Schritt 2: Heiztechnik wählen

Wie groß ist die Heizlast des Hauses? Lohnt sich der Umstieg von Öl auf Gas? Der zweite Schritt bei der Planung des Kesseltauschs ist die Entscheidung für eine Heiztechnik. Dabei gilt: Nicht jede Heizungsart kommt für jedes Gebäude in Frage. Und eine entscheidende Rolle spielt die Leistung des neuen Kessels.

Auf einen Blick: Die wichtigsten Tipps

  • Passende Technik für das Haus und die eigenen Bedürfnisse wählen. Alternativen prüfen. Auf bauliche Gegebenheiten achten.
  • Heizlast des Hauses berechnen lassen, um die Leistung des neuen Kessels optimal festlegen zu können.
  • Prüfen, ob auch andere Komponenten der Heizung optimiert werden können: Pumpe, Speicher, Druckausgleichsgefäß und Thermostate.

Stand der Technik: Gas-Brennwertkessel

Unser Test zeigt: Gas-Brennwertkessel sind momentan die gängigste Heiztechnik. Alle Teilnehmer unseres Praxistests planen den Einbau eines Gas-Brennwertkessels oder heizen bereits mit solch einem Gerät. „Die fünf Handwerker, die ich gefragt habe, haben mir alle zu einem Gas-Brennwertkessel geraten“, sagt Dirk Scharenberg. Und Ricarda Rieck ergänzt: „Unser Handwerker hat uns auch erzählt, was die anderen Kunden bevorzugen – und das sind eindeutig Gas-Brennwertgeräte.“

Die neuen Anlagen unserer Tester haben einen modulierenden Leistungsbereich, der oft schon unter drei Kilowattstunden beginnt. Alle Kessel wurden oder werden im Keller installiert, wo auch die alten Geräte standen. Oft werden auch die Thermostatventile getauscht, damit nach dem Kesseltausch ein hydraulischer Abgleich durchgeführt werden kann. Während Ricarda Rieck die alten Rohrleitungen neu isolieren lässt, hat Thomas Spitzer die komplette Heizungsanlage getauscht. „Wir haben den ganzen alten Kram rausgerissen“, erzählt Spitzer. Schließlich könne man die Wirkungsweise eines neuen Kessels oder neuer Pumpen nicht richtig einschätzen, wenn man Teile der alten Anlage im Haus lasse.

Einige Testteilnehmer haben auch den Einbau eines Öl-Brennwertkessels in Betracht gezogen. Vor allem deshalb, weil sich der Ölpreis im Vergleich zum Gas zuletzt deutlich günstiger entwickelt hat. Wegen der Geruchsbelästigung und des verschenkten Platzes im Keller hat sich letztlich aber niemand dafür entschieden.

Solarthermie: Lohnt sich das?

Obwohl fast alle Testteilnehmer über die Installation einer Solarthermie-Anlage nachgedacht haben, hat nur einer die Idee umgesetzt: Thomas Spitzer. Der Solinger hat nun drei Solarkollektoren mit einer Fläche von je 2,5 qm auf dem Dach seines Hauses – und ist mit der Anlage mehr als zufrieden. Die anderen Teilnehmer glauben nicht, dass sich die Mehrkosten einer Solarthermie-Anlage rechnen. „Den Nutzen der Sonnenwärme habe ich ja vor allem von April bis Oktober“, sagt Dirk Scharenberg. „In dieser Zeit benötige ich aber nur warmes Brauchwasser – und keine Wärme zum Heizen.“ Zudem ist er skeptisch, weil einer seiner Freunde schlechte Erfahrungen mit Solarthermie gemacht hat. Auch Norbert Hofmann ist der Meinung, dass eine Solarthermie-Anlage in seinem Zwei-Personen-Haushalt nicht rentabel wäre. Dennoch hat er seine neue Heizanlage so konzipiert, dass Solarthermie jederzeit nachgerüstet werden kann.

Heizungsexperte Professor Dieter Wolff von der Ostfalia Hochschule.

Das sagt unser Experte

Prof. Dieter Wolff, Ostfalia Hochschule: Im Neubau konkurriert der Gasbrennwertkessel mit einer elektrischen Wärmepumpe – wobei die Gasbrennwerttechnik bei den aktuellen Energiepreisen besser abschneidet. In Bestandsgebäuden ist ein Umstieg auf einen anderen Brennstoff meist nicht zu empfehlen; also Öl bleibt Öl und Gas bleibt Gas. Die Nennleistung des neuen Kessels sollte im Einfamilienhaus an den Anforderungen der Warmwasserbereitung ausgerichtet werden. Um eine optimale Nennleistung und den unteren Modulationsbereich zu ermitteln, ist die Energieanalyse des Energiesparkontos ein gutes Instrument – besonders dann, wenn zuvor monatlich der Energieverbrauch ins Konto eingegeben wurde. Einen hydraulischen Abgleich sollte man so wie die Tester bei einer Anlagenmodernisierung immer machen. Das erfordert meist die Investition in voreinstellbare Thermostatventile. Ein vollständiger Austausch des Rohrnetzes ist hingegen nur erforderlich, wenn Rohrsystem und Heizkörper wirklich abgängig sind – zum Beispiel bei einer Schwerkraftheizung.

Solarthermie, die vorrangig zur Trinkwarmwasserbereitung genutzt wird, ist vor allem für große Familien in Einfamilienhäusern zu empfehlen. Damit lassen sich pro Jahr durchaus 300 bis 500 l Heizöl oder 300 bis 500 m³ Erdgas sparen. Was Pellet-Heizungen betrifft, haben die Tester meine volle Zustimmung: Auch Holz ist ein begrenzter Rohstoff, der bereits nach Deutschland importiert wird. Bei den derzeit günstigen Heizöl- und Erdgaspreisen ist das nur selten wirtschaftlich. Ähnliches gilt für eine Sole-Erdreich-Wärmepumpe oder ein Mini-BHKW. Der Einbau einer Lüftungsanlage bietet bei Häusern an belebten Straßen mehr Hygiene und Schallschutz. Aus energetischen Gründen ist eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für ein echtes Passivhaus sinnvoll. Das benötigt aber keine konventionelle Heizungsanlage mehr.

Weitere Informationen zu den technischen Anforderungen an Brennwertkessel von Prof. Dieter Wolff.

Pelletheizungen – viele sind skeptisch

Eine Pelletheizung will keiner der Testteilnehmer nutzen, auch wenn eine solche Lösung hier und da im Gespräch war. Bei Ricarda Rieck hätten wegen des hohen Grundwasserspiegels größere Umbaumaßnahmen im Keller stattfinden müssen. Norbert Hofmann und Gunter Dubrau haben sich aus technischen Gründen dagegen entschieden. „Es geht um die Mechanik“, sagt Gunter Dubrau. „Bei diesen Anlagen gibt es einen Kreisel, der die Pellets in die Heizung transportiert. Ich hab früher Motorenschlosser gelernt. Ich weiß, wie Mechaniken laufen. Da gibt es immer Abnutzungen und letztendlich Probleme.“

Echte Alternativen? Erdwärme, Mini-BHKW, Lüftungsanlage

„Es gibt ja noch viele andere alternative Energien. Aber die würden für mich nur bei einem Neubau in Frage kommen“, sagt Birgit Lennarz. „Ich werde jetzt nicht meinen Garten aufbuddeln lassen, um Erdwärme zu nutzen. Das amortisiert sich ja wahrscheinlich auch nicht mehr.“

Auch Ricarda Rieck hatte Erdwärme beziehungsweise eine Wärmepumpe auf ihrem Zettel. Die Idee hat sie nicht weiter verfolgt, weil es in ihrer Region im nördlichen Brandenburg kaum Erfahrungen mit dieser Technik gibt. „Ein anderer Handwerker hat uns vorgeschlagen, ein Mini-Blockheizkraftwerk einzubauen“, erzählt sie. „Aber da wir nicht ständig vor Ort sind, ist es schwierig, die Grundlast im Haus einzustellen.“

Thomas Spitzer hat mit seinem Installateur über den Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung diskutiert. „Letztlich waren die Kosten dafür aber zu hoch. Deshalb haben wir das Thema auf eine spätere Ausbaustufe verschoben.“

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Tipps der Tester

  • Dirk Scharenberg

    Die Art der Heizung muss zum Gebäude passen. Sie können nicht jede Energiequelle, jede Heiztechnik in jedem Haus einbauen. Außerdem sollte man überlegen, wie man momentan heizt. Wenn es im Keller schon einen Gasanschluss gibt, liegt es nahe, wieder Gas zu nehmen.



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  • Thomas Spitzer

    Man sollte sich für ein System entscheiden anstatt Komponenten verschiedener Anbieter zu mischen, weil es vermeintlich billiger ist. Außerdem ist es gut, die komplette Anlage zu erneuern. Alte Leitungen sind oft überdimensioniert. Auch die alten Heizkörper sind für moderne Anlagen meist nicht wirklich geeignet. Also: Wenn ich saniere, dann raus mit allem Alten.

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