellerdecken im unbeheizten Bereich.
  • Einbau einer neuen Haustür, thermische Trennung der Hauseingangspodestplatte vom Baukörper.
  • Austausch des Niedrigtemperatur- gegen einen Brennwertkessel.
  • Austausch aller Heizkörper: statt Konvektions- nun Strahlungsheizkörper.

Das Ergebnis: eine weitere Verringerung des Verbrauchs um knapp 20 Prozent bei Kosten von nun allerdings ca. 30.000 Euro.“

Um die Dämmung fachgerecht durchzuführen, wurde die Verbretterung an der Nord-/Ostfassade von Peter Treudts Haus zunächst komplett abgenommen...

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Meine Kosten-Nutzen-Rechnung

„Alle Maßnahmen zusammen haben ungefähr 45.000 Euro gekostet – wobei das Meiste in Eigenarbeit geleistet wurde. Die Energiekennzahl liegt nunmehr bei 115. Entsprechend verbrauchen wir 20.000 Kilowattstunden pro Jahr und haben Energiekosten von 1.300 Euro, Dabei sind die Warmwassererwärmung im Winter und das Kochen mit Gas schon mit eingeschlossen. Mit anderen Worten: Gegenüber der Ausgangssituation wurde der Energiebedarf um fast 60 Prozent gesenkt. Das Haus kühlt nachts nun nicht mehr aus; Wände und Fensterflächen strahlen keine Kälte mehr ab. Der Wohnwert hat sich entscheidend verbessert. Und der ursprüngliche Energiebedarf wäre heute gar nicht mehr finanzierbar!!“

Meine Tipps: Darauf sollten Verbraucher beim Dämmen achten

„An erster Stelle sollte grundsätzlich eine ausführliche Energieberatung stehen. Dann ist es wichtig, unterschiedliche Angebote einzuholen. Zum Beispiel machte es schon aus Gründen der Nachhaltigkeit keinen Sinn, gut erhaltene Holzfenster auf den Müll zu werfen, statt sie aufzuarbeiten und neu verglasen zu lassen. Das finanzielle Eigeninteresse der Anbieter sollte deutlich im Blick behalten werden. Ganz wichtig ist es, sich ein bisschen mit Bauphysik zu beschäftigen. Man sollte beispielsweise so ungefähr verstehen, was mit einer Wand passiert, wenn da eine Dämmung aufgebracht wird. Ein zweiter Tipp ist, sich bereits realisierte WDVS-Maßnahmen in der Nachbarschaft anzuschauen, die fünf bis acht Jahre zurückliegen – und dabei mit einem wachen Auge auf die Algenbildung achten. Und schließlich: Ich glaube, es ist gut, die Maßnahmen schrittweise durchzuführen. Allerdings müssen diese Schritte im Rahmen eines Gesamtkonzeptes erfolgen! Das reduziert wie in meinem Fall den Kostendruck. Lieber schrittweise qualitätsvolle Einzelmaßnahmen als ‚Billiglösungen‘ im Paket.“

  • Das sagt unser Experte

    Peter Hennig, Energieberater

    Dämmmaßnahmen schrittweise umzusetzen reduziert ohne Frage den Kostendruck. Dabei ist allerdings eine sehr gute Planung wichtig. Denn: Wenn beispielsweise erst die Fassade gedämmt wird und anschließend die Fenster getauscht werden, entsteht doppelte Arbeit. Am Ende wird es dann teurer. Außerdem könnten bei einer umgekehrten Reihenfolge Wärmebrücken an den Fensterlaibungen durch die Anordnung der Fenster in einer Dämmebene konsequent reduziert werden.

    Die Ursache für die Algenbildung an Fassaden ist eher der Putz, nicht so sehr die Dämmung. Beispielsweise können sich auch auf einer Holzfassade Algen bilden. Vorbeugen kann man hier, indem schon bei der Planung der Dämmung ein System mit mineralischem Putz auswählt wird. Bei mineralischen Putzen tritt Algenbildung eher selten auf.