Nachtspeicherheizungen: Infos zum Heizen mit Strom

Wer seine vier Wände mit Nachtspeicherheizung oder einer Elektroheizung warm hält, der zahlt pro Kilowattstunde mehr als doppelt so viel wie mit einer Öl- oder Gasheizung. Außerdem schadet das Verheizen von Nachtstrom dem Klima – und zum Teil sogar der Gesundheit.

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Nachtspeicherheizungen (auch elektrische Speicherheizung oder Niedertarif-Speicherheizung genannt) sind elektrische Öfen, die Wärmeenergie speichern. Der Wärmespeicher wird in den so genannten Schwachlastzeiten (also nachts und am Nachmittag) mit „günstig“ angebotenem Strom aufgeheizt. In dem Speicher wird die Wärme über einige Stunden gehalten. Die Raumluft wird dann über eingebaute Lüfter durch das Gerät geleitet und stark erhitzt. Die gespeicherte Wärme kann dann mithilfe eines eingebauten Lüfters an den Raum abgegeben werden.

Nachtspeicherheizungen wurden in den 1950er und 1960er Jahren zum Einen als „saubere“ Alternative zu „schmutzigen“ Kohle- und Öl-Öfen verstanden. Zum Anderen wollten Politik und Stromversorger die typischen nächtlichen Lasttäler ausgleichen. Massive Werbung, großflächige Förderprogramme und subventionierte Tarife förderten damals den Einsatz von Nachtspeicherheizungen in Ein- und Mehrfamilienhäusern.

Einzelofen einer Nachtspeicherheizung

Nachtspeicherheizung – Verbot gekippt

Bis 2007 wurde das Heizen mit Strom bei Anlagen, die vor dem 1. April 1999 eingebaut wurden, subventioniert. Durch das Auslaufen dieser Ermäßigung stieg die Steuer für Heizstrom von 1,23 Cent pro Kilowattstunde auf die für Haushaltsstrom üblichen 2,05 Cent pro Kilowattstunde an.

Mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 hatte die Bundesregierung zunächst die schrittweise Außerbetriebnahme von Nachtspeicherheizungen auf den Weg gebracht. Das Verbot der Nachtspeicherheizungen enthielt jedoch zahlreiche Ausnahmen. Im Mai 2013 kippte der Bundestag das Verbot sogar. Elektroheizungen in Deutschland können nun auch wieder über das Jahr 2019 hinaus betrieben werden.

Elektroheizungen ersetzen

Warum Sie Ihre Nachtspeicherheizung oder Elektroheizung dennoch ersetzen sollten, wie das geht und welche Alternativen es gibt, erfahren Sie im Artikel Nachtspeicherheizung ersetzen und umrüsten. Ob Fördermittel für den Austausch Ihrer Nachtspeicherheizung zur Verfügung stehen, weiß der FördermittelCheck. Übrigens: Auch als Mieter können Sie etwas tun, wenn in Ihrer Wohnung eine Nachtspeicherheizung oder Elektroheizung steht. Welche Möglichkeiten Sie haben, lesen Sie im Artikel Nachtspeicherheizung: Heizkosten zu hoch?.

Zu hohe Preise für Nachtstrom

Nur wenige Energieversorger bieten den gegenüber Haushaltsstrom (durchschnittlich 27 ct/kWh) etwas günstigeren Nachtstrom an (Stromkosten inklusive Grundtarif im Schnitt 21 ct/kWh). Da die Anbieter von Heizstrom in ihren Versorgungsgebieten praktisch ein Monopol hatten, eröffnete das Bundeskartellamt ein Missbrauchsverfahren gegen Heizstromversorger. Dieses wurde im September 2010 abgeschlossen und verschiedene Maßnahmen zur Öffnung des Marktes verfügt. Zudem müssen 13 Energieversorger Rückerstattungen an insgesamt 530.000 Kunden in Höhe von 27 Millionen leisten, da sie zuvor zu hohe Preise verlangt hatten. Davor hatten bereits die Landeskartellbehörden in Bayern und Baden-Württemberg ähnliche Verfahren geführt. Da die Kosten durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gestiegen sind, erwartet das Bundeskartellamt weitere Preissteigerungen beim Heizstrom.

Mittlerweile hat sich der Markt beim Nachtstrom zwar geöffnet, man kann den Wettbewerb jedoch noch keineswegs mit dem beim Haushaltsstrom vergleichen. Das unabhängige Vergleichsportal Verivox gibt an, dass Verbraucher beim Nachstrom je Postleitzahlengebiet zwischen sechs bis acht Anbietern wählen können, während es hingegen beim Haushaltsstrom 140 Anbieter sind.

Alle Details über die wahren Kosten von Nachtstrom finden Sie im Artikel Nachtspeicherheizungen: Kosten und Verbrauch. Ob Ihre Heizkosten zu hoch sind, erfahren Sie mit dem HeizCheck

Im Folgenden ein Kommentar der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zum Verfahren der obersten Wettbewerbshüter:

Logo Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz(c) Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Hans Weinreuter, Energiereferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz:
„Die Untersuchung des Kartellamts zeigt, dass bei der Hälfte der Versorger diese Preise nicht die Kosten decken, so dass man von einer Quersubventionierung durch die Haushaltsstromkunden ausgehen muss. Wesentlicher Grund für den nicht vorhandenen Wettbewerb ist die Tatsache, dass es kein standardisiertes Verfahren zur Berechnung der Netzentgelte gibt, die der konkurrierende Versorger für die Netznutzung zahlen muss. Da damit zu rechnen ist, dass die Quersubventionierung weiter zurück gehen wird –  was sich eher preissteigernd auswirken dürfte – ist es zu begrüßen, dass sich die betroffenen Versorger verpflichtet haben, Hindernisse für einen Wettbewerb auf diesem Sektor abzubauen und künftig bei der Preisbildung einheitlich den niedrigen Satz für die Konzessionsabgabe anzusetzen. Diese Abgabe wird an die Kommunen für die Nutzung der öffentlichen Wege zum Netzbetrieb gezahlt.
Bleibt zu hoffen, dass künftig auch Heizstromkunden vom Wettbewerb in der Stromversorgung profitieren können.“

Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.v. berät zu Nachspeicherheizungen. Termine können unter verbraucherzentrale-energieberatung.de vereinbart werden.

Warum Nachtstrom klimaschädlich ist

Elektrischer Strom ist die hochwertigste Energie, denn sie ist fast überall verfügbar und kann für die verschiedensten Zwecke eingesetzt werden: Vom heimischen PC über die Waschmaschine bis hin zu Industriemaschinen und Elektromotoren – oft geht ohne Strom gar nichts. Über 40 Prozent des deutschen Stroms kommt aus Stein- und Braunkohlekraftwerken. Dabei wird weniger als 60 Prozent der in Kohlekraftwerken eingesetzten Energie zu elektrischem Strom umgewandelt. Nachtspeicherheizungen machen dann aus dieser hochwertigen, mit viel Verlusten verbundenen Energieform nur Heizwärme auf niedrigem Temperaturniveau. Das bedeutet eine Entwertung der hochwertigen „Edelenergie" Strom.

Auch Ökostrom sollte nicht zum Beheizen von Gebäuden verwendet werden. Denn das Problem der großen Verluste bei der Umwandlung des Stroms in Wärme hat mit der Herkunft des elektrischen Stroms nichts zu tun. Auch Sonnen-, Wasserkraft- und Windstrom sind zu schade zum verheizen. Denn auch diese Ressourcen sollten nicht verschwendet werden, sondern dazu benutzt werden, Kohle- und Atomkraftwerke zu ersetzen. Heizwärme kann jedoch umweltfreundlich aus Holzpelletkesseln, modernen Gas-Brennwertheizungen, Solaranlagen und Kraft-Wärme-Kopplung (BHKW) kommen.

Übrigens: Manche Nachtspeicherheizungen können auch die Gesundheit schädigen – denn in einigen älteren Modellen sind zum Teil Asbest und andere Schadstoffe verbaut. Wie Sie erkennen, ob Ihr Gerät Asbest enthält und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie im Artikel Nachtspeicherheizung: Asbest & Co. Außerdem zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre Nachtspeicherheizung fachgerecht entsorgen können.

Haben Sie darüber hinaus noch Informationsbedarf zum Thema Nachtspeicherheizung, können Sie in unserer Nachtspeicherheizung-Infothek kostenloses Infomaterial anfordern.

Autor: Mortimer Treichel

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