Funktionsweise von Brennwerttechnik und Tipps zur Optimierung des Heizkessels

Heizen wird stetig teurer. Mit Brennwerttechnik lässt sich Energie sparen. Allerdings nur, wenn die Heizanlage optimal eingestellt ist. Das ist nur bei 30 Prozent der Brennwertheizungen der Fall. Deswegen verpufft der technische Vorteil häufig ungenutzt.

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Von den knapp 19,5 Millionen Wärmeerzeugern, die in Deutschland für warme Häuser sorgen, arbeiten etwa 4,5 Millionen mit energiesparender Brennwerttechnik, das entspricht einem Anteil von rund 20 Prozent im Bestand. Tendenz steigend. Laut Bundesverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) wurden allein im vergangenen Jahr rund 430.000 Geräte mit Brennwerttechnik verkauft. Das sind rund zwei Drittel aller 2012 in Deutschland verkauften Wärmeerzeuger. Auch die Politik setzt sich für die Verbreitung der Brennwerttechnik ein. Seit September 2015 gilt ein EU-weites Produktionsverbot für die ineffizienteren Niedertemperatur-Heizkessel.

Wie funktioniert ein Brennwertkessel?

Sobald Wasserdampf kondensiert, wird Wärme frei. Dieses physikalische Gesetz machen sich Brennwertkessel zu Eigen. Sie nutzen neben der Hitze, die beim Verbrennen von Gas entsteht, zusätzlich die im Wasserdampf der Abgase versteckte Wärmemenge. Deswegen ist die Energieausnutzung bei Brennwertgeräten auch besser als bei herkömmlichen Kesseln. Dort entweicht der Wasserdampf ungenutzt aus dem Schornstein.

Brennwertkessel dagegen kühlen die Abgase so weit ab, bis sich der darin enthaltene Wasserdampf verflüssigt. Durch die Kondensation wird die im Dampf enthaltene Energie als Wärme freigesetzt. Durch diesen zusätzlichen Wärmegewinn können Gas-Brennwertkessel gegenüber herkömmlichen Kesseln laut Stiftung Warentest meist mehr als zehn Prozent Energie sparen.

Soweit die Theorie. Funktioniert der Brennwertkessel in der Praxis ebenso effizient? Die Verbraucherzentrale Energieberatung hat im Rahmen der Aktion „Brennwertcheck“ rund 1.000 Brennwertkessel in privaten Wohngebäuden untersucht. Das Ergebnis: Das Sparpotenzial der modernen Brennwerttechnik wird häufig verschenkt. Der Brennwertnutzen ist bei einem Drittel der Geräte optimierungsbedürftig und bei einem weiteren Drittel sogar ungenügend. Im letzten Fall verpufft der Brennwerteffekt einfach ungenutzt.

Hydraulischer Abgleich hilft Brennwertkesseln auf die Sprünge

Warum bleiben die Brennwertgeräte in der Praxis häufig unter ihren technischen Möglichkeiten? Wie gut der Brennwertkessel funktioniert, hängt vor allem von den Rücklauftemperaturen der Heizanlage ab. Je kühler das Heizwasser von den Heizkörpern in den Brennwertkessel zurückfließt, desto besser kühlt es dort die heißen Abgase ab und fördert den Kondensationseffekt im Kessel. Ist die Rücklauftemperatur hingegen hoch, kommt der Brennwerteffekt kaum oder gar nicht zum Tragen. Bereits bei 55 Grad Rücklauftemperatur sinken die Ausbeute an Kondensationswärme und damit der Brennwerteffekt gegen null. Bei einer Temperaturspreizung von 60° im Vorlauf und 40° im Rücklauf befindet sich das Heizsystem beispielsweise im guten Kondensationsbereich.

Es zählt also nicht nur die Technik des Kessels. Die komplette Heizungsanlage muss richtig eingestellt sein. Dafür sorgt eine Heizungsoptimierung durch einen Fachhandwerker. Erst diese stellt sicher, dass das Potenzial von Brennwertheizungen, sofern sie ohne Überströmeinrichtungen auskommen, auch in der Praxis optimal genutzt wird. Eine solche Optimierung umfasst den hydraulischen Abgleich samt Einstellung der Heizkurve am Heizkessel ebenso wie das Einstellen oder den Austausch der Heizungspumpe, dem Einbau voreinstellbarer Thermostatventile sowie das Dämmen der Heizungsrohre. Beim hydraulischen Abgleich selbst wird für jeden einzelnen Heizkörper die Menge an Heizwasser so reguliert, dass zu jedem Heizkörper genug Wärme transportiert wird, aber nicht mehr als nötig. So wird die Wärme gleichmäßig und energiesparend im Haus verteilt. Das stellt auch sicher, dass das Heizungswasser langsam genug durch die Rohre strömt und dabei entsprechend abkühlt. So wird die Rücklauftemperatur nicht zu hoch und der Brennwerteffekt genutzt.

Ausnahme: Brennwertkessel mit Überströmeinrichtung

Niedrige Rücklauftemperaturen durch einen hydraulischen Abgleich sind also zwingende Voraussetzung für die effiziente Nutzung der Brennwerttechnik. Zusätzlich sorgt eine richtig eingestellte Heizungsanlage für einen geringeren Energieverbrauch: 110 Euro Heizkosten können so in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus pro Jahr gespart werden. Mit dem WärmeCheck finden Sie im Internet heraus, wie schnell sich ein hydraulischer Abgleich für Ihr Haus bezahlt macht.

Dies gilt allerdings nicht für Brennwertkessel mit Überströmeinrichtung. Vor allem in wandhängenden Thermen sind diese eingebaut. In bestimmten Betriebszuständen werden dann Vor- und Rücklauf kurzgeschlossen, um ein Überhitzen der Therme zu verhindern. Dieser Vorgang erhöht die Rücklauftemperatur und verringert den Brennwerteffekt und die Effizienz der Anlage. Bei hydraulisch abgeglichenen Heizungsanlagen tritt dieser Zustand häufiger auf, weil zu jedem Heizkörper nur die tatsächlich erforderliche Heizwassermenge transportiert wird. Dadurch strömt weniger Wasser zurück zum Kessel, aber umso mehr über das Überströmventil. Deswegen sollten Hauseigentümer vor einem hydraulischen Abgleich ihren Installateur fragen, ob der Brennwertkessel mit oder ohne Überströmventil arbeitet. Den richtigen Handwerker dafür finden Sie ganz einfach mit Rat und Tat, dem Online-Branchenbuch.

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